Sachanalyse
Das Tagebuch der Anne Frank ist ein Werk der Weltliteratur. Die Jüdin Anne Frank führte es zwischen ihrem 14. und 16. Lebensjahr vom 12. Juni 1942 bis zum 1. August 1944, anfänglich in der Wohnung am Merwedeplein, den größten Teil aber im Hinterhaus des Gebäudes Prinsengracht 263 in Amsterdam. Dort versteckte sie sich zwei Jahre lang mit Familienangehörigen und Bekannten vor den Nationalsozialisten, um der Deportation und Ermordung zu entgehen.
Nach Anne Franks Tod im KZ Bergen-Belsen veröffentlichte ihr Vater Otto Heinrich Frank die Aufzeichnungen. Sie wurden in 55 Sprachen übersetzt und machten die Autorin zu einem der bekanntesten Opfer des Holocaust.
Zu ihrem 13. Geburtstag erhält Anne Frank am 12. Juni 1942 das kleine Tagebuch, welches sie ihrem Vater einige Tage zuvor in einem Schaufenster gezeigt hat. Nach einer kurzen Einleitung beginnt sie mit den ersten Einträgen, in denen sie sich selbst, ihre Familie, Freunde und ihren Schulalltag beschreibt. Neben diesen Bemerkungen über ihr privates Leben äußert sie sich - mehr oder weniger nebenbei - auch zu den Veränderungen, die den in die Niederlande geflohenen deutschen Juden das Leben zunehmend erschweren. Besondere Bedeutung erlangt das Tagebuch ab dem 6. Juli 1942, dem Tag, an dem sich die Familie Frank in das Hinterhaus in der Prinsengracht 263 zurückzieht, wo Otto Frank zuvor die niederländische Niederlassung der Firma Opekta geleitet hat. Je länger der Aufenthalt im Versteck dauert, desto angespannter wird die Situation. Die Langeweile des Alltags und die Einschränkungen verursachen immer intensivere Konflikte untereinander. Für Anne entwickelt sich das Tagebuch mehr und mehr zu einem Medium, dem sie all ihre Ängste und Hoffnungen anvertrauen kann, zu ihrer wichtigsten Begleitung in der schweren Zeit. Zunächst schreibt Anne über diverse Erlebnisse in ihrem ungewöhnlichen Alltag, die Enge des Verstecks, oder die Konflikte mit den Mitbewohnern. Sie fühlt sich oft missverstanden, wenn die anderen sie als vorlaut und unbescheiden kritisieren. In der überarbeiteten Einleitung bringt sie ihren Wunsch nach einem wahren Freund zum Ausdruck, einer Person, der sie ihre intimsten Gedanken und Gefühle anvertrauen könne. Mit der Zeit wurden ihre Tagebucheinträge komplexer, und sie äußert sich auch zu abstrakten und schwierigen Themen, wie zum Beispiel dem Glauben an Gott. Sie schreibt von ihren Bestrebungen,
einmal als Schriftstellerin berühmt zu werden.
Anne beginnt ihr Tagebuch als privaten Ausdruck ihrer Gedanken und Gefühle, die keiner lesen darf, wie sie mehrmals betont. Am 29. März 1944 ändert sie ihren Plan jedoch. Im Radio hört sie, wie Gerrit Bolkenstein, Minister für Bildung, Kunst und Wissenschaft der niederländischen Exilregierung, davon spricht, dass er nach Ende des Krieges eine öffentliche Dokumentation über die Unterdrückung der Niederländer unter deutscher Besatzung produzieren wolle. Zu diesem Zweck solle möglichst viel alltägliches Material - Briefe, Tagebücher etc. - beitragen. Anne gefällt diese Idee, und sie bereitet ihr Tagebuch für eine Veröffentlichung vor. Im Mai beginnt sie, ihre Einträge zu überarbeiten. Sie entfernt und verändert einige Abschnitte, die ihrer Meinung nach uninteressant oder zu intim für die Öffentlichkeit sind. Außerdem adressiert sie nun alle Einträge einheitlich an ihre imaginäre Freundin Kitty.
Um die Anonymität der Beteiligten zu wahren, denkt sich Anne für alle Bewohner des Hinterhauses Pseudonyme aus. So wird aus der Familie van Pels die Familie van Daan, und Fritz Pfeffer nennt sie Albert Dussel. Für ihre eigene Familie plant sie auch Pseudonyme, die jedoch später keine Verwendung fanden.
