Der Vietnamkrieg gilt bis heute als Trauma Amerikas; mitten im Kalten Krieg erleben die USA einen Krieg, der für sie nicht zu gewinnen ist. Das Selbstbewusstsein der amerikanischen Nation, die nach dem Zweiten Weltkrieg als strahlender Held gilt, erhält plötzlich Risse. Nicht einmal auf die Unterstützung Europas kann Amerika noch bauen. Und das, obwohl es gilt, den Dominostein Vietnam mitten im Kräftemessen mit der Sowjetunion zu halten. Aber der Vietnamkrieg begann nicht erst 1964, sondern folgt einer jahrzehntelangen Rutschbahn in die finale Krise.
Warum ist den USA das kleine Land in Südostasien so wichtig und was führt zum Debakel, das bis heute als schwarzer Fleck auf der US-amerikanischen Seele lastet?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Vorgeschichte und Kriegsbeginn
3. Mitten im Krieg
3.1. Die Tonking-Resolution und der amerikanische Weg in den Krieg
3.2. Amerikanisierung des Vietnamkriegs
3.3. Verhandlungsversuche
3.4. Antikriegsbewegungen: Öffentliche Meinung und die Medien
3.5. Die Wende: Tet-Offensive 1968
3.6. Vietnamisierung unter Nixon
4. Der lange Weg zum Kriegsende
5. Bilanz
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit analysiert den Vietnamkrieg im Kontext des Kalten Krieges, untersucht die Ursachen für das amerikanische Engagement sowie die Gründe für das Scheitern der US-Strategie.
- Historische Ursprünge und der Indochina-Konflikt
- Der stufenweise Prozess der militärischen Eskalation
- Die Rolle der öffentlichen Meinung und der Medien
- Die Wende durch die Tet-Offensive 1968
- Die Auswirkungen der Nixon-Doktrin und die Beendigung des Krieges
Auszug aus dem Buch
3.2. Amerikanisierung des Vietnamkriegs
Am 8. März 1965 betraten zum ersten Mal seit dem Koreakrieg wieder amerikanische Kampftruppen asiatischen Boden: 3500 Marines gingen in Da Nang an Land. Betrug die Gesamtzahl der US-Streitkräfte in Vietnam 1965 bereits 185.000 Mann, so steigerte sich die Zahl bis im März 1969 in Südvietnam sogar auf 543.000. Diese Truppen sollten, in Zusammenarbeit mit der Armee der Republik Vietnam (ARVN), den von William C. Westmoreland, US-General und Oberbefehlshaber in Südvietnam, und seinem Stab entwickelten Kriegsplan ausführen. Unter anderem die Abnutzungsstrategie (strategy of attrition), die folgende Punkte beinhaltete: search and destroy, clearing und securing operations. Auf der Suche nach Hauptquartieren der NLF richteten die Amerikaner mit ihrer Luftwaffe, insbesondere mit dem Einsatz von B52-Bomben, Napalm und Entlaubungsmitteln sowie dioxinhaltigen Pflanzengiften schwere Verwüstungen an - ohne ihre Ziele, „[...] dem Vietcong klarzumachen, dass er nicht siegen kann [...]“ und Hanoi zum Einlenken zu zwingen, zu erreichen. Dennoch hielt man verbissen an dieser Strategie fest.
In den USA führten die unterschiedlichen Auffassungen über die Sinnhaftigkeit der militärischen Aktionen zur Spaltung zwischen Zivilpolitikern (Tauben) wie McNamara und Militärs (Falken), die Johnson in ein Dilemma stürzten, aus dem er nicht mehr heraus fand, um eine klare Position einzunehmen. Dieses Schwanken zwischen dem Widerwillen am Krieg und seiner Behinderung der Vision einer „Great Society“ in den USA einerseits und die Angst vor einem Siegeszug des Kommunismus (Dominotheorie) und dem möglichen Prestigeverlust der USA andererseits manövrierten Johnson und seine Administration in eine Sackgasse.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet das Trauma des Vietnamkriegs und die Frage, warum das militärische Engagement für die USA in einem historischen Debakel endete.
2. Vorgeschichte und Kriegsbeginn: Dieses Kapitel zeichnet die koloniale Vergangenheit Vietnams und den Übergang vom französischen Indochina-Krieg zur US-amerikanischen Einmischung nach.
