Die Ergebnisse der PISA-Studien haben das Thema Bildung wieder verstärkt ins Interesse der Öffentlichkeit und der Politik gerückt, denn durch das unterdurchschnittliche Resultat das die deutschen Schüler im internationalen Vergleich erzielt haben, wurde klar, dass das einstige Land der Dichter und Denker im Bezug auf das Bildungssystem größere Mängel aufweist. Aber die PISA-Studien haben noch einen weiteren Aspekt des Bildungssektors wieder ans Licht gebracht, nämlich den Zusammenhang von Leistungskompetenz und sozialer Herkunft. Und auch hier wurde deutlich, dass Deutschland weit davon entfernt ist sich mit Chancengleichheit im Bezug auf Bildung zu rühmen obwohl soziale Gerechtigkeit und Chancengleichheit Werte sind, die in Deutschland durchaus von Bedeutung sein sollten. Doch welche Ungerechtigkeiten bestehen wirklich im deutschen Bildungssystem? Im folgenden Essay möchte ich mich also mit dieser Problematik befassen. Dabei werde ich mich zuerst mit dem deutschen Bildungssystem im Allgemeinen befassen um dann genauer auf die PISA-Studien einzugehen, wobei dem Zusammenhang zwischen Schichtzugehörigkeit und Bildungsbeteiligung besondere Aufmerksamkeit geschenkt wird. Zum Schluss möchte ich mich dann noch mit einigen Lösungsvorschlägen auseinandersetzen. Als erstes muss zunächst die Frage nach den sozialen Funktionen des Bildungssystems geklärt werden, und in einer Leistungsgesellschaft, wie sie in Deutschland vorzufinden ist, hat das Bildungssystem vorwiegend folgende Aufgaben bzw. Funktionen zu erfüllen:
Die erste Funktion ist die der Platzierung, was bedeutet, dass jeder Mensch in der Lage sein muss die Bildung als ein sogenanntes Sprungbrett nutzen zu können um sich in der sozialen Hierarchie nach oben arbeiten zu können. Bildung muss also Lebensperspektiven eröffnen können. Eine weitere Funktion von Bildungssystemen ist die Auslese- bzw. Selektionsfunktion. Das Bildungssystem in einer Leistungsgesellschaft sollte also nach Leistung selektieren und nicht nach sozialen Kriterien. Doch genau bei diesem Punkt zeigt sich in Deutschland, dass dies nicht immer der Fall ist, sondern dass häufig auch eine Art soziale Auslese betrieben wird. Es ist allerdings schwer zu sagen ob diese Auslese z.B. von Lehrern beabsichtigt ist oder nicht, aber Fakt bleibt, das besonders soziale Merkmale
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einen Einfluss auf die „Bildungskarrieren“ von Menschen haben. (Geißler 2002, S.333). Unter diesen sozialen Merkmalen werden vor allem die soziale, ethnische und regionale Herkunft verstanden , aber auch das Geschlecht. Das Bildungssystem beeinflusst daher inwieweit die vertikale soziale Mobilität einer Gesellschaft ausgestaltet ist. (Geißler 2002, S.333). Zum Problem wird die Auslese nach diesen sozialen Kriterien allerdings erst, wenn, wie es in der Bundesrepublik Deutschland der Fall ist, das im Grundgesetz verankerte Prinzip der Chancengleichheit nicht mehr erfüllt werden kann. Denn die Grundidee dieser Chancengleichheit ist, dass alle Kinder, unabhängig von den oben genannten sozialen Kriterien, die gleichen Chancen im Bezug auf sozialem Aufstieg, Beruf und Bildung haben. Diese Chancengleichheit ist aber nicht mehr gegeben wenn in einer Gesellschaft zu sehr nach sozialen und weniger nach leistungsorientierten Unterscheidungsmerkmalen selektiert wird (Geißler 2002, S.334). Das in Deutschland dieses Problem der Selektion besteht ist allerdings nichts Neues, denn schon in den 1960er Jahren hat sich die Bildungspolitik mit eben diesem Problem beschäftigt und brachte als Lösung die sogenannte Bildungsexpansion hervor. Die Idee hinter dieser Bildungsexpansion war es, die sekundären und tertiären Bereiche des Bildungswesens stark auszubauen, so das mehr Deutsche einen hohen oder zumindest einen mittleren Bildungsabschluss erreichen können und somit die soziale Ungleichheit der Bildungschancen minimiert werden könne (Geißler 2002, S.334). Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass die Bildungsexpansion in Deutschland dazu geführt hat mehr Kinder aus allen Schichten nun Zugang zum Bildungssystem haben, aber inwiefern sie Auswirkungen auf den Grad der sozialen Auslese hat, bleibt zu untersuchen. Und hier kommt auch schon die viel diskutierte PISA-Studie ins Spiel, da diese eben diese Bedeutsamkeit der sozialen Herkunft bei der Bildungsbeteiligung untersucht hat und auf dessen Ergebnisse ich im folgenden eingehen werde. Zuerst einmal zu der PISA-Studie im Allgemeinen: Mit dem „Programme for International Student Assessment“ (PISA) informiert die OECD ihre Mitgliedsstaaten über Stärken und Schwächen ihrer Bildungssysteme. Alle drei Jahre werden die Erhebungen mit einem abgestimmten Testprogramm durchgeführt. Es werden die Fähigkeiten von 15-
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jährigen Schülerinnen und Schülern in den Bereichen Mathematik, Lesen und Naturwissenshaften untersucht. In PISA 2000 stand die Lesekompetenz im Fokus des Interesses der Erhebungen, in PISA 2003 ist es die Mathematik und in PISA 2006 sind es die Naturwissenschaften. Auch über fächerübergreifende Kompetenzen soll die PISA-Studie informieren (z.B. zur Vertrautheit der Schüler mit Informationstechnologien).
Außerdem werden die Schüler zu ihrem familiären Hintergrund befragt, so dass Aussagen über
die Korrelation zwischen sozialer Herkunft und Kompetenzerwerb bzw. Bildungsbeteiligung gemacht werden können (www.pisa.ipn.uni-kiel.de). Die PISA-Studie hat also das Bildungssystem in Deutschland analysiert und dessen Strukturen hinterfragt, allerdings möchte ich im Folgenden nicht auf einzelnen und vielfältigen Ergebnisse der Studie eingehen, sondern speziell auf den Aspekt der sozialen Ungleichheit im deutschen Bildungssystem und was das betrifft lieferte PISA ein eindeutiges Ergebnis. Es gibt immer noch gravierende Unterschiede bei den Bildungschancen für Kinder und Jugendliche aus allen sozialen Schichten. Denn für Kinder aus der Arbeiterschicht ist es in Deutschland immer noch schwieriger einen Gymnasialabschluss zu erzielen als für Kinder aus der Mittel-, bzw. Oberschicht (PISA 2000, S.359). Auch die PISA-Studie 2003 ergab, dass Arbeiterkinder überwiegend (45%) an Hauptschulen und Kinder aus höheren sozialen Schichten (50%) vor allem an Gymnasien zu finden sind (PISA 2003, S.244). „Beim Wettlauf um die höheren Bildungsabschlüsse haben sich also die Chancenabstände zwischen privilegierten und benachteiligten Gruppen vergrößert“ (Geißler 2002, S.244). So ist bei PISA auch zu erkennen das sich bezüglich der Lesekompetenz Kinder aus sozial schwachen Schichten sich durch weniger Lesekompetenz auszeichnen als Kinder aus der Mittel- und Oberschicht. Zwar gibt es in allen Schichten sowohl gute als auch schlechte Leser, allerdings ist in den unteren Schichten der Anteil der schlechten Leser besonders groß. Die Korrelation zwischen Lesekompetenz und sozialer Herkunft wird in erster Linie durch die Schulformzugehörigkeit begründet, aber auch innerhalb einer Schulform kann ein abgeschwächter Zusammenhang zwischen Kompetenz und sozialem Hintergrund der Schüler abgeleitet werden
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Arbeit zitieren:
Susanne Sommer, 2006, Bildung und soziale Ungleichheit, München, GRIN Verlag GmbH
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