Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis VII
Tabellenverzeichnis VIII
Abk ürzungsverzeichnis 1
1 Einleitung 4
1.1 Problemstellung 4
1.2 Landesüberblick 5
1.3 Innen- und außenpolitische Lage 8
1.4 Allgemeine Wirtschaftslage 11
2 Marktanalyse 20
2.1 Branchenanalyse 20
2.1.1 Der Industriesektor 21
Die Kfz - Industrie 21
Textilindustrie 21
Eisen - und Stahlindustrie 22
Chemie 23
2.1.2 Das Baugewerbe 24
2.1.3 Der Energiesektor 26
2.2 Standortanalyse 27
Inhaltsverzeichnis - Seite V
2.2.1 Natürliche Ressourcen 27
2.2.2 Regionale Struktur 28
2.2.3 Verkehrslage 29
2.2.4 Die Rolle als Transitland 32
2.2.5 Preise für Wasser, Energie und
Telekommunikation 34
2.3 Arbeitsmarktanalyse 35
3 Investieren in der Türkei 41
3.1 Rechtliche Rahmenbedingungen 41
3.1.1 Arbeits- und Ausländerrecht 41
Investitionsrecht 44
3.1.2 Investitionsförderung 45
3.1.3 Gesellschaftsrecht 48
3.1.3.1 Personengesellschaften 48
3.1.3.2 Kapitalgesellschaften 50
3.1.4 Das türkische Steuer- und Bilanzrecht 53
3.2 Investitionsarten 58
3.2.1 Markteintritt ohne Direktinvestitionen 58
3.2.2 Markteintritt mit Direktinvestitionen 60
3.3 Risiken des Investitionsstandortes 64
3.4 Attraktivität des Investitionsstandorts 66
Inhaltsverzeichnis - Seite VI
4 Praxisbeispiel: Coca Cola Icecek A. 68
5 Zusammenfassung und Ausblick 71
Literatur - und Quellenverzeichnis 72
Anlagen 80
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Landkarte der Türkei
Abbildung 2: Die Sektorale Verteilung des BIP in
Abbildung 3: BIP Wachstum in
Abbildung 4: Die Entwicklung der Verbraucher- bzw.
Erzeugerpreise in
Abbildung 5: Vergleich der Handelsbilanz- und
Leistungsbilanzdefizit in Mrd. USD
Abbildung 6: Nettoverschuldung
der öffentlichen Hand / BIP ( )
Abbildung 7: Privatisierungsprojekte
in Mio. USD seit 1985
Abbildung 8: Der türkische Außenhandel
i n M r d U S D 1
Abbildung 9: Pipelineprojekte
Abbildung 10: Erwerbstätige nach
Wirtschaftsbereichen 2008
Abbildung 11: Fakten in Mio. YTL
Abbildung 12: Internationale Verteilung der Umsätze
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Verkehrsinfrastruktur der Türkei 31.12.2007 30
Tabelle 2: Preise für Wasser, Energie und
Telekommunikation 2006 35
Tabelle 3: Die Zusammensetzung des
türkischen Arbeitsmarktes 36
Tabelle 5: Abgaben zur Sozialversicherung 40
Tabelle 6: Anspruch auf Urlaub 42
Tabelle 7: Einkommensteuertarif 2008 55
Tabelle 8: Unternehmen i. S. d. türkischen
Handelsgesetzes 63
Abkürzungsverzeichnis
AfA
AG AG AN A. S. AKP Bfai BIP BOTAS BSEC BTC Bzw. ca. cbm CHP CIA D-8 DCÜD DEG DSWR DTP DPT DVK EBRD EG eG ENR ESt EStG EU e. V. EWG f. F.A.Z ff.
G-20
GbR GCC GmbH GUS GVK Ha i. d. R. IF IFRS i. H. v. IHK IMD IMSA IPO I. S. d. ITKIB i. V. m. IWF KDVK Kfz KG Km Koll. Sti. Kom. Sti. KSt KVK kWh Ltd. Sti. LNG MHP Mio. Mrd. MW NATO Nr OATCT ODA
OECD
OHG OIC UNO OSD OSZE PKW ÖTV ÖTVK Qm S. SSK t. TAV TCDD TCMB TEDAS TEU THGB THY TMB TMS TÜIK u. a. USA USD USt Utikad VAE VR WHO YÖK YSGM YTL z.B.
