Inhaltsverzeichnis
1. E i n l e i t u n g 3
2. A u s w a h l d e s M a t e r i a l s 4
3. Fallbestimmung 5
4. F e i n a n a l y s e 6
5. F a z i t 2 1
6. Literatur- und Quellenverzeichnis 22
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1. Einleitung Im Rahmen des Seminars „Einführung in die pädagogische Kasuistik“ wurden wir Studierende an die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Interaktionsprotokollen, Unterrichtstranskripten und diversen anderen pädagogisch wertvollen Texten herangeführt. Im Vordergrund stand die von Andreas Wernet entwickelte Interpretationstechnik der Objektiven Hermeneutik, die bereits einen wertvollen Beitrag zur empirischen Bildungsforschung leisten konnte. Die Methode der objektiv-hermeneutischen Interpretation werde auch ich in dieser Hausarbeit anwenden, um der Frage nach der Bedeutung und dem Zwi-
schenspiel von Didaktik und Erziehung im Grammatikunterricht nachzugehen. Zunächst werde ich meine Auswahl des Fallmaterials begründen und eine Fallbestimmung durchführen, um die Frage „Worum geht es im Fallmaterial?“ zu beantworten. Anschließend erfolgt die Fein- oder Sequenzanalyse, die sich zum größten Teil der Methodologie von Wernet unterzieht und eine Antwort auf die in der Fallbestimmung formulierte Hypothese liefern soll. Zum Schluss werde ich in einem Fazit die Ergebnisse meiner Feinanalyse
zusammenfassen. Ich möchte hierbei dankend das Archiv für pädagogische Kasuistik (ApaeK) der Universität Frankfurt erwähnen, aus welchem das vorliegende Unterrichtstranskript einer Englisch-
2. Auswahl des Materials
Als zu untersuchendes Material habe ich den Anfang eines Unterrichtstranskriptes einer Englischstunde an einem Gymnasium (6. Klasse) gewählt. Zumal in den unteren Klassen noch sehr stark die Grammatikvermittlung im Vordergrund des Englischunterrichts steht, wird es interessant sein zu sehen, auf welche Art und Weise den jungen Schülern die grammatischen Strukturen ihrer ersten Fremdsprache beigebracht werden.
Da ich in Südafrika aufgewachsen bin und Englisch meine zweite Muttersprache ist, bin ich erst in den letzten drei Jahren in Deutschland, insbesondere im Zusammenhang mit Nachhilfeunterricht, der Grammatikvermittlung des Englischen nähergekommen. Im Umgang mit Schülern, die mit dieser ihnen „fremden“ Sprache zu kämpfen haben, sind mir erstmals die Schwierigkeiten bewusst geworden, auf die Lerner beim Erwerb und Lehrer beim Unterrichten des Englischen stoßen können.
Obwohl ich nicht Englisch studiere, habe ich bereits einige Erfahrung in der Vermittlung des Englischen durch das Erteilen von Nachhilfeunterricht (Gruppen- sowie Einzelnachhilfe) sammeln können. Die Fremdsprachendidaktik meines Studienfaches Französisch verhalf und verhilft mir weiterhin, Einblicke in die komplexe Vermittlung von Fremdsprachen zu verschaffen. Demzufolge möchte ich, wenn auch gewissermaßen fachfremd, mich an die Analyse und Interpretation des vorliegenden Fallmaterials wagen.
