M. Eisinger, I. Schulze, Ch. Trede „Medienunternehmen: Internet-Aktivitäten/Erlösquellen“
7. April 2003 Medienmanagement, MB01/01
INHALTSVERZEICHNIS
INHALTSVERZEICHNIS 1
ABBILDUNGSVERZEICHNIS 3
1 EINLEITUNG 4
2 GRUNDLAGEN 5
2.1 Begrifflichkeiten: Medien, Medienbranche und Medienunternehmen 5
2.2 Medienökonomie und Internet-Ökonomie. 7
3 INTERNET - WERTSCHÖPFUNGSSTRUKTUR, GESCHÄFTS- UND
ERL ÖSMODELLE. 9
3.1 Wertschöpfungstruktur. 9
3.2 Geschäftsmodelle 10
3.2.1 Überblick 10
3.2.2 Content 11
3.2.3 Commerce 13
3.2.4 Context 14
3.2.5 Connection 14
3.3 Erlösmodelle und Erlösquellen. 15
4 MEDIENUNTERNEHMEN - INTERNETAKTIVITÄTEN UND
ERL ÖSQUELLEN. 18
4.1 Zeitungssektor. 18
4.1.1 Grundlagen des Zeitungssektors. 18
4.1.2 Einführung in die Internetaktivitäten von Zeitungsverlagen 18
4.1.3 Erlösquellen von Zeitungsverlagen 22
4.1.4 Erlösquellen am Beispiel der Süddeutschen Zeitung 26
4.1.5 Veränderung der Wertschöpfungskette 30
4.1.6 Kritische Betrachtung 32
4.2 Fernsehsektor. 34
4.2.1 Grundlagen des TV-Sektors. 34
4.2.2 Einführung in die Internetaktivitäten. 35
4.2.3 Erlösquellen am Beispiel des Unternehmens RTL-Television. 37
4.2.3.1 Bestandsaufnahme der Interneterlösquellen. 37
4.2.3.2 Veränderungen der Wertschöpfungskette 41
4.2.3.3 Kritische Bewertung 43
4.3 Hörfunksektor 44
4.3.1 Grundlagen des Hörfunksektors 44
4.3.2 Einführung in die Internetaktivitäten. 46
4.3.3 Erlösquellen am Beispiel des Unternehmens delta radio. 47
4.3.3.1 Bestandsaufnahme der Interneterlösquellen. 47
1
M. Eisinger, I. Schulze, Ch. Trede „Medienunternehmen: Internet-Aktivitäten/Erlösquellen“
7. April 2003 Medienmanagement, MB01/01
4.3.3.2 Veränderungen der Wertschöpfungskette 50
4.3.3.3 Kritische Bewertung 50
5 VERGLEICH DER INTERNETAKTIVITÄTEN, KRITISCHE
BETRACHTUNG UND ZUKUNFTSAUSBLICK 52
5.1 Unterschiede in den Internet-Aktivitäten. 52
5.2 Kritische Betrachtung. 53
5.3 Zukunftsaussichten. 54
QUELLENVERZEICHNIS. 58
2
M. Eisinger, I. Schulze, Ch. Trede „Medienunternehmen: Internet-Aktivitäten/Erlösquellen“
7. April 2003 Medienmanagement,
ABBILDUNGSVERZEICHNIS
Abbildung 1: Vereinfachte Darstellung über die Einteilung von Medien
Abbildung 2: Wertschöpfungskette im Internet
Abbildung 3: Geschäftsmodelle
Abbildung 4: Überblick über die Internet-Geschäftsmodelle.
Abbildung 5: Systematik der Erlösformen
Abbildung 6: Technische Ausprägungen des institutionellen Mediums Zeitung
Abbildung 7: Derivative Erlösgenerierung.
Abbildung 8: Originäre Erlösgenerierung
Abbildung 9: Erlösquellen
Abbildung 10: Startseite des Online-Angebotes der Süddeutschen Zeitung.
