Klassenzimmer als Lebensraum - Einflüsse der Raumgestaltung auf die Lernbereitschaft
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Klassenzimmer als Lebensraum - Einflüsse der Raumgestaltung auf die Lernbereitschaft
1. V VORWORT 1
Warum habe ich mich so entschieden?
meine Berufsbildendes Praktikum, das allgemein in der neunten Klasse absolviert wird, in einer Grundschule gemacht und auch nach dem Abitur habe ich, vor Beginn meines Studiums,
einige Zeit in der Form eines Praktikums in Schulen verbracht.
Motivation eine eigene individuelle Einheit. Großen Unterschiede bilden Schulen nicht nur in der Art und Weise, wie unterrichtet wird oder wie der Ablauf organisiert ist, sondern eben auch in der Schulhof-, Schulgebäude- und Klassenraumgestaltung. Ich vertrete, aufgrund meiner eigenen Beobachtungen, die Ansicht, dass sich nicht nur die äußerlich gegebenen Rahmenbedingungen auf die optischen Aspekte des gesamten Schulgebäudes auswirkt,
Mittel, wie z. B. die Wandgestaltung hinausgeht - leider ohne Erfolg. Im Zusammenhang
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Klassenzimmer als Lebensraum - Einflüsse der Raumgestaltung auf die Lernbereitschaft
anregende Atmosphäre aus, in der es mir schwer fiel eine mich zufrieden stellende Stunde zu halten. Dass Kindern eine detaillierte und abwechslungsreiche Ausstattung
musste der Raum, in dem ich lernte, immer gemütlich sein und ich musste mich darin wohl fühlen, um konzentriert arbeiten zu können. Ich habe oft ganz instinktiv zuerst Ordnung in
1 Mayer-Behrens: Grundschule - Haus für Kinder S. 10
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Lernumgebung, mehr Aufmerksamkeit zu schenken und auch aktiv mit in den Unterricht einzubeziehen.
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2. E EINLEITUNG 2
Für mich wäre es die absolute Horrorvorstellung, dass eine/r meiner SchülerInnen sich einmal
so äußern würde. Im Volksmund sagt man doch immer so schön: „Den Kindern gehört die
Zukunft.“ Ich denke aber, dass wir durch den Umgang mit unseren Kindern diese Zukunft wesentlich mitgestalten. Kinder haben eine ganz natürliche Lebensfreude und Energie. Sie bewegen sich mit einer Leichtigkeit und einer Selbstverständlichkeit, der die meisten Erwachsenen nur träumen können. Sie leben zunächst ohne irgendeine Konvention oder Verpflichtung und machen sich keine Gedanken darüber wie ihr Umfeld auf sie und ihr Verhalten reagiert. Ihr Instinkt bestimmt ihre Handlungsweisen. Wie lange die Kinder diese naturgegebenen Eigenschaften beibehalten und sie ausleben können, liegt zu einem gewissen Teil bei uns, die die Kinder auf ihrem Weg, erwachsen zu werden, begleiten und deshalb sollte ihnen unsere Aufmerksamkeit gelten. Man muss Kindern die Möglichkeit geben, ihre natürlichen Charaktereigenschaften nicht unterdrücken zu müssen. Ich denke wir müssen genau das Gegenteil erreichen. Pädagogen sollten die individuellen Charaktere jedes einzelnen Kindes fördern. Die Umwelt muss dem Kind die Möglichkeit geben, seine Freude zu behalten, zu wachsen, sich zu entfalten, sich nicht eingeengt oder bedrängt zu fühlen und sich entwickeln zu können - eine kindgerechte Umgebung ist die Grundlage dafür.
