Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Staatliche Interventionsmöglichkeiten 3
2.1 Charakteristik des illegalen Marktes 3
2.2 Ein legaler Drogenmarkt 6
2.3 Repressive Drogenpolitik 9
2.4 Lösungsansatz 14
3. Ausblick 17
4. Literaturverzeichnis 19
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1. Einleitung
Am 22.01.2009 tritt eine schon im Dezember angekündigte Eilverordnung des Gesundheitsministeriums in Kraft und beendet somit die wirtschaftlich erfolgreiche Karriere der als Raumduft, Kräutermischung oder Räucherwerk verkauften Substanz „Spice“. Während am Vortag des Verbotes noch sogenannte Hamsterkaufe getätigt wurden, erschien am nächsten Tag bereits eine Ersatzsubstanz namens „Space“. Dass diese lediglich einen Placebo-Effekt besitzt und keine cannabisähnlichen Wirkstoffe beinhaltet beruhigt Gesundheitsexperten nicht. Sie gehen davon aus, dass in absehbarer Zeit Ersatz für die verbotene Substanz angeboten wird. Das Bundesgesundheitsministerium sieht sich dem Problem gegenüber, dass alle neuen Substanzen, die synthetisch hergestellt oder beigemengt werden und Rauschzustände verursachen als solche erkannt, nachgewiesen und analysiert werden müssen. Nur so ist ein Verbot möglich. Ob die Regierung eine Chance hat, dieses Katz-und-Maus Spiel zu gewinnen ist ebenso fraglich, wie die Frage auf welcher Grundlage der Staat das Recht hat seinen Bürgern gewisse Güter vorzuenthalten. Im Folgenden wird untersucht, welche politischen Maßnahmen zur Begrenzung des Drogenkonsums oder -marktes ökonomisch gesehen Aussicht auf Erfolg haben. Dazu wird folgende Hypothese aufgestellt:
„Eine extreme Politikdurchsetzung ist, unabhängig, ob sie rein liberal (hypothetisch) oder streng verbietend ist, nicht ausreichend, um die Verbreitung und den Konsum von Drogen zu kontrollieren. Eine wirksame staatliche Intervention gegen den illegalen Drogenmarkt muss einen Kompromiss bedeuten und Ökonomen können helfen, diesen zu erkennen.“
2. Staatliche Interventionsmöglichkeiten
Zuerst werden die Eigenschaften des illegalen Rauschgiftmarktes betrachtet. Anschließend werden zwei Handlungsmöglichkeiten des Staates vorgestellt, zum einen ein legaler, liberalisierter Markt und zum anderen ein Markt, der durch ein strenges Verbot gekennzeichnet ist. Anschließend wird die Legitimationsgrundlage für eine verbietende Politik betrachtet und eine Lösungsalternative für beide diskutierte Ansätze vorgestellt.
2.1 Charakteristik des illegalen Marktes
Um die Wirksamkeit von drogenpolitischen Maßnahmen zu untersuchen, muss zuerst deutlich werden, inwiefern sich der Markt für Rauschgifte gegenüber anderen Märkten, beispielsweise für Genusswaren, Luxusgütern oder Nahrungsmitteln, unterscheidet. Dazu ist es notwendig, die verschiedenen Interdependenzen und Wirkungsrichtungen zu betrachten. Wenn
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beispielsweise eine zunehmend strengere Drogenpolitik verfolgt wird und gleichzeitig die Anzahl der Drogentoten fällt, muss dies nicht zwangsläufig ein Indiz für eine wirkungsvolle Politik darstellen. Ob und inwiefern strenge oder nachsichtige Drogenpolitik mit der Zahl der Drogentoten korreliert müsste näher betrachtet werden. 1 Am folgenden Modell soll nun die Grundlage geschaffen werden, um im Anschluss verschiedene Einflussmöglichkeit zu vergleichen. Den Markt für illegale Drogen, dargestellt in einem Regelkreisschema nach Beck und Prinz 2 , kann man der Übersicht halber wie folgt in drei Abschnitte unterteilen: die Produzentenebene oder Angebotsseite (1), die Ebene des Staates (2) und die Nachfrageebene (3).
Abbildung 1: Regelkreisschema Drogenmarkt nach Beck und Prinz
1 Vgl. Prinz (1997), S.371.
2 Vgl. Beck/Prinz (2002), S. 26-30.
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Betrachtet man zunächst die Nachfrageseite (3), umfasst diese eine Gruppe der für Drogen anfälligen Personen und eine Gruppe der Süchtigen. Die Süchtigen gehen aus der erstgenannten Gruppe hervor. Nicht-süchtige Konsumenten werden der Gruppe der für Drogen anfälligen Personen zugerechnet, die wichtigere Gruppe bildet jedoch die der Süchtigen.
Ein Argument hierfür ist die Tatsache, dass die Sucht der Süchtigen die, für die Nachfrageseite charakteristische, geringe Elastizität de Nachfrage verursacht. Dies ist jedoch nicht unumstritten, so ist der Preis von Marihuana seit den 70er Jahren bis Ende des 20. Jahrhunderts um den Faktor 10 gestiegen, der Konsum jedoch konstant geblieben. Begründet wird dies mit der Abhängigkeit des Konsums von sozialen und kulturellen Faktoren. 3 Abgesehen von dieser Diskussion wird die Nachfrage im Folgenden als unelastisch angenommen, auch weil Süchtigen nicht einfach ihre Konsumentscheidung ändern können oder wollen und auch der Wechsel zu Substituten, wie zum Beispiel einer Ersatzdroge, eher den Ausnahmefall bildet.