1 Einleitung
1.1Problemstellung
Die Türkei ist ein Wachstumsmarkt in strategisch interessanter Lage. Sie ist ein wichtiges Bindemitglied zwischen Ost und West. Sie hat eine Brückenfunktion zu den muslimischen Ländern, nach Zentralasien und in den Kaukasus sowie die Schwarzmeerregion.
Die türkische Wirtschaft befindet sich im Aufschwung und verzeichnet seit Jahren über dem EU-Niveau liegende Wachstumsraten. Mittlerweile gehört die Türkei zu den 20 größten Volkswirtschaften der Welt. Die Inflation ist auf dem niedrigsten stand seit 30 Jahren und die Staatsverschuldung wird kontinuierlich abgebaut. Die europafreundliche Regierungspartei AKP setzt ihren Reformkurs fort. Trotz allen positiven Entwicklungen in den letzten Jahren, herrscht jedoch immer noch ein großer infrastruktureller Nachholbedarf, insbesondere im Osten und Südosten des Landes. Die zeitraubende Bürokratie, die hohe Schattenwirtschaft und die Bevölkerungsentwicklung sind einige weitere Probleme, deren Lösung in den nächsten Jahren angestrebt wird.
In der Türkei gibt es viele Potenziale, die Unternehmen erschließen und in vollem Umfang nutzen können. Potenziale, die aufgrund des Wirtschaftswachstums entstehen, die sich durch notwendige Marktliberalisierung und erfolgreich umzusetzende Privatisierungen eröffnen und Potenziale, die sich aus der europäischen Perspektive des Landes ergeben. Mit ihren knapp 71 Mio. zum größten Teil jungen und konsumfreudigen Einwohnern bietet sie schon jetzt einen lukrativen Absatzmarkt für viele europäische Produkte und Dienstleistungen. Mit über 3.000 mit deutschem Kapital ausgestatteten Unternehmen und jährlichen Direktinvestitionen von mehreren Hundert Millionen USD ist Deutschland das Land mit der größten Präsenz in der Türkei. 1 Die Türkei ist mittlerweile nicht nur ein Absatz- und Beschaffungsmarkt, sondern vermehrt auch ein attraktiver Investitions-standort. Es gibt immer mehr ausländische Firmen und insbesondere deutsche Firmen, die überwiegend in der erzeugenden Industrie und Dienstleistungsbranche aktiv sind.
Vor einem Markteintritt stehen jedoch Investoren vor großen Herausforderungen sowohl hinsichtlich der Marktsituation als auch dem rechtlichen Umfeld.
Bevor sich ein ausländisches Unternehmen für eine Investition in der Türkei entscheidet, ist es wichtig die Randbedingungen genauer kennen zu lernen und die Markchancen richtig einzuschätzen, da die Bedingungen
1 Vgl. Bagoglu, Necip; Klaiber, Sven: bfai: Erfolgreich investieren in der Türkei, Köln 2007, S. 22
und die Bedürfnisse des türkischen Marktes meist kompliziert und schwer vorhersagbar sind. Dabei ist die Klärung von Fragen wie Marktentwicklung, Konkurrenzsituation, Konsumverhalten, Preislage, Vertriebswege, Partnerschaften, rechtliche und steuerliche Aspekte, Markeintrittsbarrieren und bürokratische Hürden essentiell für die Entscheidung über weitere Schritte. Grundsätzlich steht bei einer Auslandsexpansion als erste Option die Bearbeitung des ausländischen Marktes in Form einer indirekten oder direkten Exporttätigkeit zur Verfügung. Im Falle der Türkei ist eine Marktbearbeitung von der Ferne i. d. R. keine besonders Erfolg versprechende Variante. Bei der Bearbeitung des türkischen Marktes kommen die kulturellen Eigenheiten des Landes als zusätzliches Kriterium hinzu, d. h., dass eine persönliche und verhältnismäßig häufige Interaktion mit den Geschäftspartnern und Kunden ist hier oft einer der entscheidenden Faktoren.
