Marx und die Moderne- Das Verhältnis von Klasse und Milieu In dem Essay „Marx und die Moderne - Das Verhältnis von Klasse und Milieu“ soll sich mit der Frage befasst werden, inwiefern die Modelle Klassenstruktur und Milieustruktur in der heutigen Zeit, in unserer „modernen“ Auffassung von sozialen Ungleichheiten, noch relevante Bedeutung haben. Es ist zu hinterfragen in welchem Verhältnis die beiden Theorien zueinander stehen, ergänzen sie sich oder stehen sie im Widerspruch zueinander? Um zunächst einen Überblick über die Thematik zu bekommen, werden die Begriffe Klasse und Milieu genauer definiert und gegenübergestellt. Vorhandene Kritikpunkte werden erläutert und Vorteile der Konzepte aufgezeigt.
Die Einteilung in Klassen oder Milieus sind Versuche, die sozialen Ungleichheiten aufzuzeigen, zu differenzieren und darzulegen. Soziale Ungleichheiten befinden sich im ständigen Wandel und weisen in ihren Aufbauten sehr komplexe Strukturen auf, dies erklärt, weshalb es die unterschiedlichen Ansätze zur Definition des Begriffes Klasse gibt.
Ein offensichtliches Beispiel für diese Uneinigkeit der Begriffsdefinition wird bei dem Vergleich von Max Weber und Karl Marx deutlich. Max Weber, welcher sich den Theorien und Kritiken von Karl Marx annahm, hat drei Klassenkategorien entwickelt: Die Besitz-, Erwerbs- und Soziale Klasse. Zudem bezeichnet er die Klasse als ein Tatbestand gleicher/ähnlicher Interessenslager (vgl. M. Weber: Wirtschaft und Gesellschaft, Tübingen 1972, S.177). Während Max Webers Theorie die angeführten drei Klassenkategorien beinhaltet, entwickelte Karl Marx, einer der ersten der den Klassenbegriff schon Mitte des 19. Jahrhunderts prägte und das Klassenkonzept zu einer soziologischen Grundkategorie erhob (vgl. Reiner Geißler, die Sozialstrukturen Deutschlands, 4.Auflage. 2006, Verlag der Sozialwissenschaften, Seite.93), nur zwei Klassen. Die Klasse der Eigentümer über Produktionsmittel (Bourgeoisie) und die Klasse der Besitzlosen (Proletariat) (vgl. Folien der Vorlesung Nr. 2 bei Prof. Dr. Martin Heidenreich, S.43). Für Karl Marx war der Besitz als zentrale Dimension sozialer Differenzierung für seine Theorie ausschlaggebend.
An den zwei vorgestellten Definitionen zum Begriff Klasse wird deutlich, dass es Abweichungen gibt und es daher zur Verständlichkeit beiträgt, im Vorfeld der Ausarbeitung zu klären, mit welcher Definition in der Ausarbeitung gearbeitet wird. Aus der Überschrift lässt sich ableiten, dass die Definition von Karl Marx in Augenschein genommen werden soll. Die Klassentheorie von Karl Marx stieß auf einige Kritik. Diese lässt sich in vier Punkte unterteilen: „Als erstes richtet sie sich gegen die ausschließliche Betonung des Produktionsmittelbesitzes, zweitens gegen die prognostizierten Vereinheit-lichungstendenzen innerhalb der zwei Klassen (Bourgeoisie und Proletariat), drittens gegen die darauf folgende Abnahme der Mobilität und viertens gegen die Beschränkung auf den Klassenkonflikt“ (T.A. Herz: Klassen, Schichten, Mobilität, Stuttgart 1983, Verlag Teubner, S.29) Nach diesen Kritikpunkten gab es in der Vergangenheit weitere Ansätze für die Einordnung sozialer Unterschiede, wie zum Beispiel das Konzept der Schichten oder sozialen Lager. Eine der neueren Theorien zur Ordnung der sozialstrukturellen Vielfalt ist die des Milieus.
Dieses Modell kam in der deutschen Sozialforschung in den 1980er Jahren auf. Es beschreibt die Zusammenfassung von Menschen mit ähnlichen Lebensauffassungen und Lebensweisen, die also gleichsam “subkulturelle“ Einheiten in der Gesellschaft bilden. In diesem Modell werden zunächst die einzelnen Individuen kulturellen Gruppen zugeordnet, was bedeutet, dass sie unter anderem gemäß ihren Wertorientierungen, Einstellungen, Verhaltensweisen u. a. eingeordnet werden und erst dann können sozialstrukturelle Merkmale in den Gruppen definiert und in einen Zusammenhang gebracht werden (Reiner Geißler: die Sozialstrukturen Deutschlands, 4. Auflage 2006, Verlag der Sozialwissenschaften, S.108). Diese „späte“ Analyse der sozialstrukturellen Merkmale ist eines der wesentlichen Unterschiede zur Klassentheorie, welche zunächst die Individuen nach Merkmalen ihrer „objektiven“ Lebensbedingungen in verschiedene Gruppen einteilt. Um diesen Unterschied zu verdeutlichen möchte ich ein Beispiel einfügen. Die Person X fährt einen Ferrari und lebt ein ausschweifendes Leben. In der Klassentheorie würde sie mit der objektiven Betrachtung (sie fährt einen Ferrari und hat somit Besitz) zur (Klasse der) Bourgeoisie zählen. In der Milieutheorie wird hingegen analysiert was für einen Lebensstil die Person X führt (ausschweifendes, sorgenloses Leben) und erst dann wird geklärt, ob die Tatsache, dass die Person einen Ferrari fährt, in Zusammenhang mit dieser Art von Leben gebracht werden kann.
Arbeit zitieren:
Roman Behrens, 2008, Marx und die Moderne - Das Verhältnis von Klasse und Milieu, München, GRIN Verlag GmbH
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