Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung. 1
2. Studentenmobilität. 3
2.1 Entwicklungen 4
2.2 Größenordnungen heute 6
2.3 Auswirkungen und Motivationen 7
2.3.1 Studenten 8
2.3.2 Staat und Gesellschaft 10
3. Theoretische Konzepte 12
3.1 Ein einfaches Wettbewerbsmodell 12
3.2 Wettbewerb um mobile Studenten 15
3.2.1 Bildungsqualität und Effizienzwirkungen von Studiengebühren. 15
3.2.2 Höhe von Studiengebühren. 17
3.3 Wettbewerb um mobile Absolventen 19
3.3.1 Bereitstellung von Bildungsleistungen 19
3.3.2 Private vs. öffentliche Finanzierung von Bildungsleistungen 21
3.3.3 Zeitinkonsistente Besteuerung von Humankapitalerträgen. 22
3.3.4 Umverteilungswirkungen durch den Wettbewerb um mobile Absolventen 25
3.3.5 Steuerwettbewerb bei unterschiedlichen Mobilitätsgraden 26
3.4 Wettbewerb um mobile Studenten und mobile Absolventen 27
3.4.1 Welches Land sollte für die Bildung von ausländischen Studenten zahlen? 27
3.4.2 Auswirkungen von Studiengebühren 28
3.4.3 Optimale Bildungsqualität und multikulturelle Fähigkeiten 30
3.4.4 Auswirkungen des Wettbewerbs auf die Steuereinnahmen. 32
ii
4. Empirische Evidenz 34
4.1 Determinanten der Studentenmobilität. 34
4.2 Regionale Verteilungseffekte der Hochschulfinanzierung. 36
4.3 Einfluss des Wettbewerbs auf die Finanzierung von Bildungsleistungen. 37
5. Zusammenfassung und Fazit 38
Literaturverzeichnis. 41
Anhang 48
A) Empirische Modelldaten von Kim (1998) 48
A.1 Modell und Variablendefinitionen. 49
A.2 Deskriptive Statistik 50
A.3 Regressionsmodell. 51
B) Folgen von zusätzlichen Absolventen auf den Arbeitsmarkt 52
)C Empirische Modelldaten von Büttner und Schwager (2004) 53
D) Empirische Modelldaten von Bailey et al. (2004) 54
iii
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Entwicklung ausländischer Studenten von 2000 - 2005.
Abbildung 2: Marktanteil an ausländischen Studenten in den Jahren 2000 und 2005.
Abbildung 3: Entwicklung der Anzahl von Studenten, die außerhalb ihres Heimatlandes
studierten.
Abbildung 4: Zu- und Abflüsse von Studenten 2005, nach Regionen.
Abbildung 5: Zu- und Abflüsse von Studenten 2005, ausgewählte Länder.
Abbildung 6: Steuerwettbewerb um Humankapital
Abbildung 7: Folgen von zusätzlichen Absolventen auf den Arbeitsmarkt (Anhang)
iv
Abkürzungsverzeichnis
Abschnitt 3.1
f Marginale Produktivität des Faktors Humankapital H Humankapital t Steuersatz
Abschnitt 3.2.1 μ Migrationskosten ) (μ F Verteilungsfunktion der Migrationskosten δ Landesspezifische Migrationskosten q Bildungsqualität ω ) (q Lohnsatz in Abhängigkeit der Bildungsqualität s ) (q Forschungsertrag in Abhängigkeit der Bildungsqualität σ Landesspezifische Unterschiede im Forschungsertrag ) (q c Bildungskosten in Abhängigkeit der Bildungsqualität γ Landesspezifische Kostenunterschiede Wohlfahrtsfunktion in Abhängigkeit der Bildungsqualitäten ) , ( 1 q W
2
Abschnitt 3.2.2 q Bildungsqualität t Studiengebühr m Mobile Studenten l Immobile Studenten ω Lohnsatz der immobilen Studenten in Abhängigkeit der Bildungsqualität ) (q
l
+ m l q c ) , ( Bildungskosten in Abhängigkeit der Bildungsqualität und den immobilen und mobilen Studenten m t q W ) , ( Wohlfahrtsfunktion in Abhängigkeit der Bildungsqualität, der
Abschnitt 3.3.1 B Wohlfahrtsfunktion
{ } ω Gewichtung der politischen Kräfte 1 ,...,ω
I 4
w Lohnsatz p Wahrscheinlichkeit, dass ein heimischer Absolvent nach seinem Studium
ii
nicht migriert p Wahrscheinlichkeit, dass ein heimischer Absolvent nach seinem Studium
ij
ins Ausland migriert
Wahrscheinlichkeit, dass ein ausländischer Absolvent nach seinem Stu- p
ji
dium ins Inland migriert Bildungsangebot s
Marginale Kostenrate für Bildung pro Einheit Humankapital c Immobiler Faktor m
Faktorpreis des immobilen Faktors r
