Gliederung
1 Einleitung 3
2 Definition(sversuch) 3
2.1 Der Begriff queer 3
2.2 Queer Studies 4
3 Geschichte und Entwicklung der Queer Studies 7
4 Identitätskonstruktionen 9
5 Pedro Lemebel Manifiesto Habla por mi Diferencia 12
5.1 Der Autor 12
5.2 Analyse des Gedichts 13
6 Schluss 17
7 Bibliographie: 18
7 Bibliographie: 18
2
1 Einleitung
Die Tatsache, dass Gender Studies und vor allem Queer Studies noch ein relativ junges Forschungsfeld darstellen, erkennt man unter anderem daran, dass man oft genauere Erklärungen geben muss, wenn man auf dieses Thema zu sprechen kommt. Die Aussage "Ich beschäftige mich mit Gender Studies" wirft oft die Frage auf "Was darf ich mir darunter vorstellen?". Das Konzept von gender im Gegensatz zu sex ist noch lange nicht etwas, das von den meisten als logisch betrachtet wird. Vertieft man dann das Gespräch und erwähnt Queer Studies, so sieht man sich sofort mit dem nächsten ratlosen Gesichtsausdruck konfrontiert. Auch hier ist also eine etwas längere Erklärung nötig. In meiner Arbeit werde ich zunächst versuchen, Queer Studies und den Begriff queer zu definieren und eine kleine Entwicklung dieser Forschungsrichtung darzulegen. Danach zeige ich auf, welche Schwierigkeiten bei der Identitätsbildung auftreten, wenn man sich den sogenannten queers zugehörig fühlt. Anhand der Analyse des Gedichts "Manifiesto – Hablo por mi Diferencia" von dem chilenischen Autor Pedro Lemebel möchte ich dann meine theroetischen Erkenntnisse anwenden und genauer erläutern.
2 Definition(sversuch)
Es ist nicht einfach, eine Definition des Begriffs queer oder der Queer Studies, bzw. Queer Theory zu geben, da gerade ein Merkmal dieser Studien ist, den Begriff möglichst unbestimmt zu lassen, ihn möglichst keiner Definition zu unterwerfen (Schweikle 1990: 327; Rauchut 2006: 116). Ich möchte im Folgenden trotzdem den Versuch wagen, einige Merkmale des Begriffs queer und der daraus entstandenen Queer Studies/Queer Theory zu beschreiben.
2.1 Der Begriff queer
Sieht man heute in einem zweisprachigen Wörterbuch nach, z. B. im Pons Großwörterbuch, dann findet man für den englischen Begriff queer unter anderem folgende Übersetzungen: seltsam, merkwürdig und komisch, aber auch schwul, jedoch mit dem Zusatz "gewöhnlich abwertend". Als Substantiv findet man hauptsächlich Einträge über Homosexuelle, z. B. Schwuler, Lesbe oder warmer Bruder, aber auch der Begriff Falschgeld steht hier in diesem Zusammenhang. Das einsprachige "Oxford English Dictionary" 1 , ein etymologisches
Wörterbuch, listet die frühesten Verwendungen des Wortes queer im Sinne von homosexuell im Jahre 1914 auf. Es zeigt auch auf, dass dieser Begriff dann meist abwertend gebraucht wurde. Queer erfuhr somit eine Bedeutungserweiterung. Diese basierte natürlich auf der ursprünglichen Bedeutung, denn Homosexuelle wurden zu dieser Zeit als merkwürdig und seltsam empfunden. Wichtig für die heutigen Queer Studies ist die Tatsache, dass diese Benennung zeigen sollte, dass Homosexuelle sozusagen von einer gewissen vorherrschenden Norm abweichen. Heutzutage kann queer zwar immer noch abwertend für Homosexuelle stehen, allerdings gab es in den letzten Jahrzehnten einen erneuten Bedeutungswandel: Der Begriff erfuhr eine Resignifizierung und Neubewertung, er wandelte sich vom Schimpfwort hin zur Selbstbezeichnung (Rauchut 2006: 116). Mehr dazu ist unter Punkt 3 nachzulesen.
