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Inhaltsverzeichnis
Abkürzungsverzeichnis V
1. Einleitung 1
1.1 Problemstellung und Ziel der Arbeit 1
1.2 Aufbau und Vorgehensweise 3
2. Grundlagen 4
2.1 Ausländische Direktinvestitionen 4
2.1.1 Arbeitsdefinition der ausländischen Direktinvestition 4
2.1.2 Die weltweite Entwicklung ausländischer Direktinvestitionen 6
2.1.3 Deutschland im Wettbewerb um ausländische Direktinvestitionen 8
2.2 Das mitteldeutsche Chemiedreieck 10
2.2.1 Regionale- und branchenspezifische Abgrenzung des mitteldeutschen
Chemiedreiecks 10
2.2.2 Meilensteine der Entwicklung dieses industriellen Kernes 11
2.3 Cluster als Bestandteil wettbewerbsfähiger Standorte 13
2.3.1 Allgemeine Fragen zur Definition von Clustern 14
2.3.2 Beispiele von Clustern im globalen Standortwettbewerb 15
2 3 3 Clusterpolitik als integrierte Strategie regionaler Wirtschaftspolitik 17
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3. Erklärungsansätze internationaler Investitionstätigkeit und
der Clusterbildung 19
3.1 Ausgewählte Theorien zur Erklärung von ausländischen Direktinvestitionen 19
3.1.1 Die Theorie des monopolistischen Wettbewerbsvorteils 19
3.1.2 Internalisierungtheorie nach Buckley und Casson 20
3.1.3 Die Theorie des oligopolistischen Parallelverhaltens 20
3.1.4 Eklektische Theorie der internationalen Produktion von Dunning 21
3.1.5 Weitere Erklärungsansätze 22
3.1.6 Fazit dieser Betrachtung 23
3.2 Ansätze der internationalen Standorttheorie 24
3.2.1 Der Ansatz von Sabathil 25
3.2.2 Der Ansatz von Goette 26
3.2.3 Der Ansatz von Tesch 27
3.3 Empirische einzelwirtschaftliche Motivforschung ausländischer
Direktinvestitionen 29
3.3.1 Absatzorientierung 30
3.3.2 Kosten- und Effizienzorientierung 31
3.3.3 Strategische Orientierung 33
3.3.4 Orientierung an staatlichen Rahmenbedingungen 34
3.4 Ableitung von Vermutungen für die Untersuchung im mitteldeutschen
Chemiedreieck 35
3.5 Ansätze zur Erklärung von Clustern 38
3.5.1 Die kalifornische Schule der Wirtschaftsgeographie 38
3.5.2 Der Nachweis anhand der Wertschöpfungskette 39
3.5.2.1 Der Ansatz von Porter 39
3 5 2 2 Der Ansatz von Rehfeld 40
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4. Internationales Investitionskapital im mitteldeutschen Chemiedreieck und
dessen Einfluß auf die Clusterbildung - eine exemplarische Fallstudie - 41
4.1 Zur Besonderheit des mitteldeutschen Chemiedreiecks als
Untersuchungsobjekt 41
4.2 Vorgehensweise und Bestandteile der Untersuchung 42
4.2.1 Zum Design der statistischen Erhebung 42
4.2.2 Die Struktur der einbezogenen Unternehmen 43
4.3 Analyse der ausländischen Direktinvestitionen 44
4.3.1 Der Investitionsprozeß 44
4.3.2 Ergebnisse der Investitionen 45
4.3.3 Motive ausländischer Investoren 47
4.3.4 Das mitteldeutsche Chemiedreieck als Standort der
chemischen Industrie 48
4.3.4.1 Evaluierung der Standortqualität 48
4.3.4.2 Zukunftsorientierte Engpässe des Standortes 51
4.3.5 Bewertung der EU-Osterweiterung 52
4.3.6 Transformation der Untersuchungsergebnisse auf die
theoretischen Ansätze 53
4.4 Interdependenzen zwischen ausländischen Direktinvestitionen und der
Clusterbildung im mitteldeutschen Chemiedreieck 55
4.4.1 Beurteilung des mitteldeutschen Chemiedreiecks als Cluster 55
4.4.1.1 Clusterumfeld nach dem "Porter'schen Diamanten" 55
4.4.1.2 Nachweis anhand der Wertschöpfungskette 56
4.4.2 Entstehungsvariablen der Clusterbildung 58
4.4.3 Positive Externalität des Clusters auf ausländische Direktinvestitionen 59
4.4.3.1 Kostenvorteile 59
4.4.3.2 Technologie Spillovers 60
4 4 4 Fazit der Clusterbetrachtungen 61
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4.5 Strategiekonzept zur Prosperierung des mitteldeutschen Chemiedreiecks 63
4.5.1 Clusterpolitik zur Verbesserung der Netzwerkstruktur 63
4.5.1.1 Clustermanagement als organisatorischer Kern 64
4.5.1.2 Definition von strategischen Aufgabenfeldern 64
4.5.2 Sicherung der Standortqualität 66
4.5.3 Einzelwirtschaftlicher Verantwortungsbereich 68
5. Zusammenfassung der Ergebnisse 69
Literaturverzeichnis VII
Verzeichnis der Abbildungen im Anhang XVI
Anhang XVIII
Danksagung XLV
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Abkürzungsverzeichnis
Abb. Abbildung AG Aktiengesellschaft Agfa Aktiengesellschaft für Anilinfabrikation BASF Badische Anelin- und Sodafabrik BIP Bruttoinlandsprodukt BMWi Bundesministerium für Wirtschaft BSL Buna SOW Leuna bzw. beziehungsweise ca. circa DDR Deutsche Demokratische Republik d.h. das heißt DI Direktinvestition DIHT Deutscher Industrie und Handelstag Diss. Dissertation DM Deutsche Mark etc. et cetera e.V. eingetragener Verein EU Europäische Union f. folgend ff. fortfolgend F&E Forschung und Entwicklung FDI Foreign Direct Investment GmbH Gesellschaft mit beschränkter Haftung Hrsg. Herausgeber I.G. Interessengemeinschaft IHK Industrie- und Handelskammer IIC International Industrial Council IMF International Monetary Fund inkl. inklusive IWF Internationaler Währungsfond Jh. Jahrhundert KMU Klein- und Mittelständische Unternehmen
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Low Density Polyethylene MBO Management Buy Out Mio. Million Mrd. Milliarde NAFTA North American Free Trade Agreement Nr. Nummer o.V. ohne Verfasser OECD Organisation of Economic Cooperation and Development PVC Polyvenylchlorid RGW Rat für Gegenseitige Wirtschaftshilfe ROI Return On Investment S. Seite s. siehe sog. sogenannte SOW Sächsische Olefinwerke THA Trauhandanstalt u.a. unter anderem u.ä. und ähnliches US-$ United States Dollar USA United States of America Vgl. Vergleiche Vol. Volumen www world wide web z.B. zum Beispiel
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1. Einleitung
1.1 Problemstellung und Ziel der Arbeit
Nach dem Zusammenbruch der DDR, nicht zuletzt verursacht durch den maroden wirtschaftlichen Zustand, kam es zu grundlegenden strukturellen Umbrüchen in allen Teilen der Gesellschaft. Die Transformation des wirtschaftlichen Systems von der Planwirtschaft zur sozialen Marktwirtschaft hat dabei eine entscheidende Rolle gespielt und sucht in der Geschichte ihresgleichen. Die DDR-Volkswirtschaft wurde in kürzester Zeit weltwirtschaftlichen Bedingungen unterworfen, dem die 1 anachronistischen Strukturen im Osten Deutschlands nicht standhalten konnten.
