Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG 5
2 SYMBOL 8
2.1 DEFINITION 8
2.2 DEUTUNGSRAHMEN 9
2.3 SYMBOLFORSCHUNG 10
2.3.1 ARTEN VON SYMBOLEN 13
2.3.2 STRUKTUR VON SYMBOLEN 13
2.3.3 FUNKTIONSWEISEN DES SYMBOLS 14
3 SYMBOLIK - EIN GESCHICHTLICHER ABRISS 16
4 SYMBOLIK UND DIE (NEUEN) WISSENSCHAFTEN 26
5 SYMBOLIK IM TEST- DIAGNOSEVERFAHREN 40
5.1 AUSGEWÄHLTE VERFAHREN 42
5.1.1 RORSCHACH -TEST (ROT) 43
5.1.2 THEMATISCHER APPERZEPTIONS-TEST (TAT) 47
5.1.3 WARTEGG-ZEICHEN-TEST (WZT) 50
5.1.4 FARBPYRAMIDEN-TEST (FPT) 53
5.1.5 FRIELING-TEST (FT) 57
5.1.6 BAUMTEST (BT) 62
5.1.7 MANN-ZEICHEN-TEST (MZT) 65
5.2 WEITERE VERFAHREN 68
5.2.1 FREIE ASSOZIATION TRAUMDEUTUNG AKTIVE IMAGINATION 69
5.2.2 AUSDRUCKSTECHNIKEN (MALEN MODELLIEREN U Ä ) 71
5.3 INDIKATIONEN KONTRAINDIKATIONEN UND PROBLEMSTELLUNG BEI DER AUSWERTUNG
DER JEWEILIGEN VERFAHREN 72
6 SYMBOLIK IN DER BERATUNG THERAPIE 79
6.1 TIEFENPSYCHOLOGISCHE ANALYTISCHE GRUNDLAGEN PSYCHO-SYNTHESE 82
6.2 GRUNDLAGEN DER INTERPRETATION - DAS SYMBOL ALS SCHLÜSSEL ZUM ERLEB(T)EN 85
6.3 (THERAPIE- )FORMEN DER SYMBOLARBEIT 88
6.3.1 KATATHY-MIMAGINATIVES-BILDERLEBEN (KIP) 88
6.3.2 TRAUMDEUTUNG 91
6.3.3 AKTIVE IMAGINATION FREIE ASSOZIATION 93
6.3.4 PHANTASIEREISEN 97
Marion Röbkes - Abschlussarbeit IAPP - Symbolarbeit in psychologischer Beratung und
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Therapie 2003
6.3.5 PSYCHODRAMA UND VERWANDTE TECHNIKEN 100
6.3.6 EXKURS: ASTROLOGIE 101
6.3.7 EXKURS: DIE PSYCHOLOGIE DES TAROT 102
6.4 DIE BEARBEITUNG DES SYMBOLMATERIALS (IN DER THERAPIE) 103
7 ZUSAMMENFASSUNG 105
8 LITERATURVERZEICHNIS 108
9 ERLÄUTERUNGEN ZUM TEXT 118
Marion Röbkes - Abschlussarbeit IAPP - Symbolarbeit in psychologischer Beratung und
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Therapie 2003
1 Einleitung
Symbole begleiten die Menschheitsgeschichte. In dieser Arbeit wird der historischen Betrachtung der Symbolik und Symbolforschung ein etwas größerer Raum gewidmet, der über den ausschließlich psychologischen Ansatz hinaus reicht. Ein zeitlicher Bogen wird gespannt, zwischen dem ersten „Auftauchen eines Symbols“ und des darauf über nunmehr annähernd dreitausend Jahre währenden geisteswissenschaftlichen und naturwissenschaftlichen Diskurses über Symbole, ihre Deutung und Bedeutung.
Die Beschäftigung mit Symbolen und ihrer Interpretation ist in der psychologischen Beratung und Therapie recht verbreitet. Symbole finden ihre Verwendung in der Diagnostik, in der Behandlung - sei es in der Interpretation durch den Klienten, in der praktischen, mehr unbewusst strukturierten Ausführung, in der vom Behandler mehr oder weniger gelenkten Auseinandersetzung und Interpretation und so fort.
Die Beschäftigung mit Symbolen berührt die psychologische Arbeit, bedingt aber gleichermaßen eine Auseinandersetzung mit der Philosophie, der Kulturgeschichte, der Religionswissenschaft und neben den
geisteswissenschaftlichen Bereichen naturwissenschaftlichen Fächer, deren Betrachtungen und Forschungen die erweiterte Basis für eine interdisziplinäre Arbeit mit dem Symbol schaffen.
Aus diesem Grunde folgt die Gliederung der Diplomarbeit zunächst mit der grundsätzlichen Beschäftigung mit dem „Symbol an sich“ - also der Frage, was ein Symbol ist, was man darunter zu verstehen hat.
