1. Einleitung. 3
2. Grundbegriffe 4
3. Die Theorie von Eugenio Coseriu 6
3.1. Die Sprache bei Coseriu 7
3.2. Der Sprachwandel bei Eugenio Coseriu 8
3.3. Kritik an Coseriu 11
4. Die unsichtbare Hand im Sprachwandel. 12
4.1. Das Mandewille-Paradox. 12
4.2. Die Weiterentwicklung des Mandewille-Paradoxes. 14
4.3. Die unsichtbare Hand im Sprachwandel. 16
4.4. Gegenargumente zur unsichtbaren Hand im Sprachwandel 18
5. Abschluss 19
6. Literatur 20
2
1. Einleitung
Wie wir wissen, kann eine Sprache unter zwei Hauptaspekten untersucht werden. Man kann sie synchron untersuchen, das heißt, dass die Sprache zu einem bestimmten Zeitpunkt untersucht wird, wobei wir davon absehen, dass sie sich mit der Zeit ändert. Die andere Methode - die meiner Meinung nach viel interessanter ist, da sie vieles aus der Geschichte eines Volkes aufdecken kannist selbstverständlich die diachrone, also die zeitlich vergleichende, wobei wir die Sprache für das ständig sich verändernde Werkzeug des Menschen anerkennen, die sie in Wirklichkeit ist, so vielfältig, wie ihre Benutzer selbst. Aus diesem Grund habe ich dieses Thema für meine Semesterarbeit gewählt, da Sprachwandeltheorien ein wichtiger Teil der diachronen Sprachwissenschaft, und für mich deshalb äußerst interessant sind. So werde ich in dieser Arbeit die Sprachwandeltheorien einzeln untersuchen, wobei ich auf die eventuellen Fehler der Theorien eingehe und diese zu korrigieren versuche. Im ersten Teil werde ich die grundlegenden Faktoren und Termini des Sprachwandels erklären und soweit es nötig ist, durch Beispiele veranschaulichen. Danach werde ich, die kausale und finale Sprachwandeltheorie zusammen mit ihren Vertretern analysieren und auf Mängel der einzelnen Theorien hinweisen bzw. anhand konkreter Beispiele deutlich machen. Danach werde ich die sogenannte finale Sprachwandeltheorie von Eugenio Coseriu erläutern und wie im vorigen Kapitel, ihre Fehler anhand konkreter Beispiele zeigen. Das vierte Kapitel werde ich der Sprachwandeltheorie des deutschen Linguisten Rudi Keller widmen. Hierbei ist die originelle und interessante Angehensweise von Keller zu bemerken, wie er mit einer Theorie aus der Ökonomie und Wirtschaft die grundlegenden Mechanismen des Sprachwandels beschreibt, die anscheinend bei allen Sprachen ihre Gültigkeit haben. Trotz der gut durchdachten Argumentation hat jedoch auch diese These ihre Schwächen, was ich natürlich auch versuche nachzuweisen. So hat weder der Mandewillesche-Paradox noch die Theorie von der unsichtbaren Hand im wahren
3
Leben 100% Gültigkeit, nur in einer total freien Wirtschaft. So funktionieren diese Thesen auch in der Sprachwissenschaft nicht ganz tadellos, nur wenn wir die von außen wirkenden Faktoren außer Acht lassen. Im letzten Kapitel werde ich schließlich zeigen, dass die kausale und die finale Angehensweise zusammen am besten geeignet sind, für die Erklärung des Sprachwandels.
2. Grundbegriffe
In diesem Kapitel möchte ich eine kurze Übersicht über die grundlegenden Definitionen, Faktoren und Ebenen des Sprachwandels geben, die meiner Meinung nach ausschlaggebend für das Verständnis der einzelnen Sprachwandeltheorien sind. So werden wir in den folgenden Kapiteln sehen können, ob die genannte Theorie den phonologischen-, morphologischen-, syntaktischen-, semantischen-, lexikalischen-, sowie den pragmatischen Wandel gleichermaßen erklärt bzw. begründen kann. Wenn die Analyse in einem oder mehreren Fällen negativ ausfällt, so können wir mit großer Wahrscheinlichkeit behaupten, dass die Theorie in der Praxis ungenügend ist und mit anderen Theorien kombiniert werden muss, um alle Bereiche des Sprachwandels abzudecken.
Wie wir aus der diachronen Sprachforschung erfahren haben, verändern sich alle Sprachen mit der Zeit, auch die deutsche Sprache ist keine Ausnahme. Das betrifft alle sprachlichen Ebenen, also die phonologische-, morphologische, lexikalische-, syntaktische-, Text-, Graphem- und Intonationsebene zusammen. Die Wandel aller Ebenen müssen nicht alle zur gleichen Zeit geschehen, können aber simultan verlaufen bzw. sich überlappen. Das heißt dass, Sprachwandelerscheinungen nicht gleichförmig verlaufen, sondern
unterschiedlich hinsichtlich ihrer Geschwindigkeit, Art, Bedingungen und beteiligter Sprachteilnehmer sind. 1 Sprachgeschichtsforscher unterscheiden
1 vgl. Ernst 2005, S.29
4
zwischen inner- und außersprachlichen Faktoren, die den Sprachwandel bedingen.