In dieser Arbeit werden die Rahmenbedingungen und die Vor- und Nachteile einer Geschäftstätigkeit in der Türkei erörtert. Um den deutschen Investor bzw. Unternehmen auf die vor Ort herrschenden Bedingungen vorzubereiten, soll ihm zunächst ein fundierter Überblick rund um die Themen Staat, Politik und Wirtschaft verschafft werden. Anschließend werden die relevanten rechtlichen Rahmenbedingungen aufgezeigt und die einzelnen Schritte und Möglichkeiten für eine Geschäftstätigkeit beschrieben. Dabei handelt es sich vor allem um die Bereiche Arbeitsmarkt, Markteinstieg sowie Steuer- und Gesellschaftsrecht. Ziel ist es u. a. auch Unternehmen bzw. Investoren, die an einer Investition in der Türkei interessiert sind, die Risiken und Chancen des Landes näher zu bringen.
1.2Landesüberblick
Das türkische Staatsgebiet erstreckt sich über die beiden Kontinente Europa und Asien, wobei mit Thrakien lediglich 3 % der Fläche auf den europäischen Teil entfallen. Europa und Asien werden durch den Bosporus (in Istanbul), das Marmarameer und die Dardanellen getrennt. Der am Bosporus gelegenen Metropole Istanbul kommt somit die Besonderheit zu, dass sie die einzige Stadt der Welt ist, die sich auf zwei Kontinente erstreckt.
Mit einer Gesamtfläche von 779.452 qkm ist die Türkei mehr als doppelt so groß wie die Bundesrepublik Deutschland. Sie grenzt im Nordwesten an Bulgarien und Griechenland, im Südosten an Syrien und den Irak und im Osten an den Iran, Armenien, Aserbaidschan und Georgien. Die Staatsgrenzen haben eine Länge von ca. 11.000 km, wovon etwa 8.300 km natürliche Wassergrenzen sind, im Norden das Schwarze Meer, im Süden das Mittelmeer und im Westen die Ägäis. Der insgesamt gebirgige Charakter ist auf die zwei massiven, zueinander parallel verlaufenden Bergketten im Landesinneren zurückzuführen. Anatolien wird längs der
Schwarzmeerküste vom Pontischen Gebirge und im Süden vom Taurus eingeschlossen. 2
Die Türkei besteht aus sieben Gebieten, die sich klimatisch und landschaftlich stark von einander unterscheiden. Die Region am Bosporus (Thrakien und Marmara) sowie die Ägais-Region sind geprägt von Hügeln und Wäldern und einer mediterranen Klima. In der Mittelmeerregion herrscht Mittelmeerklima, die den Anbau von Zitrusfrüchten, Erdnüssen und Tomaten ermöglicht. Das Klima in der Schwarzmeerregion ist subtropisch und sehr niederschlagsreich. Die vielen Wälder und Hügel dominieren auch hier das Landschaftsbild. Die Region Zentralanatolien mit heißen, trockenen Sommern und kalten Wintern bietet dagegen ein ganz anderes Landschaftsbild. Ostanatolien weist kurze, milde Sommer und schneereiche Winter auf, während die Region Südostanatolien heiße trockene Sommer und regenreiche Winter aufweist. Diese Region ist besonders günstig für den Anbau von Weizen, Wein, Pistazien und Oliven. 3