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Wäre die Frage danach, was ein Symbol ist, wie es wirkt und warum es in der Geschichte der menschlichen Kultur bedeutsam (geworden) ist, alleine durch den Symbolbegriff zu erklären, würde es damit wohl keiner weiteren Ausführungen bedürfen. Dass Symbole komplexer sind und die Auseinandersetzung mit der Symbolik im wissenschaftlichen Diskurs immer wieder Anlass zu Kontroversen gab, macht deutlich, dass man mit einer reduktionistischen und tautologischen Betrachtungsweise in der Art „ein Symbol ist ein Symbol, ist ein Symbol“ die Thematik nicht umfänglich abschließen kann. Die Verwendung von Symbolen in der Beratung und Therapie reicht in der Auffassung verschiedener Autoren von einer „esoterischen Praktik“ mit zweifelhaftem, wenn nicht gar unwirksamem – bis zu schädlichem - Wirkungsbereich, bis hin zur Betrachtung als kathartisches, weil die Tiefenschichten des menschlichen Seelenlebens berührendes, und somit wirksames Heilverfahren.
Aus diesem Grunde wurde der kulturgeschichtlichen Entwicklung des Symbols ein umfangreiches Kapitel gewidmet, dem sich die Betrachtungen und Ergebnisse neuerer Wissenschaftszweige und Forschungen anschließen. Aufgrund des zu begrenzenden Umfangs dieser Arbeit kann hier jedoch keine weitergehende Auseinandersetzung mit den einzelnen philosophischen Betrachtungsweisen erfolgen - es erfolgt lediglich eine darstellende Aneinanderreihung.
Nach der umfassenden Betrachtung und weitgehenden Darstellung der Inhalte des Symbolbegriffs folgt eine Aufgliederung der Verwendung von Symbolen in der psychologischen Praxis.
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Im Bereich der „Diagnostischen Verfahren“ werden die ausgewählten Techniken, die eine häufige Anwendung finden, inhaltlich dargestellt. Weiterhin werden dort die Vor- und Nachteile der symbolbegründeten Anwendung in der Diagnose gegenübergestellt.
Die Fortführung der Symbolbetrachtung führt in der Folge zur Auseinandersetzung mit der inhaltlichen Fragestellung, wie ein Symbol also nicht nur interpretierbar ist, sondern ganz gezielt für die Beratung/Behandlung als therapeutisches Mittel verwendet werden kann.
Zunächst werden therapeutische Verfahren, welche die Symbolarbeit verwenden, diesbezüglich inhaltlich kurz skizziert. In „Grundlagen der Interpretation“ werden Deutungen anhand von Beispielen veranschaulicht. Die praktische Anwendung - in Bezug auf verschiedene psychologische Methoden - wird somit den Abschluss der theoretischen Betrachtung bilden. Eine inhaltliche Zusammenfassung findet sich dann unter dem Punkt „Schlussbemerkungen“.
Ergänzungen zum Text, soweit sie für das Verständnis notwendig erschienen, erfolgten als Endnoten.
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2 Symbol
Um das Verständnis für die Symbolarbeit in Beratung und Therapie zu ermöglichen, ist es erst einmal notwendig zu klären, was ein Symbol überhaupt ist. Des Weiteren erfolgt dann eine Auseinandersetzung mit dem möglichen Deutungsrahmen - den Grenzen des Erfassbaren bei Symbolen. Hierzu werden auch die Erkenntnisse der Symbolforschung und die daraus resultierenden möglichen Klassifizierungen von Symbolen nach Arten und Strukturen betrachtet.
2.1 Definition
Der Begriff leitet sich etymologisch aus dem Griechischen ab (symballein = zusammenballen, symbolon = Merkmal, Erkennungszeichen).
Manfred LURKER schreibt: „Wenn zwei Freunde für längere Zeit oder für immer voneinander schieden, so zerbrachen sie eine Münze, ein Tontäfelchen oder einen Ring; kam nach Jahren jemand von der befreundeten Familie zurück, so konnten die zusammengefügten Teile (symballein = zusammenwerfen, zusammenfügen) bestätigen, dass der Träger des einen Bruchstückes tatsächlich Anspruch auf die Gastfreundschaft besaß.“
Die Definition des Symbols gem. Brockhaus lautet: „ein wahrnehmbares Zeichen oder Sinnbild (Gegenstand, Vorgang, Handlung, Zeichen), das stellvertretend für etwas nicht Wahrnehmbares, einen Sinngehalt, oft einen Komplex von Sinnbezügen steht; i. e. S. jedes Schrift- oder Bildzeichen mit verabredeter oder unmittelbar einsichtiger Bedeutung.“
Symbole sind demnach eine in das Bildhafte übersetzte Sprache.
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2.2 Deutungsrahmen
Mit den obigen Beschreibungen wird hervorgehoben, dass das Symbol nur von demjenigen, der über die damit verbundene Bedeutung informiert war, also einem „Eingeweihten“, auch entsprechend verwendet und verstanden werden konnte. Für Außenstehende blieb der tiefer gehende Sinn verborgen.
