Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Problematischer Grenzbereich: Zusammensetzung oder Wortgruppe? 4
2.1 Wort und Syntagma - Definitionsversuch 4
2.2 Untrennbare und trennbare Verben 6
3 Relationsprinzip vs. Wortbildungsprinzip. 8
3.1 Das Relationsprinzip 8
3.2 Das Wortbildungsprinzip 8
3.2.1 Konversion 9
3.2.2 Rückbildung 9
3.2.3 Univerbierung und Inkorporation. 10
4 Exemplarische Analyse der Substantiv-Verb-Verbindung radfahren 11
4.1 Grammatikalitätstests 12
4.2 Interpretation der Ergebnisse 13
5 Fazit 15
Literaturverzeichnis. 17
Internetressourcen 17
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1 Einleitung
Auch nach der Rechtschreibreform von 1996 sowie der „Reform der Reform“ 2004 und 2006 gibt es nach wie vor problematische Regelbereiche. Insbesondere die Getrennt- und Zusammenschreibung 1 ruft bei zahlreichen Schülern Kopfzerbrechen hervor. Zwar überwiegen die unproblematischen Fälle, beispielsweise wenn durch Wortbildungsprozesse reguläre Komposita entstehen (Haustür, Lieblingsfilm), doch bestehen ebenso schwierige Zweifelsfälle. Besonders das Gebiet der Substantiv-Verb-Verbindungen 2 gestaltet sich schwierig: heißt es nun radfahren, rad fahren oder Rad fahren? Aus eigener Erfahrung als Nachhilfe-Lehrerin konnte ich feststellen, dass dieser Regelbereich von Schülern sehr kompliziert empfunden wird. Selbst nach ausführlicher Besprechung und Übung von Regeln, Merksätzen usw. wurden bei den SVV Fehler gemacht. Dabei klingt der Regeltext relativ einfach: „Die Getrennt- und Zusammenschreibung betrifft Einheiten, die im Text unmittelbar benachbart und aufeinander bezogen sind. Handelt es sich um Bestandteile von Wortgruppen, so schreibt man sie getrennt. Handelt es sich um die Bestandteile von Zusammensetzungen, so schreibt man sie zusammen“ (Deutsche Rechtschreibung 2006, S.33). Doch was ist überhaupt ein Wort bzw. eine Zusammensetzung? Was gilt als Wortgruppe bzw. Syntagma? Erst wenn klar ist ob Verbindungen den Status eines Wortes oder eines Syntagmas besitzen, kann man eine fundierte Entscheidung über Getrennt- oder Zusammenschreibung treffen. Die vorliegende Arbeit soll dieses Grundproblem der GZS näher beleuchten: Was ist überhaupt eine Wortgruppe und was ist eine Zusammensetzung? Wo liegt die Schwierigkeit der Abgrenzung zwischen Syntagma und Wort? Da dies Fragen der Grammatik sind, wird sich die Arbeit hauptsächlich mit grammatischen Fragen beschäftigen. Dies ist jedoch auch nicht weiter verwunderlich, wenn man sich vor Augen führt, dass es für eine korrekte Schreibung eines bestimmten grammatischen Wissens bedarf. Die Regeln zur GZS beruhen daher auch zu einem Großteil auf dem grammatischen Prinzip, durch welches Teile von Texten gegliedert und besonders gekennzeichnet werden können. Bezüglich der GZS geschieht dies durch den Wortzwischenraum, der als Grenzsignal fungiert und an der Grenze von grammatisch selbstständigen Wortformen steht (Gallmann u. Sitta 1996, S.38). Der Schwerpunkt dieser Arbeit wird weiterhin auf den SVV liegen, da dieser Regelbereich die meisten Irritationen hervorruft.
1 Getrennt- und Zusammenschreibung wird im Folgenden durch GZS abgekürzt.
2 Substantiv-Verb-Verbindung wird im Folgenden durch SVV abgekürzt.
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Neben der Unterscheidung von Wortgruppen und Zusammensetzungen in den klassischen Zweifelsfällen, ist im Bereich der SVV eine Differenzierung zwischen trennbaren und untrennbaren Verben notwendig. Während der Wortstatus bei den untrennbaren Verben relativ eindeutig ist (brandmarken/ handbaben), ist er bei den trennbaren Verben umstritten (radfahren/ rad fahren/ Rad fahren?).
Zur Beantwortung der Frage was ein Wort ist, kann zudem eine Untersuchung der Wortbildungsprozesse sehr aufschlussreich sein. Daher sollen im dritten Kapitel die eher untypischen Prozesse Rückbildung, Univerbierung und Inkorporation analysiert werden, da die Zweifelsfälle der SVV selten durch den normalen Prozess der Komposition gebildet werden. Zu beachten ist allerdings, dass das Wortbildungsprinzip nur gilt, wenn das Relationsprinzip keine Anwendung findet. Daher wird das Relationsprinzip vorangestellt und kurz erläutert.