Abbildung 1: Landkarte der Türkei
Quelle: Welt-Atlas, http://www.welt-atlas.de/datenbank/karten/karte-4-591.gif
2 Vgl. Geographie-Bildung, online im Internet: http://www.cografyam.org/konum.htm, Abruf 03.08.2008
3 Vgl. Beyer, Uta; Heidinger, Peter J.; Tektasli, Yesim: Business Guide Türkei, 1. Auflage, Düsseldorf 2007, S. 17f.
Die türkische Verwaltung ist zentralistisch organisiert. Das Staatsgebiet ist in 81 Provinzen (il) unterteilt, die jeweils von einem Gouverneur geleitet werden. Die Provinzen sind wiederum in 872 Landkreise (ilce) gegliedert, die einem Landrat unterstehen. Der Gouverneur und der Landrat werden vom Minister ernannt und dem Staatspräsidenten bestätigt. Im Gegensatz dazu werden die Städte und Gemeinden von der örtlichen Bevölkerung gewählt und nicht zentralistisch zugewiesen. In den Städten wird der Bürgermeister gewählt, in Großstädten mit mehr als 300.000 Einwohnern wird zusätzlich noch ein Oberbürgermeister gewählt. 4 Neben den 70 % Türken und 15 bis 20 % kurdischen Türken leben in der Türkei ca. 40 weitere ethnische Gruppen. Zu diesen Minderheiten gehören vor allem Araber, Zaza, Albener, Griechen, Armenier, Bosnier, Turkmenen und diverse Gruppen aus der Kaukasus-Region. Die Amtssprache der Türkei ist Türkisch, gesprochen werden jedoch knapp 70 Sprachen und Dialekte, von denen Kurdisch die größte Minderheitssprache darstellt. Mehr als 99,5 % der Türken sind Moslems. Christen und Juden sind mit einem Anteil von unter 0,3 % gering vertreten. 5 Die Geburtenrate der Türkei liegt bei 2,4. 54 % der Bevölkerung sind jünger als 30 Jahre und nur 8,9 % sind über 60 Jahre. Im Vergleich zu europäischen Ländern ist die Bevölkerung der Türkei jung. Mit einer Wachstumsrate von 1,2 % jährlich liegt die Türkei deutlich über westeuropäischen Werten. Mit ihren knapp 71 Mio. Einwohnern wäre die Türkei schon jetzt nach Deutschland auf dem zweiten Rang der bevölkerungsreichsten Länder der EU. 6 Momentan befinden sich etwa 19 % der Bevölkerung im schulpflichtigen Alter zwischen fünf und 14 Jahren. Die Regierung versucht mit großen Anstrengungen gegen die Lücken und Schwächen in den Bereichen Bildung und Ausbildung vorzugehen und vor allem die starke Jugendarbeitslosigkeit zu senken. 7
Im Rahmen der Erziehungsreform des Jahres 1997 wurde die gesetzliche Schulpflicht im Primärbereich von fünf auf acht Jahre erhöht. Nach der achtjährigen Schulpflicht können die Schüler zwischen einem drei- bzw. vierjährigen allgemein bildenden, fachlichen oder berufsbezogenen Gymnasium auswählen. Der Abschluss dieser Schulform berechtigt zur Teilnahme an der landesweit einheitlich durchgeführten Aufnahmeprüfung für
4 Vgl. Gün, Tatlican: Busuness mit der Türkei, 1. Auflage, Bern Stuttgart Wien 2006, S. 40f.
5 Vgl. Beyer, Uta; Heidinger, Peter J.; Tektasli, Yesim: Business Guide Türkei, 1. Auflage, Düsseldorf 2007, S. 20f.
6 Vgl. Angaben des Türkischen Statistikamts TUIK (Türkiye Istatistik Kurumu), online im Internet: http://tuikrapor.tuik.gov.tr/reports/rwservlet?adnks=&report=turkiye_yasgr.RDF&desformat=html&ENVID=adnksEn v i. V. m. Hemetsberger, Willi: Wirtschaftspartner Türkei, 1. Auflage, Wien 2007, S. 3f.
7 Vgl. Beyer, Uta; Heidinger, Peter J.; Tektasli, Yesim: Business Guide Türkei, 1. Auflage, Düsseldorf 2007, S. 83f.
das Hochschulstudium. Zurzeit besuchen etwa 2,4 Mio. Studenten die über 1.300 Hochschulen. Die Türkei bemüht sich mit einem Budget von 3,5 % des BIP, den Anforderungen im öffentlichen Bildungssystem gerecht zu werden und internationale Standards zu erreichen. 8
1.3Innen- und außenpolitische Lage
Innenpolitik
„Die Republik Türkei ist ein im Geiste des Friedens der Gemeinschaft, der nationalen Solidarität und der Gerechtigkeit die Menschenrechte achtender, dem Nationalismus Atatürks verbundener und auf den in der Präambel verkündeten Grundprinzipien beruhender demokratischer, laizistischer und sozialer Rechtsstaat.“ 9
Die Türkei ist seit der Gründung der Republik im Jahr 1923 ein Rechtsstaat in Form einer parlamentarischen Demokratie. Nach dem Wortlaut der derzeitigen Verfassung vom 07.11.1982 ein demokratischer, sozialer und laizistischer Staat, der u. a. die übliche Gewaltenteilung von Legislative, Exekutive und Judikative anerkennt. Das Parlament in Ankara bildet die Legislative. Die Gesetzgebung sowie Kontrolle der Regierung ist die Aufgabe der Parlamentarier. Die Volksvertreter und seit 2007 auch der Staatspräsident werden alle fünf Jahre vom Volk gewählt. Zur Änderung der Verfassung ist eine Zweidrittelmehrheit im Parlament notwendig, zum Beschluss einfacher Gesetze reicht hingegen die absolute Mehrheit. Das türkische Wahlrecht sieht für den Einzug von Kleinparteien ins Abgeordnetenhaus eine zehnprozentige Hürde vor.
