Dennoch: Diese Frauen hatten eine Vorreiterfunktion, denn sie sorgten für die Etablierung der Berufsbezeichnung „ Dichter/in“:
Women pioneered writing as a paying occupation, and most of the century, women writers and readers dominated the American literary marketplace. 1
Frauen formten bestimmte, von der „männlichen Literatur“ abgesetzte, Stile der Poesie. Dass sich die Art er der Lyrik, die Frauen produzierten, teils stark ähnelte, lag daran, dass Frauen oft im Kontext einer Mitgliedschaft in Clubs oder einer Bewegung schrieben. So entstanden um 1830 beispielsweise durch die Sonntagsschulbewegung vor allem Kinderreime undgedichte. Zu den Vertreterinnen dieser Gattung gehören Eliza Follen, Sarah Josepha Hale und Penina Moise, die vor allem die religiöse Erziehung der Kinder im Auge hatten. 2 Auch die Anti-Sklaverei-Bewegung schlug sich in der (Frauen-)Lyrik nieder. Zum einen durch afroamerikanische Lyrikerinnen wie Sarah Louisa Forten, zu einem bedeutenderem Teil jedoch durch weibliche Sklavereigegner. Sie kreierten einen Stil, der als „feminine emotionalism“ 3 bezeichnet wird, den sie jedoch als aussagekräftiges politisches Instrument verwendeten. In erster Linie bewirkten sie in ihrer Lyrik eine Identifikation von schwarzen mit weißen Frauen als Mütter und Geschlechtsgenossinnen. Auch äußerten sie in ihren Gedichten ihre Kritik am Umgang mit Native Americans (vgl. Lydia Huntley Sigourney). Nach dem amerikanischen Bürgerkrieg (1861-1865) betrieben Frauen im women’s club movement 4 weit reichende literarische Studien. Im letzten Viertel des Jahrhunderts wandelte sich die Frauenlyrik. Insbesondere die Kinderlyrik festigte sich stilistisch stark: es wurde sehr naiv geschrieben, in einfacher Ausdrucksweise, lebhaften Bildern und dem Hintergedanken (religiöser) Erziehung. Die politische Lyrik von Frauen bediente sich vor allem des Stilmittels der Ironie (-> Charlotte Perkins Stetson Gilman).
Auf positive Resonanz stieß Frauenlyrik, die sich innerhalb der vorgeschriebenen Grenzen bewegte - das führte dazu, dass die Frauenlyrik des 19. Jahrhunderts sich bis auf wenige Ausnahmen thematisch und stilistisch ähnelte.
Though women participated in shaping poetic, its rise occurred as the influence of female print culture declined, and in time literary critics and scholars used it to eliminate nearly all nineteenth-century women poets from the American literary canon. The recovery of women’s poetry has proceeded slowly, in part because of the persisting authority of this poetic. 5
1 Gray, Janet (Ed.). She wields a pen. American women poets of the nineteenth century. University of Iowa Press. Iowa City, 1997. p. xxx.
2 Gray, Janet (Ed.). She wields a pen. p. xxx.
3 Ibid. p. xxx.
4 Ibid. p. xxx.
5 Ibid. p. xxviii-xxix.
2
Kritiker warfen vielen Lyrikerinnen Gefühlsduselei und Kitsch in ihren Gedichten vor. Zudem wurde kritisiert, dass die meisten Gedichte in ein und dieselbe Richtung gehen würden und damit austauschbar seien. Unberechtigt ist diese Kritik in vielen Fällen nicht, denn da Frauen eine Art Sonderrolle als Schreiberinnen hatten, interessierten sie sich oft verstärkt für die Poesie von Geschlechtsgenossinnen und orientierten sich in ihrem eigenen Schreiben daran. 6 Viele Dichterinnen arrangierten sich völlig mit der „traditionellen Frauenrolle“, machten sie gerade verherrlichend zum Gegenstand ihrer Poesie.
