Darüber hinaus werden aber durch einen solchen Schritt auch die Entwicklungsländer stärker in die globalen Klimaschutzdiskussion und -maßnahmen einbezogen 7 und dem Aspekt Rechnung getragen, das die Vermeidung von Entwaldung nicht nur eine CO2 Vermeidung bedeutet, sondern das die Diskussion um den Schutz des Lebensraumes Wald gleichzeitig auch einen größeren Schutz unserer globalen Biodiversität, des Natur- und Artenschutzes, beinhaltet. 8
Einen Großteil der relevanten globalen Waldbestände machen die Regenwälder in Amazonien, im Kongo und in Papua Neu Guinea aus. Allein in Papua Neu Guinea schätzt man das Vorhandensein von rund 7,5% der globalen Biodiversität auf weniger als 1% der Landmasse der Erde. 9
Insofern ist die Einbeziehung der Diskussion der Reduktion der Entwaldung oder besser: REDD: Reducing Emissions from Deforestation and Degradation in Developing Countries in die Klimadebatte sinnvoll und wichtig, da derzeit auch falsche Anreizsysteme bestehen, und z.B. Regenwald abgeholzt wird um Flächen für den Anbau von Biomasse für die Bioenergiegewinnung zu nutzen 10 .
Grds. sind im Rahmen der Klimarahmenkonvention FCCC und darauf aufbauend im Kyoto-Protokoll mit den Kyoto-Mechanismen CDM, Clean Development Mechanism und JI, Joint Implementation bereits erste Grundlagen geschaffen, die noch weiter ausgebaut und detailiert werden müssen. 11
2. REDD: Aspekte der Kostenberechnung und mögliche Unsicherheiten 2.1 Aspekte der Kostenberechnung
Eine für den Stern Review erstellte Studie zu den möglichen direkten Kosten 12 definiert Entwaldung als die vollständige Entfernung der Waldvegetation zum Zwecke der Nutzung der Fläche für Agraranwendungen oder andere Landnutzung und be-
7 GTZ,2007
8 HOPPE, T., 2007
9 UNFCCC, 2007
10 GTZ, 2007
11 LOFT, 2007
12 GRIEG-GRAN, 2006
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schreibt im wesentlichen drei Bereiche mit vielfältigen Einflussfaktoren, die für die Kostenabschätzung von Bedeutung sind. 13
I. Wert der ökonomischen Aktivität, die die Entwaldung verursacht mit den Einflussfakoren:
- tatsächliche Nutzung
- Klima
- Art der Bewirtschaftung (klein, mittel, gross)
- Technikeinsatz
- Entfernung zum Markt
- Infrastruktur, insb. Transportinfrastruktur
- zugrunde gelegter Abzinsungsfaktor/Diskontzinssatz
- Betrachtungszeitraum
- Bewertung der Arbeitskosten (z.B. Familienarbeit)
- Bewertung des Landwertes
- Bewertung des Holzwertes
II. Verwaltungs,- Überwachungs- und Durchsetzungskosten für die Regierungen
III. Ein Anreizelement, die Punkte 1. und 2 effektiv umzusetzen
Die ökonmische Aktivität zu I. variiert natürlich von Land zu Land. Beispielsweise kommen Kaffeeanbau, Rinderzucht, Soyaanbau in Frage. Somit sind Kostenabschätzungen sinnvoll länderweise vorzunehmen. Wesentliche Zielländer für die Kostenabschätzungen insbesondere zu I. sind im ersten Schritt Brasilen, Indoniesien, Papua Neu Guinea, Kamerun und der Kongo. Länder wie China und Costa Rica, die schon Maßnahmen gegen die Entwaldung ergriffen haben, sind dann insbesondere unter II. zu berücksichtigen. 14 .
Auf der Grundlage der Kostenberechnungen zu I. und II., lassen sich dann die die Opportunitätskosten für die vermiedenen bzw. zu vermeidenden Entwaldung ablei-
13 GRIEG-GRAN,2006
14 GRIEG-GRAN, 2006
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ten, die man Länderweise anbieten muss, ggfs. ergänzt um eine Anreizprämie, um die Entwaldung lokal zu vermindern 15 .
Wichtige lokale Einflussgrößen sind ebenfalls, wie bereits dargestellt, klimatische Bedingungen und Transportinfrastruktur und Entfernung der Märkte Kostenbewertung etc., die die Nutzung und die Ertragsmöglichkeiten beeinflussen. Somit ergeben sich unterschiedliche Opportunitätskosten, die dazu führen, das die Vermeidung von Entwaldung in manchen Ländern günstiger als in anderen Ländern wäre. Rein rechnerisch wären, bei dem Modell von Karousakis, z.B. die Kosten für vermiedene Entwaldung in Afrika am günstigsten. Gefolgt von Südamerika und Asien. 16
2.2 Mögliche Unsicherheiten
Kostenschätzungen reichen von 1 USD bis 50 USD pro vermiedenen Tonne CO2 17 und Verwaltungskosten von USD 4 bis USD 15 pro Hektar vermiedener Entwaldung 18 . Alleine an der Bandbreite wird schon deutlich, das erhebliche Unsicher-heitsfaktoren bestehen, die letztlich nur bedingt genauer abgeschätzt werden können. Schaut man sich die dargestellten Einflussfaktoren unter 2.1 und auch ihre teilweise lokale Abhängigkeit und auch subjektive Einschätzungen an, ist dies letztlich nicht verwunderlich, macht aber die Berechnung als Grundlage der Finanzierung, schwierig und durchaus angreifbar.