Der Staatspräsident steht an der spitze der Exekutive, er ist der oberste Vertreter des türkischen Staates. Zu seinen Aufgaben gehören vor allem, den Ministerpräsidenten mit der Bildung einer Regierung zu beauftragen. Er überwacht die Anwendung der Verfassung und kann u. a. die verabschiedeten Gesetze zur neuerlichen Begutachtung zum Parlament zurücksenden sowie das Verfassungsgericht anrufen. Die Sicherheitsexekutive obliegt im ländlichen Raum der Gendarmerie, als eine Militäreinheit der dem Oberbefehlshaber der türkischen Streitkräfte und nur im inhaltlichen Bereich dem Innenminister.
8 Vgl. Gülec, Akif: Geschäftstätigkeit in der Türkei, 1. Auflage, Marburg 2008, S. 18ff. i. V. m. Türkischer Hochschulrat YÖK (Yüksek Ögretim Kurulu): Bericht 2003 - 2007, online im Internet: http://www.yok.gov.tr/duyuru/Rapor-07.pdf; Abruf 04.08.2008
9 Vgl. Die Verfassung der Republik Türkei, Erster Teil, Artikel 2, Stand 06.06.2008, online im Internet: http://www.tuerkei-recht.de/Verfassung.pdf, Abruf 21.07.2008
Die Judikative ist die Aufgabe der unabhängigen Gerichte in der Türkei. „Die Richter sind in der Ausübung ihrer Ämter unabhängig; sie sprechen die Urteile gemäß ihrem Gewissen in Übereinstimmung mit der Verfassung, den Gesetzen und dem Recht (..).“ 10 Der Verfassungsgerichtshof (Anayasa Mahkemesi), dessen Richter auf Lebenszeit bestellt werden, ist die höchste juristische Instanz des Landes, gefolgt von den Verwaltungsgerichten und anschließend den ordentlichen Gerichten (Straf- und Zivilgerichte). Hauptaufgaben des Verfassungsgerichtshofs sind, die Überprüfung der Verfassungsmäßigkeit der Gesetze, die Funktion als Staatsgerichtshof und das Verbot von politischen Parteien. Das türkische Gerichtswesen besteht bei Straf- und Zivilsachen aus zwei Instanzen, Tatsacheninstanz und Revision. Eine Berufung existiert momentan nur bei der Verwaltungsgerichtsbarkeit, die aus den Verwaltungsgerichten, Steuergerichten, Regionalverwaltungsgerichten und dem Verwaltungsgerichtshof besteht. 11
Die Türkei achtet als laizistischer Staat zum einen auf die Trennung von Religion und Staat und fürchtet die Gefahr eines politischen Islam, zum anderen versucht sie als zentralistischer Einheitsstaat mit allen Mitteln die Gefahr eines Auseinanderbrechens zu verhindern. Der zu den vier Grundprinzipien der türkischen Republik zählende Laizismus ist jedoch stets umstritten gewesen. Seit Gründung der Türkei hat es immer wieder Versuche gegeben, über islamistische Parteien der Religion mehr Einfluss auf den Staat zu verschaffen. Sie sind jedoch immer wieder verboten worden. Hierzu zählen die Refah - Partei (1998) und Fazilet - Partei (2001). Nach diesen Verboten wurden zwei neue Parteien gegründet. Die islamistisch Traditionalisten schlossen sich unter Kutan in der Saadet -Partei zusammen, die Reformer in der AKP unter Recep Tayip Erdogan. Bei den vorgezogenen Parlamentswahlen am 03.11.2002 ging die AKP als Sieger hervor. Die Partei des früheren Istanbuler Bürgermeisters Recep Tayip Erdogan erhielt 34,2 % der Stimmen und konnte damit mit 363 der 550 Abgeordneten die absolute Mehrheit in der Nationalversammlung stellen. Die einzige andere Partei, die es über die 10 % Hürde schaffte war die CHP unter Deniz Baykal und übernahm die Rolle der Opposition. Erstmals in der Geschichte der Türkischen Republik beschränkte sich das Parlament auf jeweils eine Regierungs- und eine Oppositionspartei. Nach einer Verfassungsänderung im März 2003 konnte der wegen einer Rede verurteilte Parteichef Erdogan zum Ministerpräsidenten ernannt werden. In den vorgezogenen Wahlen vom 22.07.2007 konnte die AKP erneut mit überwältigender Mehrheit gewinnen und ihre Stimmanteile gegenüber 2002 um 12 % steigern. Die Opposition bildeten dann CHP, MHP und die
10 Vgl. Die Verfassung der Republik Türkei, Dritter Teil, Artikel 138, Stand 06.06.2008, online im Internet: http://www.tuerkei-recht.de/Verfassung.pdf, Abruf 21.07.2008