Das Elternhaus der Kinder ist die erste Instanz, die erreichen sollte, dass die Kinder ein Gefühl dafür erhalten, sich seinen Anlagen gemäß zu verhalten. Hier kann eine Lehrperson eigentlich gar keinen Einfluss ausüben, sondern allerhöchstens eine beratende Funktion übernehmen. Mir ist aufgefallen, dass es hierfür immer vermehrter Elternratgeber und Literatur gibt, was mir zeigt, dass sich sowohl die Eltern, wie auch die Experten damit auseinander setzen und auch miteinander kommunizieren. Die kann dann beispielsweise so „Zuerst sollten Sie überprüfen, ob die äußeren Bedingungen und das Lernumfeld Ihres Das ist eine positive Entwicklung an der die Pädagogen anknüpfen können, denn nach dem Elternhaus folgen als nächste Ebene direkt der Kindergarten und die Schule. Die liegt dann
wiederum im Entscheidungsbereich von KintergärtnerInnen und LehrerInnen, wie die Umgebung in diesen Bereichen zu gestalten ist.
2 Recum: Schulleiter - Handbuch 43. Klassenräume für Schüler und Lehrer. S. 7
3 Kolb: Leichter lernen mit Köpfchen und Spaß. S. 40
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Klassenzimmer als Lebensraum - Einflüsse der Raumgestaltung auf die Lernbereitschaft
Dessen müssen sich die Pädagogen und alle anderen einflussnehmenden Personen, selbst die Reinigungskräfte und der Hausmeister, bewusst sein. Es ist der Raum der Kinder, in dem sie viel Zeit verbringen, denn GrundschülerInnen sind ungefähr 20 bis 25 Stunden in der Woche in diesem festen Raum - in ihrem Klassenzimmer. Ich bezeichne es ganz bewusst als IHR Klassenzimmer. Denn in erster Linie gehört der Raum der Klasse und jedem/r einzelnen Bei cirka 38 Schulwochen sind es 260 bis 325 Stunden in einem Schuljahr, in denen die Kinder ihre vier Schulwände von innen sehen. In ihrer gesamten Grundschulzeit sind die SchülerInnen 1040 bis 1300 Stunden in diesen Räumen. Die Zeit, die Kinder in der Schule verbringen, ist schon Grund genug, um ihnen dort einen Ort zu schaffen, an dem sie sich wohl Heutige Schulen haben den Anspruch, die negativen Assoziationen wie „Leistungsdruck“, „Frontalunterricht“ und „Stillarbeit“ abzubauen und durch Begriffe wie „angenehme Lernatmosphäre“, „Freiarbeit“ und „Individualität“ zu ersetzen. Eine sinnvolle und zeitgemäße Einrichtung des Klassenraumes und eine kindgerechte Umgebung wirken hierbei Das ist ebenfalls eine Aussage, die den wenigsten Pädagogen wirklich bewusst ist. Ich glaube, dass man schon allein dadurch, dass man den Klassenraum eines/r LehrerIn betritt sehen kann, welche Art von Unterricht er/sie im Wesentlichen macht. Natürlich sind die Details in Didaktik und Methodik nicht erkennbar, aber ob sich die Grundtendenz zu Abwechslung und Flexibilität, Kreativität und Ideenreichtum oder zu einheitlichen Methoden und Eintönigkeit „Wer Schule weniger als Schulraum mit bewahrender Funktion, sondern stärker als Handlungs und Erprobungsfeld sieht, weniger als Zentrum des Informationsempfangs, sondern auch als Stätte der Einübung in soziale Verhaltensweisen, muß auch auf die Das Umfeld, in der ein/e LehrerIn seine/ihre Stunden gestaltet, bestätigt, meine vorangegangene Hypothese. Der Raum hat nach dieser Aussage einen entscheidenden
4 Mayer-Behrens: Grundschule - Haus für Kinder S. 10
5 Recum: Schulleiter - Handbuch 43. Klassenräume für Schüler und Lehrer S. 23
6 Helm: Der entstreßte Klassenraum und seine Bedeutung für das sanfte Lernen. S. 99
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Klassenzimmer als Lebensraum - Einflüsse der Raumgestaltung auf die Lernbereitschaft
Wenn ich heute, nachdem ich bereits ein paar Klassenräume gesehen habe, eines betrete, stelle ich mir ganz unbewusst die Fragen, wie ich mit den äußeren Gegebenheiten eine Hildegard Kasper schreibt in dem Buch „Vom Klassenzimmer zur Lernumgebung“, dass es für die Arbeit in der Grundschule, für die Kinder und den direkten Umgang mit ihnen wichtig „[…] Schulwelt und Lebenswelt, Lernen und Identität in Verbindung zu bringen, sich viel mehr bemühen, Grundschule als Lebens- und Erfahrungsraum mit Kindern zu Klingt schön und scheint auch sehr einfach, wenn man eine Idealtypisierung dieser Art vor sich hat. Wie das umgesetzt werden kann, was man tun muss und worauf man bei der Gestaltung einer Lernumgebung zusammen mit den SchülerInnen achten muss, stellt auch
einen wesentlichen Teil dieser Arbeit dar.
