Inhaltsverzeichnis
Einleitung 1
1. Die Gegenbewegung Utmans 2
2. Anfänge der harigitischen Bewegung 3
2.1 Die grundlegende Doktrin 4
2.2 Die Bezeichnung „H āriğiten“ 4
3. Entwicklung der Doktrin 6
3.1 Die Azraqiten 6
3.2 Die Nağditen 7
3.3 Die Sekten der frühislamischen Zeit 7
4. Die Bedeutung der Harigiten für das islamische Denken 8
5. Epilog 9
Universität Bern, IINOP FS 09, 14.05.09
Grundlagenseminar: Einführung in die islamische Theologie Tobias Hoenger
Das Herrschaftskonzept der Hāriğiten
Einleitung 1
Ich möchte im Folgenden kurz und prägnant einen Überblick geben über die Geschehnisse dieser Zeit. Es soll als Hinführung zum Thema dienen, was mir, angesichts des komplexen Inhalts, sinnvoll erscheint.
Das Problem des Herrschertums beginnt in frühislamischer Zeit mit dem Tod des Propheten Mohammeds. Es stellt sich die zentrale Frage: Wer wird Nachfolger und wer hat am ehesten die Legitimation die muslimische Gemeinde (umma) zu führen? Genealogisch gesehen wäre ein möglicher Nachfolger innerhalb der Sippe der Quraya zu suchen, somit wäre das Prinzip des nasab (Abstammung), am ehesten gewährleistet. Nach jahrelanger Suche herrschte immer noch viel Unklarheit.
Der erste Repräsentant war Abu Bakr, der von 632 bis 634 die Stellung des Kalifen hatte. Er nannte sich Stellvertreter und Gesandter Gottes, (halifat rasul allah) und bezeichnete sich auch als imam, (im Sinne von „Vorbeter“). Sein Nachfolger wurde Umar, der die Herrschaft von 634 bis 644 übernahm. In der Bezeichnung ging er noch weiter und nannte sich, „Anführer der Gläubigen“ (im Kampf), (amir al-mu‘minin).
Erst mit Utman kam ein „Vertreter“ der Qurayš an die Macht. Er gehörte der Sippe der Umayya an. Er wäre eigentlich der ideale Nachfolger für die umma gewesen, dank seiner Kombination von nasab und sābiqa (frühere islamische Verdienste durch einen Beitrag für die muslimische Gemeinde und Dienung des Propheten). Der nächste „Halīfa“ ʿAlī (656- 661),hatte sogar die fast perfekte - nur ein Sohn wäre die „perfekte Abstammung“ genealogische Nähe zum Propheten als Vetter von Muhammed und zugleich Schwiegersohn, (Ehemann von Fāṭima). Die Anhänger ʿAlīs hatten die Legitimationsbasis für die Führung der umma erhoben, es bildeten sich die Schiiten, (ši ʿatʿʿAlī = šiʿa = Schia = Schiiten).
Es wurde im Laufe der Zeit allmählich schwierig sābiqa von nasab zu unterscheiden, denn wer konnte nun noch behaupten, er hätte zurzeit Muhammeds für ihn gedient? Es wurden Stimmen laut, die für eine neue Definition von sābiqa plädierten, wie sie beispielsweise von den Ḫāriğiyya, (aus ihren Reihen kam der Mörder von ʿAlī), gegeben wurde: Verdienste um den Islam von der gleichen Qualität wie früher, also eine Unterstützung der muslimischen
1 Vgl. Noth, 4. Auflage 2001, 73-80.
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Grundlagenseminar: Einführung in die islamische Theologie Tobias Hoenger
Gemeinde und des Propheten, können auch zu einem späteren Zeitpunkt, (als zu Lebtagen Muhammeds), erworben werden. Derjenige mit den meisten Verdiensten ist dann „der beste Muslim“ und soll zum Kalifen ernannt werden. Jedoch war diese neue Definition nicht einmal für die Ḫāriğiyya selbst realisierbar.
Nachdem Tod ʿAlīs und der Bekämpfung der Schiiten übernahm Muʿāwiya die Führung. Er war schon vor seiner Ernennung zum Kalifen ein angesehener Mann in der Gemeinde. Ab diesem Zeitpunkt war das Ganze jedoch keine Legitimationsfrage mehr, sondern eine Frage der Macht. Es folgten etliche Nachkommen von Muʿāwiya als Umayya - Kalifen. Die Anhänger ʿAlīs, (grösstenteils im Irak), waren mit dieser Situation nicht gerade glücklich und es kam zu Kämpfen unter den Ali Anhängern und Gruppierungen der Haragia. Erst die Hāšimiyya, (Hāšim = Sippe des Propheten), konnten mit der Vernichtung der Umayya-Sippe den Banu Umayya Kalifaten ein Ende setzen.
Diese Anfangszeit des Islams von 632 - 750 könnte man als die Zeit der Umayyaden Herrschaft titulieren. Dies ist jedoch sehr gefährlich, weil es nicht ausschliesslich die Banu Umayya waren, die diese Zeit prägten.
Ich werde im weiteren Verlauf, meine Ausführungen auf Watt/Marmura (1985) beziehen. Das Buch bietet meiner Meinung nach ein grundlegendes Verständnis, ohne dabei auf Einzelheiten zu verzichten.
1. Die Gegenbewegung Utmans
Die Zeit vom Aufstand gegen Utman bis zur Ermordung Alis (661) ist wohl die dunkelste und umstrittenste Phase in der frühislamischen Geschichte. Dafür verantwortlich sind die Quellen. Denn die Häresiographen müssen von Behauptungen und verschiedenen Standpunkten muslimischer Gruppierungen ausgehen.
Im Frühjahr 656 zogen unzufriedene Nomadenstämme aus Ägypten, Basra und Kufa gen Medina, um aus verschiedenen Gründen Klage zu führen. Der Auslöser dieser Bewegung war Utman, der das eroberte Land im Irak an verschiedene Leute - wahrscheinlich aus seinen eigenen Reihen - verschenkte und nicht wie vereinbart an die ganze muslimische Gemeinde. Eine weitere Klage kam auf, als Utman wichtige Gouverneurposten mit Leuten aus seinem eigenen Klan besetzte. Des Weiteren wird Utman vorgeworfen, er habe es unterlassen, dem Koran vorgeschriebene Strafen zu verhängen. So jedenfalls ist es zu entnehmen aus einem überlieferten Beispiel, indem al-Walid ibn- Uqbas, Gouverneur von Kufa, betrunken in den Strassen gesehen wurde und von Utman nicht bestraft wurde.
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Arbeit zitieren:
Tobias Hoenger, 2009, Herrschaftskonzept der Charidschiten, München, GRIN Verlag GmbH
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