11 Vgl. Caliskan, Caglayan: Wirtschaftspartner Türkei, 1. Auflage, Heidelberg 2007, S. 195ff.
Kurdenorientierte DTP. Mit dieser Ausgangslage konnte der ehemalige Außenminister Abdullah Gül zum 11. Staatspräsidenten der Türkischen Republik gewählt werden. Mit dem Staatspräsidenten, dem Parlamentspräsidenten sowie dem Ministerpräsidenten besetzt die AKP die drei wichtigsten Ämter des Landes und hat dementsprechend freie Bahn für die Umsetzung ihrer politischen Agenda. 12
Trotz der Skepsis und der Kritiken aus allen Richtungen konnte die Einparteiregierung für die nötige Stabilität sorgen. Die AKP sieht sich selbst als Reform orientierte konservative Volkspartei und lehnt das Attribut "islamisch" ab. Ihre innenpolitischen Gegner unterstellen ihr gleichwohl eine schleichende Islamisierungspolitik. 13
Eine vom Parlament verabschiedete und von Staatspräsident Gül bereits gebilligte Verfassungsänderung zur Lockerung des Kopftuchverbots hat das Verfassungsgericht Anfang Juni 2008 annulliert. Einen weiteren Höhepunkt fand die Auseinandersetzung im Verbotsantrag des türkischen Generalstaatsanwalts vom März 2008 gegen die regierende AKP beim Verfassungsgericht. Das Verfassungsgericht hat den Antrag auf ein Parteiverbot der AKP am 30.07.2008 abgelehnt. Es strich der Partei allerdings die Hälfte der staatlichen Finanzierungszuschüsse. 14 Außenpolitik
Die Türkei betreibt eine aktive, regional ausgreifende Außenpolitik. Die Beziehungen zu zahlreichen Staaten im Nahen und Mittleren Osten wurden unter der AKP-Regierung intensiviert und die bilateralen Beziehungen zu den Nachbarstaaten verbessert. Ebenso den Beziehungen zu Russ-land, Irak, Iran und insbesondere Syrien wird eine große Bedeutung beigemessen. Die AKP-Regierung will als Mittler zwischen dem Westen und der islamischen Welt fungieren und stabilisierend wirken. Darüber hinaus ermutigt sie Partner wie Afghanistan und Pakistan, Israel und die palästinensischen Gebiete, zu denen sie selbst gute Beziehungen unterhält, zur Verbesserung ihres bilateralen Verhältnisses. 15
12 Vgl. Auswärtiges Amt: Innenpolitik, online im Internet:
http://www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/Laenderinformationen/Tuerkei/Innenpolitik.html#t4, Stand Juli 2008, Abruf 04.08.2008 i. V. m. . Gülec, Akif: Geschäftstätigkeit in der Türkei, 1. Auflage, Marburg 2008, S. 18 31ff.