Innersprachliche Faktoren sind solche Einflüsse, deren Wurzeln in der Sprache selbst zu finden sind. Zu diesen zählen wir also die Sprachökonomie, den Abbau der Markiertheiten, kumulative Prozesse und Regelveränderungen der Sprache. Unter Sprachökonomie verstehen wir, dass man mit dem geringsten Aufwand den größtmöglichen Effekt erzielen möchte. 2 Wie im wirklichen Leben möchte man auch in der Sprache das Wenigste dafür zahlen, was man möchte. Den Abbau der Markiertheiten können wir in etwa so erklären, dass in der Sprache die natürlichen Einheiten, also die, die wir am häufigsten benutzen, immer unmarkiert sind. Dementsprechend sind die am seltensten benutzen Einheiten markiert. Unter kumulativen Prozessen verstehen wir, das die Sprache einem Auswahlprozess ausgesetzt ist, die kein konkretes Ziel verfolgt. Einflüsse auf die Sprachen deren Ursprung eher in den gesellschaftlichen Verhältnissen zu finden ist, nennen wir außersprachliche Faktoren. Zu diesen zählen wir also: Kulturgüteraustausch, politische Entwicklungen, räumliche Gegebenheiten, gezielte Eingriffe und historische Entwicklungen.
Kulturgüteraustausch ist der Einfluss benachbarter Völker oder Nationen auf die Einrichtungen oder Vorstellungen und so auch auf die Sprache eines anderen Volkes. (z.B. Anglizismen heutzutage). Die Politik kann auch eine große Wirkung vor allem auf die Lexik einer Sprache ausüben. Nicht nur in Diktaturen ist dies der Fall, sondern auch in entwickelten Demokratien, in Form von Verordnungen und sogenannten politisch korrekten Ausdrücken. Unter dem Einfluss der räumlichen Gegebenheiten auf die Sprache verstehen wir die natürlichen Barrieren, die Sprachvarietäten und sogar ganze Sprachen dadurch trennen, dass die Menschen sie nicht überqueren können. Heutzutage ist dies in entwickelten Gebieten nicht mehr ausschlaggebend, weil durch die technische Entwicklung diese Barrieren fast alle überwunden wurden. Gezielte Eingriffe auf eine Sprache lassen sich in
2 vgl. Ernst 2005, S.32
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der Geschichte auch nachweisen, die zum Teil nicht beabsichtigt waren. Dies ist auch der Fall bei der Bibelübersetzung von Luther. Es gibt aber auch Fälle, so auch in der Ungarischen Geschichte, dass bestimmte Gruppen oder Personen eine gezielte Spracherneuerung beabsichtigen und durchführen, wie z.B. Kazinczy. Zu den historischen Entwicklungen, die auf die Sprachen einen Einfluss haben, zählen wir z. B., dass im Mittelalter die Verwaltungsgrenzen tatsächlich Grenzen der einzelnen Mundarten waren.
Wenn wir also den Sprachwandel sachlich und korrekt beschreiben wollen müssen wir all diese Faktoren in die Theorie einbeziehen, denn diese bedingen den Wandel aller sprachlichen Ebenen, also den Sprachwandel.
3. Die Theorie von Eugenio Coseriu
In meiner Arbeit möchte ich zunächst die Sprachwandeltheorie von Eugenio Coseriu behandeln, da diese früher verfasst wurde als Kellers Theorie. Um diese zu verstehen müssen wir zuerst seine Sprachauffassung verstehen, und die grundlegenden Begriffe, mit denen er arbeitet. Coseriu versteht die Sprache als Kulturphänomen, Tradition und Energeia (ἐνέργεια). Ich stütze mich hier hauptsächlich auf das Buch von Coseriu: Synchronie, Diachronie und Geschichte: Das Problem des Sprachwandels (1974).
3.1. Die Sprache bei Coseriu
Zuerst müssen wir entscheiden, ob Sprache ein Natur- oder Kulturphänomen ist, behauptet Coseriu. Naturphänomene sind kausal und Kulturphänomene final zu begründen. Die Sprache ist eindeutig ein Kulturphänomen, behauptet er. 3 Bei dieser Behauptung referiert der Autor auf die Sprachauffassung von John Dewey, worauf ich aber im Rahmen dieser Arbeit nicht näher eingehen kann. Die finale Begründung der Kulturphänomene wiederum geht auf Aristoteles‘ Metaphysik zurück. Demnach gibt es vier
3 vgl. Coseriu 1974, S. 36
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Arbeit zitieren:
Milán Győrfi, 2009, Sprachwandeltheorien im Vergleich, München, GRIN Verlag GmbH
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