Mit Hilfe der Treuhandanstalt sollte eine wirtschaftliche Umstrukturierung gelingen, die eine sich selbsttragende und wettbewerbsfähige Ökonomie hervorbringen mußte. Unter dem Motto „schnelle Privatisierung, entschlossene Sanierung, behutsame 2 Stillegung“ sollte der ostdeutsche Produktionsapparat zu internationalem Standard geführt werden. Die politische Realität setzte dabei hauptsächlich auf die Erzielung ökonomischer Erträge durch den Verkauf von Unternehmen. Diese einzelbetriebliche Sicht ging dabei nicht konform mit einer strukturpolitischen Orientierung. Als Resultat folgte die weitgehende Zerschlagung der industriellen Kerne in 3 Ostdeutschland.
Nach mehr als zehn Jahren ist der Transformationsprozeß, zumindest ordnungspolitisch, weitgehend abgeschlossen. Der Lebensstandard hat sich dadurch für die meisten Ostdeutschen insgesamt verbessert. Dennoch sind die fünf neuen Bundesländer von der Leistungskraft der westdeutschen Wirtschaft weit entfernt. Die „blühenden Landschaften“ konzentrieren sich nur auf einige wenige regionale Wachstumspole und das Bruttoinlandsprodukt als entscheidender Regionalindikator, hinkt dem westdeutschen weiter hinterher. Im Jahre 2001 lag das BIP im Osten bei 4 61 Prozent des Westniveaus und erreichte zu 75 Prozent den EU-Durchschnitt. Die
enorme Produktionslücke resultiert aus der zu geringen ostdeutschen Wertschöpfung. Die ostdeutsche Nachfrage liegt über 40 Prozent höher als die ostdeutsche Produktion und wird zu einem großen Teil über Transferzahlungen aus dem Westen
1 Im Rahmen dieser Arbeit werden damit die fünf neuen Bundesländer Brandenburg (inkl. Ost-Berlin), Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen bezeichnet, die am 3.
Oktober 1990 der Bundesrepublik Deutschland beigetreten sind.
2 Leitlinien des Präsidenten der Treuhandanstalt Detlev Rohwedder vom 27.03.1991
3 Vgl. Bruch-Krumbein/Hochmuth (2000), S. 7
4 Vgl. www.einblick.dgb.de/archiv/0205/tx020502.htm
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Unternehmen, die sowohl Arbeitsplätze als auch regionale Wettbewerbsfähigkeit durch technologischen Fortschritt schaffen und die viel zu geringe Exportquote anheben. Die Arbeitslosenquote von ca. 18 Prozent stellt das Schlüsselproblem Ostdeutschlands dar. Die Ost-Regionen mit der niedrigsten Arbeitslosigkeit bewegen sich dabei auf dem Niveau der Arbeitsamtsbezirke im Westen mit den höchsten Arbeitslosenquoten. In den nächsten Jahren ist mit einer Veränderung dieser 1 Situation nicht zu rechnen. Für die Betroffenen resultieren daraus nicht nur
wirtschaftliche Nachteile, sondern auch der Verlust an Selbstwertgefühl und sozialen Kontakten. Gesamtwirtschaftlich bedeutet dies die Verödung von Regionen und die Entwertung von Humankapital. Dies bremst nicht nur den „Aufschwung Ost“, sondern auch das Zusammenwachsen aller Deutschen und den europäischen Integrationsprozeß. „Es ist nicht nur sozialer, sondern auch wirtschaftlicherjedenfalls aus gesamtwirtschaftlicher Sicht -, wenn das Kapital zur Arbeit wandert 2 3 und nicht die Arbeit zum Kapital.“ Bedingt durch den „industriellen Kahlschlag“
und eine zu geringe Investitionsquote je Einwohner, die in Ostdeutschland um 40 Prozent niedriger liegt als im Westen, ist ein neuer Anlauf der Investitionstätigkeit von Nöten. Der Solidarpakt II soll dafür die Finanzierung öffentlicher Projekte 4 sichern. Privatwirtschaftliche Investitionen müssen in Anbetracht der hohen 5 Kapitalsumme sowohl aus dem Inland, als auch aus dem Ausland kommen.
Die vorliegende Arbeit hat sich mit der Allokation von Kapital in Form von
Dirketinvestitionen aus dem Ausland beschäftigt. Als Untersuchungsgebiet wurde dafür das mitteldeutsche Chemiedreieck ausgewählt. Dabei werden nacheinander drei zentrale Fragestellungen bearbeitet:
1. Wie und warum kam bisher ausländisches Kapital in die Region? 2. Welche Rolle nimmt in diesem Zusammenhang der Cluster ein? 3. Wie kann weiteres ausländisches Kapital in das mitteldeutsche
Chemiedreieck gelenkt werden?
1 Vgl. www.einblick.dgb.de/archiv/0205/tx020502.htm
2 Priewe (2002b), S. 7
3 Bruch-Krumbein/Hochmuth (2000), S. 8
4 Vgl. o.V.: Solidarpakt II: Der Aufbau Ost wird vollendet, in: Wisu 12/2001, S. 1569f.
5 Vgl. Haas (1996), S. 21
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andersartige Ergebnisse als die bisherige Forschung zu liefern. Es geht auch nicht um die Entwicklung eines allgemeingültigen Ansatzes für Ostdeutschland. Sie bildet vielmehr eine regionale Analyse und soll zur kontinuierlichen Weiterentwicklung der wissenschaftlichen Debatte beitragen.