Schon die Reformpädagogen um die Wende vom 19. ins 20. Jahrhundert beschäftigten sich mit Unterrichtsmethoden, die den Kindern ein effektives Lernen ermöglichen. Das „entdeckende Lernen“ und „offene Unterrichtsformen“ sind Schlagworte, die in dieser Pädagogik zu Kernaspekten wurden. Die hierfür raumgestalterischen Änderungen, stellten auch sie schon fest. Die Art, wie einige ausgewählte Reformpädagogen das umzusetzen Bei der Betrachtung eines Lernraumes darf aber nicht nur auf Arbeitsmaterialien und Unterrichtsgegenstände Wert gelegt werden. Weitere psychologisch wichtige Faktoren müssen auch ihren Stellenwert erhalten. Architektonische Aspekte, wie beispielsweise die Farbgestaltung oder die Raumbeleuchtung spielen eine große Rolle. Farben und Licht haben beim Menschen psychologische Auswirkungen und vermitteln bestimmte Gefühle. Diese und weitere Einflüsse sind maßgebliche Teile einer angenehmen Lernumgebung, die in dieser Bis jetzt habe ich schon viele verschiedene Faktoren angesprochen, die ich anfangs alle ausführlich behandeln wollte. Beim Einlesen in die Literatur erkannte ich schnell, dass dieses
7 Kasper: Vom Klassenzimmer zur Lernumgebung, S. 6
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Klassenzimmer als Lebensraum - Einflüsse der Raumgestaltung auf die Lernbereitschaft
Thema sehr kontrovers diskutiert werden kann, die Einstellungen in verschiedene Richtungen behandelt werden und die Ansatzmöglichkeiten oft unterschiedlich gewählt werden. Wenn man die konkrete Raumgestaltung von medizinischen, psychologischen oder praktischen Aspekten her betrachtet, erhält man drei unterschiedliche Raumkonzepte. Ich habe versucht so Der Abschluss dieser Arbeit wird sich nach den theoretischen Auseinandersetzungen mit den Wünschen der Kinder beschäftigen. Es soll ein Klassenzimmer entstehen, welches nach den Wünschen und Interessen der 312 befragten Kinder gestaltet wurde. Ich möchte mir in diesem Rahmen nicht anmaßen, das perfekte Klassenzimmer zu schaffen, aber es kann ein kleiner Spiegel dessen sein, was die Kinder sich vorstellen und was für LehrerInnen auch realisierbar Ich glaube, dass es ein vergleichbar geringer Aufwand ist, einen Schulraum so zu gestalten, Ich möchte in meiner zukünftigen Schule, in meinem Klassenzimmer und in meiner Arbeit
8 eigene Aussage
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Klassenzimmer als Lebensraum - Einflüsse der Raumgestaltung auf die Lernbereitschaft
3. D DER ( 3.1 D DE ER R RA AUM 3 3.1.1 D DE ER „