Den Teil des Symbols, den wir uns also durch das bloße Betrachten erschließen können, müssen wir daher von dem Teil trennen, dessen Bedeutung für uns nicht erfassbar und somit auch nicht durch die Ratio formulierbar wird. GOETHE bezeichnete es auf die folgende Weise: „Die Symbolik verwandelt die Erscheinung in Idee, die Idee in ein Bild, und so, dass die Idee im Bild immer unendlich wirksam und unerreichbar bleibt und, selbst in allen
1
Sprachen ausgesprochen, unaussprechlich bliebe“
Das Symbol hat somit nicht nur einen inneren Zusammenhang, einen offenkundigen Sinn und Inhalt, sondern auch noch einen „Bedeutungsüberschuss“, von dem Verena KAST sagt, dass wir seine „Bedeutungen nie ganz werden erschöpfen können“. Wir können beispielsweise die beiden Teile eines Ringes oder eines Tontäfelchens als solche erkennen, sie wieder zu einem einheitlichen Ganzen zusammenfügen, jedoch den tieferen Bedeutungsinhalt, der diesem Symbol innewohnt, höchstens erahnen, ihn jedoch nicht in einer letzten Bestimmtheit vollständig definieren.
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2.3 Symbolforschung
Bei der Beschäftigung mit dem Symbol, dessen Definition und der entsprechenden Theoriebildung läuft es in aller Regel immer wieder auf den Kernpunkt hinaus, dass sich das symbolische zwar umreißen oder auch in groben Zügen klassifizieren lässt, jedoch eine exakte und allumfassende Definition und Deskription des Inhaltes kaum möglich erscheint.
„Angewandtes Nichtwissen?“
Hilfreich erscheint hier fast die „Freusburg-Definition“ des Instituts für Angewandtes Nichtwissen 2 :
„Angewandtes Nichtwissen ist der Umgang mit nicht-objektivierbaren, aber dennoch nicht beliebigen Begriffen." Erläuternd heißt es: „Etwas ist ein Gegenstand des Nichtwissens, wenn man leichter sagen kann, was es nicht ist, als genau beschreiben, was es ist - das verbirgt sich hinter der Beschreibung nicht- objektivierbar, aber dennoch nicht beliebig. Angewandtes Nichtwissen bezeichnet dann den Umgang mit solchen nur unscharf umrissenen Gegenständen.“
Ist die Symbolik und Symbolverwendung in der psychologischen Beratung und Therapie damit auf den Status des „angewandten Nichtwissens“ zu reduzieren und somit letztlich unwissenschaftlich, da sie sich der Evaluation entzieht? Wird dadurch die Anwendung der Symbolik zu einer reinen Praxeologie mit recht zweifelhafter und nicht-objektivierbarer Wirkung?
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„Wissenschaftsbegriff und Wissenschaftlichkeit“
SPONSEL sieht diese Forderung zur Überprüfung des Wissenschaftsbegriffs
und der Wissenschaftlichkeit so: „Wissenschaftliches Wissen muss lehr-, lern- und evaluierbar sein. In diesem Sinne sind alle Menschen Wissenschaftler, die ein Wissen haben, dass sie so lehren, dass andere es lernen und kontrollieren können. Hierzu zählt jedes Wissen, auch das Berufswissen, das Handwerk, z.B. auch der Gärtner, der Bauer, die Hausfrau. Wissenschaftliches Wissen entsteht nicht unbedingt an Universitäten…“ Weiterhin heißt es von ihm: „Es gibt nur eine Wissenschaft: lehr- und lernbar zeigen, wie die Welt, der Mensch, die Dinge funktionieren. Das ist nicht Occams, sondern das Evaluationsrasiermesser: wer nicht evaluieren kann oder will, fällt durch das Raster der wissenschaftlichen Disziplinen.“
Das die Evaluation damit nicht unbedingt auf die universitäre Forschung begrenzt bleibt, stellt er folgendermaßen heraus: „Jede praktisch tätige PsychotherapeutIn kann ihre Wissenschaftlichkeit nachweisen, indem sie Zählungen zu Heilungen, Besserungen, Linderungen, Bewältigungen, Verschlechterungen oder Schädigungen durchführt oder von unabhängigen Praxeologen durchführen lässt.“
„Wirken Symbole?“
Zur Anwendbarkeit von Symbolen in Beratung und Therapie lässt sich aufgrund dieser Ausführungen die Meinung vertreten, dass Symbolik zwar dem Grunde nach „angewandtes Nichtwissen“ und eher eine Praxeologie ist, diese jedoch nicht zwangsläufig eines wissenschaftlichen Status entbehren muss, sofern es um die Frage der Inhalte, Wirksamkeiten, und der Nebenwirkungen oder Schädigungen geht.
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Etwas überspitzt könnte man dies für die Symbolarbeit folgendermaßen formulieren: „Wer heilt hat Recht – und wer behauptet zu heilen, sollte dies wenigstens anhand von Fallzahlen auch überprüfen und nachweisen können!“ SPONSEL legt die Verantwortlichkeit für den Nachweis in die Hand der Praxeologen, doch dürfte dies einer Forderung nach unabhängigen Studien kaum entsprechen, da an dieser Stelle die Gefahr der Datenmanipulation recht hoch sein kann 3 .
Dem Problem der inhaltlichen Überprüfung stellt sich die Symbolforschung, die allerdings kein eigenständiger Bereich ist, sondern sporadisch immer wieder von bestimmten Wissenschaftsbereichen, hauptsächlich durch die Philosophie- und Kunstwissenschaften, aufgegriffen und behandelt wird. Gerhard KURZ fasste die Deutungs- und Erfassungsproblematik wie folgt zusammen: „Handlungen und Gegenstände können erfahren werden als Verdichtung von unüberschaubaren, komplexen Zusammenhängen. Ein zerfetztes Stück Tuch kann ein nationales Symbol werden. Politische Herrschaft beruht wesentlich auf symbolischen Ordnungen, usw.“
Damit wird hervorgehoben, dass das Symbol und die Symbolik dem Grunde nach kaum einen Lebens-, Wissens- und Wissenschaftsbereich ausklammert. Unter Punkt 4. „Symbolik und die (Neuen) Wissenschaften“ wird darauf etwas detaillierter eingegangen.