1.1 Aufbau und Vorgehensweise
Zur Bearbeitung der Fragestellungen wird eine exemplarische Fallstudie in Form einer Befragung dienen. Dazu ist die Konzentration auf ein regionalbranchenspezifisches Untersuchungsobjekt notwendig. Das mitteldeutsche
Chemiedreieck als ehemaliger industrieller Kern der DDR hat sich durch die relativ hohe Intensität an ausländischen Direktinvestitionen für diese Untersuchung angeboten. Die Vermutung eines integrierten Wertschöpfungszusammenhanges in Form eines Clusters hat die Entscheidung zur Analyse des mitteldeutschen Chemiedreiecks ebenfalls beeinflußt.
Im zweiten Abschnitt werden die drei Hauptelemente der Arbeit, ausländische Direktinvestitionen, mitteldeutsches Chemiedreieck und Cluster, näher vorgestellt, um somit den Untersuchungsgegenstand der Arbeit klar abzugrenzen und wichtige definitorische Grundlagen zu schaffen.
Der dritte Abschnitt soll die theoretische Grundlage für die empirische Analyse der Arbeit fundieren. Dies geschieht über die Betrachtung ausgewählter Theorien zur Erklärung ausländischer Direktinvestitionen und der daraus abgeleiteten Ansätze der internationalen Standorttheorie. Des Weiteren wird die Clustertheorie näher beleuchtet, um damit das mitteldeutsche Chemiedreieck als ein solches Konstrukt zu verstehen. Aufgrund der Vielzahl theoretischer und empirischer Ansätze konnte nur eine selektive Diskussion erfolgen. Diese war jedoch insbesondere für die Erarbeitung des Fragebogens sehr wichtig.
Die empirische Analyse im Rahmen eines Feldversuches bildet das zentrale Element der Arbeit und ist in Abschnitt vier dargestellt. Es wurden einzelne Investoren persönlich befragt, um damit die aufgeführten Erklärungsansätze der internationalen Investitionstätigkeit speziell für die Region Mitteldeutschland zu überprüfen und repräsentative Aussagen zu den Fragestellungen der Arbeit zu erhalten. Außerdem werden Aussagen über die Clusterstruktur im mitteldeutschen Chemiedreieck
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auch von der Ballung von Unternehmen und deren Vernetzung abhängt. Aus dem empirischen Teil und mit Hilfe der theoretischen Ansätze, leitet der Autor Handlungsempfehlungen nicht nur für die regionale Wirtschaftspolitik ab. Es wurde ein drei Säulen Modell entwickelt, das zur Prosperierung des mitteldeutschen Chemiedreiecks dienen soll.
2. Grundlagen
2.1 Ausländische Direktinvestitionen
Zur klaren Abgrenzung des Untersuchungsobjektes der Arbeit soll aus einer Vielzahl von Begriffserklärungen eine Arbeitsdefinition für ausländische Direktinvestitionen hergeleitet werden. Daran schließt sich eine kurze Analyse der weltweiten Direktinvestionstätigkeit im Zeitverlauf an. Die nähere Betrachtung Deutschlands soll schon vorab einige Schlußfolgerungen im Zusammenhang mit dem Thema zulassen.
2.1.1 Arbeitsdefinition der ausländischen Direktinvestition
Im Rahmen der internationalen Unternehmenstätigkeit bieten sich eine Vielzahl von 1 Strategien an (siehe Anhang, Abb. 1). Es gibt dabei Möglichkeiten, die Kapital
erfordern, aber auch Alternativen, die ohne Kapital auskommen. Als Kapitalanlagen sieht man sowohl die Portfolio- als auch die Direktinvestition an (siehe Anhang, 2 Abb. 2). Bei der Portfolioinvestition steht ausschließlich der wirtschaftliche Erfolg 3 über Gewinnausschüttungen, Dividenden und Kursgewinne im Vordergrund. Perlitz 4 spricht in diesem Zusammenhang von einem „Zins- und Liquiditätsmotiv“ und 5 Kutschker/Schmid von einem „Ertrags- und Risikodiversifikationsmotiv“ .
1 Vgl. Schmid: Markteintritts- und Marktbearbeitungsstrategien internationaler Unternehmen, in:
WISU 5/2002, S. 669; Perlitz (2000), S. 98
2 Portfolioinvestitionen werden in der Literatur teilweise auch als Finanzinvestitionen bezeichnet.
3 Vgl. Macharzina/Oesterle (1997), S. 212
4 Perlitz (2000), S. 98
5 Kutschker/Schmid (2002), S. 79
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1 Unternehmens, was allerdings wirtschaftliche Beweggründe, wie z. B. die Maximierung des shareholder value, nicht ausschließt. Sowohl die Deutsche Bundesbank, der IWF als auch die OECD unterstellen dem Investor ein längerfristiges Interesse und die Absicht eines dauerhaften Einflusses auf die 2 kapitalnehmende Unternehmung. Die Übertragung von Ressourcen kann, im
Gegensatz zur Portfolioinvestition, auch über nicht-monetäre Transfers geschehen. Zur eindeutigen Unterscheidung von Portfolio- und Direktinvestition bedienen sich die meisten statistischen Ämter eines Indikators auf Basis des Kapitals oder der Stimmrechte. Von einer ausländischen Direktinvestition spricht man heute sobald der 3 ausländische Investor 10 Prozent am Kapital oder an den Stimmrechten besitzt. Der
Kapitalanteil kann dabei aus Eigen- und/oder Fremdkapital bestehen. In der Praxis findet man verschiedenste Ausprägungen der Direktinvestitionen, 4 beispielsweise:
• Beteiligungserwerb/-aufstockung an Unternehmen
• Übernahme bestehender Unternehmen (Beteiligung von mehr als 50%)
• Neugründung von Tochterunternehmen (Beteiligung von mehr als 50%)
• Käufe von sonstigen vorhandenen Vermögensbeständen und Immobilien
• Kredite des Mutterunternehmens an Tochter- oder Beteiligungsunternehmen
• Auf das Mutterunternehmen entfallende reinvestierte Gewinne von Tochter- oder Beteiligungsunternehmen
Zu berücksichtigen ist in diesem Zusammenhang die Tatsache, daß 80 Prozent aller Direktinvestitionen in Form von Beteiligungen und Übernahmen bestehender 5 Unternehmen ablaufen. Somit muß für einen potentiellen Strom an
Investitionszuflüssen aus dem Ausland auch die Grundlage in Form von
1 Vgl. u.a. Macharzina/Oesterle (1997), S. 212; Müller/Kornmeier (2002), S. 123; Knödler (1999), S.
6; Haas (1996), S. 30; Kutschker/Schmid (2002), S. 79, Stehn (1992), S. 4; Kamm (2001), S. 11
2 Vgl. OECD (1996), S. 7; IWF (1993), S. 86; Deutsche Bundesbank (1997), S. 81 zitiert bei
Kutschker/Schmid (2002), S. 78
3 Laut persönlichem Gespräch mit Frau Licht, Deutsche Bundesbank Abteilung Statistik vom
28.10.2002; vgl. Kutschker/Schmid (2002), S. 80f.