Exkurs Environment
Edward Kienholz gehört zu den wichtigsten amerikanischen Künstlern der Pop-Generation, von der er sich jedoch durch den existentiellen Gehalt und die aggressive Unmittelbarkeit seiner Aussage abhebt. Ursprünglich gebrauchten Fluxus-Künstler das Environment als eine Kunstform, die eng mit dem Happening verbunden war, weil in ihm die Relikte eines Happenings konserviert wurden. Jedoch war hierfür der Begriff "Installation" geläufiger. Kienholz weitete diesen Kunstbegriff des Environments wenig später aus, indem er ihn für seine raumübergreifenden Installationen verwandte, die sich durch die Lebensgröße der Figuren und des narrativen Charakters des oft begehbaren Werkes auszeichneten. Die einzelnen Bestandteile eines Environments werden hierbei oft bühnenartig arrangiert, woraus eine dem Kunstwerk eigene Erzählstruktur entsteht. Als Materialien verwandte Kienholz hauptsächlich Gipsfiguren, Alltagsgegenstände sowie Fundstücke (objects trouveés), nach denen er gezielt auf Trödelmärkten suchte. Mithilfe von Lack und Farbe verband er seine Fundstücke zu
einem großen Ganzen, zu einer Einheit und gab ihnen einen neuen Sinn. 1959 begann er aus seinen Fundstücken puppenartige Objekte herzustellen, die er in "echte", bereits bewohnte Räume setzte. Durch dieses Zusammenspiel von Realitätsdarstellung und surrealer Motivkombination entstanden "Tableaux", lebende Bilder, "Inkarnationen von bedrohlicher Suggestivität, in denen die Dinge in ihrer bedrängenden Präsenz zu unheimlichen Zeugen eines imaginären Geschehens werden, dessen Vorgang in der Fantasie des Betrachters reproduziert wird" 1 . Durch das Betreten der "Tableaux" wird der Betrachter automatisch zu einem Teil der Szenerie. Hinter seiner Kunst stand meist eine Sozialkritik an der Gesellschaft. Er setzte sich mit Themen wie Rassendiskriminierung, Unterdrückung von Frauen sowie der durch Massenmedien verursachte Abstumpfung der Gesellschaft auseinander. Dadurch, dass Kienholz in seinen Arbeiten Fundstücke mit Symbolelementen verbindet, unterscheiden sich seine Kunstwerke von bloßer Imitation und Dokumentation. Stattdessen "dienen sie in zunehmendem Maße der Konzentrierung und Akzentuierung eines ethischen Grundgedankens: der Bloßlegung des Vergänglichen, des Künstlichen, der blinden Triebhaftigkeit und Absurdität des Lebens" 2 .
Didaktische und methodische Analyse/ Grob- und Feinziele der Einheit
Die Einheit läuft fächerübergreifend mit dem Fach Geschichte ab, das Herr F. in der Klasse 9b unterrichtet. Aus diesem Grund konnten wir eng zusammen arbeiten und überlegen, wie wir die beiden Fachbereiche sinnvoll miteinander verknüpfen können. Zum einen ist „Das Tagebuch der Anne Frank“ als Jugendbuch mit der Thematik des Dritten Reichs fest im Schulcurriculum verankert, wobei auch als Bemerkung angeführt ist, dass eine fächerverbindende Herangehensweise wünschenswert ist. Im
Bildungsplan steht zudem, dass „persönliche Schicksale der weltanschaulichen und rassischen Verfolgung vor und im zweiten Weltkrieg“ 3 beschrieben und „diese auf die nationalsozialistische Ideologie und Herrschaftspolitik“ 4 zurückgeführt werden sollen. Am Beispiel Anne Franks lassen sich sowohl „Formen der Akzeptanz und des
1 Maur, Karin: KunstVermittlung Staatsgalerie Stuttgart, Stuttgart 1973, S.32
2 Maur, Karin: KunstVermittlung Staatsgalerie Stuttgart, Stuttgart 1973, S.33 3 Bildungsplan Gymnasium, Kompetenzen und Inhalte für Geschichte, Klasse 10, S. 224 4 Bildungsplan Gymnasium, Kompetenzen und Inhalte für Geschichte, Klasse 10, S. 224
Arbeit zitieren:
Jannina Gaidell, 2009, Unterrichtsstunde: Die Bedeutung des "Environments" für Anne Frank, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Jannina Gaidell hat den Text Unterrichtsstunde: Die Bedeutung des "Environments" für Anne Frank veröffentlicht
Jannina Gaidell hat einen neuen Text hochgeladen
Treasures from the Attic: The Extraordinary Story of Anne Frank's Fami...
The Extraordinary Story of Ann...
Mirjam Pressler
Inside Anne Frank's House: An Illustrated Journey Through Anne's World
Hans Westra, Overlook Press
Anne Frank and After: Dutch Holocaust Literature in a Historical Persp...
Rolf Wolfswinkel, D. Van Galen Last, Dick Van Last Galen
0 Kommentare