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2.3.1 Arten von Symbolen
Um sich der Interpretation von Symbolen auf wissenschaftliche Weise nähern zu können, bedarf es also einer Klassifizierung, die empirisch Untersuchungen zulässt. So unterscheidet man in
a) logische Symbole (alpha-numerische Zeichen und Sonderzeichen)
b) Verkehrs-/Zeichen, Schilder, Farben
c) symbolische Handlungen oder Gesten
d) Lautsymbolik, Lautmalerei
e) symbolische oder sprechende Namen und
f) dichterische (literarische) Symbole.
Demnach sind Symbole entsprechend dieser Einteilung einem bestimmten Ursprungs- und/oder Verwendungszweck zuzuordnen.
2.3.2 Struktur von Symbolen
Weiterhin wurde in der Symbolforschung noch zum Interesse der Untersuchungen gemacht, welche Motivierungen und Beziehungen Symbole, ihrem Ausdruck nach, aufweisen können. Hier lässt sich folgende Einteilung nach der Struktur festhalten:
a) analogisch - das Symbol steht für ein „genauso wie“
b) synekdochisch - das Symbol wird zum „spezialisierten Stellvertreter“ einer übergeordneten Kategorie 4
c) metonymisch - das Symbol wird zum übergeordneten Statthalter 5 und
d) metaphorisch - das Symbol wird zu einem bildhaften Gleichnis („als wie“) - ein Symbol wird dabei allerdings nicht zur Metapher, es weist lediglich eine metaphorische Struktur auf.
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2.3.3 Funktionsweisen des Symbols
Nach MÜLLER/KNOLL könnte man die Symbole für die psychologische Arbeit auch hinsichtlich ihrer Funktionsweisen folgendermaßen untergliedern 6 :
a) Kompensatorische Funktion
b) Eigenaspekte/Subjektstufe
c) Fremdaspekte/Objektstufe
d) Globalaspekte
Um sich diesen Funktionsweisen zu nähern, können entsprechende Fragestellungen hilfreich sein 7 :
Zu a) c Welche (einseitigen) Einstellungen, Haltungen, Werte, Verhaltensweisen könnten durch das Symbol kompensiert, ausgeglichen, reguliert werden? c Welche bestätigenden, ergänzenden, ausgleichenden oder warnenden Impulse vermittelt das Symbol?
c Auf welche Weise könnte das Symbol mein Bewusstsein erweitern? c Was kann ich daraus lernen?
c Inwieweit zeigen sich im Symbol schöpferische, finale, das heißt auf ein Ziel hin orientierte Tendenzen?
c Zu welcher weiteren Entwicklung regt es mich an? c Welche Hinweise zu einer notwendigen Verhaltensänderung ergeben sich? Zu b) c Was fällt mir spontan dazu ein?
c Auf welche Seiten und Aspekte der eigenen Persönlichkeit weist das Symbol hin?
c Welche Wünsche, Sehnsüchte, Ängste stellen sich auf welche Weise dar? c Welcher Wesenszug von mir könnte das sein (z.B. das innere Tier, das innere Kind, Über-Ich, Persona, Schatten, Anima-, Animus- und Selbstanteile) c Gibt es einen Bezug zu meinem Körpererleben, zu körperlichen Vorgängen? c Was zeigt sich im Symbol über meinen Umgang mit dem Vital-, Instinkt- und Triebbereich?
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c Wie spiegelt sich meine allgemeine Lebensenergie (Libido)? c Welcher mir fremde Anteil will sich mir annähern?
c Was zeigt sich von meiner Aggressivität?
c Was zeigt sich von meiner Sexualität?
Zu c) c Was hat das Symbol mit meinem aktuellen äußeren Leben zu tun? c Zeigt mir das Symbol etwas über meine Mitmenschen oder meine Umwelt, was ich vielleicht nicht oder nicht richtig eingeschätzt habe? c Inwieweit kann das Symbol meine Realitätswahrnehmung verbessern? c Was zeigt mir das Symbol über meine Beziehungen, über meine Liebes- und Beziehungsfähigkeit, meinen Umgang mit anderen Menschen? c Wie erlebe ich andere Menschen?
c Gibt es typische Beziehungskonflikte, die sich im Symbol spiegeln? c Zeigen sich Beziehungsängste?
Zu d) c Welche globalen, allgemeinmenschlichen, archetypischen Aspekte hat das Symbol?
c Stellen sich im Symbol Fragen der Individuation und existentielle Themen, wie zum Beispiel der Selbstverwirklichung und Sinnfindung, der Selbstverantwortung und Freiheit, das Problem des Todes, der Beziehung, Einsamkeit und Isolierung?
c Stellen sich religiöse, transpersonale Bezüge dar?
c Finden sich Hinweise zu einer überpersönlichen Lebensorientierung?