2.2 Queer Studies
Queer Studies wollen die Existenz einer Norm, die durch ihr bloßes Existieren vorgibt, was normal ist und was nicht, und in weiten Teilen der Gesellschaft auch die dominierende Machtstruktur darstellt, beweisen und demontieren (Hark 2005: 285). Die Norm ist in diesem Fall das Konzept der Heterosexualität und alles was sie mit sich bringt. Sabine Hark betont, dass das so genannte Regime der Heterosexualität nicht nur im persönlichen und subjektiven Bereich zum Tragen kommt, sondern auch "gesellschaftliche Institutionen, wie Recht, Ehe, Familie und Verwandtschaft oder wohlfahrtstaatliche Systeme" (Hark 2005: 285) beeinflusst. Judith Butler spricht von einer 'kulturellen Matrix', die die Regeln für die Ausbildung von Identität vorgibt und gleichzeitig Identitäten aufzeigt, die nicht existieren können, nämlich solche
"in which gender does not follow from sex and those in which the practices of desire do not 'follow' from either sex or gender. 'Follow' in this context is a political relation of entailment instituted by the cultural laws that establish and regulate the shape and meaning of sexuality. Indeed, precisely because certain kinds of 'gender identities' fail to conform to those norms of cultural intelligibility, they appear only as developmental failures or logical impossibilities from within that domain" (17).
Queer Theory zielt nicht nur darauf ab, solche Machtverhältnisse sichtbar zu machen, sondern auch die dazugehörigen Phänomene wie die Zweigeschlechtlichkeit oder die Annahme, dass der Mensch von Natur aus einem Geschlecht zugeordnet werden kann zu dekonstruieren (Kilian 2007: 80-81). Geschlecht wird demnach nicht mehr als von naturgegeben angesehen,
sondern als Konstrukt betrachtet, das nicht zwangsläufig mit den biologischen Vorstellungen von Sexualität und Geschlecht übereinstimmen muss (Kilian 2007: 80). Da sich – so Butler (1990: 16) – Identität aber nur ausbildet, wenn man sich einem gewissen Geschlecht zugehörig fühlt, wird die Identität eines Menschen in Abhänigkeit der Geschlechterzuordnung gestellt. Das Problem hierbei ist, dass sich die Zuordnung zu einem bestimmten Geschlecht an der kulturellen Geschlechterordnung orientiert. Diese wird definitiert durch die Geschlechterbinarität, die Permanenz des Geschlechts und das Prinzip der Heterosexualität (Kilian 2007: 81). Demnach können Menschen, die sich nicht in eine dieser Geschlechterpositionen einfügen können, niemals eine eigene Identität entwickeln. Ihnen wird durch das Prinzip der Heteronormativität die Ausbildung einer Identität sozusagen verweigert.
Queer Theory versucht deshalb, Geschlecht, Sexualität und Identität neu zu denken, wie Sabine Hark in "Queer Interventionen" schreibt:
"Von einem 'weiblichen' Körper ist insofern nicht notwendig auf das soziale Geschlecht
'weiblich' zu schließen, und umgekehrt verweist eine 'männliche' Darstellung nicht
notwending auf einen 'männlichen' Körper" (2004: 105).
Durch den Begriff gender – im Gegensatz zu sex – kann man also nun eine andere Art von Geschlecht konstatieren. Sex ist das biologische Geschlecht währenddessen gender sich auf andere Arten von Geschlecht bezieht: Kilian (2007: 81) beschreibt drei verschiedene Arten von Geschlecht, die unter den Begriff gender fallen können: Wenn ein Mensch sich seiner eigenen Geschlechteridentität bewusst ist, handelt es sich um das psychische Geschlecht. Das soziale Geschlecht bezieht sich darauf, wie das Geschlecht im sozialen Interagieren dargestellt wird und wenn das Geschlecht dazu dient, gewisse gesellschaftlich-kulturelle Strukturen zu prägen, spricht man vom Geschlecht als Institution. Dass diese Unterscheidung in sex und gender durchaus wichtig ist, zeigt sich an Menschen, deren biologisches Geschlecht von dem psychologischen/sozialen Geschlecht abweicht. Zum Beispiel identifiziert sich ein nach außen männlich aussehender Mensch aber mit dem psychologischem Geschlecht einer Frau oder umgekehrt. Vielleicht gibt es aber auch Menschen, die sich mit keinem der beiden Geschlechter identifizieren. Butler geht außerdem davon aus, dass nicht nur gender konstruiert ist, sondern auch sex. Die Frage, die sie sich
Arbeit zitieren:
Eva Deinzer, 2008, Queer Studies , München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
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