Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Religion und Wirtschaft 4
3. Islamische Wirtschaftsethik. 5
3.1 Grundlagen 5
3.2 Welt- und Menschenbild 6
3.3 Eigentum 8
3.4 Arbeitsethik 9
3.5 Erlaubte und verbotene Tätigkeiten 10
4. Die konstituierenden Merkmale der islamischen Wirtschaftsordnung: Zakāt und Ribā-
Verbot 11
4.1. Zakāt. 11
4.1.1 Definition und Ursprung 11
4.1.2 Berechnung und Eintreibung. 12
4.1.3 Wer erhält Zakāt? 13
4.1.4 Bedeutung. 13
4.2. Ribā-Verbot 14
4.2.1 Definition und Ursprung 14
5 Zusammenfassung. 19
6. Quellen 20
6.1 Bibliographie. 20
6.2 Zeitschriften 21
6.3 Internetquellen. 21
2
1 Einleitung
Der Islam ist mittlerweile die am schnellsten wachsende Religion der Welt 1 - bereits jeder fünfte Mensch auf der Erde ist Muslim. 2 Obwohl der Islam große Bedeutung hat, ist das Wissen über das islamische Wirtschafts- und Gesellschaftsverständnis bisher nur wenig verbreitet. 3 Vielmehr wird heute der politische Islam überbetont 4 , wobei nicht berücksichtigt wird, dass die Sozial- und Wirtschaftsauffassung ein wichtiger Faktor in der politischen Orientierung islamisch geprägter Länder ist und hilft ihre gegenwärtige geopolitische Konstellation zu verstehen. Seit den 1970er Jahren gibt es eine Reislamisierungstendenz in vielen islamischen Ländern, die Wirtschaft und Gesellschaft wieder stärker in den normativen Rahmen der Religion einbinden will. Dies steht der westlichen Säkularisierungstendenz entgegen, für die der Islam fremd- bzw. andersartig erscheint. Allerdings sind heutige Zielvorstellungen bzw. Interpretationen der islamischen Wirtschafts- und Sozialordnung auch innerhalb der islamischen Welt nicht einheitlich, da sich z. B. lokale Sonderformen herausgebildet haben und die in den religiösen Quellen vorgegebenen wirtschaftsethischen Anweisungen kaum präzisiert sind. 5
Mit der vorliegenden Arbeit sollen einzelne Aspekte der islamischen Wirtschaftsethik, wie z. B. das Menschen- und Weltbild und die Einstellung zu Eigentum, näher beleuchtet werden. Eine große Partie wird den beiden charakteristischsten Merkmalen der islamischen Wirtschaftsordnung, der Zakāt und dem Zins- bzw. Wucherverbot, gewidmet sein. 6 Zum Schluss soll der Blick auf das Islamic Banking gelenkt werden, ein Beispiel, wie in der Praxis mit dem islamischen Zinsverbot umgegangen wird, das offensichtlich gerade in der aktuellen Wirtschaftskrise seine Bewährung findet.
1 vgl. Bill, James A., Der Islam - Die missverstandene Religion, in: Die Fontäne online (Hrsg.), H. 16, 2002 (
2 vgl. Eichhoff, Isabell, Religion Wirtschaft Ethik. Wirtschaftsethische Aspekte von Judentum, Christentum und Islam, 1. Aufl., Saarbrücken 2006, S. 84
3 vgl. Waibl, Elmar, „Im Namen des Propheten“: Die Wirtschaftsauffassung des Islam, in: Forum Wirtschaftsethik. Die Quartalszeitschrift des DNWE (Hrsg.), 2002 (
4 vgl. Rieger, Abu Bakr, Einführung in diese Ausgabe, in: IZ-Spezial. Das thematische Magazin der Islamischen Zeitung (2008), H. 2, S. 1f., hier S. 1
5 vgl. Waibl, Elmar, „Im Namen des Propheten“, in: Forum Wirtschaftsethik (Hrsg.) (
6 vgl. Eichhoff, Religion Wirtschaft Ethik, S. 74f.
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2 Religion und Wirtschaft
Religion und Wirtschaft beeinflussen sich gegenseitig. Zum einen ist Religion eine der wichtigsten Quellen für Wertvorstellungen und daraus abgeleitete Verhaltensnormen für das Individuum 7 , die sich z. B. in wirtschaftlichen Normen und Verhaltensweisen wiederfinden. Zum anderen begründete einst ökonomische Aktivität die Entwicklung von Zivilisation, deren Rahmen die Religion bildet. Swidler zufolge würde die menschliche Arbeit ohne eine alles umfassende religiöse Vision, Motivation und Lenkung bedeutungslos, ineffizient und chaotisch werden. Er führt das Beispiel der UdSSR an, die unter dem Einfluss des bekanntlich areligiösen Marxismus' zusammenbrach und wirtschaftlich Bankrott ging. 8 Oft werden (religiöse) Ethik und Wirtschaft als unvereinbar angesehen, wahrscheinlich, weil traditionelle Religionen in der Wirtschaft noch immer zu wenig Beachtung finden. 9 Dabei hatte schon Max Webers „Prädestinationstheorie“ gezeigt, dass bestimmte religiöse Wertvorstellungen das wirtschaftliche Verhalten beeinflussen können 10 , wie es z. B. der Einfluss des Protestantismus' auf die deutsche Wirtschaft zeigt. 11 In den heutigen hochindustrialisierten westlichen Ländern jedoch spielen Religion und religiöse Ethik laut Dülfer keine entscheidende Rolle mehr bezüglich Arbeits- und Führungsverhalten in Wirtschaft und Gesellschaft und individuellem Konsumverhalten. 12 So passt das christliche „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ nicht mit einem harten Konkurrenzkampf um Marktpositionen zusammen und auch am „Heiligen Sonntag“ wird in vielen Branchen wie werktags gearbeitet.
