Gliederung
1. Einleitung. 4
2. Die Motivation zur Feldforschung 5
3. Der Forscher als " Instrument" 7
3.1. Der wissenschaftliche Anspruch. 7
3.2. Der Feldforscher im zwischenmenschlichen Spannungsfeld 9
4. Identität und Rollenerwartung. 12
5. Schluß 15
Literaturverzeichnis 17
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„Es kann, wie wir meinen, kein Zweifel darob vorwalten, (und unsere Leser werden vermutlich derselben Meinung sein), daß sein Beweggrund einzig & allein darin bestand: im Busen der Wildnis jenen Frieden zu suchen dessen unter Mitmenschen sich zu erfreuen, sein angeborener Charakter ihm nicht erlaubte. Er floh in die Wüste, wie zu einer Freundin. Einzig unter diesem Blickwinkel betrachtet lassen sich zahlreiche Stellen seines Berichtes mit unseren Vorstellungen von normalmenschlichem Verhalten einigermaßen vereinbaren.“ (Edgar Allan Poe: Zur Einführung. Aus: Das Tagebuch des Julius Rodmann.)
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1. Einleitung
Was bedeutet die Feldforschung für den Ethnologen, der nicht nur als Forscher, sondern auch als subjektiv erlebender Mensch, das "Feld" erlebt? Was geschieht, wenn die "bunte" Schreibtischtheorie plötzlich zur problematischen, oft unverständlichen Realität wird und der Ethnologe sich überfordert fühlt? Claude Levi-Strauss sieht in der Feldforschung sogar eine Initiation, die aus dem Forscher einen neuen Menschen macht, und durch die er, auch wenn sie physisch und psychisch schmerzhaft sein kann, neue und sinnvolle Erkenntnisse über sich und die untersuchte Gesellschaft erlangt.
Bis Ende der 60er Jahre wurde aus der Feldforschung jeder subjektive und individuelle Aspekt des Ethnographen rigoros gestrichen. Man versuchte ,so einem klassischen Wissenschaftsideal gerecht zu werden, das von der Ethnologie eine exakte und rein objektive Darstellung von Daten und Eindrücken verlangte. Die eigene Person (besonders die persönlichen Erfahrungen des Forschers, die ihm zu diesen Daten verholfen hatte) war in der klassischen ethnographischen Monographie fehl am Platz; nicht zu erschütternde Selbstgewißheit und "Resultate" sollten vermittelt werden.
Erst Ende der 60er Jahre entfachte sich eine Grundfragendiskussion in der Ethnologie, über ihren Objektivitätsbegriff. Zum Teil wurde sie ausgelöst durch den fachinternen Skandal um die Veröffentlichung der Tagebücher Malinowskis (25 Jahre nach seinem Tode). In nie dagewesener Offenheit berichtet Malinowski in seinen Tagebüchern (die nicht für eine allgemeine Leserschaft bestimmt waren) minutiös über seine persönlichen Probleme und Erfahrungen während der Feldforschung.
Durch die Krise der Ethnologie, die zum Teil bis heute andauert, wurde die Frage nach der Wirklichkeit des Ethnologen neu gestellt. Gerade in Hinblick auf diese Fragestellung bieten die persönlichen Schriften und Aufzeichnungen der Ethnologen Einblicke in die subjektiven Aspekte der Feldforschung.
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Im folgenden sollen die spezifischen intellektuellen und emotionalen Konflikte einiger bekannter Ethnologen: Claude Levi-Strauss, Bronislaw Malinowski, Sir Edward Evans-Pritchard, Laura Bohannan anhand ihrer zum Teil persönlichen Aufzeichnungen, die sie während der Feldforschungsphase festgehalten haben, unter verschiedenen Aspekten betrachtet werden. Die Daten stammen aus Tagebüchern, Forschungsberichten und einem autobiographischen Roman.
2. Die Motivation zur Feldforschung
Der Motivation zur Feldforschung, sowie überhaupt zur Ethnologie liegen bewußte und unbewußte Beweggründe zugrunde. Diese Motive werden von persönlichen und von äußeren Bedingungen (wie z.B. der Gesellschaft, den finanziellen und politischen Gegebenheiten) bestimmt. Wie sich besonders die Flucht aus der eigenen Kultur oder die Zuflucht in eine fremde Kultur als treibende Kraft manifestiert, belegen die Aufzeichnungen von Levi-Strauss und B. Malinowski. Claude Levi Strauss beschreibt die Ethnographie als eine der seltenen wirklichen Berufungen, wie Mathematik oder Musik, deren Größe und Elend es ist, entweder Zuflucht oder Mission zu sein. (vgl. Levi-Strauss 1955:48).Gerade der Aspekt der Zuflucht in eine andere Kultur, verbunden mit dem Unbehagen gegenüber der eigenen Kultur, ist in dem autobiographischen Reisebericht "Traurige Tropen" oft Gegenstand der persönlichen Betrachtung.
Levi-Strauss hatte erst nach fast abgeschlossenem Philosophiestudium, das er im Laufe der Zeit als immer stärker entfremdet erlebte, zur Ethnologie gefunden, welche er selbst "Rettungsplanke" nennt. Insbesondere die Vorstellung von einer "...vermeintlich noch intakten Ursprünglichkeit des primitiven Lebens" (Kohl 1979:24) ließen ihn seine persönliche Zuflucht zur Ethnologie nehmen. Die Ethnologie sollte für ihn der Schlüssel zu dieser Ursprünglichkeit sein. So ist auch der Grundtenor der "Traurigen Tropen" die Anziehung durch die fremde Kultur und die Distanzierung von der eigenen Gesellschaft, die die Zerstörung der fremden Kultur verursacht. Levi-Strauss sieht sich selbst als "... einen Reisenden, als Archäologen des Raums, der vergeblich versucht, anhand von Bruchstücken und Ruinen das Exotische zu
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Arbeit zitieren:
Alexandra von Bose, 1990, Feldforscher über Feldforschung, München, GRIN Verlag GmbH
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