Zunächst möchte ich den Begriff des Raumes ganz allgemein betrachten. Das Umfeld in dem sich ein Mensch bewegt hat Einflüsse auf physische Belange des Körpers, wie auch auf seine Die beiden Basisdimensionen, die man sich zunächst verdeutlichen muss, sind die „Das eine ist die weite Welt, in der der Mensch in der Gemeinschaft mit seinen Mitmenschen seine Arbeit zu leisten hat […], das andere ist der engere Raum, in dem er sich zurückziehen, an dem er sich ausruhen und nach den Anstrengungen des Ein Klassenraum sollte meiner Meinung nach eigentlich beide Dimensionen in sich vereinen. Er sollte sowohl ein Raum der Gemeinschaft sein, wie auch Rückzugsmöglichkeiten bieten, Zurück zum Raum im Allgemeinen: Man muss sich bewusst sein, dass man den Raum nicht als neutrales Feld betrachten kann. Oft heißt es, man befände sich in einer neutralen
„ er ist stets vom Mensch erlebter und gelebter Raum.“ 10
Selbst ein völlig leeres Zimmer, ohne Einrichtung oder Gegenstände jeglicher Art, ist nicht neutral. Schon diese Leere selber nimmt die Neutralität bereits wieder. Das so viel gebrauchte Sprichwort: „Wir bewegen uns auf einem neutralen Raum.“, kann also niemals gegeben sein. Neutrale Räume gibt es nicht! Dass immer eine Wechselwirkung zwischen menschlichem Verhalten und dem allgemeinen Wohlbefinden eines Menschen und dem Faktor „Raum“ besteht, erlebt jeder von uns ständig am eigenen Leib. Manchmal fühlen wir uns in einer bestimmten Umgebung nicht wohl. Sei es nun die Wohnung eines/r Freundes/in, ein Hotelzimmer im Urlaub, der Arbeitsplatz oder eine ganze Stadt. Otto Friedrich von Bollow sieht den Raum als einen Faktor, der sowohl positiv, wie auch negativ beeinflussen kann und sich auch so auf die Befindlichkeit auswirkt, auch wenn der Mensch das vielleicht nicht
9 Bollow: Mensch und Raum. Entnommen aus: Gervé Friedrich: Freie Arbeit. S. 105
10 Bollow: Mensch und Raum. S. 13
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Klassenzimmer als Lebensraum - Einflüsse der Raumgestaltung auf die Lernbereitschaft
„Der Mensch befindet sich nicht in einem Raum, so wie sich etwa ein Gegenstand in einer Schachtel befindet und er verhält sich auch nicht so zum Raum, als ob er zunächst etwa wie ein raumloses Subjekt vorhanden wäre, das sich dann hinterher auch zu einem Raum verhielte, sondern das Leben besteht ursprünglich aus diesem
Verhältnis zum Raum und kann davon nicht einmal in Gedanken abgelöst werden.“ 11 Jeder Mensch hat natürlich seine Vorlieben und auch seinen eigenen Geschmack, aber in den Grundlagen hat der Mensch doch einen Anspruch an seine Umgebung, der sich nicht sehr von denen in seiner Gesellschaft herrschenden Gepflogenheiten unterscheidet.