Abbildung 11: Online-Newsletter
Abbildung 12: Vergleich Wertschöpfungskette Print und Internet.
Abbildung 13: Zuschaueranteile 2002
Abbildung 14: Homepage RTL WORLD.
Abbildung 15: Zielgruppengerechte Werbeflächenbelegung.
Abbildung 16: Kooperationen auf RTLshopping.de.
Abbildung 17: Wertschöpfungskette TV (und Hörfunk)
Abbildung 18: Multimedia-Wertschöpfungsnetzwerk.
Abbildung 19: Werbefläche auf deltaradio.de.
Abbildung 20: Kooperation mit amazon.de.
Abbildung 21: Verteilung der Mediennutzungszeit in
Abbildung 22: Erwartete Ausgaben für E-Content in Europa (Internet Mobil)
3
1 EINLEITUNG
Das Internet - eine Chance für Medienunternehmen oder ein elektronisches Grab?
Noch vor einiger Zeit haben viele Medienunternehmen eine blühende Zukunft im Internet gesehen. Die letzten Jahre haben die Branche - leider - anderes gelehrt. Viele Internetprojekte, sei es von Verlagshäusern, Fernsehsendern oder Hörfunkanstalten wurden nicht weiter verfolgt, wesentlich verkleinert oder sogar eingestellt. Die Kosten standen in keiner Relation mehr zu den generierten bzw. erwarteten Einnahmen. Die Erlösmodelle schienen nicht immer bis zum Ende durchdacht worden zu sein. Diese schlechte Entwicklung schreckt dennoch viele Medienunternehmen und New Economy-Enthusiasten nicht davon ab, die Zukunft des Internet-Business zu planen. Die größten Erwartungen werden an die Erlösquelle des Paid Content, also Zahlungen der User für Mehrwertdienste und Spezial-Informationen, gelegt.
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit den bisherigen und zukünftigen Internet-Aktivitäten von ausgewählten Medienunternehmen des Zeitungssektors sowie des Hörfunkmarktes und der Fernsehbranche bzw. deren Erlösmöglichkeiten. Neben einer einleitenden Darstellung von Medienunternehmen, der Klärung verschiedener Begrifflichkeiten und der Verdeutlichung grundlegender Geschäftsmodelle und Erlösquellen im Internet wird speziell auf die bisherigen Aktivitäten von Zeitungsverlagen, hier besonders am Beispiel der Süddeutschen Zeitung, eingegangen. In den weiteren Kapiteln werden die Internetaktivitäten von delta radio, als Vertreter des Hörfunksektors, sowie RTL, als größtem privaten Fernsehsender in Deutschland, dargelegt und kritische Bewertungen der „Online-Möglichkeiten“ dieser Branchen bzw. allgemein der Medienunternehmen gegeben. Schlussendlich geht es um einen Überblick über die Unterschiede der Vorgehensweise und Aktivitäten der genannten Medienunternehmen im Internet und um die allgemeinen Zukunftsaussichten der verschiedensten Geschäfts- und Erlösmodelle.
Grundlegende zu klärende Fragen dieser Hausarbeit sind:
- Was sind Medienunternehmen, was bezeichnet der Begriff Medienbranche?
- Wie sahen die Aktivitäten von Medienunternehmen aus dem Fernseh-, Hörfunk-und Zeitungssektor bisher im Internet aus und wie haben diese Unternehmen Einnahmen generiert, Geschäftsmodelle erarbeitet und umgesetzt und ihren ursprünglichen „Medienauftrag“ im Internet, als „neuem“ Medium, umgesetzt?
- Was bieten diese Medienunternehmen dem Kunden durch ihren Internet-Auftritt neues, welcher Mehrdienst wird angeboten?
- Welche Möglichkeiten, Verbesserungsansätze und Zukunftsideen gibt es für die Medienunternehmen der genannten Branchen im Internet?
