SEXUALITÄT MIT HINDERNIS
Für den gehobenen Dienst für Gesundheits- und Krankenpflege
An der Schule für allgemeine Gesundheits- und Krankenpflege Feldkirch
Abstract
Die folgende Fachbereichsarbeit „Sexualität mit Hindernis“ erörtert sexuelle Probleme, mit denen Menschen mit einem Enterostoma, einem künstlichen Darmausgang, konfrontiert sein können.
Um zu verstehen, weshalb überhaupt sexuelle Störungen auftreten können, werden zuerst vielfältige Informationen rund um das Thema Stoma dargeboten. Da Frau und Mann unterschiedlich betroffen sind, werden die Geschlechter in der Arbeit separat behandelt.
Mit verschiedenen Tipps rund um das Thema Sexualität und Stoma oder Kontaktadressen von Selbsthilfegruppen soll die folgende Arbeit als Informationsquelle für Stomaträger einerseits und für Pflegepersonen in einer Beratungsfunktion andererseits dienen.
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Abstract
In the following diploma thesis under the title “Sexualität mit Hindernis”, I will discuss sexual problems that people with an enterostomy, an artificial anus, may have to face.
First, in order to explain why patients even experience these problems, I will provide varied information on the issue of the stoma. Since men and women are affected in different ways, this thesis will cover the genders separately.
Offering contact addresses for support groups and advice revolving around the subject of sexuality and stoma, the following thesis serves as a source of information for people with an enterostomy but also for nurses and caregivers in an advisory function.
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Vorwort
„Sexualität mit Hindernis“. Ein absolutes Tabu oder ein Thema, worüber man gerne sprechen würde, sich aber doch nicht traut?
Ich habe dieses Thema für meine Fachbereichsarbeit gewählt, da ich im Laufe verschiedener Praktika immer wieder mit dem Thema Sexualität konfrontiert war. Das „Hindernis“ Enterostoma hat mein Interesse geweckt, da ich in dieser Zeit auch mehrere Enterostomapatienten betreut habe.
Meine Erfahrungen im Umgang mit der Sexualität eines Menschen in einer Einrichtung wie einem Krankenhaus oder Altenheim waren stets die gleichen. Über Sexualität spricht man nicht, schon recht nicht, wenn es Probleme damit gibt. Eventuell wird im Dienstzimmer darüber gelacht und es werden Scherze gemacht, aber mit einem Patienten wurde nie über dieses Thema gesprochen.
Wie sensibel mit Sexualität umzugehen ist, habe ich in einem Praktikum selbst erlebt: Auf der Suche nach Literatur fand ich im Krankenhaus in einer Zeitschrift einen interessanten Artikel - „Sexualität im Krankenhaus; Auch Ärzte und Schwestern haben Sex“ war der Titel. Ich kopierte ihn mir und legte ihn in das Fach eines anderen Mitarbeiters, da ich als Praktikantin kein eigenes hatte. Nach Dienstende war die Kopie verschwunden. Ich fragte den betreffenden Mitarbeiter nach der Kopie, er hatte sie aber bereits entsorgt. Es entstand eine unangenehme Situation, es war ihm offensichtlich peinlich, dass ich den Artikel in sein Fach gelegt hatte.
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Auch die Reaktionen von Freunden, Bekannten aber auch vom Krankenpflegepersonal bestätigten diese abweisende Haltung dem Thema Sexualität gegenüber. Als ich erzählte, dass ich meine Fachbereichsarbeit über sexuelle Probleme bei Stomaträgern schreiben würde, bestanden die Rückmeldungen aus betretenem Schweigen, andere äußerten Ekel oder es wurde gekichert.
Ich habe leider die Erfahrung gemacht, dass Sexualität tatsächlich ein Tabu ist, hoffe aber, dass ich mit meiner Arbeit dazu beitrage, dies zu ändern. Wenn man sich mit dem Thema Sexualität, auch mit der eigenen und mit den Problemen die andere damit haben, beschäftigt, glaube ich, dass es einem leichter fällt darüber zu sprechen.
Mit Störungen im Sexualleben gehen Frustration, Ängste und oft auch Probleme in der Partnerschaft einher, was den Patienten nicht nur in der Erholungsphase nach der Operation stört, sondern auch sein Leben danach erschwert. Nur wenn der Patient seinen Scham überwinden kann und sich in den Händen des Fachpersonals verstanden und ernst genommen fühlt, kann er Fragen äußern und sein Problem schließlich überwinden oder lernen, damit umzugehen.