Wirtschaftsbosse sollten sich der versteckten Gefahr, die von Religion ausgehen kann, stets bewusst sein. Denn Religion ist ambivalent - sie kann konstruierend, aber auch zerstörend wirken. 13
7 vgl. Dülfer, Eberhard, Internationales Management in unterschiedlichen Kulturbereichen, 6., ergänzte Aufl., München 2001, S. 323
8 vgl. Swidler, Leonard, The Intimate Intertwining of Business, Religion and Dialogue, in: Fritsch-Oppermann, Sybille, Religionen und Wirtschaftsethik - Wirtschaftsethik in den Religionen. Der Einfluß von Christentum, Judentum und Islam auf die Konzeption moderner wirtschaftsethischer Entwürfe: Ein länderübergreifender Vergleich (= Loccumer Protokolle, Bd. 15/98), 1. Aufl., Rehburg-Loccum 1999, S. 22-36, hier S. 22f.
9 vgl. ebd., S. 23, 26f.
10 vgl. Dülfer, Internationales Management in unterschiedlichen Kulturbereichen, S. 325
11 vgl. Wienen, Ingmar, Impact of Religion on Business Ethics in Europe and the Muslim World. Islamic versus Christian Tradition, 2. überarb. Aufl., Frankfurt/Main 1999
12 vgl. Dülfer, Internationales Management in unterschiedlichen Kulturbereichen, S. 324
13 vgl. Swidler, Leonard, The Intimate Intertwining of Business, Religion and Dialogue, in: Fritsch-Oppermann (Hrsg.), Religionen und Wirtschaftsethik, hier S. 26
4
Als Forschungsproblematik ist die Entstehung einer bestimmten Wirtschaftsethik durch religiösen Einfluss zwar identifiziert, aber fehlt es noch an Interdisziplinarität aus Theologie-und BWL-Ansätzen, die die Problematik zufriedenstellend erfasst. 14
3. Islamische Wirtschaftsethik
3.1 Grundlagen
Der Islam ist eine Religion mit totalitärem Geltungsanspruch 15 , die den Menschen in allen Lebensbereichen erfassen möchte und daher keinen Unterschied zwischen einer geistlichen und einer weltlichen Sphäre macht. 16 So ist auch die Wirtschaft islamisch geprägter Länder strikt ethisch-religiösen Normen unterworfen. 17 Die Scharia, welche zugleich religiöses und weltliches Gesetz ist, bildet die Grundlage der islamischen Wirtschaftsethik. 18 Sie basiert auf den primären Rechtsquellen Koran und Sunna. 19 Unter letzterer versteht man die überlieferten Aussprüche und Lebensgewohnheiten des Propheten Muhammad. 20 Die sekundären Rechtsquellen bilden der Analogieschluss (Qiyās) und die Übereinkunft (Iğma), was die übereinstimmende Meinung der islamischen Gemeinde (Umma) bzw. die Summe aller gegenwärtigen und vergangenen islamischen Schriftgelehrten meint. 21 Für die moderne technisch-wirtschaftliche Entwicklung ist besonders der Analogieschluss von Bedeutung, da mit seiner Hilfe klassische Regeln (z. B. das Wucherverbot) in Analogie auf die Gegenwart angewendet werden. 22 Alle Säulen der islamischen Wirtschaftsordnung, von denen die Zakāt-Steuer und das Zinsverbot die wichtigsten sind, müssen ohne Rücksicht auf ökonomische Konsequenzen befolgt werden. Denn göttliche Wahrheit hat im Islam Vorrang vor rationalen Argumenten. 23 Das islamische Wirtschaftsrecht ist daher im Gegensatz zum problem- und praxisbezogenen europäischen Recht text- und traditionsbezogen ausgerichtet. 24
14 vgl. Wienen, Impact of Religion on Business Ethics in Europe and the Muslim World, S. 30
15 vgl. Winterberg, Jörg M., Religion und Marktwirtschaft. Die ordnungspolitischen Vorstellungen im Christentum und Islam, 1. Aufl., Baden-Baden 1994, S. 214
16 vgl. Dülfer, Internationales Management in unterschiedlichen Kulturbereichen, S. 340
17 vgl. Waibl, Elmar, „Im Namen des Propheten“: Die Wirtschaftsauffassung des Islam, in: Forum Wirtschaftsethik (Hrsg.) (
18 vgl. Winterberg, Religion und Marktwirtschaft, S. 168
19 vgl. ebd., S. 171
20 vgl. Waibl, Elmar, „Im Namen des Propheten“, in: Forum Wirtschaftsethik (Hrsg.) (
21 vgl. Scharia. Der Weg zur nie versiegenden Wasserstelle, in: Arbeitskreis Religion und Menschenrechte (
22 vgl. Dülfer, Internationales Management in unterschiedlichen Kulturbereichen, S. 341