Abschließend ist hier zu sagen, dass sich derart die Möglichkeit der wissenschaftlichen Überprüfung hinsichtlich des Inhalts, der Verwendung und ggf. der Wirk- und Funktionsweise von Symbolen ergibt. Es besteht die Gelegenheit empirischer Überprüfung (quantitative Forschung – allgemeine Eigenheiten: Wie oft wird welcher Bezug genannt? Wie wirkt ein Symbol in welcher Quantität?) - mit dem deduktiv ermittelbaren Bedeutungsinhalt (qualitative Forschung – individuelle Symptomatik: Welche inhaltlichen
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Merkmale werden zugeordnet? Welche Standarddeutungen lassen sich entwickeln? Wo liegen Abweichungen und welche Auswirkungen haben diese?).
3 Symbolik - ein geschichtlicher Abriss
Über die Betrachtung der historischen Entwicklung und Verwendung von Symbolen in der Kulturgeschichte der Menschheit, bis hin zur tiefenpsychologisch-analytischen Interpretation, spannt sich ein nicht nur zeitlich weiter Bogen. Gerade diese Kontinuität der Verwendung, wie auch der Dauerhaftigkeit und Immanenz der Symbolbedeutungen machten sie bereits in der Antike für die Interpretation und Diagnostik zu einem wertvollen Hilfsmittel hinsichtlich ihrer Wirkweisen auf die menschliche Seele.
„Symbole vom Anbeginn der Menschheit“
Das Symbol als Stellvertreter, als Ausdrucksmittel für Geschehenes und/oder sich Wiederholendes findet sich dem Grunde nach bereits in den ersten bekannten Höhlenmalereien der Altsteinzeit. Hochphasen der Symbolentwicklung und -verwendung waren, ganz allgemein gesprochen, die Megalithkultur 8 , und weiter folgend die frühen Hochkulturen in Babylonien, Mesopotamien, Ägypten, Griechenland.
Tief verwurzelt mit der jeweiligen Kultur und Religion des Stammes, der Region oder des Landes, lassen sich dabei stark variierende Symbole finden, wie aber auch allgemeingebräuchliche. Auffallend ist dabei, dass neben den mehr individuellen resp. gruppenspezifischen Symbolen auch übergreifende kultur- und kultbezogene Symbole für bestimmte Kräfte, wie beispielsweise die Urkräfte, Himmelskörper u. ä., zu allen Zeiten ihre Darstellung fanden 9 . Sie wirkten damit als allgemeingültige und starke repräsentative Abbildungen der den Menschen beeinflussenden Konditionen.
„Symbole und Philosophie“
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Die ersten Aufzeichnungen über Symbole und ihre Bedeutung in Träumen finden wir im Papyrus Chester Beattie (Ägypten, ca. 1800 v. d. Z).
Ab dem 7. Jh. v. Chr. entwickelt die philosophische Schule der „Orphiker“ zahlreiche Ideen, durch welche späterhin die Werke von PINDAR, SOPHOKLES, AISCHYLOS UND PLATON beeinflusst wurden. Platon beschäftigte sich in verschiedenen Werken mit den Träumen, so unter anderem in Phaidon und im Staat. In letzterem findet sich auch erstmals die Hinführung zu „gelenkten Träumen“ Die Liste der klassische Philosophen und Heilkundigen ist lang, die sich mit dem Traum und seiner Symbolik resp. der Deutung beschäftigten. Die Arbeit mit Traum-/Symbolen war mehr eine divinatorische und diente somit der Interpretation des „göttlichen Willens“, war gleichsam eine von den Göttern geschickte Botschaft, um das eigene Schicksal erfassen und erfüllen zu können.
Durch SAMMONICUS (Res Reconditae) und ARISTOTELES, PHYTAGORAS und viele weitere, hielt die Beschäftigung mit dem Thema „Traum“ Einzug in die jeweiligen philosophischen Schulrichtungen. Im 2. Jh. n. Chr. schrieb
ARTEMIDORS das Werk Oneirokritika - Die Kunst Träume zu deuten 10 - nach
einer emsigen Sammlung unzähliger Traumbücher, wo wir in Buch 1, Kap. 2 finden „Einige Träume sind theorematisch 11 , andere allegorisch. Diejenigen, deren Erfüllung dem Gesicht gleicht, das sie bieten, sind theorematisch. …Allegorische Träume dagegen weisen durch etwas auf etwas anderes hin. In diesen Träumen
12
. Nach
deutet die Seele nach bestimmten Regeln etwas an, wie in einem Rätsel...“ der Vorstellung ARISTOTELES hatte sich jedoch die Auffassung gefestigt, dass Träume eine Nebenwirkung der verarbeiteten Speisen seien.