Die Fachbereichsarbeit richtet sich ebenso an homosexuelle Patienten bzw. Partner.
Schwarzach, am 14. Juni 2009
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Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 1
2 Definition Sexualität 3
3 Definition Stoma 5
3.1 Indikationen 6
3.2 Arten 6
3.3 Stomaversorgung 10
3.3.1 Stomaversorgungsartikel 11
3.4 Irrigation 13
4 Sexualität und Stoma 15
4.1 Sexuelle Störungen der Frau 15
4.1.1 Therapiebedingte Nebenwirkungen 20
4.1.2 Schwangerschaft 24
4.2 Sexuelle Störungen des Mannes 25
4.2.1 Therapiebedingte Nebenwirkungen 27
4.2.2 Erektile Dysfunktion - Definition 28
4.2.3 Therapie der Erektilen Dysfunktion 30
4.3 Wissenswertes für Stomaträger 39
4.3.1 Ernährung 39
4.3.2 Kleidung und Dessous 41
4.3.3 Selbsthilfegruppen und Kontaktadressen 43
5 Methodik 47
6 Fazit 48
7 Literatur- und Abbildungsverzeichnis 50
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1 Einleitung
Täglich werden wir durch die Medien mit dem Thema Sexualität konfrontiert. Trotzdem ist Sexualität ein großes Tabu - nicht nur in unserer Gesellschaft, sondern auch im Krankenhaus, wo über dieses Thema leider viel zu oft geschwiegen wird. In der folgenden Fachbereichsarbeit möchte ich dieses Tabu brechen und Patienten und deren Partnern hilfreiche Informationen zu diesem Thema darbieten. Speziell befasse ich mich mit dem „Hindernis“ im Sexualleben nach Anlage eines Enterostomas.
Wie fühlen sich diese Patienten, wenn sie die Chirurgie des Krankenhauses verlassen und für fast niemanden die körperliche Veränderung unterhalb der Kleidung zu sehen ist? Eben nur bis zu dem Zeitpunkt, an dem der Patient gerne wieder sexuelle Aktivität aufnehmen würde. Von wem wird der Patient vorbereitet? Er wird ausreichend über alles andere informiert, etwa über die Versorgung des Enterostomas, die Ernährung, sportliche Aktivitäten und vieles mehr. Doch das Thema Sexualität nach einem solchen Eingriff ist höchstwahrscheinlich leider nicht zur Sprache gekommen.
Neben den Informationen für den Betroffenen und dessen Partner möchte ich zur Sensibilisierung des Pflegepersonals beitragen. Während ich auf der Suche nach Literatur war, kam mir die Idee, die Stomaambulanz eines Krankenhauses aufzusuchen, und ich hatte das Glück, zwei zur Stomaberatung geschulte Krankenschwestern anzutreffen. Ich erzählte ihnen von meiner Idee, eine Fachbereichsarbeit zum Thema „Sexualität und Enterostoma“ zu schreiben und bat sie, mir ein paar Fragen zu beantworten. Dies war innerhalb einer Minute mit drei Sätzen erledigt: „Wir haben noch nie mit einem Patient über das Thema Sexualität gesprochen“, „Es sind hauptsächlich alte Menschen betroffen“ und „Wenden Sie sich doch an das Krankenhaus in Graz, die können Ihnen be- stimmt weiterhelfen“.
Wenn geschultes Personal sich nicht an die Frage nach Sexualität wagt, wie soll dann erst der Patient diese Hürde nehmen und dieses Tabu brechen?
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2 Definition Sexualität
Die erste Herausforderung beim Schreiben dieser Arbeit stellt sich schon ganz am Anfang, bei der Definition des Wortes Sexualität, also bei der Frage, was Sexualität denn überhaupt ist. Gibt man in Google den Suchbegriff „Definition Sexualität“ ein, erhält man ungefähr 2.910.000 Ergebnisse. Sexualität scheint ein Begriff zu sein, der von jedem ganz anders verstanden und interpretiert wird. Für die einen mag Sexualität nur zur Fortpflanzung dienen, für die anderen ist es rein der Geschlechtsakt. Für andere wiederum ist Sexualität ein Zusammenspiel aus Liebe, Beziehung, Fortpflanzung, sexueller Lust und Erregung.