4
2 GRUNDLAGEN
2.1 Begrifflichkeiten: Medien, Medienbranche und Medienunternehmen
Grundsätzlich aber vor allem auch ursprünglich, d.h. zur Zeit der Entstehung der ersten Massenmedien, bestand und besteht die Aufgabe von Medienunternehmen in der Vermittlung und Bereitstellung von Meinungen, Informationen sowie Kulturgütern. 1 Erst in zweiter Linie dienen ihre Produkte der Unterhaltung. Massenmedien, als Produkt einer Vielzahl von Medienunternehmen, sind folglich das technische Mittel, diese Informationen und Güter bei räumlicher und/oder zeitlicher Trennung zwischen den Kommunikationspartnern an ein von einander getrenntes Publikum zu übermitteln. 2 Es gibt jedoch keine allgemeingültige Definition von Massenmedien. Nach einer weit verbreiteten Auffassung lassen sich jedoch bis zu 17 Einzelmedien unterscheiden. Dabei handelt es sich um Theater, Blatt, Brief, Plakat, Buch, Zeitung, Zeitschrift, Flugblatt, Foto, Telefon, Schallplatte, Hörfunk, Film, Fernsehen, Video, Computer und Neue Medien. 3 Im allgemeinen Gebrauch hat sich jedoch die Einteilung in Printmedien, Rundfunkmedien, audiovisuelle Medien, Tonträger, nachrichtentechnische Medien und computergestützte Medien durchgesetzt. 4
Dem übergeordneten Begriff der Medienbranche sind alle Medienkonzerne und Medienunternehmen zugeordnet. Medienkonzerne sind Zusammenschlüsse von mehreren, überwiegend im Medienbereich tätigen Unternehmen, den so genannten Medienunternehmen. 5 Die wirtschaftlichen Bedingungen und Umstände der Medienbranche werden als Medienökonomie, die betriebswirtschaftliche Organisation als Medienmanagement bezeichnet. 6
Die einzelnen Zweige der Medienbranche lassen sich unterschiedlich klassifizieren. Die gröbste Einteilung und im Volksmund bekannteste ist die in „klassische bzw. traditionelle“ Medien und „neue“ Medien. Mit klassischen Medien sind vor allem Zeitungen, Zeitschriften, Bücher, Fernsehen und Radio gemeint, während als neues Medium vor allem das Internet gilt, aber auch z.B. Software häufig dazu gerechnet wird (Abbildung 1). Fälschlicherweise wird häufig der Begriff der Neuen Medien auch mit dem der elektronischen Medien gleichgesetzt, wobei dieser sehr viel weiter zu sehen ist und wirk-
1 Vgl.Wirtz, B.W. (2001): Medien- und Internetmanagement, S. 9
2 Vgl. Gabler (Hrsg.): Wirtschaftslexikon , online, 20.02.2003 3 Vgl. Sennewald, N. (1998): Massenmedien und Internet, S. 8ff 4 Vgl. Gabler (Hrsg.): Wirtschaftslexikon , online, 20.02.2003 5 Vgl. Meyers (Hrsg.) (2001): Meyers großes Taschenlexikon, S. 134 6 Vgl. Wirtz, B.W. (2001): Medien- und Internetmanagement, S. 8
5
lich alle Medien umfasst, die auf elektronischem Wege übertragen werden (Fernsehen, Radio, Internet etc.).