Abschnitt 3.4.3 ρ Wahrscheinlichkeit, dass ein Student nach seinem Auslandsstudium wieder in sein Heimatland zurück kehrt i Wohlfahrtsfunktion W i Beitrag zur Wohlfahrt derer, die im Inland studieren W
ii
i Beitrag zur Wohlfahrt derer, die im Ausland studiert haben und zurück W
ij
gekehrt sind i Beitrag zur Wohlfahrt derer, die aus dem Ausland stammen und nicht in W
ji
ihr Heimatland zurückkehren i Kosten der Bildungsbereitstellung für ausländische und inländische Stu- C
i
denten. τˆ Mobilitätsparameter, der das Mindestniveau an Fertigkeiten angibt, ab wann ein Studenten in der Lage ist auszuwandern Bildungsqualität q
Abschnitt 3.4.4 Bildungsausgaben s Steuersatz t
vi
Abschnitt 4.2 Bildungsausgaben (logarithmiert) c ln
Benachbarte Bildungsausgaben (logarithmiert) c ln ρ Koeffizient der räumlich verzögerten abhängigen Variable α Konstanter Term für das jeweilige Bundesland
0
Dummy-Variable für ostdeutsche Länder Ost
Koeffizient der Dummy-Variable Ost a
1
Bevölkerungsanzahl im Nachbarland (logarithmiert) Bev ln
Koeffizient der Bevölkerungsanzahl im Nachbarland a
2
Siedlungsdichte im Nachbarland (logarithmiert) Sied ln
Koeffizient der Siedlungsdichte im Nachbarland a
3
Konstanter Term für die jeweilige Zeitperiode a
t
Fehlerterm u
Abschnitt 4.3 Δ E Jährliche Änderungsrate für die Unterstützung der Hochschulbildung α Fixer Effekt des Landes i
i
α Fixer Effekt der Periode t
t
CONVERGE Konvergenz der betrachteten Staaten β Koeffizient von CONVERGE
1
COMPETE Relative Anpassungsgeschwindigkeit der Staaten β Koeffizient von COMPETE
2
X Kontrollvariablen für Wirtschaft, Politik und Demographie β Koeffizient von X
k
Fehlerterm e
vii
1. Einleitung
Das vorangestellte Zitat von Benjamin Franklin, einem der Gründungsväter der USA, hat heute mehr Relevanz den je. Er erkannte damals schon welche potenziellen Gewinne allein durch Wissen und dessen Anwendung möglich sind. Gerade für ein Land wie Deutschland, das im Dienstleistungszeitalter angekommen ist, spielt das Humankapital eines jeden Bürgers eine immense Rolle für Wachstum und Wohlstand der Gesellschaft (Kim 1998, S. 338). Dies gilt aber nicht nur für Deutschland, sondern für alle entwickelten Industriestaaten, deren Wachstum sich durch Forschung und Innovation bestimmt. Ein Verzicht auf hochqualifizierte Arbeitskräfte ist quasi nicht mehr möglich (Tremblay 2005, S. 197).
Die Quelle bzw. der Ursprung für hochqualifizierte Arbeiter sind meistens Universitäten und deren Studentinnen und Studenten. 1 Somit sind Studenten für ein Land eine wichtige Ressource, um ein nachhaltiges Wachstum zu sichern. Setzt man diese Erkenntnis in den Kontext der zunehmenden Globalisierung, ergeben sich für Menschen, Staaten und Gesellschaften neue Herausforderungen und Chancen. 2 Allgemein bekannt ist hier die fast vollständige Mobilität des Kapitals. So dauert es nur noch wenige Sekunden um Milliardenbeträge von einem Ort der Erde zu einem anderen zu transferieren. Wie im weiteren Verlauf der Arbeit gezeigt wird, nimmt aber auch die Mobilität des Produktionsfaktors Arbeit -hier hauptsächlich im Sinne von Studenten- ständig zu. Es ist deshalb für Staaten möglich, durch die Anziehung von Studenten das inländische Humankapital weiter zu erhöhen. Politische und ökonomische Fragen entstehen dann, wenn junge Menschen sich entscheiden, entweder nicht im eigenen Land zu studieren, das Studium vorzeitig abzubrechen oder nach ihrer Ausbildung im Inland ins Ausland zu wechseln. Die Probleme entstehen vor allem dadurch, dass ein Großteil der Hochschulbildung in den industriealisierten europäischen Ländern nach wie vor staatlich finanziert wird (OECD 2007,
1 Da der Begriff „Student“ im Folgenden häufiger verwendet wird, wird er aus Gründen der Vereinfa-
chung für weibliche sowie für männliche Studenten genutzt.