Im vierten Kapitel soll ein typischer Zweifelsfall der GZS im Bereich der SVV geklärt werden: radfahren/ rad fahren/ Rad fahren. Hierzu werden einige Grammatikalitätstests wie Artikelfähigkeit, Erweiterbarkeit oder Vorfeldfähigkeit durchgeführt, um den Status der substantivischen Einheit rad zu klären und einen Rückschluss auf die korrekte Schreibweise zu erhalten.
2 Problematischer Grenzbereich: Zusammensetzung oder Wortgruppe?
2.1 Wort und Syntagma - Definitionsversuch
Die Hauptschwierigkeit bei der GZS liegt in der Abgrenzung zwischen Wort und Syntagma. Was versteht man unter einer Zusammensetzung bzw. Wortgruppe? Gallmann und Sitta (1996, S.109) schreiben dazu: „Eine Wortgruppe besteht aus mehreren grammatisch selbständigen Wortformen. Eine Zusammensetzung bildet als Ganzes eine einzige Wortform [graphematisch ein Wort]. Sie besteht aus zwei oder mehr Wortteilen.“ Bei dieser Definition stellt sich jedoch ein weiteres Problem: Wie definiert man eine selbstständige Wortform? Was versteht man unter einem Wortteil?
Um diese Fragen klären zu können, ist eine genauere Kenntnis des Wortbegriffs notwendig. In dieser Arbeit wird ein graphematischer Wortbegriff wichtig sein (vgl. Weinberger 2005, S.3), da schließlich von Interesse ist, wie man zusammengehörende Wörter notiert. Allerdings eignet sich ein graphematisches Kriterium nicht zur Abgrenzung des Wortbegriffs, da durch dieses keine neuen Erkenntnisse gewonnen werden können, es heißt lediglich „Wörter werden zusammengeschrieben“ und „Wörter erkennt man daran, dass zusammengeschrieben wird“ (Dürscheid 2004, S.163-164).
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Morphologisch-syntaktische Kategorien eignen sich daher besser zur Entscheidung ob eine einzige Wortform, dies meint ein Wort, vorliegt. Hierzu muss zunächst das Kriterium der Nichtunterbrechbarkeit erfüllt sein. Die in dieser Arbeit betrachteten SVV stellen allerdings einen Sonderfall dar, denn sie sind morphologisch trennbar, z.B. er fährt das Auto probe (probefahren) 3 . Zur morphologischen Trennbarkeit zählen ebenfalls ge- und zu, wie bei teilzunehmen. Im Nebensatz sind die SVV syntaktisch jedoch häufig nicht trennbar: *dass ich probe das Auto fahre. Für trennbare Verben muss also hinsichtlich dieses Kriteriums eine genauere Betrachtung erfolgen, ausschlaggebend für das Vorliegen eines Wortes ist die „Nichtunterbrechbarkeit im Nebensatz“ (Fuhrhop 2007, S.8 ff.)
Damit grammatische Einheiten echte morphologische Wörter und kein Syntagma sind, ist ein weiteres Kriterium notwendig, die einheitliche Flexion. Dies meint, dass das substantivische Erstglied nicht selbstständig flektiert (Fuhrhop 2007, S.9). Zur Verdeutlichung dieser Kriterien sollen diese mithilfe der Verschiebe- und Flexionsprobe an vier Beispielen überprüft werden. (1) Sie will Kleider bügeln Verschiebeprobe: Kleider will sie bügeln Flexionsprobe: Ich bügel’ Kleider (2) Sie will brandmarken Verschiebeprobe: *Brand will sie marken Flexionsprobe: Ich brandmarke (3) Sie will Probe fahren Verschiebeprobe: *Probe will sie fahren Flexionsprobe: Ich fahre Probe (4) Sie will teilnehmen Verschiebeprobe: *Teil will sie nehmen Flexionsprobe: Ich nehme teil
Im ersten Beispiel kann man Kleider bügeln durch will und sie unterbrechen, bei der Flexionsprobe wird die Reihenfolge des Ausgangssatzes verändert. Zudem ist Kleider das Akkusativobjekt von bügeln, sodass Kleider bügeln syntaktisch eindeutig eine Wortgruppe ergibt. Folglich ist dieses Syntagma getrennt zu schreiben. SVV dieser Art ergeben bei der Schreibung meist keine Probleme.
Das zweite Beispiel zeigt weder bei der Verschiebeprobe noch bei der Flexionsprobe eine Unterbrechbarkeit des Ausgangssatzes. Bei SVV dieser Art handelt es sich um untrennbare
3 Die Schreibung probefahren basiert an dieser Stelle auf dem Wortkonzept Nanna Fuhrhops, bei einer
abweichenden Schreibung von der amtlichen Regelung wird immer nach dem jeweiligen Wortkonzept
geschrieben. Wird keine spezielle Position aufgegriffen, wird nach den aktuellen amtlichen Regelungen notiert.
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Arbeit zitieren:
Bachelor of Arts Britta Wehen, 2007, Zwischen Wort und Syntagma, München, GRIN Verlag GmbH
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