Eine der gängigsten Definitionen der Neuen Medien besagt, dass es sich hierbei um In-formationsträger handelt, die auf digitaler Informations- und Kommunikationstechnologie basieren und selbst als Agenten (aktiver Informationsträger) agieren, aber auch mit anderen Agenten interagieren (Interaktivität) können. Sie sind multimedial, ort- und zeitlos. 7
Medienunternehmen können des Weiteren anhand verschiedener anderer Aspekte klassifiziert werden. Hierbei handelt es sich vor allem um
- die eingesetzten Technologien,
- die Produkte und
- die erbrachten Leistungen. 8
Anhand der eingesetzten Technologie lassen sich Medienunternehmen zum Beispiel in Print-Medien, Online-Medien und Rundfunk-Medien unterteilen, also der technischen Art der Verbreitung von Informationen. Eine Einteilung in Produkte würde u.a. in Zeitschriften, Radiosendungen, Zeitungen, WebSites vorgenommen werden. Am verbreitesten ist jedoch die Definition von Medienunternehmen anhand ihrer Leistungen. Hierunter versteht man, dass alle Unternehmen, die Medienprodukte erstellen bzw. solche auf Märkten absetzen, grundsätzlich als Medienunternehmen bezeichnet werden. 9
7 Vgl. Stähler, P. (2001). Geschäftsmodelle in der digitalen Ökonomie, S.107
8 Vgl. Alexander/Owers/Carveth (1998): Media Economics - Theory and Practice, S. 4 9 Vgl. Wirtz, B.W. (2001): Medien- und Internetmanagement, S. 9
6
2.2 Medienökonomie und Internet-Ökonomie
Wie schon in Kapital „2.1 Medienbranche und Medienunternehmen“ erwähnt, handelt sich es bei der Medienökonomie um die in Deutschland gebräuchlichste Bezeichnung für die Anwendung wirtschaftswissenschaftlicher Methodik im Mediensektor. Sie beschäftigt sich mit der ökonomischen Funktionsweise des Mediensystems einer Gesellschaft. 10 Weitestgehend gleich setzen mit der Medienökonomie kann man Begriffe wie Medienbetriebswirtschaft, aber auch zum Großteil die vor allem in den Vereinigten Staaten bekannte Betrachtungsweise der Media Economics.
Das Internet nimmt eine besondere Ausnahme-Stellung in der Medienökonomie ein und wird deshalb auch als eigene Ökonomie, die Internet-Ökonomie, behandelt. Die erst wenige Jahre alte Geschichte wird gekennzeichnet von einer bis dahin nie da gewesenen Hype-Phase mit der Entwicklung zahlreicher neuer Geschäftsideen, damit verbundener Gründung von sehr vielen Online-Unternehmen und einem fast ebenso schnellen Rückgang zahlreicher Aktivitäten seit Ende 2001. In nur zwei bis drei Jahren entwickelte sich das Internet zu einem extrem bedeutenden Medium mit großem wirtschaftlichen Potential. Im Gegensatz zur Internetökonomie in den USA steckt diese in Deutschland bzw. im gesamten europäischen Raum jedoch noch in den Kinderschuhen, und es bedarf einiger Entwicklung, um das wirtschaftliche Potential voll aus zu schöpfen.
11
Neben dem schnellen und rasanten Aufstieg des Internets sind noch eine Vielzahl von Besonderheiten zu beobachten. Keines der bisher bekannten Medien ist so dynamischen Marktwandlungen unterworfen wie das Internet. Der Lebenszyklus einer neuen Online-Technologie ist auf nur 60 Tage gesunken. Dieses ist zahlreicher Quellen nach zu urteilen vor allem auf den erhöhten Wunsch nach und der zunehmenden Bedeutung von In-formationen - als knappem Gut - zurück zu führen. Durch die großen technologischen Entwicklungen der letzten Jahre hat das Internet in fast alle Branchen Einzug gehalten und vereinfacht durch die Vereinigung der Medien mit Telekommunikations- und In-formationstechnologien viele wirtschaftliche Abläufe.