Dieser Umstand wurde schon von einigen verschiedenen Blickrichtungen untersucht. Hier
erläutere ich einige dieser Betrachtungen: 12
So sah Imanuel Kant beispielsweise den erkenntnistheoretischen und anthroposophischen Aspekt. Er beschreibt den Raum als die Grundkategorie des menschlichen Seins. Er bietet den Menschen Entfaltungsmöglichkeiten zur Auslebung ihrer Interessen und Wünschen und ihrer Kennen wir das nicht auch aus unserem Alltag? Findet eine wesentliche Veränderung in unserem Leben statt oder hat sich etwas an unserem allgemeinen Gefühlszustand verändert, so tendieren wir Menschen doch oft dazu auch unsere Umgebung zu verändern. Sei es nun die extreme Variante, dass wir umziehen oder in ein anderes Land auswandern oder dass wir im kleineren Rahmen einfach unseren Wohnraum verändern und umgestalten. Das ist ein Verhaltenstheoretisch wird beschrieben, dass die Wahrnehmung von Raum von drei Faktoren abhängt: Die Wahrnehmung mit allen Sinnen, die Veränderbarkeit bzw. Fixierung des Raumes und die Gestaltung der Raumdistanz vom Menschen. Die Sinneswahrnehmung, den Raum betreffend, beschäftigt sich besonders mit dem Geruchssinn, dem Gesichtssinn, dem Tastsinn und dem Wärmeempfinden. Bei der Fixierung des Raumes geht es um die Festlegung einer Funktion in einem Zimmer. Sei es nun Küche, Bad, Wohnzimmer,
11 Bollow: Mensch und Raum. S. 16
12 Folgende Ausführungen aus: Kasper: Vom Klassenzimmer zur Lernumgebung, S. 20ff
13 Bollow: Mensch und Raum. S. 20
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Klassenzimmer als Lebensraum - Einflüsse der Raumgestaltung auf die Lernbereitschaft
Arbeitszimmer, Werkstatt oder auch das Klassenzimmer. Räume, die eine bestimmte Funktion haben, sind ähnlich aufgebaut und man findet sich grob, auch ohne ihn zuvor schon einmal betreten zu haben, darin zu Recht. Wir wissen auch, dass im einem bestimmten Raum, eine bestimmte Verhaltensweise von uns erwartet wird, sei es nun in einem Restaurant, eine Kirche oder auf einem Fest. Wir kennen die Erwartungen an unser Verhalten in diesem Rahmen und richten uns meistens danach. Diese dem Raum zugeschriebenen Verhaltensweisen gelten im Übrigen auch für das Klassenzimmer. Kinder lernen dieses Verhalten früh und richten sich ebenfalls danach, was ein später genanntes Beispiel noch mal Die Raumdistanz beschreibt die emotionale Distanzierung des Menschen von bestimmten Räumen, wenn sie beispielsweise überfüllt sind oder einfach eine Abneigung im Menschen hervorrufen. Auch das ist ein Vorgang, den wir alle kennen. Es gibt Umgebungen, die mögen Bruno Bettelheim stellte die Theorie auf, dass psychotherapeutisch gesehen der Raum und dessen Einrichtung Stützfaktoren sein können. Diese Faktoren können mit für das Gefühl, sich als wertvoller Mensch zu fühlen, verantwortlich sein. Ganz subjektiv aus eigenen Beobachtungen betrachtet, kann ich mir das gut vorstellen. Wie oft berufen wir Menschen uns auf die materielle Umgebung, auf unsere sog. Statussymbole. Oft konkurrieren Menschen oder ganze Gesellschaftsschichten damit untereinander und fühlen sich dadurch in ihrem Umfeld besser anerkannt. In der Schule habe ich Sätze dieser Art auch von Kindern schon gehört: „So was hat nur unsere Klassenzimmer, sonst kein anderes hier in der Schule.“ Einerseits ist das eine ganz natürliche Eigenschaft des Menschen, andererseits muss man aufpassen, dass diese nicht zu sehr gefördert wird und der Stellenwert der materiellen Dinge in einer Klassengemeinschaft nicht zu hoch bewertet wird. Deswegen würde ich es als sinnvoll ansehen, wenn die Klassenzimmer in einer Schule nicht zu unterschiedlich sind und Unmenschliche Architektur hat eine Auswirkung auf unsere Lebensprozesse und beeinträchtig sie negativ. So sieht das die Psychosomatische Theorie. Seien es nun zu kleine, zu dunkle oder zu unübersichtliche Räume. Es gibt grundlegende Gegebenheiten, die der Die Sozialpsychologie beschäftigt sich bereits direkt mit den Lernumwelten und legt vier