4 Vgl. Knödler (1999), S. 6
5 Vgl. Dietrich (1998), S. 71; Knödler (1999), S. 6f.; Beelitz/Brenke/Fleischer (2000), S. 89
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1 schwachen Unternehmensbestandes ausgeprägte Defizite.
Als Essenz dieser vielfältigen Ansätze soll im Rahmen dieser Arbeit folgende Definition gelten: Ausländische Direktinvestitionen sind Kapitalbeteiligungen oder Stimmrechtsanteile ausländischer Unternehmen oder deren inländischer Tochtergesellschaften an inländischen Unternehmen in Höhe von mindestens 10 Prozent. Dies ist unabhängig von Form und Finanzierung der Investition. In englischsprachigen Publikationen wird der Terminus „Foreign Direct Investment“ (FDI) verwendet und im deutschen Raum lediglich der Begriff „Direktinvestition“ 2 (DI), da meist eine Auslandsinvestition impliziert wird. Somit soll auch in dieser
Arbeit auf die Bezeichnung „ausländisch“ verzichtet werden und die Abkürzung DI sowohl für den Singular als auch den Plural gelten.
2.1.2 Die weltweite Entwicklung ausländischer Direktinvestitionen
Die Ursprünge der weltweiten Direktinvestitionstätigkeit gehen zurück bis ins Mittelalter. Zu größerer weltwirtschaftlicher Bedeutung gelangten sie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Ausgelöst durch die fortschreitende Industriealisierung erreichten sie bis zum Ausbruch des ersten Weltkrieges ein Volumen von ca. 14,5 3 Mrd. US-$ und damit einen Anteil am Weltsozialprodukt von 9 Prozent. Dieses
relative Niveau konnte erst im Jahr 2000 wieder erreicht werden. Drei Viertel aller DI stammten damals aus europäischen Staaten und flossen vorwiegend in deren Kolonien. Nach dem zweiten Weltkrieg dominierten amerikanische Investitionen. In den achtziger Jahren verstärkte sich das Engagement japanischer Unternehmen. In den letzten 20 Jahren hat sich der weltweite Bestand an DI fast verachtfacht (siehe Anhang, Abb. 3). Das Investment halten etwa 45.000 Muttergesellschaften bei ca. 280.000 Tochterunternehmen. Der jährliche Investitionsfluß betrug im Jahr 1998 430 Mrd. US-$. Diese enorme Entwicklung wurde zum einen durch die politischen und ökonomischen Veränderungen in Asien, Südamerika, Mittel- und Osteuropa getrieben. Auf der anderen Seite hat die fortschreitende Globalisierung, bedingt durch die zunehmende Liberalisierung des Kapitalverkehrs und den technischen
1 Vgl. Beelitz/Brenke/Fleischer (2000), S. 99, 103f.
2 Vgl. Kutschker/Schmid (2002), S. 80
3 Vgl. Kutschker/Schmid (2002), S. 93f.
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1 Fortschritts innerhalb der weltweiten Kommunikation, diesen Trend begünstigt. Insbesondere in Europa hatte die Schaffung des EU-Binnenmarktes einen positiven Einfluß auf die Direktinvestitionstätigkeit.
Die wichtigsten Empfängerländer (FDI Inward Stock) sind dabei die USA, gefolgt 2 von China und vorrangig europäische Staaten. Bei der Betrachtung der wichtigsten Geberländer (FDI Outward Stock) fällt auf, daß hierbei die gleichen Länder dominieren wie bei den Empfängerländern, wenngleich eine Verschiebung innerhalb der Rangfolge festzustellen ist. Die Gegenüberstellung der wichtigsten Empfänger-und Geberländer zeigt zwei Gruppen. Einige Länder, wie z.B. Japan und Deutschland, haben in der Vergangenheit mehr Kapital exportiert als importiert. Davon haben vor allem Entwicklungs- und Schwellenländer wie Brasilien und China, aber auch Industrieländer, wie Spanien und Australien, profitiert (siehe Anhang, Abb. 4).
Eine Betrachtung der Flußgrößen an Direktinvestitionsströmen der Jahre 1993 bis 1998 (siehe Anhang, Abb. 5) zeigt jüngste Entwicklungen auf. Dabei erkennt man, daß wiederum die USA, China und das Vereinigte Königreich die meisten Zuflüsse (FDI Inflows) für sich verbuchen konnten. Länder wie Deutschland und Italien hatten zwar Zuflüsse, die aber gemessen an dem DI-Bestand vergleichsweise gering waren. Bei der Analyse der Direktinvestitionsabflüsse (FDI Outflows) zeigt sich ein positiver Zusammenhang mit den DI-Beständen. Man erkennt, daß die Länder mit den höchsten DI-Bestand auch die größten Investoren der letzten Jahre waren. Eine Ausnahme bildet hierbei China, daß erst in den letzten Jahren fast den gesamten DI-Bestand im Ausland aufgebaut hat. Die Gegenüberstellung der DI-Zuflüsse und der DI-Abflüsse zeigt die meisten europäischen Länder auf der Geberseite, wobei die Differenz Deutschlands in Höhe von -198.160 Mio. US-$ am deutlichsten ausfällt. Dieser Betrag wäre sicherlich noch um einiges höher, wenn nicht als Ergebnis der 3 Wiedervereinigung Kapitalströme von West- nach Ostdeutschland gelaufen wären.
1 Vgl. Hill (1999), S. 183f.; Knödler (1999), S. 25
2 Die Entwicklung Chinas ist dabei gewaltig, wenn man den kurzen Zeithorizont betrachtet, seit dem
Ausländer in China investieren (dürfen) und unter welchen Restriktionen dies oftmals geschieht. Es
darf allerdings nicht vergessen werden, daß die Statistik auch die FDI Inward Stocks von Hongkong
mit einbezieht.
3 Knödler (1999), S. 25
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2.1.3 Deutschland im Wettbewerb um ausländische Direktinvestitionen
Es hat sich gezeigt, daß Deutschland im Sinne der Bestände an Direktinvestitionen das drittgrößte Geberland und das viertgrößte Empfängerland ist. Bei den Auslandsinvestitionen in Deutschland handelt es sich in 65 Prozent der Fälle um 100 Prozent-Beteiligungen und 20 Prozent sind zumindest 1 Mehrheitsbeteiligungen. Die Bestände (siehe Anhang, Abb. 6) entfallen dabei zu mehr als 70 Prozent auf vier Bundesländer (Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und Nordrhein-Westfalen). Auf Ostdeutschland entfallen 8,6 Prozent, wobei 2 Sachsen-Anhalt einen Hauptanteil von 3 Prozent inne hat. Dabei stammen 97
Prozent aller DI in Deutschland aus Industrieländern. Der größte Geber ist die USA mit einem Anteil von 24 Prozent, gefolgt von vorwiegend europäischem Kapital. Hauptbranchen (siehe Anhang, Abb. 7) sind dabei das Grundstücks- und Wohnungswesen (25,9 Prozent), der Handel (16,9 Prozent) und die Chemieindustrie (9,6 Prozent).