12
Durch die globale Vernetzung bietet das Internet als relativ neues und junges (im Hinblick auf die Nutzerstruktur)
13
Medium zahlreiche Möglichkeiten neuer Geschäftsmodelle und Erlösquellen. Das Internet ist das einzige Massenmedium, an dem jeder Mensch, z.B. durch Launch einer Website, Teilnahme an Online-Chats oder durch Postings in Newsgroups, aktiv teilhaben kann. Es ist außerdem ein absolut interaktives Medium, in dem Aktion und Reaktion jederzeit direkt auf einander folgen können und jeder User jederzeit die für ihn wichtigsten und interessantesten Informationen nachfragen kann. Nicht zuletzt ist eine der hervorstechenden Besonderheiten des Internets, dass mit fortschreitender technologischer Entwicklung zahlreiche Medien online vereint werden. Heute schon können vie-
10 Vgl.Wirtz, B.W. (2001): Medien- und Internetmanagement, S. 12, nach: Wegehenkel (1999) 11 Vgl. Zerdick/Schrape et al (1999): Die Internet-Ökonomie, S. 20 12 Vgl. Zerdick/Schrape et al (1999): Die Internet-Ökonomie, S. 136 13 Vgl. Picot/Löwer et al (2002): Vorlesung Netze und Multimedia SS 2002, online, 24.02.2003
7
le Zeitungen, Zeitschriften, aber auch Bücher in Form von E-Books gelesen und Radiosender empfangen werden.
Die Internet-Ökonomie ist somit das Ergebnis der eben geschilderten Vorgänge und verändert, durch die weiterhin vorschreitende Verbindung von Netzwerken, die bisherigen ökonomischen Strukturen. 14 Nicht zuletzt wird dieses durch die Einfachheit des Internets unterstützt. Es ist deutlich einfacher, Bits & Bytes in die Welt zu versenden, als Atome auf die Reise zu schicken. 15
14 Zerdick/Schrape et al (1999): Die Internet-Ökonomie, S. 137
15 Zerdick/Schrape et al (1999): Die Internet-Ökonomie, S. 139
8
3 INTERNET - WERTSCHÖPFUNGSSTRUKTUR, G E-SCHÄFTS- UND ERLÖSMODELLE
3.1 Wertschöpfungstruktur
Mit der Wertschöpfungsstruktur sind vor allem Produktions- und Dienstleistungsstufen gemeint, bei denen der Wert eines Produktes oder auch einer Dienstleistung erhöht wird. In der Industrie ist dieses zum Teil vergleichbar mit der Veredelung und Weiterverarbeitung von Rohstoffen zu Halbfertigwaren und später dann zu Fertigwaren. Im Internet werden im Allgemeinen fünf Haupt-Wertschöpfungsstufen unterschieden. 16 In der ersten Stufe der Internet-Wertschöpfungskette (Abbildung 2) geht es um die Erstellung und Beschaffung von Inhalten durch redaktionelle Tätigkeiten aber auch Kauf und Recherche von Content. In der zweiten, der sog. Aggregationsphase, werden die zuvor erstellten und beschafften Inhalte aufbereitet und sinnvoll zusammengestellt sowie ergänzt. Mehrwertdienste und -leistungen stellen eine besonders wichtige Stufe der Wertschöpfungskette dar, da hiermit unter anderem die im Internetdienstleistungssektor wichtigen Beratungsleistungen gemeint sind. Nach Erstellung und Zusammenstellung sowie Werterweiterung werden die Dienste in der 4. Stufe übertragen. Dieses kann z.B. durch einfache Provider- und E-Mail-Dienste aber auch durch hochkomplexe Datenbankanwendungen geschehen. Die letzte Stufe beschäftigt sich vorherrschend mit der Schaffung und Erweiterung der Bedien- und Abrufbarkeit der in den ersten Stufen der Wertschöpfungskette generierten Produkte. Hier werden Bedienungstools im Sinne von Benutzeroberflächen aber auch technischen Endgeräten bereitgestellt.
In allen fünf Phasen der oben kurz beschriebenen Stufen der Internet-Wertschöpfungskette sind somit verschiedenste Geschäftsmodelle und mit ihnen ver-bundenen Erlösmodelle und Erlösquellen denkbar, die im Folgenden näher betrachtet werden.