23 vgl. Winterberg, Religion und Marktwirtschaft, S. 219
24 vgl. Leipold, Helmut, Wirtschaftsethik und wirtschaftliche Entwicklung im Islam, in: Nutzinger, Hans G., Christliche, jüdische und islamische Wirtschaftsethik. Über religiöse Grundlagen wirtschaftlichen Verhaltens in der säkularen Gesellschaft, 1. Aufl., Marburg 2003, S. 131-149, hier S. 142
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Der Islam ist eine pragmatische, anwendungsorientierte Religion. So kommt es ihm weniger auf die richtige Lehre (Orthodoxie), als vielmehr auf das richtige Verhalten (Orthopraxis) der Gläubigen an. 25 Im Extremfall jedoch kann die Frage nach der „richtigen“ Verfahrensweise in ein passives „Warten auf Weisung“ umschlagen, das Eigeninitiative behindert. U. a. lässt sich so die Herausbildung eines autoritär-hierarchischen Führungsstils in islamisch geprägten Unternehmen erklären. Eine spezifisch islamische Managementlehre allerdings hat sich bisher noch nicht etabliert. 26
3.2 Welt- und Menschenbild
Im islamischen Weltbild ist Gott (Allah) der Schöpfer von allen Dingen auf der Erde und der Mensch ihr nutznießender Verwalter. 27 Er wird von Gott als dessen Stellvertreter auf Erden eingesetzt und hat die Aufgabe Gott zu dienen, indem er Gottes Schöpfung verwaltet, nutzt und bewahrt. 28 Diese Aufgabe zeigt sich in der arabischen Bezeichnung für einen islamischen Gläubigen, „Muslim“, was „der sich Gott Unterwerfende bzw. sich Hingebende“ bedeutet. Im Islam wird individuelle Freiheit mit einer Einladung zum Gehorsam gegenüber Koran und Sunna gleichgesetzt. 29
Die ihm von Gott gegebenen Fähigkeiten darf der Mensch jedoch nicht missbrauchen 30 ; er soll niemandem Schaden zufügen und stets soziale Gerechtigkeit üben. 31 Des Weiteren ist der Gläubige dazu angehalten, wahrhaftig zu sein, also z. B. keinen Diebstahl zu begehen; er darf keine Schwüre brechen, keinen Alkohol konsumieren, keinen Ehebruch begehen, etc. 32 Diese ethischen Verpflichtungen gelten sowohl gegenüber Muslimen, als auch Nichtmuslimen. 33 Die Umma, die Gemeinschaft der Gläubigen, ist das höchste Gut in der islamischen Philosophie, dem sich der Einzelne unterzuordnen hat. So liegt auch der individuelle Anreiz zu Gewinn und Wachstum darin, einen moralisch höherwertigen Gewinn für die ganze
25 vgl. Dülfer, Internationales Management in unterschiedlichen Kulturbereichen, S. 340
26 vgl. ebd., S. 344
27 vgl. Ucum, Ufuk, Wirtschaftsethik im Christentum und Islam. Eine volkswirtschaftliche Analyse und ein finanzwirtschaftliches Wettbewerbskonzept (= Europäische Hochschulschriften, Reihe V Volks- und Betriebswirtschaft, Bd. 2328), 1. Aufl., Frankfurt/Main 1998, S. 131
28 vgl. Kalisch, Muhammad, Islamische Wirtschaftsethik in einer islamischen und in einer nichtislamischen Umwelt, in: Nutzinger, Hans G., Christliche, jüdische und islamische Wirtschaftsethik. Über religiöse Grundlagen wirtschaftlichen Verhaltens in der säkularen Gesellschaft, 1. Aufl., Marburg 2003, S. 105-129, hier S. 109
29 vgl. Winterberg, Religion und Marktwirtschaft, S. 214
30 vgl. Kalisch, Muhammad, Islamische Wirtschaftsethik in einer islamischen und in einer nichtislamischen Umwelt, in: Nutzinger (Hrsg.), Christliche, jüdische und islamische Wirtschaftsethik, S. 109
31 vgl. Eichhoff, Religion Wirtschaft Ethik, S. 73
32 vgl. Dülfer, Internationales Management in unterschiedlichen Kulturbereichen, S. 344f.
33 vgl. Kalisch, Muhammad, Islamische Wirtschaftsethik in einer islamischen und in einer nichtislamischen Umwelt, in: Nutzinger (Hrsg.), Christliche, jüdische und islamische Wirtschaftsethik, S. 124
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Cornelia Steinigen, 2009, Wie eine Religion die Wirtschaft prägt: Grundlagen der islamischen Wirtschaftsethik, München, GRIN Verlag GmbH
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