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„Symbole als Zeichen der Götter“ Die Symbolik wurde in der Antike vornehmlich als „Zeichen der Götter“ betrachtet, sah man darin doch eben die Emanation einer übernatürlichen Wesenheit, die entsprechend zu erfassen bzw. zu deuten sei. Dies reduzierte sich in der westlichen Welt nach der Spätantike mehr auf die bildhafte Darstellung als schmückendes Beiwerk. Dies mag dazu geführt haben, dass die ursprünglich divinatorische Bedeutung der Symbole (wie sie beispielsweise in der Traumdeutung großteils ja erfolgte) nunmehr in den Bereich des „Okkulten“ gedrängt und mystifiziert wurde. Unter dem Einfluss zunehmender Christianisierung unterlagen die alten Mythen, wie auch die Fortführungen der jeweiligen philosophischen Schulen der Antike und Spätantike eine Wandlung unter mehr „ekklesialen Vorzeichen 13 “. AEROPAG verfasste Ende des 5. nachchristlichen Jahrhunderts das Werk „Über die beiden Hierarchien“. Hierin finden wir, so schreibt HELFERICH, eine Betrachtung der „sichtbaren Welt als Symbol, als Transparenz als ‚Durchscheinendes’ eines Anderen...“.
Verschiedene Mythengestalten und ihre Symbole wurden in den Bereich des Dunklen, Dämonischen gerückt. In diese Zeit fällt auch die Entstehung einer ideologisch-philosophischen „Subkultur“, die sich von den christlichen Einflüssen - auch bedingt durch die Relikte des Mithras-Kultes 14 , eine intensivere Einbeziehung der Gnosis und (pseudo-)hermetischer Schriften - noch stärker in die Bereiche Alchemie und Magie abspaltete 15 . In diesen beiden Disziplinen kam der Symbolik und Symbolverwendung eine immense Bedeutung zu, die jedoch, aufgrund der als abtrünnig und ketzerischen betrachteten ideologischen Geisteshaltung, nur im Verborgenen ausgeübt werden konnte - und daher langfristig gesehen wohl den Begriff des „Okkultismus 16 “ begründete.
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„Am Symbol scheiden sich die Geister“ Waren die Philosophen der Antike und Spätantike Politiker, Redner, Mathematiker usw., deren Gedanken und Überlegungen sich mit der Kosmologie und der Theosophie beschäftigten, so ergab sich ab dem 5. Jahrhundert - seit AUGUSTINUS - eine Verschiebung hin zu den Klerikern, die mittels der Philosophie und den mathematisch-logischen Betrachtungen dem Weltbild einen Stempel aufzudrücken suchten - die radikalen Aristoteliker hatten ihre Ansichten durchgesetzt 17 .
Dass dies zu einem logisch- theologischen Dilemma, und in der Folge auch zu einem Kirchen-Schisma führte, blieb wohl kaum aus. Dem Zwiespalt der Anerkennung einer sowohl naturalistischen Ansicht, wie auch einer theologischen Deutung von Symbolen und ihrer Be-/Deutung setzte sich über Jahrhunderte fort und selbst Thomas VON AQUIN unterlag ihr noch im 13. Jahrhundert. Die „abendländische Kultur“ setzte ihren eigenen Weg fort, während die Länder und Kulturen 18 , die nicht durch die christlich-kulturellen Doktrin geprägt wurden, hinsichtlich der Symbolverwendung weitestgehend frei blieben 19 und der traditionelle Symbolcharakter dort somit vielfach erhalten blieb.
Der Symbolik kam hauptsächlich im Zuge klerikaler und feudalherrschaftlicher Bauten und Kunstwerke eine stärkere Bedeutung zu. Gut dreihundert Jahre verquickte sich Theologie und Philosophie in stärkerem Maße. Die Deutung des „göttlichen Planes“, der durch das Symbol erkennbar sein sollte, oblag den Kirchenvertretern. Die stark hervortretende Symbolik, wie wir sie beispielsweise bei Hildegard VON BINGEN, ALBERTUS MAGNUS, Nikolaus VON KUES, oder MEISTER ECKHART finden, reduziert die Symbolik in der westlichen Welt augenscheinlich auf ein stilistisches Mittel der Theomantie. Das Symbol war das „von Gott
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geschaffene und gesandte Zeichen“. Diejenigen, die „wahrsagten und deuteten“ und dies nicht im Einklang mit den Lehren der christlichen Kirche taten oder abgewandelte Symbole benutzten, gerieten schnell in den Ruf „Ketzer“ zu sein 20 und waren damit der hl. Inquisition ausgeliefert 21 .
Nach dem großen Glaubens-Schisma, der Spaltung der Kirche, der nachfolgenden reformatorischen Strömungen 22 und der aufklärerisch- naturwissenschaftlichen Bewegungen erfolgte eine Wegführung von den theologisch-theosophischen Inhalten, hin zu einem mehr „rationalen“ auf der „Vernunft“ oder natur-/wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhenden Diskurs.
„Die Renaissance – Wiedergeburt des Symbols“
Die Widersprüchlichkeit des Spät-Mittelalters und der einsetzenden Renaissance ist frappierend. Werden auf der einen Seite die konfessionellen Inhalte stark betont und auf deren Einhaltung geachtet, so bricht gleichzeitig eine Hochphase nicht-klerikaler Symbolverwendung ab dem 14. Jahrhundert an. An verschiedenen Universitäten wurden Lehrstühle für Astrologie eingerichtet (so Paris, Padua, Krakau, Bologna, Florenz, Oxford 23 u. a.). Das italienische Fürstenpaar Visconti-Sforza gab erstmalig die Erstellung eines Tarot-Karten-Decks in Auftrag, bebilderte Spielkarten kamen in Mode. Schriften, wie beispielsweise die Chymische Hochzeit des Christian
ROSENKREUTZ verbreiteten gleichermaßen geheime „Weisheiten und
Wahrheiten“, wie viele so genannte „Losbücher“, hermetische Schriften, Zauberbücher und DANTES Göttliche Komödie verband in einer einzigartigen symbolisch-metaphorischen Sprache „Paradies und Inferno“ des 14 Jahrhunderts .