Es wird angenommen, dass Süchtige den weitaus größeren Teil der Drogenkonsumenten ausmachen. Auch dieser Punkt ist jedoch umstritten. 4 Eine kritische Auseinandersetzung mit dieser Diskussion wäre an dieser Stelle jedoch nicht zielführend. Es besteht ein positiver Zusammenhang zwischen der Anzahl der potenziellen Konsumenten und der Anzahl der Süchtigen, das heißt, bei einer größeren Gruppe von interessierten Konsumenten ergibt sich eine größere der Süchtigen.
Inwiefern eine große Gruppe Süchtiger sich auf die andere Gruppe auswirkt ist schwer festzulegen. Auf der einen Seite könnten mehr Konsumenten andere beeinflussen Drogen zu probieren und zur Finanzierung ihrer Sucht mit dem Verkauf von Rauschgift die Zugänglichkeit zum Markt für Dritte erleichtern. Auf der anderen Seite könnte eine ausgeprägte Drogenszene, wie zum Beispiel am Bonner Hauptbahnhof, abschreckend auf Interessierte wirken.
Für die Nachfrageseite ist abschließend die geringe Elastizität der Nachfrage wichtig. Obwohl das Schema auf einen Eingriff des Staates ausgelegt ist, muss dieser nicht zwangsläufig Teil dieses Regelkreisschemas sein. Betrachtet man zunächst die Angebotsseite (1), bewirken Armut und mangelnde Alternativen zur Einkommenserzielung ein Ansteigen
3 Vgl. Nell (1994), S. 14.
4 Bruno Frey argumentiert, dass Konsumenten nicht zwangsläufig abhängig würden, ihren Job und ihr soziales
Umfeld verlören und somit das Vorurteil eines Süchtigen erfüllen würden. Ausserdem würde die Mehrheit ohne
Abhängigkeit konsumieren und die meisten auch mit zunehmender Reife aus dem Drogenkonsum
„hinauswachsen“. Vgl. Frey (1997), S. 387.
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des Angebots. Dies ist natürlich nur stark ausgeprägt, wenn ein existierendes Verbot einen verhältnismäßig hohen Gewinn bewirkt. Ein höheres Drogenangebot erhöht vermutlich die Zahl der potenziellen Konsumenten, da ein einfacherer Markteintritt ermöglicht wird. Mit einem Anstieg des Angebots sinkt der Drogenpreis. Höhere Gewinne, wie sie zum Beispiel ein steigender Drogenpreis verursacht, sorgen für ein wachsendes Angebot. Ein hoher Rauschgiftpreis wirkt sich negativ auf die Gruppe der potenziellen Süchtigen aus, was gleichzeitig ein Hauptargument für den staatlichen Eingriff darstellt. Zu dieser Begründung jedoch später in 2.3.1.: Rechtfertigung des staatlichen Eingriffes. Die Wirkung dieses Effektes wird jedoch von vielen Anbietern umgangen, indem man Neukonsumenten mit günstigen oder sogar kostenlosen Angeboten wirbt.
Ein steigender Drogenpreis führt zu einem Anstieg der Beschaffungskriminalität, da die Süchtigen sich mit steigenden Kosten für ihre Sucht konfrontiert sehen. Außerdem entstehen durch einen höheren Preis höhere Gewinne für die Anbieter.
Ein Anstieg der Konsumentenanzahl führt ökonomisch zwangsläufig zu einem Preisanstieg. Der Staat, dargestellt in Ebene (2), besitzt in diesem Schema lediglich das Instrument der Repression. Diese führt zu einem Anstieg der Preise, da das Risiko für die Anbieter steigt und auch die Kosten zum Beispiel für neue Innovationen, um sich der Kontrolle zu entziehen oder Schmiergelder auf den Konsumenten umgelegt werden. Die negative, in diesem Fall abschreckende Wirkung einer strengen Drogenpolitik auf die Gruppe der anfälligen Personen stellt die zweite wichtige Argumentationsstütze für den Eingriff des Staates dar. Die Beschaffungskriminalität, die zu bekämpfen Aufgabe des Staates ist, sorgt für einen Anstieg der repressiven Maßnahmen durch den Staat, was, wie oben beschrieben über den Preis wiederum die Kriminalität erhöht.
Das Problem des Staates besteht in den ungewollten Neben-und Rückkopplungseffekten, wie sie oben beschrieben sind. Auch ist schwer belegbar, welche Wirkungseffekte stärker oder schwächer ausgeprägt sind. So gestaltet es sich schwierig eine verlässliche Kosten-Nutzen Rechnung aufstellen.
Folgend werden nun verschieden Handlungsmöglichkeiten des Staates betrachtet.
2.2 Ein legaler Drogenmarkt
Eine (hypothetische) Möglichkeit des Staates bestünde darin, sich aus der Intervention des Drogenhandels zurückzuziehen und somit einen legalen Markt zu schaffen.
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Arbeit zitieren:
Markus Alexander Michael Rietschel, 2009, Ökonomische Analyse drogenpolitischer Maßnahmen, München, GRIN Verlag GmbH
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