13 Vgl. Auswärtiges Amt: Innenpolitik, online im Internet:
http://www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/Laenderinformationen/Tuerkei/Innenpolitik.html#t4, Stand Juli 2008, Abruf 04.08.2008
14 Vgl. Auswärtiges Amt: Innenpolitik, online im Internet:
http://www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/Laenderinformationen/Tuerkei/Innenpolitik.html#t4, Stand Juli 2008, Abruf 04.08.2008
15 Vgl. Auswärtiges Amt: Innenpolitik, online im Internet:
http://www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/Laenderinformationen/Tuerkei/Aussenpolitik.html, Stand März 2008, Abruf 04.08.2008
Zu den außenpolitischen Anstrengungen gehören auch die EU-Beitrittsbemühungen. Heute blickt die Türkei auf mehr als vier Jahrzehnte Verhandlungen mit der EU zurück. Der Grundstein wurde am 12.09.1963 mit der Unterzeichnung des Assoziationsabkommens zwischen der Türkei und der EWG gelegt. Als Vorbereitung auf die Vollmitgliedschaft folgte im Jahr 1996 die Einrichtung einer Zollunion zwischen der EU und der Türkei. Aufgrund der positiven Entwicklungen und des Reformtempos der AKP-Regierung wurden die Beitrittsverhandlungen am 03.10.2005 aufgenommen. Neben dem Status des EU-Beitrittskandidaten besitzt die Türkei noch weitere wichtige internationale Verflechtungen, wie zahlreiche Mitgliedschaften in überstaatlichen Organisationen. Die bedeutendsten sind die EBRD, das Europarat, die D-8, die G-20, Interpol, NATO, OSZE, O-ECD, OIC, BSEC, UNO, WHO und OATCT. 16
1.4Allgemeine Wirtschaftslage
Das vom IWF im Mai 2005 verordnete Standby-Abkommen, das eine neue Kreditzusage von 10 Mrd. USD enthielt, um die Schuldentilgung der Türkei zu erleichtern und die Aussicht auf eine EU-Vollmitgliedschaft in Oktober 2005 führten zur Stabilisierung der türkischen Wirtschaft in den vergangenen Jahren. Unterstützt wurde diese Entwicklung zusätzlich durch den wirtschaftsfreundlichen und liberalen Kurs der Einparteienregierung des Ministerpräsidenten Recep Tayip Erdogan. Wirtschaftsvertreter erwarten für die nächsten Jahre ein vergleichbares Wachstum, eine Fortsetzung der Reformpolitik, den Abbau von internen politischen Spannungen und höhere ausländische Direktinvestitionen. 17 Seit geraumer Zeit vollzieht die Türkei einen Wandel von einer Agrarorientierten zu einer Dienstleistungsorientierten Wirtschaft. Der relative Anteil der Landwirtschaft zum BIP beträgt im 1. Quartal 2008 nur 5,0 %. Deutlich wird die Entwicklung, wenn man bedenkt, dass noch im Jahr 1999 knapp 15 % des BIP in diesem Sektor erwirtschaftet wurde. 18
16 Vgl. Steinbach, Udo: Geschichte der Türkei, 4. Auflage, München 2007 S. 66 ff. i. V. m. Gülec, Akif: Geschäftstätigkeit in der Türkei, 1. Auflage, Marburg 2008, S. 41f.
17 Vgl. Auswärtiges Amt: Finanzpolitik, online im Unternet:
http://www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/Laenderinformationen/Tuerkei/Wirtschaft.html, Stand April 2008, Abruf 05.08.2008 i. V. m. Bagoglu, Necip: Türkei steht vor einem neuen Wachstumsschub, in: bfai - Datenbank Länder und Märkte, online im Internet: https://www.bfai.de/nsc_true/DE/Navigation/Datenbank-Recherche/Laender-und-Maerkte/Recherche-Laender-und-Maerkte/recherche-laender-und-maerkte-node.html, Stand 30.07.2007, Abruf 05.08.2008
18 Vgl. Das staatliche Planungsamt DPT (Devlet Planlama Teskilati Müsresarligi): Wirtschaftsbericht 4. Quartal 1999, 4. Quartal 2007 und 1. Quartal 2008, online im Internet: http://ekutup.dpt.gov.tr/tg/ , Abruf 05.08.2008
Trotzdem hat der Agrarsektor in der Türkei insbesondere im Osten und Südosten nach wie vor einen wichtigen Stellenwert, da in diesem Bereich immer noch ca. 30 % der Beschäftigten tätig sind. 19 Abbildung 2 zeigt die sektorale Verteilung des BIP in den letzten Jahren. Es wird deutlich, dass der Dienstleistungssektor weiter dominiert, während der Agrarsektor immer mehr an Bedeutung verliert.