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3. Fallbestimmung Das Unterrichtstranskript der Englischstunde stammt aus einer sechsten Klasse eines Gymnasiums. Zur Anzahl der Schüler wird keine Auskunft gegeben, doch angegeben ist, dass es sich um die erste Unterrichtsstunde des Tages handelt (7.30 Uhr bis 8.15 Uhr). Thema der Englischstunde ist die einfache Vergangenheitsform past tense, auch simple
past oder past simple genannt. Es handelt sich um eine Zeitform, die in der Regel durch das Anfügen des Suffix -ed an den Infinitiv gebildet wird, z. B. to walk Æ I walked, to play Æ she played, to learn Æ we learned, to look Æ they looked usw. Das past tense von unregelmäßigen Verben muss dagegen von Schülern auswendig gelernt werden („2. Verbform“), wobei diese Ausnahmen häufig den Sonderfällen des deutschen Präteritums entsprechen und sogar ähneln, z. B. to eat Æ I ate (Ich aß), to run Æ she ran (sie rannte), to swim Æ we swam (wir schwammen), to come Æ you came (ihr kamt) usw. Der Gebrauch des past tense entspricht entweder dem
des deutschen Präteritums oder dem des deutschen Perfekts. Ein kleineres Problem wirft die Negation im past tense auf, die mit der Vergangenheits-form des Hilfsverbs to do, dem Adverb not und dem Infinitiv gebildet wird. So wird bspw. Ich habe das Auto nicht gesehen bzw. Ich sah nicht das Auto mit I did not see the car übersetzt und nicht mit *I saw not the car, welches der Negation im deutschen Präteritum entsprechen würde. Eine solche Verneinung war allerdings noch vor 400 Jahren im Engli-
schen üblich und ist in zahlreichen Werken von Shakespeare zu lesen. Zu Beginn der vorliegenden Englischstunde werden die Regeln der Past-Tense-Bildung in einem Unterrichtsgespräch wiederholt, welches Bestandteil dieser Fallanalyse sein wird. Nach dem Unterrichtseinstieg verfassen die Schüler einen Text, der den Ablauf des vorigen Tages beschreiben soll. Dieser Text wird anschließend von Schülern vorgelesen. An-hand eines im Schulbuch abgedruckten Textes werden die Verben herausgesucht und die dazugehörige Bedeutung und der Infinitiv zusammengetragen. Schließlich werden wichtige unregelmäßige Verben an der Tafel festgehalten und die Schüler mit einer Tabelle ver-
Ein erster Leitbegriff, der mich in dieser Fallanalyse begleiten wird, ist die Didaktik, insbesondere die Fremdsprachendidaktik. Denn auf den ersten Blick handelt es sich im Einstieg dieser Unterrichtsstunde um Grammatikvermittlung bzw. um dessen Wiederholung. Im Zentrum des Fallmaterials steht zum einen dementsprechend die „Lösung des Vermittlungsproblems im Interesse methodisch kontrollierter Welterschließung“. Allerdings werde ich ebenso ein Augenmerk auf die Bedeutung von Erziehung in diesem Unterrichtseinstieg richten. Obwohl man die Vermittlung grammatischer Strukturen eher der Didaktik als der Erziehung zuordnen würde, möchte ich untersuchen, inwiefern und in welchem Ausmaß auch Elemente der „Integration der Heranwachsenden in die moderne Gesellschaft unter den Geboten der Mündigkeit und Autonomie“ am Beginn der Englischstunde aufzuweisen sind. Um meinen Überlegungen nachzugehen, werde ich den Unterrichtseinstieg der Eng-lischstunde sequentiell analysieren und objektiv-hermeneutisch interpretieren. Zu Beginn der Feinanalyse werde ich exemplarisch noch jeden der drei von Andreas Wernet empfohlenen Schritte der objektiv-hermeneutischen Interpretation unternehmen (Geschichten erzählen, Lesarten bilden und die Konfrontation mit dem tatsächlichen Äußerungskontext).
4. Die Feinanalyse
Zunächst werde ich mich Satz für Satz mit den einleitenden Worten der Lehrkraft befassen, die sich im Transkript über vier Zeilen erstrecken.
Lw:
Thema ist past tense.
Geschichten
Obwohl die Formulierung Thema ist… in einer Vielzahl von verschiedenen Kontexten denkbar ist, wird sie durch das darauffolgende past tense bereits eingeschränkt. Thema ist daher eine englische Zeitform. Eine solche Äußerung kann unter Schulfreunden, Englischlehrern oder zwischen Schüler und Elternteil fallen. Eine Schülerin kann zu ihrer Freundin sagen: „Nicht vergessen, morgen schreiben wir eine Klassenarbeit in Englisch. Thema ist
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Andreas Mittag, 2009, Didaktik und Erziehung in der Grammatikvermittlung – Fallanalyse aus dem Englischunterricht, Munich, GRIN Publishing GmbH
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