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Seit dem 15. Jahrhundert erfolgte auch eine Zunahme bildlicher Darstellung in religiösem Kontext. Holzschnitte kamen in Mode, durch die Entwicklung der Buchdruckkunst fand eine immer stärkere Verbreitung von geschriebenen und auch bebilderten Werken statt. Die symbolische Schlichtheit mancher Holzschnitte und die Einfachheit der mehr religiös intendierten Kunstwerke, wie beispielsweise dem seinerzeit weit verbreiteten „Totentanz“, standen in krassem Gegensatz zur überbordenden Symbolik der Renaissance-Maler, wie z. B. Hieronymus Bosch, Botticelli u. a.
Die Renaissance war damit auch eine „Wiedergeburt“ alter Symbolik, jedoch waren die ursprünglichen Regeln und Gebräuche weitgehend in Vergessenheit geraten. Dies war auch die Zeit für alle selbsternannten und vom Volk umschmeichelten Mystiker und Magier, die sich auf „uraltes und geheim überliefertes Wissen ferner und untergegangener Kulturen“ beriefen.
Neben den kirchlichen Ordenskani gab es kaum eine (wissenschafts- )theoretische Auseinandersetzung mit dem Symbol als „Ding an sich“. Das Symbol schien in der Zeit der nach-aristotelischen Philosophie bis zur so genannten Zeit der Aufklärung mehr einen Stellenwert im künstlerischen Sinne und zum Zweck der Darstellung der Theophanie gehabt zu haben. Es derart jedoch nur als stilistisches Element zu betrachten, ohne die späterhin einsetzende wissenschaftliche Diskussion zu berücksichtigen, hieße an dieser Stelle wohl eine eher reduktionistische Auffassung der Symbolbedeutung zu vertreten. Erstaunlicherweise setzte die Auseinandersetzung mit dem Symbol in der Philosophie erst zu dem Zeitpunkt wieder stärker ein, als die Abspaltung der protestantischen Glaubensrichtung von der Mutter-Kirche erfolgt 24 war und die inquisitorische Verfolgung Andersgläubiger durch die konfessionellen Kirchen weitgehend ihr Ende gefunden hatte.
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„Der Beginn einer kritischen Auseinandersetzung mit Kant…“
KANT setzte sich im 18. Jahrhundert mit dem Symbol als der Darstellung des
„Sittlichguten“ auseinander und entdeckt im Symbolbegriff die Fähigkeit zur Illustration des Unanschaulichen. Er trennt in der Interpretation „Zweck“ und „Zweckmäßigkeit“. So heißt es erläuternd bei TOMBERG „Der Gegenstand eines Begriffs heißt Zweck, wenn dieser Begriff als Realgrund der Möglichkeit des Gegenstandes angeschaut wird. Zweckmäßigkeit heißt dagegen >>die Kausalität eines Begriffs in Ansehung seines Objekts.<<“
Der Symbolbegriff wurde durch KANT transzendental formuliert, wobei das Symbol damit jedoch mehr zum Ausgangspunkt des Philosophierens wird und weder durch die „Urteilskraft“ noch die „Vernunft“ eine rein „sinnliche“ noch „übersinnliche“ Erfassung möglich ist. Das Symbol in seiner ästhetischen Form der Begrifflichkeit und Interpretation bleibt demnach letztlich „Geschmackssache“.
„…Schelling…“
Das Symbol als „Darstellung des Absoluten“ findet sich dann späterhin bei
SCHELLING wieder. Dort heißt es in § 39 der „Philosophie der Kunst“:
„Darstellung des Absoluten mit absoluter Indifferenz des Allgemeinen und
25
“
Besonderen im Besonderen ist nur symbolisch möglich.
SCHELLING greift damit über den Symbolbegriff KANTS hinaus. In einem
gewissen Sinne könnte man es hier so formulieren: Sieht KANT in dem Symbol die Offenbahrung des ‚Sittlichguten’, so geht SCHELLING noch einen Schritt weiter und stellt das Symbol als einzige Darstellungsmöglichkeit des ‚Sittlichguten’ hin. Sein Symbolbegriff weist noch weiter über das hinaus,
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was KANT im Symbol zu erfassen sucht: Es kann nicht anders dargestellt werden als durch Symbol.
„…Cassirer…“
CASSIRER widmet sich ausführlich der Symbolik und publiziert hierzu u. a. ein
dreibändiges Werk Philosophie der symbolischen Formen. Dort heißt es bspw. „Die sprachliche Symbolik erschließt eine neue Phase des seelisch-geistigen
26
.“ CASSIRER sieht den Menschen nicht nur als „animal rationale“,
Lebens sondern vielmehr als „animal symbolicum“ – und damit bezieht er sich auf den Menschen als (selbst)reflexives Wesen, dem sich über das symbolische Denken der Weg in die Zivilisation geöffnet hat.
