Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Institut für Kunstgeschichte
Wintersemester 2003/04
Proseminar: Schlossbaukunst der Renaissance in Sachsen-Anhalt im 16.Jahrhundert
Das Schloss zu Quedlinburg
Von
Oliver Friedel
3.Semester Kunstgeschichte / MuK/ Zeitgeschichte
Inhaltsverzeichnis
1.
Einleitung
2.
Geschichte des Schlosses
3.
Architektur des Schlosses
4.
Architektur der Stiftskirche
4.1.
Zustand vor der Restaurierung im 16. bis 18. Jahrhundert
4.2.
Die Restaurierung im 19.Jahrhundert
4.3.
Arbeiten im 20.Jahrhundert
5.
Zusammenfassung
6.
Literaturverzeichnis
1. Einleitung
Das Schloss zu Quedlinburg ist eines der bedeutendsten Bauten der Renaissance in
Deutschland. Auf dem Burgberg über der Harzstadt erhebt sich ein beeindruckender
Komplex.
Dieser erstreckt sich über einen langen Sandsteinfelsen, der an seinen Rändern schroff abfällt.
Der markante Schlossberg erhebt sich etwa 30 Meter über die Dächer der Stadt Quedlinburg.
Auf diesem steil abfallenden Sandsteinfelsen befinden sich die Stiftskirche St. Servatii sowie
das dreiflügelige Renaissance-Schloß.
Das Schloss entstand im 15. - 16. Jahrhundert aus der mittelalterlichen Burg. In ihm befindet
sich heute u.a. ein Museum. Besondere Ausstellungsstücke des Schlossmuseums sind z.B. der
legendäre Raubgrafenkasten sowie frühgeschichtliche Funde wie die Goldscheibenfibel. Die
heutige Stiftskirche St. Servatii wurde Anfang des 12. Jahrhunderts auf den Resten von drei
Vorgängerbauten errichtet. An dieser Stelle standen vor ihr die Kapelle der Königspfalz von
Heinrich I., die erste Kirche des Damenstifts sowie eine im Jahre 1021 eingeweihte Basilika.
Die Quedlinburger Stiftskirche mit ihrem kreuzförmigen Grundriss gehört zu den
bedeutendsten romanischen Kirchenbauten in Deutschland. Ihr Hauptportal ist eines der
ältesten deutschen Säulenportale.
Unter dem Chor befindet sich die Krypta und in dieser die Gräber des ersten deutschen
Königspaares - Heinrich I. und Ehefrau Mathilde. Es war der ausdrückliche Wunsch Heinrich
I., in Quedlinburg bestattet zu werden. In der Schatzkammer kann man den mehr als 1000
Jahre alten Domschatz besichtigen.
2. Geschichte des Schlosses
Das Plateau des Schlossberges ist an seiner breitesten Stelle 50m breit und insgesamt 100 m
lang. Seine Höhe beträgt ca. 25m.
Diese erste Ummauerung stammt aus der Bronzezeit. Sie bestand aus einer Steinmauer mit
Lehmpackung
1
. In ottonischer- und romanischer Zeit sind ebenfalls starke
Befestigungsanlagen zu vermuten. Zu dieser Zeit wurde auch der Burgaufgang von der
südlichen Seite an die nördliche verlegt. Im Bereich des Mittelstifts der Stiftskirche wurden
Reste eines Stein-Erdebaus um 500, sowie Pfostenlöcher einer Halle aus dem 8./9.Jahrhundert
entdeckt. Es ist allerdings möglich, dass diese ein und dem selben Gebäude zuzuordnen sind
2
.
1
Voigtländer, Klaus, Die Stiftskirche St. Servatii zu Quedlinburg Geschichte ihrer Restaurierung und
Ausstattung, Berlin 1989, S.17
2
ebenda
Bereits 936 wird von Klostergebäuden auf dem Berg berichtet, die sich im Laufe des
10.Jahrhundert vermehrten. Dort befand sich ehemals die Pfalz König Heinrich I. Der Keller
des Westbaus stammt noch aus dieser Zeit. Dieser Bau soll ein wohnturmartiges Aussehen
besessen haben. Der, ottonischer Zeit zugehörige, Nordteil des Schlosses hat sicher die
gleiche Fläche wie der Renaissancebau eingenommen. Er stand vermutlich bis zum Umbau
im 16.Jahrhundert. In ihm befand sich vermutlich auf der östlichen Seite die Kapelle. Einige
Bauteile aus dieser Zeit sind noch erhalten.
Die heutige Gestalt der Kirche bildete sich erst 1129 heraus. Vorher befanden sich drei
Vorgängerbauten an gleicher Stelle. Reste dieser Kirchen sind in der Krypta noch zu
erkennen.
An dieser Stelle ist auch die Grabstätte des ersten deutschen Königs Heinrich I. Er wurde vor
dem Altar einer kleinen Kapelle, die sich im Ostabschnitt der heutigen Krypta befindet,
beerdigt. Die Anlage wurde auch damals schon von einem Mauerring umschlossen.