2 Diese Entwicklung findet ihre Ursachen z. B. in dem ständig wachsenden Welthandel oder der Expansi-
on von international tätigen Unternehmen (Salt 1997, S.3). Aber auch sinkende Transportkosten und die
fortschreitende Entwicklung in der Kommunikationstechnologie haben zur Mobilität beigetragen (Gribble
2008, S. 26).
1
S. 210 - 222). Staaten müssen sich demnach fragen, wie z.B. die bestmögliche Finanzierung und Qualität des Hochschulsystems sichergestellt werden kann, um im internationalen Vergleich nicht zurückzubleiben. Auf der anderen Seite dürfen sie die Belange der einheimischen Studenten nicht vernachlässigen, die nicht zwingend mit den Bedürfnissen ausländischer Kommilitonen übereinstimmen.
Neben diesen Fragen, die hauptsächlich auf Gefahren für eine Volkswirtschaft abzielen, gibt es auch Chancen durch die Mobilität von Studenten. So forciert die EU im Sinne des Bologna-Prozesses die Studentenmobilität, um einen Wettbewerb unter den Universitäten und somit unter den Mitgliedsländern anzustoßen. Sie verspricht sich davon eine erhöhte Qualität der Bildung 3 . Hiermit gingen produktivere Studenten einher, da diese eine bessere Ausbildung genießen (Mechtenberg und Strausz 2007, S. 110).
Ein weiterer Punkt ist eine erwartete effizientere Allokation der Studenten, wenn ein Wettbewerb sie dort hinlenkt, wo sie am ehesten gebraucht werden. Dadurch würde die Wohlfahrt der gesamten EU gesteigert (Biffl 2004, S. 65). Auf Grund der europäischen Relevanz des Themas stehen hauptsächlich europäische Länder sowie vereinzelte OECD-Staaten (z.B. die USA) im Mittelpunkt der folgenden Analysen. Die bisherige Auswahl an vorgebrachten Argumenten, sowohl pro also auch contra Studentenmobilität, führt zu einer nicht eindeutigen Sicht, ob ein Staat sich am Wettbewerb beteiligen sollte oder ob er alles daran setzt, einen Konkurrenzkampf zu vermeiden bzw. zu unterbinden. Deshalb befasst sich die vorliegende Arbeit mit dem Phänomen des internationalen Wettbewerbs um mobile Studenten. Dabei werden Theorien zu verschiedenen Gebieten vorgestellt, die sich mit den Folgen mobiler Studenten für Staat und Gesellschaft auseinandersetzen.
Bei der Auswahl der betrachteten Studenten liegt der Fokus auf diejenigen, die ein komplettes Studienprogramm im Ausland absolvieren. Eher geringere Berücksichtigung finden dabei Studenten, die jeweils nur für ein oder zwei Semester im Ausland studieren. Solche Kurzzeitaufenthalte, z.B. gefördert durch Erasmusstipendien, sind auf jeden Fall eine Bereicherung für den kulturellen Austausch sowie eine Erweiterung der Lebenserfahrung des jeweiligen Studenten. Es ist allerdings strittig, ob ein solcher Kurzzeitaufenthalt dazu führt, dass ein Student im Anschluss emigriert (Avveduto und Brandi 2002, S. 7), was erhebliche politische Fragen aufwerfen würde (siehe 3.3 und 3.4).
3 „Bildung“ bezieht sich im weiteren Verlauf der Arbeit auf die Hochschulbildung des tertiären Bildungs-
bereichs.
2
Da sich diese Arbeit, wie bereits erwähnt, eher im Rahmen von OECD-Ländern bewegt, wird die klassische Brain Drain Literatur, die die Abwanderung von hochqualifizierten Menschen von Entwicklungsländern in entwickelte Länder betrachtet (siehe z.B. Grubel und Scott (1966), Bhagwati und Hamada (1974) oder Beine et al. (2001)), nur rudimentär angeschnitten. Es ist jedoch klar, dass eine eindeutige Abgrenzung zwischen der Migration von mobilen Studenten und Brain Drain nur schwer möglich ist. Im weiteren Verlauf der Arbeit wird im Kapitel 2 ein Überblick über die wichtigsten stilisierten Fakten gegeben, um die Größenordnung sowie die Struktur von internationaler Studentenmigration zu erfassen. Außerdem beschäftigt es sich mit den Auswirkungen und Gründen für den Wettbewerb um mobile Studenten. Es werden dort Vor- und Nachteile für die beteiligten Gruppen (Studenten, Staat und Gesellschaft) dargestellt. Dies leitet zum Hauptteil der Arbeit in Kapitel 3 über, welches sich mit theoretischen Überlegungen zum Wettbewerb um mobile Studenten beschäftigt. Verschiedene Modelle, die den aktuellen Forschungsstand abdecken, werden beschrieben, bevor das Kapitel 4 empirische Befunde für den theoretischen Teil aufarbeitet. Die Arbeit schließt mit Kapitel 5, in dem eine kurze Zusammenfassung sowie Implikationen gegeben werden, wie sich die Politik auf den Wettbewerb um mobile Studenten einstellen sollte.