In den Jahren 1993 bis1998 flossen DI in Höhe von 54.647 Mio. US-$ nach Deutschland. Dabei ist zwar ein stetiges Wachstum zu verzeichnen, im Vergleich mit anderen Investitionsgebieten hinkt Deutschland der globalen Entwicklung allerdings hinterher. Die Defizite werden in der Betrachtung der DI je Einwohner und dem Verhältnis zu den DI-Bestand noch deutlicher (siehe Anhang, Abb. 8). Die Gründe für die vergleichsweise geringe Direktinvestitionstätigkeit liegen u.a. in der hohen 3 Kostenbelastung der Unternehmen und in einem noch immer unzureichenden Strukturwandel. Argumente für den Standort Deutschland, wie z.B. eine gute Infrastruktur und sehr gut ausgebildete Mitarbeiter, dürfen aus dieser Diskussion nicht ausgelassen werden. Aus den vorliegenden Daten sollte man nicht vorschnell auf eine geringe Attraktivität Deutschlands im Wettbewerb um ausländische DI schließen. So verzerren z.B. sogenannte Mega-Fusionen und Mega-Akquisitionen die Aussagekraft. Es ist somit eine regionale, als auch sektorale Betrachtung notwendig,
1 Vgl. Kutschker/Schmid (2002), S. 111
2 Dies ist nur knapp die Hälfte des durchschittlichen DI-Bestandes pro Einwohner in
Gesamtdeutschland. Interessant wäre eine Aufschlüsselung der DI-Zuflüsse nach Bundesländern in
den Jahren nach der Wiedervereinigung. Eine solche Übersicht liegt jedoch nicht vor, da die
Veröffentlichungen der deutschen Bundesbank diesbezüglich lückenhaft sind. Vgl. dazu auch o.V.:
Spitzenplatz im Osten für Sachsen-Anhalt, in: Magdeburger Volksstimme vom 30.06.2001
3 Dies kann allerdings nicht der primäre Grund sein, ansonsten müßte ein solches Defizit in weit mehr
Ländern vorhanden sein. Vgl. dazu auch Müller/Kornmeier (2002), S. 261; Becker (1997) zitiert
nach Müller/Kornmeier (2000), S. 81
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1 Wettbewerb zu erhalten.
Aus dem Überblick der ausländischen Direktinvestitionen im globalen, als auch im deutschen Kontext, lassen sich bereits einige Ansatzpunkte für die DI im mitteldeutschen Chemiedreieck ableiten.
1. In den letzten 20 Jahren haben Direktinvestitionen als Strategie der globalen Internationalisierung an Bedeutung gewonnen. Folgt man diesem Trend, kann dies positive Auswirkungen auf die mitteldeutsche Chemieindustrie haben, noch zumal Deutschland ein interessanter Standort für Investitionen in der Chemiebranche zu seien scheint. 2. Es wurde festgestellt, daß Deutschland am dynamischen Wachstum der globalen DI nur im geringen Maße partizipieren konnte. Im Rahmen des EU-Binnenmarktes haben viele Unternehmen ihre europäische Expansion weitgehend abgeschlossen und werden zur Marktbearbeitung bzw. zum Markteintritt in Deutschland die Kapazitäten ihrer europäischen 2 Gruppengesellschaften nutzen.
3. Die Konkurrenz um DI wird für das mitteldeutsche Chemiedreieck durch die EU-Osterweiterung zunehmen. Die Frage wird sein, inwieweit das Ausland diese Region nutzen wird, um ihre Marktentwicklungsstrategien in Osteuropa durchzusetzen.
4. In den letzten Jahren wurde verstärkt im Dienstleistungsektor investiert und 80 Prozent aller DI laufen über Unternehmensübernahmen bzw. Fusionen. Die strukturellen Gegebenheiten im mitteldeutschen Chemiedreieck werden sich in diesem Trend nur bedingt hervorheben können.
1 Eine etwas umfangreichere, jedoch nicht vollständige Übersicht für und gegen den Standort
Deutschland findet sich im Anhang als Abbildung 9.
2 Vgl. Haas (1996), S. 39f.
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2.2 Das mitteldeutsche Chemiedreieck
Es gilt nunmehr zu klären, wo sich das mitteldeutsche Chemiedreieck befindet bzw. wie es definiert wird. Dies soll sowohl über eine geographische, als auch über eine branchenspezifische Definition erfolgen. Eine kurze Betrachtung der Vergangenheit und der Gegenwart des Standortes sollen diesen Teil der Grundlagenüberlegungen abschließen.
2.2.1 Regionale- und branchenspezifische Abgrenzung des mitteldeutschen Chemiedreiecks
Die Region Mitteldeutschland wird unter verschiedensten Perspektiven unterschiedlich definiert. Aus wirtschaftspolitischer Sicht wird Mitteldeutschland sowohl mit den Bundesländern Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen in Verbindung gebracht als auch mit den Regierungsbezirken Halle, Leipzig und 1 Dessau.
Als mitteldeutsches Chemiedreieck im eigentlichen Sinne wird das Gebiet zwischen den Standorten Bitterfeld/Wolfen, Schkopau/Leuna im Raum Merseburg und Böhlen 2 südlich von Leipzig bezeichnet. Dies soll auch im Rahmen dieser Arbeit als
Untersuchungsgebiet gelten. Aufgrund vertikaler Verbundstrukturen innerhalb der chemischen Industriestandorte der Region kann dieses Gebiet auch weiter, um die Standorte in Bernburg, Piesteritz (Wittenberg) und Zeitz gefaßt werden. Darauf wurde im Rahmen dieser Arbeit verzichtet.
3 Die Betrachtung bezieht sich dabei auf Unternehmen der chemischen Industrie. Allgemein läßt sich dieser Sektor folgendermaßen charakterisieren:
• Die zentrale Aktivität besteht in der Umwandlung von Stoffen.
• Die einzelnen Produktionsstufen sind verbundwirtschaftlich miteinander verflochten.