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Klassenzimmer als Lebensraum - Einflüsse der Raumgestaltung auf die Lernbereitschaft
All das sind Gesichtspunkte, die die Lernumwelt, das Lernverhalten und somit auch den Der Begriff der „veränderten Kindheit“ wird in Zusammenhang mit dem Leben von heutigen Heranwachsenden nicht selten genannt. Kinder erleben ihr Erwachsenwerden heute anders, als noch die Generationen zuvor. Zum einen entwickelten sich ihre materiellen Gegebenheiten weiter, denn Kinder haben heute mehr und anderes Spielzeug, Zugänge zu technischen Geräten und die modernen Medien zur Gestaltung ihres Tagesablaufes. Vergleicht man das Leben eines Kindes mit dem Leben vor ca. 30 Jahren, so stellt man fest, dass vieles anderes Aus all diesen Dingen ergeben sich veränderte Spielweisen und ein komplett anderes Bild Ein weiterer wichtiger Einschnitt in dieser Entwicklung ist die vermehrte Beruftätigkeit beider Elternteile. Hierdurch ergaben sich neue Fragen und einen wichtigen Einschnitt in der Die Eltern natürlich - das wäre sicher die natürlichste Antwort von den meisten Menschen. Das wäre auch die Antwort, die am Nahesten liegt. In der Realität bewegt sich die Verantwortung allerdings immer weiter von den Eltern weg, hin in die Verantwortung von Gehen wir zunächst einmal wieder zurück zu den Merkmalen von denen die Veränderungen
• Eine Aneignung der Kultur, auch der materiellen, die überwiegend auf konsumierende Weise stattfindet. Kinder schaffen weniger Dinge aus eigener Hand. Sie basteln weniger, forschen kaum mehr und haben überwiegend vorgefertigtes Spielzeug zur
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Klassenzimmer als Lebensraum - Einflüsse der Raumgestaltung auf die Lernbereitschaft
Verfügung. Spielzeugautos wurden bis vor ein paar Jahren noch selbst gebaut, Ritterburgen aus Sand konstruiert und Verkleidungen aus Alltagsgegenständen
Freien, als es
ein/e SchülerIn im Rahmen meiner Umfrage gemalt hat. Ein Umstand, dem sich Eltern und Pädagogen bewusst sein müssen und nach dem sie handeln müssen. Ich rede hier nicht von einem Zwang von Seiten der Erziehenden, aber von einer bewussten Heranführung an die Natur, ihrer Vielfalt und ihrer Wichtigkeit, was im Übrigen auch
• Erfahrungen werden immer weniger selber gemacht, sondern aus sekundären Quellen, wie dem Fernsehen oder dem Internet gesammelt. Kinder probieren immer weniger selber aus. Mit einem Mausklick haben sie die meisten Dinge herausgefunden, die sie • Professionelle Erziehungskonzepte stehen der natürlichen Entwicklung entgegen und Kindheit wird zur Wissenschaft. Kinder sollen immer früher und immer professioneller gefördert werden. Sie sollen möglichst früh, möglichst viele Kenntnisse erwerben. Ob das nun positive oder negative Auswirkungen auf die Kinder
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Klassenzimmer als Lebensraum - Einflüsse der Raumgestaltung auf die Lernbereitschaft