Schlägt man das medizinische Wörterbuch Pschyrembel (2004: S 1677) auf, erhält man folgende Definition:
„Sexualität: auch Geschlechtlichkeit; Bezeichnung für eine sehr allgemeine und grundlegende Äußerung des Lebens mit drei Grundfunktionen: 1. Fortpflanzung (reproduktiv): bei allen Lebewesen mit geschlechtlicher Vermehrung; 2. Beziehung und Kommunikation (sozialisierend): bei Menschen, allen Primaten und wohl der Mehrzahl der höheren Tierarten; 3. Lustgewinn und Befriedigung (rekreativ): bei Menschen, Menschenaffen und anderen Primaten, bei den übrigen Tieren fraglich. Beim Menschen besteht zwischen diesen Grundfunktionen eine hohe Unabhängigkeit, sie werden individuell sehr verschieden gewünscht, gestaltet und gelebt. Als wesentliche Kriterien zur Beschreibung verschiedener Ausprägungsformen gelten im Allgemeinen: Aspekte der Körperlichkeit (Geschlechtsorgane, Sexualreaktion und anderes),
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der Persönlichkeit und des Erlebens (Befriedigung und anderes), der sexuellen Bedürfnisse (sexuelle Phantasie, sexuelle Orientierung und anderes), des sexuellen Handelns (Sexualverhalten), der biographischen Integration (sexuelle Partnerwahl und anderes), der sozialen Integration (sexuelle Rituale, Feste und anderes), der kulturellen Integration (Sexualkultur, erotische Kunst und anderes). Störungen: können alle Funktionen betreffen, werden durch Beratung und Therapie behandelt (Sexualtherapie)“
Zettl (2000: S 5) definiert Sexualität folgendermaßen:
„Sexualität ist eine Quelle von Sinnlichkeit, Lust und Erregung, aber auch Ursache von Konflikten, Enttäuschungen und schmerzlichen Erfahrungen. Ihre Ausdrucksformen variieren in Abhängigkeit vom soziokulturellen Kontext, der Persönlichkeit, den lebensgeschichtlichen Erfahrungen, der Partnerschaft und aktuellen Lebenssituationen. Sie kann mit Gefühlen von Zuneigung und Liebe verbunden sein; manchmal bedeutet sie lediglich einen kurzen Moment der Entspannung oder vielleicht sogar nur Anstrengung mit einem mäßigen Lustgewinn. Sexualität hat viele Seiten und sie spielt im Leben jedes Menschen eine mehr oder weniger bedeutsame Rolle.“
Im nächsten Abschnitt definiere ich das Wort Stoma, dessen Indikationen und Arten, stelle die Versorgung des Stomas und verschiedene Versorgungsartikel vor. Diese Informationen sollen helfen zu verstehen, was ein Stoma ist, aus welchen Gründen es angelegt wird und wie die Versorgung zu handhaben ist.
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3 Definition Stoma
Menche (2004: S 742) definiert ein Stoma folgendermaßen:
„Stoma („Mund“): Operativ geschaffene Öffnung eines Hohlorgans zur Körperoberfläche, insbesondere zur Ableitung von Harn (Urostoma), Magen- oder Darminhalt, wenn eine physiologische Entleerung nicht möglich ist oder ein Darmanteil z.B. wegen einer Entzündung oder postoperativ stuhlfrei gehalten werden muss. Umgangssprachlich gleichgesetzt mit einem Enterostoma (Anus praeter naturalis, AP, künstlicher Darmausgang, Kunstafter, äußere Darmfistel), also einem operativ angelegtem Darmausgang.“
Ein Stoma ist somit also eine operativ geschaffene Körperöffnung, die einen gesunden Darmabschnitt nach außen leitet und deren Aufgabe es ist, die verloren gegangene Körperfunktion zu ersetzen.
Im folgenden Teil der Arbeit wird das Wort Stoma ausschließlich im Sinn eines Enterostomas, also einer künstlichen Ausleitung aus dem Magen-Darm-Trakt durch die Bauchdecke, verwendet.
Wikipedia (2008) zur Zahl der Stomaträger in Deutschland: „Schätzungen zufolge gibt es etwa 100.000 Stomaträger in Deutsch-land.“
Warum ist die Anlage eines Stomas überhaupt nötig? Um dies zu verstehen, werden im folgenden Abschnitt einige Indikationen für ein Stoma angeführt.
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Arbeit zitieren:
Beate Madlener, 2009, Sexualität mit Hindernis, München, GRIN Verlag GmbH
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DOI
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