2. Studentenmobilität
Das folgende Kapitel gibt einen Überblick über die Entwicklung von Migrationsbewegungen mobiler Studenten und deren jetziger Größenordnung. Außerdem werden Motive diskutiert, die Studenten dazu veranlassen, mobil zu werden sowie die Motivationen von Staaten und Gesellschaften, dies zu fördern oder zu unterbinden. Möchte man die regionale Dynamik von Studenten abbilden, so sind in diesem Zusammenhang bei den international tätigen Organisationen, wie der UNESCO, der OECD oder EUROSTAT, wichtige Datenquellen zu finden. Allerdings sind die Daten nur unter Vorbehalt verwendbar. So gibt es kaum international einheitliche Definitionen, wann ein Student mobil ist oder wann er als einheimischer Student im Ausland oder als ausländischer Student im Inland gilt. Demnach differieren auch die nationalen Statistiken der einzelnen Länder, womit eine internationale Vergleichbar- und Aggregierbarkeit nur schwer zu erreichen ist (für Definitionen von ausländischen Studenten siehe z.B. OECD 2001, S. 98). Eine einheitliche Definition des internationalen Studenten schlägt z.B. die UNESCO wie folgt vor: „Students who have crossed a national or
3
territorial border for the purposes of education and are now enrolled outside their country of origin.” (UNESCO 2007, S. 193).
2.1 Entwicklungen
Die Anzahl mobiler Studenten nimmt stetig zu. Allein in den Jahren 2001 bis 2005 stieg die Zahl der Studenten, die an einer Universität außerhalb ihres Heimatlandes eingeschrieben waren, im Vergleich zum Jahr 2000, um 50% weltweit. 4 Im gleichen Zeitraum stieg der Bestand an ausländischen Studenten, die in einem OECD-Land studierten, um 49%. Abbildung 1 veranschaulicht diesen Trend sehr deutlich. Zu sehen sind die jeweiligen prozentualen Veränderungen zum Jahr 2000.
Abbildung 1: Entwicklung ausländischer Studenten von 2000 - 2005. Quelle: OECD 2007, S. 324.
Die Marktanteile, also die Verteilung der Studenten auf die jeweiligen Länder, sind in den letzten fünf Jahren relativ stabil geblieben, wie man in Abbildung 2 sehen kann. Außer in den USA, die einen größeren Verlust ihres Marktanteils hinnehmen mussten, kam es zu keinen nennenswerten Verschiebungen. Ein Grund für den Verlust des Marktanteils der USA können die Nachwirkungen des Terrorangriffs vom 11. September 2001 sein. Im Anschluss an die Angriffe verschärften die USA mit dem „Border Security and Visa Entry Reform Act“ die Visa- und Einreisebedingungen auch für Studenten. Folglich blieben ausländische Studenten weg und studierten an alternativen Orten (OECD 2005, S. 259).
Die Entwicklung einer zunehmenden Mobilisierung von Studenten gibt es aber nicht erst seit dem Jahre 2000. Abbildung 3 zeigt das Anwachsen der Studentenzahlen,
4 Im Jahr 2000 gab es 1.818.759 Studenten weltweit, die nicht in ihrem Heimatland studierten. Davon
entfielen 1.545.534 auf OECD-Länder (OECD 2007, S. 324).
4
die außerhalb ihres Heimatlandes studierten, ab dem Jahr 1975. Im Jahre 1975 waren dies noch knapp 600.000 Studenten. Für die letzten verfügbaren Daten, wiederum aus dem Jahre 2005, verzeichnet man mittlerweile eine Zahl von gut 2,7 Millionen Studenten. Verfolgt man die Entwicklung von 1975 bis zum Jahre 2005 registriert man, ebenfalls wie zwischen 2000 und 2005, eine stetige Zunahme der Internationalisierung.
Abbildung 2: Marktanteil an ausländischen Studenten in den Jahren 2000 und 2005.
Abbildung 3: Entwicklung der Anzahl von Studenten, die außerhalb ihres Heimatlandes studierten.
Arbeit zitieren:
Jens Ruhose, 2008, Der internationale Wettbewerb um mobile Studenten - Theorie und Evidenz, München, GRIN Verlag GmbH
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