1 Vgl. www.mitteldeutschland.de; §2 der Satzung des "Vereins zur Förderung des Regionalmarketings
für Mitteldeutschland e.V., Vereinsregister VR 1818 beim Amtsgericht Halle-Saalkreis; o.V.:
Dynamische Wachstumsregion in Europa - Impulse für die Region Mitteldeutschland, in:
Konferenzmappe Zukunftsforum 2002, Schkopau 06.11.2002
2 Laut Email von Herrn Ludwig, Administrator chemiedreieck.de vom 16.10.2002
3 Vgl. www.destatis.de/allg/d/Klassif/wz93.htm; siehe auch Abbildung 10 im Anhang.
- 11 - • Herstellungeiner Vielzahl unterschiedlicher Produkte für sehr 1 unterschiedliche Märkte.
In Anbetracht horizontaler und vertikaler Interdependenzen zwischen den Unternehmen im mitteldeutschen Chemiedreieck soll zudem der Bereich Mineralöl-und Kunststoffindustrie zur Beantwortung der Fragestellung herangezogen werden. Dabei wird der Begriff Chemieindustrie synonym verwendet.
2.2.2 Meilensteine der Entwicklung dieses industriellen Kernes
Mitteldeutschland wird seit über hundert Jahren von der chemischen Industrie geprägt (siehe Anhang, Abb. 11). Der Ursprung liegt dabei in der Carbo- und Kohlechemie, begünstigt durch die reichen Vorkommen an Braunkohle, Kali- und 2 Steinsalzen. Das Bauland war billig und die Genehmigungsverfahren verliefen schnell. Somit bot sich die Region auch zur Expansion der Großchemie Ende des 19. Jh. an, die durch den begrenzten Raum im Rhein/Main Gebiet und in Berlin nach Standortalternativen suchte.
Den Grundstein für das mitteldeutsche Chemiedreieck bildeten dabei die Ansiedlung der chemischen Fabrik Griesheim Elektron Bitterfeld und der Elektrochemischen Werke Greppin zur Produktion von Chlorkalk und Laugen durch Elektrolyse. Diese Entwicklung setzte sich mit Gründung einer Farbenfabrik (1895) und der Filmfabrik 3 in Wolfen (1909) durch Agfa fort.
Entscheidenden Einfluß auf die Prosperierung der Region hatte die Entwicklung der Ammoniaksynthese durch Haber/Bosch. Infolge dessen errichtete die BASF im Jahre 1916 in Leuna eine Anlage, mit der Methanol im Hochdruckverfahren weltweit 4 erstmalig hergestellt werden konnte. Im Jahre 1927 wurde im Rahmen der
Methanolsynthese die Herstellung von Kohlenwasserstoffen ermöglicht und somit der Weg zur Produktion von Benzin aus Kohle geebnet. Es entstanden Hydrierwerke 5 in Leuna, Böhlen, Magdeburg, Zeitz und Lützkendorf. Leuna avancierte zum
1 Vgl. Rehfeld (1999), S. 54
2 Vgl. www.dow.com/valuepark/standort/geschich.htm
3 Vgl. o.V. Investregion Landkreis Bitterfeld, in: Wirtschaftsjournal, Hohenstein-Ernstthal, S. 8f.
4 Vgl. www.infraleuna.de/deutsch/chemstan/trad.htm
5 1933 schlossen das Deutsche Reich und die I.G.Farbenindustrie AG den sog. Benzinvertrag. Damit
sollten die Kapazitäten der Ammoniakwerke Merseburg auf 350.000 Tonnen ausgebaut werden. Zur
Erfüllung des Vertrages schlossen sich mehrere Unternehmen 1934 zur Braunkohle-Benzin AG
- 12 -
1 und wurde eine Technologiehochburg. Durch die Entwicklung der Großsynthesen
und der damit verbundenen weltweiten Monopolstellung der I.G. Farben AG wurde 2 der Konzern zum mächtigsten Chemieunternehmen der Welt. Der
Braunkohlebergbau gelangte zu entscheidender Bedeutung und die Bauindustrie, das Handwerk ebenso wie der Dienstleistungssektor profitierten ebenfalls von diesen 3 Impulsgebungen.
Neben Treibstoff waren weitere Produkte für die deutschen Kriegspläne von entscheidender Bedeutung. Durch massive staatliche Interventionen wurden weitere Anlagen errichtet. Es entstanden u.a. die Buna Werke Schkopau GmbH als Tochter der I.G. Farben AG zur Produktion von synthetischen Kautschuk. Die chemische Industrie in Mitteldeutschland war maßgeblich in die autarken Kriegsbestrebungen Deutschlands eingebunden und erreichte ihren Höhepunkt im Jahre 1943. Infolge der alliierten Luftangriffe wurden weite Teile des mitteldeutschen 4 Chemiedreiecks zerstört. Das was davon übrig blieb, fiel unter die Herrschaft der 5 Besatzungsmacht. Den Amerikanern ging es um „intellectual reparations“ in Form
von Wissenschaftlern, Know-how und Patenten. Darauf folgte die Demontage der Sowjets, die sich auf 135.000 Tonnen belief und damit zu einem Produktivitätsverfall um 70 Prozent führte. Nach der Enteignung entstand ein Industriezentrum 6 sozialistischer Prägung. Anfang der fünfziger Jahre wurden die Anlagen mit
sowjetischer Technologie wieder aufgebaut, in volkseigene Betriebe überführt und in ein sowjetisch/osteuropäisches Zuliefernetzwerk eingebunden. 1958 wurde ein Chemie-Programm durch die staatliche Plankommission erlassen, das Investitionen in die Petrochemie vorsah. Entgegen internationalen Trends wurde aber auch der Ausbau der Kohlechemie weiter forciert, was die Entwicklung der ostdeutschen 7 Chemie nachhaltig bremste. Mitte der 60er Jahre wurden die neuen petrochemischen Produktionskomplexe in Leuna fertiggestellt. 1969 entstand das petrochemische
(BRABAG) zusammen. Die BRABAG wurde dadurch zum größten deutschen Treibstoffhersteller.
Vgl. auch www.industriepark-zeitz.com/seiten/geschichte.html
1 Vgl. www.infraleuna.de/deutsch/chemstan/trad.htm
2 Vgl. Brümmer (2002), S. 15
3 Vgl. www.chemiedreieck.de/geschichte.html
4 Auf dem Gelände der Launa Werke schlugen 10.000 Bomben ein. Auch die Hydrierwerke in
Lützkendorf, Zeitz und Böhlen wurden stark zerstört. Die Werke in Buna, Bitterfeld und Wolfen
blieben weitgehend unzerstört.