II. Emily Dickinson - Inhalte und Stil ihrer Lyrik
Emily Dickinson wehrte sich in ihrem Lebensstil und in ihrer Lyrik gegen die traditionelle Rollenzuweisung. Sowohl inhaltlich als auch stilistisch unterschied sich ihr Schreiben von dem ihrer Zeitgenossinnen. Ihre Gedichte lassen sich zeitlich einordnen; in die Zeit vor dem Bürgerkrieg, währenddessen und danach. Vor dem Amerikanischen Bürgerkrieg war ihre Lyrik eher konventionell und sentimental. Während des Kriegs waren ihre Gedichte ausdrucksstark und emotional, außerdem beschäftigte sie sich in dieser Zeit viel mit den Themen Leben und Tod. Nach 1865 schrieb sie nicht mehr so viel wie in den Jahren davor, behielt aber ihre für sie typischen Stilmittel bei. 7 Dazu gehören die zahlreiche Verwendung von Gedankenstrichen, die unkonventionelle Großschreibung einzelner Wörter und der Zeilenanfänge, das eigentümliche Vokabular und die ungewöhnliche Metaphorik. Ihr lyrischer Stil ist einzigartig, auch dadurch, dass sie sich dem jambischen Parameter verwehrt hat und ein freies Versmaß verwendete. Wenn überhaupt ein Reim vorhanden ist, dann ist das Reimschema meistens unrein Die Gedichte beginnen oft mit einer Feststellung in der ersten Zeile (oder den beiden ersten Zeilen), die dann weiter ausgeführt wird. Oft verwendet sie Wortspiele, sie bedient sich der Stilmittel der Ironie oder der Satire. Thematisch behandelt sie häufig die Auseinandersetzung mit Religion, Tod, Unsterblichkeit, aber auch romantische Gefühle. In ihrer Bildsprache gibt es immer wiederkehrende Motive, wie „butterflies“ oder „bumblebees“.
6 Walker, Cheryl. Dickinson in context: 19th-century American women poets. In: Vivian Pollak (ed.). A Historical Guide to Emily Dickinson. Oxford UP, 2004. p. 175-200.
7 Ford, Thomas W. Heaven Beguiles the Tired: Death in the Poetry of Emily Dickinson. University of Alabama Press, 1966. p. 68/ 63
3
Emily Dickinson is the most securely canonical of all nineteenth-century American women poets in English - the only one whose works have been anthologised as frequently as those of forty-five men, from Thomas Wyatt to Randall Jarrell. A century after Dickinson stopped trying to publish her poems, she was the only nineteenth-century American woman recognised as either a true poet or a contributor to the formation of a distinctive national literature. Paradoxically, Dickinson gained this position in part because her life and works were unrepresentative of women writers of her age. 8
Dickinson kümmerte sich nicht wirklich um die Konventionen der Zeit; in ihren Gedichten schreibt sie oft über Schmerz, Trauer und Abkehr von der Gesellschaft und den Menschen. Sie verarbeitete auch ihre Differenzen und Schwierigkeiten mit ihrem Vater, dem gesellschaftlichen Rollenverständnis und den religiösen Glauben ihrer Familie und Freunde in ihren Gedichten; sie war jedoch nicht politisch in ihrem Schreiben. 9 Bedeutsam für ihren Status im literarischen Kanon dürfte vor allem ihr Stil sein.
Dickinson’s status was secured as a distinctly modern poetics gained authority, an approach to poetic evaluation centred on the notions that a poet is an exceptionally gifted person who rises above the literary marketplace and that poetry is a discipline unto itself, answerable only to its own formal rules. In the case of the reclusive Dickinson, the idea that poetry is a solitary, internal art converged with another idea that became entrenched in Western bourgeois culture during the nineteenth century: that women belong in the private spaces of the home. 10
III. Der Schritt in die Öffentlichkeit - Die Publikation
Ein wichtiger Schritt um bekannt zu werden und sich als Lyrikerin zu etablieren war genau wie heute die Publikation. Viele Lyrikerinnen des 19. Jahrhunderts schafften es nicht populär zu werden, da sie nur im Privaten schrieben und nicht veröffentlichten. Bei einigen war der Grund dafür, dass sie sich von der Gesellschaft im viktorianischen Zeitalter gehemmt fühlten und den Schritt in die Öffentlichkeit nicht wagten. Selbst Emily Dickinson wäre uns heute wohl nicht so bekannt, wenn ihre Schwester ihre Gedichte nicht vor der Vernichtung bewahrt hätte.
Ob Emily Dickinson selbst nicht publizieren wollte, oder ob sie nicht die Chance dazu hatte, darüber streiten sich Kritiker bis heute. Indiz dafür, dass sie sich geweigert hat zu publizieren, ist unter anderem ihr Gedicht 709:
8 Gray, Janet (Ed.). She wields a pen. p. xxix.
9 Walker, Cheryl. Dickinson in context: 19th-century American women poets. p. 175-200.
10 Gray, Janet (Ed.). She wields a pen. p. xxix.
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Arbeit zitieren:
Magistra Artium Katharina Kullmer, 2007, Über Emily Dickinson - Amerikanische Frauenlyrik im 19. Jahrhundert, München, GRIN Verlag GmbH
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