Damit findet sich unbestreitbar der Einzug des Symbolischen in den Betrachtungsrahmen der Kulturphilosophie wieder. Ein Gedankengang, der erstmals hier deutlich angestoßen, von weiteren Philosophen aufgegriffen, nunmehr auch in verschiedenen anderen Bereichen, wie u. a. der Pädagogik, der Entwicklungspsychologie, der Neuropsychologie und damit auch der Hirnforschung Einzug hielt.
„…und Mead“
MEAD vertritt die Position, dass das Symbol als Stellvertreter
gesellschaftlicher Handlungen zu verstehen und sinnerfüllt ist. Zu einem Sinn findet der Mensch erst über das Bewusstsein; das Bewusstsein muss demnach einer Handlung, wie beispielsweise einer Geste vorausgehen. Erfolgt dann die Handlung, so ist sie mit Bewusstsein versehen und kann auf diese Weise einen symbolischen Charakter annehmen.
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„Ein Blickwinkel von Seiten der Paläoanthropologen“ Als konträren Gedankenpunkt zu CASSIRER und MEAD lässt sich hier BILZ einmal zitieren: „Der Barfüßermönch Johannes Pauli aus Thann im Sundgau berichtet in einer etwa um das Jahr 1520 erschienenen Schrift, wie eine Disputation zwischen einem griechischen Philosophen und einem Narren stattfand. Man hatte diesen als einen Gelehrten herausgeputzt, und zwar in der Hoffnung, dass der Philosoph nicht merke, wen er vor sich habe. Keiner von beiden sollte bei dem Disput den Mund auftun. Der erste Gestus, den der Grieche zeigte, bestand darin, dass er den Zeigefinger hob. Der Philosoph wollte damit sagen, dass es nur einen Gott gibt. Der Narr, der den erhobenen Zeigefinger auf sein persönliches Wohl und Wehe bezog, meinte, dass ihm der Philosoph ein Auge ausstechen wollte. Daraufhin erhob er zwei Finger, um anzudeuten, dass er seinem Gegner beide Augen ausstechen würde, wenn dieser ihn angreife. Wer den Zeige- und den Mittelfinger demonstrativ emporstreckt, pflegt dabei den Daumen abzuspreizen, so dass der verängstigte Narr in Wahrheit drei Finger zeigte. Der Grieche nickte befriedigt, denn er war jetzt sicher, dass er von dem vermeintlichen Philosophen richtig verstanden worden war: Hatte er selbst auf den Monotheismus angespielt, so wies nun der andere ‚Gelehrte’ offensichtlich auf die Trinität hin. Um auszudrücken, dass Gott alle Dinge offenbar sind, zeigte der Grieche jetzt seinem Gegner die offene Handfläche vor. Dieser blieb in der Stimmung der Angst überzeugt, dass es der Grieche auf Gewalttätigkeiten abgesehen habe. Der Narr deutete die ausgestreckte Hand als eine Ohrfeigen-Drohung. Daraufhin ballte er die Faust, um dazutun, dass er dem Philosophen eins auf den Kopf geben werde, wenn ihm dieser ins Gesicht schlagen sollte. Es standen sich also, biologisch gesprochen, Drohung und Gegendrohung gegenüber. Aber wieder war der griechische Philosoph hocherfreut. Er fühlte sich verstanden, denn die Faust, interpretierte er, wolle zum Ausdruck bringen, dass Gott in seiner Gewalt alle Dinge ‚beschlossen’ hält, während uns seine Urteile verborgen sind. … Damit war die Diskussion zu Ende 27 .“
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Therapie, 2003
Dieses recht umfangreiche Beispiel soll dazu dienen, zu veranschaulichen, dass die symbolischen Handlungen des Menschen durchaus zum mehr angeborenen, aber auch erlernten Repertoire gehören. Sie sind gleichermaßen emotional besetzt, wie emotionsleer. Ihnen liegt eine Sinnhaftigkeit zu Grunde, wobei dieser nicht unmittelbar erkennbar sein muss, sondern sogar gänzlich falsch interpretiert werden kann. Die symbolische Handlung kann einen Interaktionismus begründen, aber letztlich immer noch selbstbezüglich, aufgrund der eigenen Erfahrungswerte und Interpretationen sein
„Ricoeurs Reflexion“
RICOEUR spricht in einem solchen Zusammenhang von „Disproportion“ und
der „Pathetik des Elends“, welche nur durch beständige Reflexion und dann wiederum durch weiterführende Reflexion über das bereits Reflektierte erschlossen werden kann. Dies soll zu guter Letzt zu „totalem Verständnis“ führen In diesem Sinne ist RICOERS Formulierung in der Phänomenologie der Schuld 28 treffend: „Das Symbol gibt zu denken!“
Wie kommt der Mensch überhaupt zur Symbolverwendung? Wozu benötigt/e er sie? Und wie gelangt/e er zu Kenntnissen über den Inhalt? Welche Vor- und Nachteile bringen sie ihm? Welchen Nutzen haben sie? Was bedeuten sie - und was deuten wir? Und was können wir wirklich wissen?
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Therapie, 2003
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Marion Röbkes, 2003, Symbolarbeit in psychologischer Beratung und Therapie, Munich, GRIN Publishing GmbH
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