Abbildung 2: Die Sektorale Verteilung des BIP in %
Eigene Erstellung: Quelle: Istanbul Chamber of Commerce: Economic Report 2007, http://www.ito.org.tr/ITOPortal/Dokuman/Kitaplar/2007-65.pdf Nach 1980 erlebte die Türkei einen bemerkenswerten Aufschwung. Zwischen 1981 und 2000 ist die Wirtschaft des Landes durchschnittlich um 4,5 % gewachsen. Diese Wachstumsraten verdankt die Türkei zum einen, dem Wandel vom Agrarsektor hin zum Dienstleistungssektor, der Modernisierung der existierenden Industrie und zum anderen dem internationalen Handel und Wettbewerb. Das Bruttoinlandsprodukt stieg im Jahr 2007 um 4,5 %, davon erwirtschaftete der Dienstleistungssektor 3,7 % und wuchs im selben Jahr um 5,0 %, der Industriesektor 1,5 % und wuchs um insgesamt 5,5 %. Die restlichen -0,7 % wurden im Agrarsektor erwirtschaftet, der relative Anteil an der Gesamtleistung ging jedoch um -6,8 % zurück. In den letzten fünf Jahren ist das BIP durchschnittlich um 7,4 % expandiert und lag 2007 bei 659 Mrd. USD, womit die Türkei ihren Platz unter den 20 größten Volkswirtschaften der Welt behaupten konnte. Mit einem Pro-Kopf-Einkommen von etwa 9.333 USD liegt die Türkei jedoch noch weit hinter dem EU 25-Durchschnittswert, der sich um 26.066 USD beläuft. 20
19 Vgl. Gülec, Akif: Geschäftstätigkeit in der Türkei, 1. Auflage, Marburg 2008, S. 50
Abbildung 3 zeigt die Entwicklung des BIP in den letzten zehn Jahren. Das negative Wachstum in 1999 ist zurückzuführen auf das Erdbeben in Izmit. Das schwere Erdbeben verursachte Schäden in der Infrastruktur und in der Wirtschaft bis zu 25 Mrd. USD. Im geschädigten Gebiet war ein Großteil der heimischen Industrie konzentriert. Die Katastrophe wirkte sich negativ auf die ohnehin sich in einer Rezession befindenden Wirtschaft und somit auch auf das BIP Wachstum. 21 In 2001 war die Finanzkrise des Landes verantwortlich für das schlechte Ergebnis. Die Türkei konnte auch diese Krise überwinden und verzeichnet seit 2002 hohe Wachstumsraten.
Abbildung 3: BIP Wachstum in %
Eigene Erstellung: Quelle: Istanbul Chamber of Commerce: Economic Report 2007, http://www.ito.org.tr/ITOPortal/Dokuman/Kitaplar/2007-65.pdf
20 Vgl. Auswärtiges Amt: Türkei allgemeine Informationen, online im Internet: http://www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/Laenderinformationen/01-Laender/Tuerkei.html, Stand April 2008, Abruf 05.08.2008 i. V. m. TUIK: BIP 1. Quartal 2008, online im Internet: http://www.tuik.gov.tr/PreTablo.do?tb_id=55&ust_id=16, Stand 30.06.2008, Abruf 05.08.2008
21 Vgl. Berlin Zeitung: Das Beben trifft die Türkei in einer schweren Rezession, online im Internet: http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/1999/0821/none/0017/index.html, Stand 21.08.1999, Abruf 30.08.2008
Arbeit zitieren:
Deniz Lara Yilmazoglu, 2008, Investitionsbedingungen für deutsche Unternehmen in der Türkei, München, GRIN Verlag GmbH
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Identitätsbildung: Implikationen für globale Unternehmen und Regionen
Dt. /Franz.
Christian Scholz
Steuer 2012 für Unternehmer, Selbstständige und Existenzgründer
Zeile für Zeile durch Ihre Ste...
Willi Dittmann, Gerhard Geckle, Dieter Haderer, Rüdiger Happe
Steuer 2012 für Unternehmer, Selbstständige und Existenzgründer
Zeile für Zeile durch die Steu...
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