Einleitung
In meiner Hausarbeit beschäftige ich mich mit den Phänomenen Raum und Stadt und mit den Zusammenhängen, die zwischen ihnen bestehen.
Zuerst versuche ich einzelne Begriffe auf relativ einfache Weise zu definieren, um das Verständnis meiner Ausführungen zu erleichtern. Im Folgenden gehe ich auf die Autorin des Buches „Raumsoziologie“ 1 , auf dessen Inhalt meine Arbeit basiert, Martina Löw ein und beginne danach mit meiner eigentlichen Analyse und Darstellung. Was ist Raum? Wie steht er im Zusammenhang mit Mensch und Soziologie? Was ist Stadt und wie verleiht Raum der Stadt Urbanität? Anhand solcher und ähnlichen Fragen werde ich mich den Kernaussagen Martina Löws nähern und eigene Schlüsse zur Thematik „Raum und Urbanität“ formulieren.
1. Hintergrundinformationen
1.1 Versuch einiger Definitionen
1.1.1 Urbanität (Urbanisation, Urbanisierung)
Urbanität kommt ursprünglich von dem lateinischen Wort urbs = Stadt. Es bezeichnete früher Rom als Weltzentrale und meint umgangssprachlich ein welterfahrenes-höfliches Verhalten 2 . Urban bedeutet als Adjektiv städtisch.
Urbanisation bezeichnet den Vorgang der städtebaulichen Erschließung, die dazu führt, dass moderne Stadtsiedlungen entstehen, die von Industrie und Tourismus genutzt werden können 3 . Der Begriff der Urbanisierung steht für den Prozeß zunehmender Bevölkerungsverdichtung in städtischen Gebieten. Immer mehr Menschen ziehen vom Land in die Stadt, da Landwirtschaft nicht mehr genügend Einkommen bietet und in den Städten größere Chancen auf Arbeitsplätze zu erwarten sind. Nicht nur das Wachstum an Bevölkerung, sondern auch das Ausdehnen der Städte in die Gebiete der Natur gehört zur Verstädterung, die sich als eine Folge der Industrialisierung manifestiert. Infrastrukturen werden verbessert und ausgebaut, die Architektur vergrößert sich und nimmt konstant neue Dimensionen ein. Somit wachsen Städte immer mehr und zeigen weitreichende Strukturen auf. In diesem Zusammenhang bedeutet Urbanität die Ausdehnung städtischer Kultur und Lebensformen, die die Menschen,
1 Löw, Martina: Raumsoziologie, Frankfurt 2001
2 http://de.wikipedia.org/wiki/Urbanit%C3%A4t
3 Meyers Enzyklopädisches Lexikon, Band 24, 1981 Mannheim, S. 222
2
die in einer Stadt leben, mit der Zeit annehmen. Der Begriff bezieht sich von soziologischer Sicht auf eine Art Lebensweise, die in den Städten entsteht. Sie unterscheidet den städtischen Bürger grundlegend vom Landbürger und ist Teil des normalen Verhaltens der in einer Stadt lebenden Menschen. 4
1.1.2 Stadt
Das Wort Stadt kommt vom althochdeutschen stat, das so viel wie Standort oder Stelle heisst. Die Stadt bezeichnet eine Siedlung, die sich darin definiert, dass sie eine gewisse Größe, eigene Verwaltungs- und Versorgungsstrukturen und Verkehrswege besitzt. Weiterhin trägt sie kommunalrechtliche Züge, eigene Kulte und eine sozial stark differenzierte Einwohnerschaft und bezeichnet immer einen festen zentralen Ort. Man unterscheidet anhand von Größe, Bedeutung und Funktion zwischen Landstädte, Kleinstädte, Mittelstädte, Großstädte, Millionenstädte, Weltstädte und noch einigen anderen. Die maßgebende Bevölkerungszahl, die eine Stadt definiert, ist in vielen Ländern sehr unterschiedlich und hängt von der gesamten nationalen Bevölkerungsdichte ab: In Dänemark besteht eine Stadt bereits ab 200 Einwohnern, in Deutschland und Frankreich ab 2000 und in Japan erst ab 50.000. Damit aus einer Gemeinde eine Stadt wird, bedarf es ebenfalls eines ausdrücklichen Beschlusses einer höherrangigen Gebietskörperschaft. In Deutschland zum Beispiel hat das jeweilige Bundesland diese Entscheidung zu fällen. Anders verhält sich dies bei der Bestimmung von Großstädten: Hat eine städtische Ansiedlung 100.000 Einwohner überschritten, gilt sie als Großstadt. 5
1.1.3 Raum
Im Althochdeutschen bedeutet rumi weit, geräumig. Der Begriff Raum trägt viele verschiedene Konnotationen und ist immer in bestimmten Zusammenhängen zu definieren. Die allgemeinste Bezeichung erhält der Raum im Sprachgebrauch, wenn von Wohnen, Zimmern und Gebäuden die Rede ist. Daran schliesst sogleich die Architektur, die sich mit Definieren, Zusammenfügen und Gestalten von eben diesen Räumen beschäftigt. In der Physik und Mathematik wird Raum als „Behälter“ gesehen, der in Länge, Breite, Höhe (Geometrie, Euklidik) sowohl begrenzt, als auch unbegrenzt (Weltraum) sein kann.