Nach dem Tode des Königs fielen die gesamten Besitzungen in Quedlinburg seiner Gemahlin
Königin Mathilde zu. Sie gründete auf dem Berg ein Damenstift. Die Stiftskirche war dem
heiligen Servatius geweiht, dessen Gebeine sogar in diese umgebettet wurden. Die königliche
Pfalz war vom 10. bis 12. Jahrhundert Veranstaltungsort vieler prächtiger
Reichsversammlungen. Die königliche Familie war weiterhin oft zugegen.
Unter Königin Mathilde wurde die Pfalzkirche zur Damenstiftskirche umgestaltet. Zwei Jahre
vor ihrem Tod im Jahr 968 führte sie ihre Enkelin, die ebenfalls Mathilde hieß als Äbtissin
ein. Königin Mathilde wurde neben Ihrem Mann in der Kapelle beigesetzt.
Äbtissin Mathilde ließ an gleicher Stelle einen Neubau errichten, der im wesentlichen bereits
die jetzige Ausdehnung erreichte. Sie wurde 997 feierlich geweiht. Mathilde wurde nach
ihrem Tod 999 neben ihren Großeltern beigesetzt. Unter ihrer Nachfolgerin Adelheid wurde
einen Krypta eingebaut und ein neuer Altar genau an der Stelle des Grabes Heinrichs
errichtet. Das Grab musste deshalb verlegt werden. Nach dem Umbau wurde die Kirche 1021
erneut geweiht. Doch schon knapp fünfzig Jahre später brannte die Kirche sowie die weiteren
Burgbauten bei einem Großbrand nahezu vollständig nieder
3
.
Nun begann der Neubau der Anlage in seiner heutigen Gestalt. Die Stiftskirche wurde 1129
geweiht. Über die Jahrhunderte wurden jedoch einige Veränderungen durchgeführt. Der Chor
wurde umgebaut und auch die Außenwände der Kirche mussten mehrfach umgestaltet
werden. Weitere Veränderungen, wie größere Fenster, Altäre und Emporen wurden bei der
Restaurierung 1863-1882 wieder zurück gebaut.
3
Löffler, Fritz, (Hrsg.) Die Stiftskirche zu Quedlinburg, Das Christliche Denkmal, Heft 37, Berlin 1970, S.4
Ab 1938 diente die Anlage als Weihestätte der SS, sie konnte bis 1945 nicht mehr für
Gottesdienste genutzt werden.
Die Beschädigungen durch Artilleriebeschuss im zweiten Weltkrieg wurden von 1947 bis
1950 repariert. Dabei wurden auch die steilen rheinischen Helme durch niedrige Zeltdächer
ersetzt. Weitere Schäden, vor allem im Dachbereich wurden noch bis in das Jahr 1959 hin
ausgebessert. Bei der Untersuchung des Schlosses unterscheiden wir drei Gebäudegruppen.
Die Schlosskirche, das Schloss im Westen und Nordwesten, sowie die Wohnhäuser der
Dienerschaft im Nordosten. Diese Arbeit beschäftigt sich sowohl mit der Architektur des
Schlosses, als auch mit der, der Stiftskirche.
3. Architektur des Schlosses
Die Schlosskirche und das Schloss bilden eine geschlossene Baugruppe. Sie liegen um einen
40m langen und 12m breiten, trapezförmigen Hof. Dieser war früher durch einen Bogengang
vom Schloss zur Kirche vollständig geschlossen. Im Nordosten befanden sich ehemals die
Häuser der Dienerschaft. Sie bestanden aus einer, in Reihe stehender Gruppe zwei- und
dreigeschossiger Fachwerkhäuser
4
.
Entlang der Mauer des nördlichen Schlossflügel liegt von West nach Ost verlaufend innerhalb
eines Zwingers, der Burgweg. Sein Beginn markiert ein durch Wappensteine geschmücktes
Rundbogentor. Auf diesem ist das Stiftswappen und der Reichsadler zu erkennen. Am
anderen Ende des Zwingers, in 37m Entfernung befindet sich das eigentliche romanische
Burgtor. Es führt durch einen Nordflügel des Schlosses. Über diesem Tor befand sich die
Wohnung des Torwächters. Nach außen begrenzt den Zwinger ein mit Schießscharten
versehener Wehrgang. Die Mauer besaß früher nur Zinnen und wurde nachträglich
umgebaut
5
.
Um 1480 musste die Stadt Baugeld für die Erneuerung von Teilen der Burg an das Stift
zahlen. Für das Jahr 1521/22 wird von einem Gebäudeeinsturz berichtet. Vermutlich handelt
es sich hierbei um den südlichen und westlichen Teil. Einige Teile des jetzigen Baus, wie z.B.
Fenster- und Türprofile und die hohen Satteldächer sind dieser Zeit zuzuordnen
6
.
Wahrscheinlich sind erst zu dieser Zeit die romanischen Vorgängerbauten entfernt wurden.
4
Brinkmann, Adolf, Beschreibende Darstellung der Bau- und Kunstdenkmäler des Kreises Stadt Quedlinburg,
Berlin 1922, S.23
5
ebenda, S.24
6
Voigtländer, Klaus, Die Stiftskirche St. Servatii zu Quedlinburg Geschichte ihrer Restaurierung und
Ausstattung, Berlin 1989, S.19
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