Abschließend zu diesen Punkten sei gesagt, dass diese Umstrukturierung des Kindseins und der Erziehung auch eine Änderung in ihrer Umwelt, also in den Kindertagesstätten, in den Schulen und den Kindergärten nach sich zieht. Dass die Räume heute einfach nicht mehr so sein können, wie noch vor ein paar Jahren rückt heute immer mehr in das Bewusstsein der Jeder Mensch hat Bedürfnisse, Kinder im Besonderen und es kann zu extremen Einschnitten im Leben eines Kindes führen, wenn diese Bedürfnisse nicht zufrieden stellend erfüllt werden. Kinder haben ein natürliches Bedürfnis nach Zuwendung und sozialer Anerkennung. Das hat sich auch in unserer, sich wandelnden Gesellschaft und trotz aller modernen Medien nicht geändert. Nähe und Geborgenheit spielt hier eine entscheidende Rolle. Ein Bedürfnis, das in der Schule noch nie ein großes Thema war, sondern eher in den Schoß der Familie gehört. Aber Kinder brauchen auch Erziehung und Bildung. Die Verteilung der Vermittlung bzw. der Aneignung dieser Bedürfnisse ist, wie schon angedeutet, nicht mehr so offensichtlich, wie noch vor ein paar Jahren. Erziehung und Bildung gehörte in der Schule kurz nach dem Zweiten Weltkrieg fest zusammen. Ein/e LehrerIn hat in der Schule seine/ihre SchülerInnen unterrichtet, erzogen und dementsprechende Erziehungsmaßnahmen ergriffen, die allgemein bekannt waren. In der späteren Schulentwicklung galten LehrerInnen dann ausschließlich als die Vermittler von Wissen und Kenntnissen und die Erziehungsaufgabe gehörte eindeutig ins Elternhaus. Dort entstanden dann Begriffe wie „Antiautorität“ und „Laissez - faire“. In dieser Zeit entstanden viele verschiedene Erziehungsansätze, die sich bis Aber in der Frage, wer die Erziehungsaufgabe bei den Kindern zu übernehmen hat, ist man sich heute oft uneinig. Die erhöhte Berufstätigkeit der Frauen und die vermehrte Ganztagsbetreuung ist ein Argument, was viele Eltern anführen, um die Erziehung in die pädagogischen Einrichtungen abzugeben. Kinder verbringen immer weniger Zeit mit ihren Kindern und fordern so eine Erziehung durch die Institutionen, in denen sich die Kinder oft und lange befinden. Auch die vermehrte Diskussion über die Ganztagsschulen lässt die eindeutige Verteilung der Zeit der Kinder zwischen den diversen Einrichtungen und dem Elternhaus immer fragwürdiger werden. Pädagogen weisen diese Verantwortung allerdings Ich persönlich finde diese Debatte schon fast traurig. An dieser Stelle könnte ich seitenweise über den Verlust von gesellschaftlichen Werten oder das stetige Vernachlässigen unserer
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Klassenzimmer als Lebensraum - Einflüsse der Raumgestaltung auf die Lernbereitschaft
Zukunft in Form unserer Kinder sprechen, aber das ist hier wohl die falsche Plattform hierfür. Auf alle Fälle müssen sich Pädagogen immer mehr verantwortlich fühlen, sich dieser auch bewusst sein und sie in Bezug auf die Umwelt und der Umgebung, in der sich ihre
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4. D DER K 4.1 D DA AS K
14 Recum (u.a.): Schulleiter - Handbuch 43. Klassenräume für Schüler und Lehrer S. 7
15 Burk, Karlheinz (u.a.): Wieviele Ecken hat unsere Schule? 1. S. 4
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Klassenzimmer als Lebensraum - Einflüsse der Raumgestaltung auf die Lernbereitschaft
4.2 D DA AS K
Bevor man die Lernumgebung und dessen Optik betrachtet, muss man sich zunächst einmal „Grundschulkinder sind darauf angewiesen, in ihren schulischen Lebens- und Lernräumen Geborgenheit zu finden. Deshalb ist es erforderlich, die Räume auf die sinnlichen, leiblichen und emotionalen Bedürfnisse der Kinder abzustimmen. […] Kinder haben ein Recht auf Räume, in denen sie sich wohl fühlen und Empfindungen des Zu - Hause - Seins entwickeln können, als elementare Voraussetzung für die Weiterhin muss der Raum speziell auf die Kinder ausgerichtet sein und Möglichkeiten der „Der Raum, der dem Kind zu seinem Entwicklungsspiel angeboten wird, muß seinen Lebensprozessen auf genaueste entsprechen. Eine bauliche Umweltplanung ist nur dann kindgemäß, wenn sie Projektion und Provokation seiner Prozesse ist. Mit anderen Worten: die auf das Kind bezogene Architektur hat die raumzeitliche Ermöglichungsform der Entwicklungsprozesse des Kindes zu sein.“ (H. Künkelhaus) 17
