Sylwia Lindhorst Kennen Sie den schon?
Eine kurze wissenschaftlich-kulturelle Überlegung über den Witz in Deutschland und in Polen.
Deutschland aus seinem Dornröschen-Schlaf. 4
1. Der polnische Witz
Der polnische Witz ist ironisch, sehr oft gegen sich selbst gerichtet, schneidend. Dass Ernst und Spaß in Polen eng verbunden sind, beweist die Satire von Ignacy Krasicki (1735-1801), der Fürstbischof von Ermland war, über die angespannten Beziehungen zwischen den Herren und den Knechten:
„Ein Hund verjagte die Diebe, er bellte die ganze Nacht.
Er wurde bestraft, weil den Herrn sein Gebell um den Schlaff gebracht. Zur nächsten Nacht schlief er und ließ die Beute den Diebgesellen. Man prügelte ihn noch mehr, weil er versäumte zu bellen.“ 5
Schon damals hatte diese Form von Humor zum Ziel gehabt, den Menschen ihre schwere Lage durch Lachen zu erleichtern. Eine der Eigenschaften des polnischen Witzes ist es, dass man sich über sich selbst lustig machen kann. Man lacht gerne über sich selbst. Selbstironie ist im polnischen Alltag allgegenwärtig.
Auf den polnischen Witz hat auch die römisch-katholische Tradition einen großen Einfluss, sie beeinflusst auch die geistige Seite der Menschen. Die Polen driften zwischen einerseits Selbstgeißelung und andererseits Selbstüberschätzung, was sehr oft den Stoff für Witze und Karikaturen liefert. Auf der östlichen Seite der Oder herrscht der schwarze Humor. Die Mundart ist eine Besonderheit, die den Witz noch stärker wirken lassen kann. In Polen lacht man auch gerne über den schlesischen Witz.
4 www.welt.de/satire/article93422/Vom_Blitzkrieg_zum_Witzkrieg.html, 17.01.08, 11:23, von Steffen Möller: „Vom Blitzkrieg zum Weltkrieg“.
5 D. Scholze, 1993, S. 215.
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In diesem Witz ist der Dialekt witzig. Die meisten Witze über Schlesien handeln von Bergarbeitern, da es in dieser Region Polens viele Bergwerke gibt.
Eine kommunikative Funktion des Dialekts findet man in Kaszuby (im Norden Polens) oder Podhale (im Süden Polens, Regionen in Polen, wo noch Mundart gesprochen wird.). Um so einen Witz zu verstehen, braucht man allgemeine, geschichtliche, berufliche, regionale und auch mundartliche Kenntnisse.7
2. Der deutsche Witz.
Wer über den Witz in Deutschland und in Polen nachdenkt, könnte sich fragen, ob die Deutschen und die Polen anders lachen.
Es vergeht keine Woche in Deutschland ohne Lachen, ohne Witz, ohne Humor. Am besten ist es im Fernsehen zu sehen. Jeder Sender bietet mindestens zwei mal in der Woche eine Sendung mit Kabarettisten, oder über Karneval, oder Ausschnitte aus den zu Hause aufgenommen Videofilmen, oder aber tollpatschige Auftritte aus den Talk-Shows. Man lacht sehr gerne in Deutschland. Der Witz ist aber nicht so böse wie in Polen.
In Deutschland kann man über mehrere Mundarten sprechen, die man nach geografischen Kriterien
6 http://wice.dowcipy.pl/, 21.07.08, 16:23. 7 Skudrzykowa (2000), S. 152.
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einteilen und daran die Eigenschaften des Witzes erkennen kann. In den meisten Ländern sind die Hauptschauplätze der Witze größere Städte.
Wenn man nach diesem Prinzip vorgeht, kann man über den deutschen Witz Folgendes sagen: Der Berliner Witz ist objektiv und schlagfertig. Im Zentrum steht die Komik des Objekts.8 Dagegen ist der sächsische Witz melancholisch und er ist eine Beichte, ironische Selbstschau. 9 Der bayerische Witz charakterisiert sich durch Selbstbehauptung. Der bayerische Witz ist selbstausgedacht.10 Für den Kölner Humor ist eine Art Gestalten-Dialektik typisch: Tünnes und Scheel, Pitter und Tünnes.11
3. Der Witz in Deutschland und in Polen
Eine Bemerkung eines „taz“ 12 -Journalisten über den polnischen Präsidenten Lech Kaczynski war ein Grund um auf polnischer Seite böse Witze und Karikaturen über Deutschland zu entwerfen. Die bekannteste Antwort war ein Bild auf der Titelseite der Zeitschrift „Wprost“, auf der Angela Merkel mit entblößten Brüsten dargestellt wurde, mit den Kaczynski-Zwillingen an einer Brust jeweils.
13
8 Ebenda, S. 7.
9 Ebenda, S. 5. 10 Ebenda, S. 4. 11 Ebenda, S. 10-11.
12 www.taz.de, 27.02.08, 10:22. taz.de veröffentlichte am 26.06.06 einen Artikel von Peter Köhler unter dem Titel: „Polens neue Kartoffel“, der zu heftigen Diskussionen in Polen führte. Als Antwort auf diesen Artikel veröffentlichte man das obere Titelblattbild der Zeitschrift „Wprost“.
13 Wprost Nr. 26/2007 (1279) auf http://www.wprost.pl/ar/?O=108933, 15.07.08, 15:40.
Arbeit zitieren:
Sylwia Lindhorst, 2009, Kennen Sie den schon?, München, GRIN Verlag GmbH
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