16 Vgl. Denger, K.S. (1995): Innovatives Wissensmanagement und Multimedia, S. 20ff
17 in Anlehnung an Wirtz, B.W. (1999): Convergence Process, S. 18
9
3.2 Geschäftsmodelle
3.2.1 Überblick
Die Das Auf Basis der Analyse der Wertschöpfungsaktivitäten eines Unternehmens können Geschäftsmodelle entwickelt werden. In einem Satz gesagt ist ein Geschäftsmodell „… defined as the organization (or ‚architecture’) of product, service and in-formation flows, and the sources of revenues and benefits for suppliers and customers.” 18 Es ergeben sich hieraus drei Fragestellungen, mit denen sich Geschäftsmodelle beschäftigen. Zum einen geht es darum, welchen Nutzen ein Unternehmen generiert, d.h. also welcher Nutzen dieses zum Beispiel Kunden oder auch Partnern bringt. Die für diese Hausarbeit wohl interessanteste Frage ist die nach der Architektur der Wertschöpfung. 19 Es wird hierbei vor allem hinterfragt, wie der Nutzen für u.a. den Kunden geschaffen wird, also die konkrete Technik, Vorgehensweisen und Möglichkeiten der Leistungserstellung. Die dritte Frage ist die nach den monetären Quellen, also wodurch und im zweiten Schritt wie viel Geld überhaupt erlöst wird.
Das integrierte Geschäftsmodell besteht aus sechs Teilmodellen (Partialmodelle), welche teilweise wieder aus Subpartialmodellen bestehen (Abbildung 3).
-Das Marktmodell, welches den Markt beschreibt, auf dem ein Unternehmen agiert, das
-Beschaffungsmodell, das die Produktionsfaktoren beinhaltet sowie das
-Leistungserstellungs- und Leistungsangebotsmodell, die sich beide mit der Kombination von Produktion und Dienstleistung bzw. mit dem Spektrum der Leistungen, die den Nachfragern angeboten werden, beschäftigt.
18 Vgl. Timmers, P. (1999): Electronic Commerce, S. 31
19 Vgl. Stähler, P. (2001). Geschäftsmodelle in der digitalen Ökonomie, 2001, S. 41f
20 in Anlehnung an Keuper/Hans (2003): Multimedia-Management, S. 124
10
-Des Weiteren spielen das Distributionsmodell (wie gelangen die Leistungen zum Nachfrager) und vor allem das
-Kapitalmodell eine der zentralen Rollen (Abbildung 3). 21 Im Weiteren liegt der Schwerpunkt dieser Hausarbeit auf den verschiedenen Erlösmodellen und Erlösquellen der Internetbranche.
Heutzutage finden im Internet vier verschiedene Geschäftsmodelle als Basisgeschäftsmodelle Anwendung. Sie basieren hauptsächlich auf den verschiedenen Leistungen, die Internetunternehmen bereitstellen, wobei die einzelnen Modelle nicht absolut getrennt von einander betrachtet werden können, sondern ihre Grenze teilweise verwischen und einzelne Bereiche der Modelle eng mit anderen verknüpft sind. Nachstehend werden die vier Internet-Geschäftsmodelle, welche auch als 4C bekannt sind, näher beleuchtet (Abbildung 4).