5 Karlsch/Stokes (2001), S. 21
6 Vgl. Trittel: Impulse aus einer dynamischen Region, in: Mitteldeutsche Zeitung vom 11.08.2002
7 Vgl. Karlsch/Stokes (2001), S. 28-34
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den Chemiestandorten in Mitteldeutschland, die dem Bestreben der erhöhten Produktion von Plastik und Kunstfasern zuträglich war. Anfang der 80er Jahre waren die Olefin-Strukturen mit dem Cracker in Böhlen und den Prozeßkapazitäten in Buna 1 und Leuna vollständig und entsprachen westlichem Standard. Die Olefin-Produkte
aus dem mitteldeutschen Chemiedreieck waren damals der Devisenbringer und die „cash cow's“ der ostdeutschen Wirtschaft. Gerade zu dieser Zeit reduzierte die Sowjetunion ihre Erdöllieferungen und die Weltmarktpreise stiegen. Um den Import von Rohöl zu senken, kam es insbesondere für den einheimischer Markt zu scharfen 2 Einschnitten, die einem Rückschritt in die Kohlechemie gleich kamen. Die Wende 1989 brachte einschneidende Veränderungen. Die Betriebsgrößen wurden reduziert und damit die alten Kombinatsstrukturen zerschlagen. Die Treuhand privatisierte und wo dies nicht gelang, wurden die Betriebe stillgelegt. In den Jahren 1990 - 1995 verloren 85 Prozent aller in der mitteldeutschen Chemie Beschäftigten ihren Arbeitsplatz. Lediglich zehn Prozent der Bausubstanz an den 3 einzelnen Standorten blieben bis heute erhalten. Dennoch wurde um den Erhalt des 4 mitteldeutschen Chemiedreieck gerungen. Nach einigen Fehlschlägen konnte die
Treuhandanstalt, wenn auch mit massiven Beihilfen des Bundes und der EU, The Dow Chemical Group als Groß-Investor für Buna, Böhlen und die LDPE-Anlage in Leuna gewinnen. Dazu kamen weitere kleine und große Investitionen. „Die westdeutsche Chemie brauchte und wollte den größten Teil der ostdeutschen Kapazitäten nicht, sondern plädierte für ihre Schließung. Interessant war für sie der 5 Markt in den neuen Bundesländern, weniger die dortigen Produktionskapazitäten.“
2.3 Cluster als Bestandteil wettbewerbsfähiger Standorte
Der Cluster als Teil regionalökonomischer Wettbewerbsvorteile ist in aller Munde. Oftmals ist die genaue Bedeutung jedoch unklar, da die Literatur vielfältige Beschreibungen liefert. Ebenso ist der Begriff Clusterpolitik weder in der 6 wissenschaftlichen noch in der politischen Diskussion feststehend. Im folgenden
1 Vgl. Karlsch/Stokes (2001), S. 39
2 Vgl. Ebenda (2001), S. 41f.
3 Vgl. Ebenda (2001), S. 246
4 Stellvertretend seien hier der Versuche der Veräußerung an die Hüls AG 1993 oder an
Thyssen/Gazprom genannt.
5 Brümmer (2002), S. 17
6 Vgl. Priewe (2002), S. 132; Bruch-Krumbein/Hochmuth (2000), S. 35
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unter Punkt 3.4 näher zu diskutieren.
Der Cluster ist ein notwendiger Bestandteil einer zukunftsorientierter Wirtschaftsstruktur. So hat sich auch der „Verein zur Förderung des Regionalmarketings für Mitteldeutschland e.V.“ u.a. dem Ziel der Herausbildung 1 strukturprägender Cluster verschrieben. Einige Beispiele wettbewerbsfähiger Cluster sollen den Einstieg in diese Thematik abrunden.
2.3.1 Allgemeine Fragen zur Definition von Clustern
Seit Mitte der 80er Jahre geht man davon aus, daß innerregionale Verflechtungen eine zentrale Rolle für die Stabilität von Wirtschaftsstrukturen spielen. Damit gehen Konzepte wie „Industrieller District“, „Agglomerationsvorteile“ und „Netzwerke“ 2 einher. Seit den 90er Jahren werden theoretische Erkenntnisse und vielfältige Ansätze aus der empirischen Forschung gebündelt. Die Cluster-Forschung hat sich 3 seitdem als Zweig der Wirtschaftsgeographie durchgesetzt. Vor allem durch die 4 5 Arbeit von Porter und in Deutschland durch Rehfeld , hat sich der damit verbundene 6 Begriff Cluster etabliert.
Gemein ist allen Ansätzen, daß es sich bei einem Cluster um die Häufung von 7 Unternehmen einer bestimmten Produktgruppe oder Branche handelt. Porter
definiert Cluster wie folgt: „Clusters are geographic concentrations of interconnected companies, specialized suppliers, service providers and associated institutions in a particular field that are present in a nation or region. Clusters arise because they 8 increase the productivity with which companies can compete.“ Notwendige
Bedingung für ein Cluster ist also eine derartige Ballung von Organisationen (Co-Lokation). Entscheidend ist jedoch die Qualität der Bündnisse zwischen den 9 einzelnen Akteuren (Co-Operation) innerhalb des Netzwerkes. Diese Faktoren
determinieren nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen, sondern auch
1 Vgl. Groot/Luible (2002), S. 2ff.
2 Vgl. Rehfeld (1994), S. 187
3 Vgl. Priewe (2002), S. 132
4 Vgl. Porter (1991/1998)
5 Vgl. Rehfeld (1994/1999)
6 Der Begriff Cluster stammt aus dem englischen und wird in vielen Wissenschaftszweigen
verwendet. In deutsch kann er als Büschel, Haufen, Schwarm übersetzt werden.
7 Vgl. www.clustermanagement.de/index.html, Priewe (2002), S. 132
8 Vgl. www.isc.hbs.edu/econ-clusters.htm
9 Vgl. Dybe/Kujath (2000), S. 15
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1 einer positiven Externalität von Clustern gesprochen, die sich wie folgt äußern kann:
• Cluster steigern Unternehmensproduktivität und -effizienz
- Effizienter Zugang zu speziellen Vorprodukten, Dienstleistungen, Mitarbeitern, Informationen, Institutionen und „öffentlichen Gütern“
- Vereinfachte Koordination und Zusammenarbeit über Unternehmensgrenzen
- Schnelle Verbreitung von Innovation und neuen „best practices“
- Laufender, schneller Leistungsvergleich mit lokalen Wettbewerbern
• Cluster stimulieren und ermöglichen Innovation
- Verbesserte Wahrnehmung von Innovationspotentialen
- Präsenz von Zulieferern und Institutionen mit wichtigen unterstützenden Funktionen bei der Generierung von Innovationen (Know-how Spillovers)
- Möglichkeit zu schnellen Probeläufen
• Cluster unterstützen die Kommerzialisierung von Innovationen
- Marktchancen für Innovationen sind deutlicher erkennbar
- Kommerzialisierung von neuen Produkten und Gründung neuer Unternehmen wird durch den Zugang zu Know-how und Zulieferern vereinfacht
2.3.2 Beispiele von Clustern im globalen Standortwettbewerb
Zur Generierung bzw. Weiterentwicklung des Chemieclusters in Mitteldeutschland ist die Nutzung der eigenen Potentiale und die Beachtung der Wirtschaftsstruktur und Geschichte von entscheidender Bedeutung. Dennoch kann man aus den Erfahrungen anderer Cluster und Regionen lernen und wichtige Informationen extrahieren. Eine Betrachtung erfolgreicher Beispiele von Clustern erscheint deswegen sinnvoll.