3. Mitten im Krieg: Der Abschnitt detailliert die Eskalationsstufen, von der Tonking-Resolution über die massive Truppenaufstockung bis hin zur psychologischen Wende durch die Tet-Offensive.
3.1. Die Tonking-Resolution und der amerikanische Weg in den Krieg: Hier wird der zweifelhafte Vorfall um die „USS Maddox“ als Legitimationsgrundlage für das militärische Eingreifen der USA analysiert.
3.2. Amerikanisierung des Vietnamkriegs: Dieses Kapitel beschreibt den direkten Eintritt US-amerikanischer Kampftruppen und die Umsetzung der ineffektiven Abnutzungsstrategie.
3.3. Verhandlungsversuche: Es werden die verschiedenen, weitgehend erfolglosen diplomatischen Initiativen zur Friedensfindung zwischen 1965 und 1967 aufgeführt.
3.4. Antikriegsbewegungen: Öffentliche Meinung und die Medien: Der Einfluss der Medienberichterstattung und des studentischen Protests auf die US-Innenpolitik wird hier beleuchtet.
3.5. Die Wende: Tet-Offensive 1968: Das Kapitel behandelt den strategischen Großangriff des Vietcong, der das Vertrauen der US-Öffentlichkeit nachhaltig erschütterte.
3.6. Vietnamisierung unter Nixon: Fokus auf die Strategie Nixons, die Verantwortung schrittweise an Südvietnam zu übertragen, flankiert von diplomatischen Manövern gegenüber China und der UdSSR.
4. Der lange Weg zum Kriegsende: Zusammenfassung der schwierigen Phase des Truppenabzugs, der kambodschanischen Invasion und der schwierigen Friedensverhandlungen bis zum Fall Saigons.
5. Bilanz: Eine kritische Betrachtung der humanitären, ökologischen und psychologischen Folgen des Krieges für Vietnam sowie für die US-Veteranen.
Schlüsselwörter
Vietnamkrieg, USA, Kalter Krieg, Domino-Theorie, Vietcong, Tonking-Resolution, Lyndon B. Johnson, Richard Nixon, Tet-Offensive, Ho Chi Minh, Indochina, Antikriegsbewegung, Napalm, US-Außenpolitik, Friedensabkommen von Paris.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit bietet einen historischen Überblick über den Vietnamkrieg zwischen 1965 und 1975 und analysiert das militärische und politische Scheitern der USA in diesem Konflikt.
Welches übergeordnete Ziel verfolgt die Autorin?
Das Ziel ist es, den stufenweisen Prozess der amerikanischen Verstrickung in den Krieg sowie die Gründe für die Unmöglichkeit eines Sieges in diesem asymmetrischen Konflikt darzulegen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der militärischen Eskalation unter verschiedenen US-Präsidenten, der Rolle der Medien, den Auswirkungen der Anti-Kriegs-Proteste und den langfristigen sozialen Folgen für Veteranen und die vietnamesische Zivilbevölkerung.
Welche methodische Vorgehensweise liegt dem Text zugrunde?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf einer umfassenden Auswertung zeitgenössischer Fachliteratur und Dokumentationen basiert.
Was charakterisiert den Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert den Krieg chronologisch und thematisch, wobei sowohl die militärischen Strategien wie die „Abnutzungsstrategie“ als auch die diplomatischen Bemühungen Nixons und Kissingers untersucht werden.
Welche Rolle spielt die „Domino-Theorie“ in diesem Kontext?
Sie dient als zentrale ideologische Rechtfertigung für das Eingreifen der USA, da man fürchtete, dass der Fall Vietnams an den Kommunismus eine Kettenreaktion in ganz Südostasien auslösen würde.
Welche Bedeutung hatte die Tet-Offensive für den weiteren Kriegsverlauf?
Sie markiert einen Wendepunkt, da der überraschende Großangriff das Vertrauen der amerikanischen Bevölkerung in einen Sieg dauerhaft untergrub und Präsident Johnson zur Kursänderung zwang.
Was beinhaltet die „Nixon-Doktrin“?
Die Doktrin sah vor, den Krieg „ehrenvoll“ zu beenden, indem die südvietnamesischen Truppen (Vietnamisierung) zunehmend eigenständig kämpften, während gleichzeitig diplomatische Druckmittel gegenüber den Schutzmächten Nordvietnams genutzt wurden.
- Arbeit zitieren
- Edith Reinisch (Autor:in), 2009, Der Vietnamkrieg 1965 - 1975, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/129193