4 http://de.wikipedia.org/wiki/Urbanisierung
5 http://de.wikipedia.org/wiki/Stadt
3
Die Geographie verwendet den Raumbegriff zur Begrenzung bestimmter Territorien. Diesen Definitionen ist gemeinsam, dass sie Raum als etwas greifbares und mit dem Auge erfassbares bezeichnen.
Erst die Soziologie und die Kulturwissenschaften betrachten Raum aus einer anderen Perspektive: Der „soziale Raum“ ist ein nicht materiell bestehender Raum, sondern entsteht er im Spannungsfeld zwischen Menschen verschiedener sozialer Herkünfte, Kulturen und dem sie umgebenden Handlungsfeld. Diese Art der Raumauffassung wird Gegenstand meiner folgenden Ausarbeitung sein, denn er steht im direkten Zusammenhang mit der Stadtsoziologie und der Urbanität. Stadtsoziologie steht hierbei für die Interaktion der verschiedenen Gruppen innerhalb einer städtischen Siedlung, wie sie ihre Interessen vertreten und sich gegenüber anderen Gruppen verhalten. 6
1.2 Die Autorin Martina Löw
Prof. Dr. phil. Martina Löw ist derzeit Professorin für Stadt- und Raumsoziologie an der TU Darmstadt. Ihre wichtigsten Veröffentlichungen bisher sind: „Differenzierungen des Städtischen (2002), „Schlüsselwerke der Geschlechterforschung“ (2003) und die viel beachtete Veröffentlichung „Raumsoziologie“ (2001).
Seit 31.01.2002 ist sie an die TU Darmstadt gegangen. Zuvor war sie Privatdozentin und wissenschaftliche Oberassistentin an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. 2000 erhielt sie den Christian-Wolff-Preis für das bisherige Werk, insbesondere für die Habilitationsschrift zum Raumbegriff. Sie sammelte Erfahrungen in interdisziplinärer Arbeit unter anderem auch durch die frühere Tätigkeit am Institut für Sozialforschung in Frankfurt am Main im Rahmen des techniksoziologischen DFG-Forschungsprojekt "Soziale Determinanten der Entwicklung alternativer POS-Zahlungssysteme" sowie durch Gast- bzw. Vertretungsprofessuren an den technischen Universitäten Berlin und Darmstadt. 2001 veröffentlicht Löw eine „Soziologie des Raums“, welche sich unter anderem mit der Frage beschäftigt, wie neue Technologien Raumkonstitution und Raumwahrnehmung verändern. Darauf aufbauend arbeitet Löw an der Frage, wie Raumkonstruktionen in und durch elektronische Netze verändert werden. Weitere Forschungsschwerpunkte sind "Raum, Macht und soziale Differenzierung" sowie ethnographische Stadtstudien. Derzeit werden verschiedene Teilstudien zum Themenfeld "Öffentliche Sicherheit" und "Theater und Stadt"
6 http://de.wikipedia.org/wiki/Raum
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Arbeit zitieren:
Valentina L´Abbate, 2006, Urbanität und Raum: Wie sich die Soziologie des Raumes im städtischen Raum manifiestiert, München, GRIN Verlag GmbH
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