Auch die Berechnung der tatsächlichen und vermiedenen Entwaldung ist schwierig, da unterschiedliche Datenbasen existieren, die nur bedingt vergleichbar sind. Es gibt auch Wiederaufforstung und natürliche Entwaldung, so daß die Netto-Entwaldung schwer zu berechnen und auch zu überwachen ist. Hier gibt es erste Ideen und Vorschläge zur Messung und Schaffung einer einheitlichen Datenbasis 19 .
Das angestrebte Ziel, die Entwaldung vom derzeitigen Level zu halbieren entspricht in etwa 6,2 Mio Hektar vermiedene Entwaldung pro Jahr. Die Kosten sind also im
15 STERN, 2006
16 KAROUSAKIS, 2007
17 KAROUSAKIS, 2007
18 GRIEG-GRAN, 2006
19 EUROPÄISCHE KOMMISSION, 2008
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ersten Jahr für diese Fläche zu leisten, im zweiten Jahr für diese und die neue, im dritten Jahr für die beiden ersten Flächen und die wieder neue etc. 20 Wenn man diese Potenzen auf die Bandbreiten bezieht, entstehen Summe von 250 MIO USD bis 1 MRD USD im 10. Jahr 21 . Es verwundert insofern nicht, das von den Ländern mit harten Bandagen um die Finanzierung bzw. über die Bereitstellung der Mittel, die Verteilung der Lasten gestritten wird.
Auch wenn man dem ökonomischen Prinzip folgen wollte, die günstigste Lösung umzusetzen, - so man sich überhaupt auf ein Bewertungsmodell einigen könntez.B. die Vermeidung von Entwaldung in Afrika, ist dies politisch wohl schwer durchsetzbar. Die Lasten müssen finanziell aber auch von der Reduktion her sinnvoll global verteilt werden 22 .
Also müssen die Klimaschutzbemühungen in allen Bereichen in den Industrieländern fortgesetzt, die Bemühungen in den weniger entwickelten Märkten unterstützt werden und die richtigen Anreize gegeben werden. Diese sind tendenziell lokal und durchaus unterschiedlich. Fehlentwicklungen und falsche Anreizsysteme sind zu vermeiden 23 .
Nicht nur der Stern Review 24 macht jedoch eins deutlich und dies absolut glaubhaft und nachvollziehbar:
-Das Risiko irreversibler Einflüsse des Klimawandels besteht
-Entwaldung hat einen deutlichen Anteil daran
-Die Kostenschätzungen sind in der Bandbreite weit und schon jetzt hoch, lassen aber wichtige Kosten/Betrachtungen noch aussen vor
-Unabhängig der tatsächlichen Kosten, die schwer vorherzusagen sind,
Das Fazit kann nur lauten: Je früher gehandelt wird, desto geringer sind die Kosten.
20 GRIEG-GRAN, 2006
21 GRIEG-GRAN, 2006
22 HOPPE, 2007
23 HOPPE, 2007
24 STERN, 2006
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Literaturverzeichnis
Europäische Kommission, Ansatz zur Abschätzung und Anrechnung vermiedener Entwaldung in Tropenländern(2008), veröffentlich u.a. im Internet unter: http://www.gtz.de/de/dokumente/de-themenwerkstatt-klimaschutz-walderhalt-fernerkundung.pdf
UN-FCCC Secretariat, Working Paper No. 1 (a) (2006), Background Paper for the Workshop on Reducing Emissions from Deforestation in Developing Countires -Part I: Scientific, socio-economic, technical and methodological issues related to deforestation in developing countries , veröffentlicht u.al im Internet: http://unfccc.int/resource/docs/2007/sbsta/eng/03.pdf
GTZ, Reducing Emissions from Deforestation in Developing Countries, (2007), veröffentlich u.a. im Internet unter: www.gtz.de/dokumente/bib/07-0646.pdf
Maryanne Grieg-Gran, The Cost of Avoiding Deforestation, 2006, International Institute for Environment and Development, www.ieed.org
Thilo Hoppe, Waldschutz Amazonien - die Erhaltung von Lebenswelt und Klima (2007), Heinrich Böll Stiftung, Veröffentlicht u.a. im Internet unter: www.boell.de/oekologie/klima/klima-energie-2112.html
Katia Karousakis, Incentives to reduce GHG Emissions from Deforestation... (2007), Organisation for Economic Co-operation and Development (OECD), veröffentlicht u.a. im Internet unter: www.oecd.org/dataoecd/55/54/38523758.pdf
Lasse Loft, Der Markt für biologische Kohlenstoffspeicherung als Finanzierungsinstrument für Schutzgebiete, (2007), veröffentlicht u.a. im Internet unter: http://www.4sustainability.org/downloads/Loft2007Markt_fuer_biolog_CO2_Speiche rung.pdf
UNFCCC, Reducing Emissions from Deforestation in Developing Countries, COP-11 Agenda Item #6, Workshop (2006), Veröffentlich u.a. im Internet unter: www.unfccc.int/files/methods_and_science/lulucf/application/vnd.ms-powerpoint/060830_iamo.ppt
Nicholas Stern, The Economics of Climate Change: The Stern Review (2006), (”The Stern Review: The Economics of Climate Change”). Veröffentlicht u.a. im Internet unter: http://www.hm-treasury.gov.uk/sternreview_index.htm
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Arbeit zitieren:
Frank Winnenbrock, 2009, Reed - Neuer Wein in alten Schläuchen, oder notwendige Aktualisierung der Klimadebatte?, München, GRIN Verlag GmbH
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