3.2.2 Content
Das Geschäftsmodell Content basiert auf dem ursprünglichen Grundgedanken der Medien, nämlich der Verbreitung von Informationen. Es besteht im Einzelnen aus der Pro- 21 Vgl.Wirtz, B.W. (2001): Medien- und Internetmanagement, S. 50f und S. 409f
22 in Anlehnung an Wirtz, B.W. (2001): Medien- und Internetmanagement, S. 412ff
11
duktion, Sammlung, Selektion, Systematisierung sowie der Bereitstellung von Inhalten für Nutzer. 23 Die Produktion von Inhalten bei größeren Internet- bzw. Medienfirmen wird meist von eigenen Redaktionen vorgenommen, wobei diese sich teilweise deutlich von „Offline“-Redaktionen, also den herkömmlichen Printmedien, unterscheiden. Sehr häufig werden aber auch für Internetauftritte Content aus Zeitschriften und Zeitungen ausgewählt, gesammelt und für die Online-Nutzung teilweise neu aufbereitet. Zu dieser Contentaufbereitung kann auch die grafische Anpassung der Inhalte sowie die Veredelung z.B. durch Mehrwertapplikationen gehören. Ergänzt wird die Erstellung und Bereitstellung von Informationen durch die Content-Syndication: die Vermarktung von Inhalten für Websites, mobile Anwendungen und andere Plattformen. Außerdem ist Marken-Content bzw. Branded Content auf dem Vormarsch. Viele Unternehmen sponsern einzelne themenverwandte Specials auf Portalen oder richten ganz eigene MicroSites auf Portalen wie t-online oder msn.de ein. Beispiel hierfür ist u.a. Nivea, die das Beauty & Body-Angebot von fitforfun.de branden. 24
Das Geschäftsmodell Content wird im Allgemeinen anhand der verschiedenen bereitgestellten Inhaltsgebiete in sog. Geschäftsmodellvarianten untergegliedert. So ergeben sich zahlreiche Special-Interest-Angebote, also Internetportale oder -sites, die sich nur mit einem Themenbereich oder sogar nur mit einem Thema beschäftigen. Es werden drei bzw. vier Geschäftsmodellvarianten unterschieden (Abbildung 4): 25
-E-Information ist weiter untergliedert in die Bereiche E-Politics, E-Society und E-Economics. Hierunter fallen alle Content-Angebote, WebPortale- und WebSites mit überwiegend informativem Charakter. Beispiele hierfür sind Angebote von Tageszeitungen aber auch Magazine wie focus.de. Vor allem Werbeeinnahmen aber auch zunehmende PaidContent (für Mehrwertleistungen und sehr spezialisierte Informationsangebote) sind Haupterlösquellen der Anbieter.
-E-Entertainment schließt alle Angebote mit Schwerpunkt Spiele, Filme und Musik ein. Dazu gehören u.a. Webportale wie cinema.de, eine der größten Kino-WebSites im deutschsprachigen Raum sowie musik.de, einer Spezialseite für Musik. Erlöse werden in diesem Bereich hauptsächlich durch Werbeflächenvermarktung, aber auch teilweise durch Download-Angebote und sehr vereinzelt durch PaidContent-Modelle erzielt.
-Zur Geschäftsmodellvariante E-Education gehören Universitäten mit eigener Webpräsenz genauso wie Online-Lernangebote oder WebSites von Schulen und anderen Bildungseinrichten. Vor allem Seiten von öffentlichen Bildungseinrichtungen verzichten auf jeglichen Erlös durch ihre Online-Angebote (teilweise ist es rechtlich sogar nicht erlaubt), wobei Anbieter wie akademie.de Erlöse durch Seminare und Weiterbildungsangebote generieren.
-Weiterhin wird teilweise noch der Bereich E-Infotainment gesondert betrachtet. Eigentlich handelt es sich hierbei um eine Überlagerung der Bereiche E -
23 Vgl.Eigner, C. (2002): Content, oder: Vom Text zur Ware mit Informationsgehalt, online, 25.02.03 24 Vgl. Saal, M. (2002): Markencontent erobert Portale, S. 45 25 Vgl. Wirtz, B.W. (2001): Medien- und Internetmanagement, S. 413ff
12
Arbeit zitieren:
Mirja Eisinger, 2003, Internetaktivitäten von Medienunternehmen - Eine kritische Bestandsaufnahme bisheriger Erlösquellen, München, GRIN Verlag GmbH
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