eine ursprünglich intrinsische Aktivität anbietet“ (Deci/Ryan 1993, S. 226). Es
gibt jedoch eine Ausnahme. Deci und Ryan unterscheiden bei der extrinsischen
Motivation vier Untergruppen und charakterisieren diese nach dem Grad der
Selbstbestimmung. Die „Integrierte Regulation ist die Form der extrinsischen
Motivation mit dem höchsten Grad an Selbstbestimmung“ (Deci/Ryan 1993, S.
228). Diese Form wirkt sich also neben der intrinsischen Motivation ebenfalls
positiv auf das Lernen aus.
Die logische Schlussfolgerung ist, dass bei Schülern und Schülerinnen die
intrinsische Motivation und/oder die integrierte Regulation gefördert werden
muss, um den Grad der Selbstbestimmung möglichst hoch zu halten und somit die
Qualität des Lernens zu steigern. Beobachtet man jedoch den Schulalltag so
bekommt man den Eindruck, dass extrinsisch motivierte Handlungen bei den
Lernenden vorherrschen. Straffe Lehrpläne, vorgegebene Zeitpunkte für große
Prüfungen, Klassenarbeiten oder Klausuren, Kontrolle von Hausaufgaben oder der
Zwang am Ende eines Schuljahres eine festgelegte Anzahl von Zensuren zu
erreichen, scheinen intrinsische Motivation oder integrierte Regulation unmöglich
zu machen. Die Selbstbestimmung scheint in der Schulpraxis unterzugehen. Somit
lässt sich zunächst ableiten, dass es zunächst einmal wichtig für Lehrende ist, die
Selbstbestimmungstheorie zu kennen, um zu versuchen diese soweit möglich
umzusetzen oder aber zumindest bei der Planung von Unterricht im Hinterkopf zu
haben.
Bevor weitere Antworten auf die Fragestellung dieses Essays gegeben werden
können, muss der zweite Teil des Artikels von Deci und Ryan untersucht werden.
Neben dem bisher genannten behandeln die Forscher nämlich auch die Bedeutung
der sozialen Umwelt für die Entstehung selbstbestimmten Handelns. So bringen
sie zum Ausdruck “…, dass soziale Umweltfaktoren, die den Heranwachsenden
Gelegenheit geben, ihre Bedürfnisse nach Kompetenz, Autonomie und sozialer
Eingebundenheit zu befriedigen, das Auftreten intrinsischer Motivation und die
Integration extrinsischer Motivation erleichtern“ (Deci/Ryan 1993, S. 229f.).
Durch die Schaffung einer Umwelt, welche der Kompetenz, der Autonomie und
dem Bedürfnis nach sozialer Eingebundenheit eines/r Schülers/in förderlich ist,
kann der Grad an Selbstbestimmung und somit die Qualität des Lernens gesteigert
werden. Ein Lehrender kann Entscheidendes zur Schaffung einer solchen
Atmosphäre beitragen, stößt jedoch in vieler Hinsicht auch an Grenzen. Deci und
Ryan stellen die Ergebnisse verschiedener Experimente zusammen, welche
nachweisen, dass bestimmte Kriterien die intrinsische Motivation „unterminieren“
(Deci/Ryan 1993, S. 230). So gilt als erwiesen, dass materielle Belohnungen,
Strafandrohungen, Bewertungen, Termindruck, aufgezwungene Ziele und
besondere Auszeichnungen als Kontrolle von Außen erlebt werden und somit die
Erfahrung von Selbstbestimmung verhindern (vgl. Deci/Ryan 1993, S. 226).
Auffällig ist, dass all diese Faktoren in unserer Lebenswelt an der Tagesordnung
sind und jeder täglich mit ihnen in Berührung kommt. Der Lohn, welcher am
Monatsende für die erbrachte Arbeitsleistung gezahlt wird ist materieller Natur,
bestraft werden Gesetzesverstöße, Bewertungen muss sich ein Mensch schon
beim ersten Small Talk mit einer fremden Person unterziehen, Termine sichern
die zeitliche Koordination zwischen Menschen, Ziele können nicht immer selbst
gesteckt sein und besondere Auszeichnungen sind für viele Menschen integraler
Anreiz Höchstleistungen zu erbringen. Schule muss demzufolge auf all diese
Situationen, sind sie doch Grundpfeiler unseres täglichen Lebens, vorbereiten.
Den Ergebnissen der Experimente konsequent Rechnung zu tragen, würde jedoch
bedeuten dieses nicht zu tun - ein unvorstellbares Szenario. Deci und Ryan
scheinen dies erkannt zu haben und fügen ihren Ausführungen hinzu, dass es auf
die Art und Weise ankommt in der Rückmeldungen, auch kontrollierenden Stils
gegeben werden (vgl. Deci/Ryan 1993, S. 230). Man ist also keineswegs der
Meinung externe Kontrollfaktoren vollständig abschaffen zu müssen, um ein
möglichst hohes Maß an intrinsischer Motivation zu erreichen - diese Ansicht
wäre auch mehr als weltfremd. Lernende brauchen ein gewisses Maß an
Anleitung und eben auch Kontrolle. Die Lehrperson kann aber durch bestimmte
Maßnahmen einen Rahmen schaffen, der intrinsische Motivation fördert.
Nachweislich positiv wirkt sich das Angebot von Wahlmöglichkeiten aus (vgl.
Deci/Ryan 1993, S. 230). Auch im schulischen Kontext liegt auf der Hand, dass
Schülern/innen die Möglichkeit geboten werden sollte, innerhalb eines definierten
Spielraumes selbstständig zwischen Optionen wählen zu können. Stellt die
Lehrperson also anstatt einer Aufgabe, welche von allen Lernenden bearbeitet
werden muss, mehrere zur Auswahl so trägt das zum Autonomiegefühl der
Lernenden bei (Beschert der Lehrperson jedoch auch einen erheblich höheren
Aufwand bei der Unterrichtsvorbereitung.). Die „Äußerung anerkennender
Gefühle“ (Deci/Ryan 1993, S. 230) wirkt ähnlich und stellt für eine Lehrperson
Arbeit zitieren:
Silvio Holland-Moritz, 2008, Die Selbstbestimmungstheorie nach Deci und Ryan, München, GRIN Verlag GmbH
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