1 Ketels (2002), S. 8; vgl. dazu auch Dybe/Kujath (2000), S. 16ff.; Priewe (2002), S. 133f.
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die Weingüter und die Kellereien in der Region. Den Input für die Produktion an Betriebsmittel und Hilfsstoffen ist eng mit dem benachbarten Landwirtschafts-Cluster verbunden. Bewässerungstechnologien, Ausrüstungen, Dünge- und Pflanzenschutzmittel werden von regionalen Herstellern bezogen, ebenso wie Flaschen, Korken, Etiketten und Fässer. Forschungs- und Ausbildungsinstitutionen wie z.B. das Wine Institute sorgen für die Aufrechterhaltung der Standards und werden durch Behörden und Parlamentsgruppen unterstützt. Die Vernetzung mit dem Tourismus-Cluster rundet diese erfolgreiche Region ab. Die Ski- und Wintersportindustrie (siehe Anhang, Abb. 13) zählt zu den hoch entwickelten Branchen innerhalb der österreichischen Volkswirtschaft und ist durch eine interorganisationales und branchenübergreifendes Netzwerk gekennzeichnet. Beweis für diesen erfolgreichen Verbund ist ein Weltmarktanteil von ca. 50 Prozent und der Export in mehr als 40 Länder. Die lange Tradition im Skisport, der Tourismus und ein anpruchsvolles Nachfrageverhalten der Österreicher haben maßgeblich zu dieser Entwicklung beigetragen. Das Cluster umfaßt, ausgehend von den Ski- und Skizubehörproduzenten, weitreichende Verbindungen zu Lieferanten von Rohstoffen, Komponenten und Maschinen, als auch zu Herstellern von 1 Liftanlagen und Pistengeräten.
Weitere interessante Beispiele von Clustern sind das „Motor Sport Valley“ auf der 2 Achse London-Birmingham und das staatlich geförderte Hochtechnologie-Cluster 3 „Sophia-Antipolis“ außerhalb von Nizza . Die Greater Boston Region hat sich vor
allem durch die Universitäten von Harvard, Boston und das Massachusetts Institute for Technology (MIT) zu einem führenden Zentrum der Biotechnologie und 4 Biomedizin entwickelt.
Von einem „integrierten Produktionscluster“ spricht Rehfeld in Bezug auf den Raum 5 Mittlerer Neckar. Als Kern sind hier Daimler-Chrysler und Porsche zu nennen, um die sich eine weitgehend selbständige Zulieferindustrie aufgestellt hat. Verflochten sind die einzelnen Akteure auch mit Maschinenbauern, Forschungseinrichtungen und Ingenieurbüros in der Region.
1 Vgl. Weiss (1994), S. 22
2 Vgl. Johnson/Scholes (1999), S. 633-641
3 Laut persönlichem Gespräch mit Mr. Lindsay, Napier University Edinburgh vom 18.05.2000
4 Vgl. Genosko (1999), S. 13
5 Vgl. Rehfeld (1994), S. 190f.
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industriellen Kerne, Clusterstrukturen auch in Ostdeutschland zu finden sind. Das erfolgreichste Cluster ist wohl die Mikroelektronik-Industrie im Raum 1 Dresden/Freiberg. Vielversprechende Ansätze findet man auch in der
Automobilindustrie im Raum Leipzig/Zwickau mit den „Leuchtturminvestitionen“ von Volkswagen, BMW und Porsche, solange es in Zukunft nicht bei „verlängerten Werkbänken“ bleibt. Die Filmwirtschaft in Potsdam/Berlin hat sich teilweise 2 erfolgreich etabliert, obwohl es an finanzkräftigen Produktionen fehlt. Ob und
inwieweit das mitteldeutsche Chemiedreieck als Cluster gelten kann, wird unter Punkt 4.4.1 näher betrachtet.
Die Stärke und der Umfang der beschriebenen Cluster, ebenso wie die Intensität der 3 interdependenten Beziehungen innerhalb der Netzwerke differieren stark. Es sind
gerade die ostdeutschen Cluster-Beispiele, die dem Niveau der langfristig gewachsen Strukturen in Westdeutschland und den anderen Regionen signifikant unterliegen.
2.3.3 Clusterpolitik als integrierte Strategie regionaler Wirtschaftspolitik
4 Ausgehend von den Problemfeldern der regionalen Wirtschaftspolitik haben sich in
den letzen Jahren wirtschaftspolitische Tendenzen ergeben, die auf die Entwicklung von Clustern abzielen. Diese Ansätze sollen gebündelt als Instrumentarium zur Neuausrichtung der regionalen Strukturpolitik dienen. Clusterpolitik kann daher „...als Summe aller Maßnahmen verstanden werden, die die Elemente einer Wertschöpfungskette an einem regionalen Standort qualitativ und quantitativ 5 fördert.“ Clusterpolitik versteht sich dabei nicht allein auf die Regionalisierung wirtschaftlicher Strukturen, sondern vielmehr auf Maßnahmen, die zur Profilierung 6 von Regionen unter den Bedingungen der Globalisierung dienen. Es wurde deutlich,
daß Clusterpolitik sich nicht nur „harter“ Steuerungsmechanismen bedienen kann, sondern insbesondere „weiche“ (kommunikative) Instrumente nutzen muß („Networking-Politik“). „Public private partnerships“ führen die unterschiedlichen Akteure (Unternehmen, Wissenschaft, Politik, etc.) zusammen und steigern damit die
1 Vgl. Priewe (2002), S. 156; Bruch-Krumbein/Hochmuth (2000), S. 160ff.
2 Vgl. Krätke/Scheuplein (2001), S. 84ff.
3 Vgl. dazu genauer die Ausführungen bei Rehfeld (1994), S. 190ff.
4 Damit sind Probleme wie z.B. der einseitige Ausbau von Infrastruktur oder lösgelöste
Ansiedelungsförderung branchenfremder Unternehmen verbunden.
5 Priewe (2002), S. 137
6 Vgl. Rehfeld (1999), S. 232
Arbeit zitieren:
Steffen Rohr, 2003, Ausländische Direktinvestitionen im mitteldeutschen Chemiedreieck und deren Einfluß auf die Clusterbildung, München, GRIN Verlag GmbH
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