4.2.1 D DI IE „
„Damit die Schule zum Lebensraum für das Kind wird, muß sie ihm als gestaltetes Zusammenleben, als gestaltbarer Raum und als gestaltbare Zeit erfahrbar werden. Eine sorgfältig vorbereitete, anregende Lernumgebung und eine ermutigende Lernatmosphäre Im Vorgänger unseres momentan geltenden Bildungsplanes, also der Lehrplan von 1994, wird die Gestaltung des Raumes als ein wichtiges Merkmal zur Unterrichtsgestaltung hervorgehoben und es wird zur Schaffung einer Lernumgebung und -atmosphäre aufgerufen. Diese Verankerung in den „Richtlinien“, an die sich jede/r LehrerIn halten muss, zeigt bereits Ich werde hier die Begriffe „Lernumgebung“ und „Lernatmosphäre“ nicht allumfassend untersuchen, sondern ich beziehe mich ausschließlich auf den schulischen und pädagogischen
16 Faust - Siehl, Die Zukunft beginnt in der Grundschule. S 54
17 Mahlke (u.a): Raum für Kinder Ein Arbeitsbuch zur Raumgestaltung in Kindergärten. S. 9
18 Bildungsplan für die Grundschule in Baden Württemberg (1994)
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Klassenzimmer als Lebensraum - Einflüsse der Raumgestaltung auf die Lernbereitschaft
Die „Lernumgebung“ könnte auch „Lernumwelt“ genannt werden (i. F. synonym verwendet). Es ist schwierig, die Begriffe ganz explizit abzugrenzen und eindeutig zu definieren. bezeichnet. Dies bezieht sich im Gegensatz zum Begriff „Lernraum“ nicht nur auf architektonische und bautechnische Bedingungen. Es kann als Wechselspiel zwischen räumlichen, dinglichen bzw. materiellen Bedingungen, die der Raum mit sich bringt und den individuellen, persönlichen und sozialen Voraussetzungen, die die im Raum Handelnden benötigen, gesehen werden. Man muss deshalb aufpassen, dass man in Bezug auf die Lernumgebung nicht nur den innenarchitektonischen Bereich des Schulbaus oder des Klassenzimmers betrachtet, sondern auch die Raumatmosphäre und das Leben der im Raum handelnden Personen nie außer Acht lässt. So kann erst einmal allgemein gesagt werden, dass eine für das Lernen anregend wirkende, produktiv angelegte und angenehme Raumatmosphäre auch positive Auswirkungen auf den Menschen, der sich darin bewegt, hat. Auf diese Art und Weise kann aus einer Raumatmosphäre eine Lernatmosphäre (vgl. Zitat „für die Schüler diese Gebäude nicht ablösbar (und) vom gesamten schulischen Leben sind, und somit auch die Beziehungen der in der Umgebung Agierenden untereinander zur Für SchülerInnen gehört das Gebäude, in dem sie unterrichtet werden und das schulische Leben, das darin stattfindet, zusammen. Sie bilden für sie eine Einheit und sind gedanklich nur schwer zu trennen. Diese Faktoren müssen aus diesem Grund zusammen als ein Bild „Kinder und Jugendliche verbringen einen großen Teil ihres Lebens in Schulen und Klassenräumen. Ob diese als „Entfaltungsmöglichkeit“ oder als „Widerstand“ erlebt werden, welche Bedeutungen sich mit ihnen verbinden, welche Art das in ihnen stattfindende Denken und Handeln ist und wie es sich entwickelt, hängt in
19 Kasper: Vom Klassenzimmer zur Lernumgebung, S. 18
20 Kasper: Vom Klassenzimmer zur Lernumgebung, S. 18
21 Sander: Der Klassenraum als Lernumwelt. In: Die deutsche Schule. 1996, H.1, S. 87
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Arbeit zitieren:
Lehrerin Alexandra Widmer, 2006, Klassenzimmer als Lebensraum - Einflüsse der Raumgestaltung auf die Lernbereitschaft, München, GRIN Verlag GmbH
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