Danksagung
Ein besonderer Dank gilt an dieser Stelle Herrn Univ.-Prof. Dr. Helmut Pernsteiner für seine Bemühungen und den erbrachten Zeitaufwand im Zuge der Zusammenarbeit für diese Master Thesis sowie des Universitätslehrganges Aufbaustudium Finanzmanagement.
Weiters möchte ich mich speziell bei meiner Familie bedanken.
Ohne die Unterstützung meiner Eltern, Geschwister, Bekannten und Freunde wäre es mir wohl in diesem Zeitraum nicht möglich gewesen, diese Arbeit fertig zu stellen. Ihre positive und motivierte Einstellung zum Leben hat mich in diesen Monaten des Schreibens und im privaten Bereich steht`s mit Kraft und Energie beflügelt.
Andreas Friedmann
Anmerkung:
„Es sei darauf hingewiesen, dass zur besseren Lesbarkeit im Text auf eine geschlechtsneutrale Schreibweise verzichtet wurde. Soweit personenbezogene Bezeichnungen nur in männlicher oder weiblicher Form angeführt sind, beziehen sie sich auf Männer und Frauen in gleicher Weise.“
Andreas Friedmann
Auswirkungen von Basel II auf die KMU-Finanzierung
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 1
2 KMU-Finanzierung in der Vergangenheit und jetzt 2
2.1 Definition KMU 2
2.2 Bedeutung der KMU in Österreich 3
2.3 Finanzierungssituation der KMU in Österreich 5
2.4 Kosten klassischer Kreditfinanzierung. 7
2.5 Bedeutung von alternativen Finanzierungsinstrumenten 10
3 Basel II. 11
3.1 Von Basel I zu Basel II 11
3.2 Basel II 14
3.2.1 Erste Säule - Mindestkapitalanforderung 15
3.2.1.1 Standardansatz. 15
3.2.1.2 IRB-Ansatz. 17
3.2.1.3 Operationelles Risiko 19
3.2.1.4 Marktrisiko 21
3.2.2 Zweite Säule - Aufsichtliches Überprüfungsverfahren 21
3.2.3 Dritte Säule - Marktdisziplin 22
4 Auswirkungen auf die Kreditvergabebereitschaft bei Banken. 25
4.1 Zukünftige Bedeutung des Bankkredits 26
4.2 Rating 26
4.2.1 Ratingarten 27
4.2.1.1 Externes Rating 27
4.2.1.2 Internes Rating 28
4.2.1.2.1 Hard Facts 29
4.2.1.2.2 Soft Facts. 31
5 Auswirkungen auf Unternehmen. 33
5.1 Unternehmen und Rating 33
5.2 Maßnahmen zur Bonitätsverbesserung 34
5.3 Die Zukunft des Hausbankenprinzips 36
5.4 Alternative Unternehmensfinanzierungsinstrumente 36
Andreas Friedmann
Auswirkungen von Basel II auf die KMU-Finanzierung
6 Reale Meinungen über mögliche Auswirkungen von Basel II 38
6.1 Interviews 38
7 Schlusswort 47
8 Literaturverzeichnis 48
Andreas Friedmann
Auswirkungen von Basel II auf die KMU-Finanzierung
Abbildungsverzeichnis
Abb. 1: Definition KMU
Abb. 2: Beschäftigungsstatistik 2002.
Abb. 3: Insolvenzen in Österreich.
Abb. 4: Kreditfinanzierung bei Unternehmen.
Abb. 5: Preiskalkulation für Kredite
Abb. 6: Kreditzinssätze für Unternehmen im Neugeschäft.
Abb. 7: Der „Drei-Säulen-Ansatz“ von Basel II
Abb. 8: Gewichtungsfaktoren für eine risikoabhängige Eigenkapitalunterlegung von Banken
nach dem Standardansatz
Abb. 9: Gegenüberstellung der Ansätze.
Abb. 10: Vier Grundsätze des aufsichtsrechtlichen Überprüfungsverfahrens
Abb. 11: Mit der Markttransparenz verbundene Pflichten für die Banken
Abb 12: Bedeutung und Gewichtung der Hard- und Soft Facts
Abkürzungsverzeichnis
bspw. Beispielsweise bzgl. Bezüglich bzw. beziehungsweise ca. circa d.h. das heißt dgl. dergleichen etc. et cetera hrsg. herausgegeben lt. Laut FMA Finanzmarktaufsicht EAD Exposure at Default IRB Internal Rating Based KMU Klein- und Mittelunternehmen LGD Loss Given Default M Maturity ÖNB Österreichische Nationalbank PD Probability of Default u.v.m. und vieles mehr z.B. zum Beispiel
1 Einleitung
Das Stichwort „Basel II“ wurde in den vergangenen Jahren zunehmend ein Synonym für härtere Bedingungen für kreditsuchende Unternehmen. Vor allem kleine und mittelständische Unternehmen sind von dem Regelwerk und den damit verbundenen Änderungen bei der Kreditvergabe betroffen, da die Eigenkapitalausstattung ein zentrales Kriterium des neuen Rating-Verfahrens der Banken ist.
Die Meinungen von Experten auf die Fragen nach den Auswirkungen von Basel II auf die Finanzierung von KMU`s gehen sehr weit auseinander, von „katastrophal“ bis zur Befürwortung aufgrund der höheren Transparenz bei der Kreditvergabe.
Ziel dieser Arbeit ist die Aufarbeitung der Auswirkungen sowohl aus Bankensicht hinsichtlich der Kreditvergabebereitschaft als auch die Auswirkungen von Basel II auf die Unternehmen selbst.
Zur Erreichung der Ziele wurde folgende Vorgangsweise gewählt: Im ersten Teil werden die wirtschaftliche Situation von KMU`s sowie deren Finanzierungssituation dargestellt.
Das zweite Kapitel befasst sich mit dem Schlagwort „Basel II“. Es erfolgt eine Definition der zentralen Begriffe dieser sehr komplexen Thematik.
Die folgenden zwei Teile dieser Arbeit beschreiben die Auswirkungen von Basel II. Einerseits die Änderungen bei der Kreditvergabebereitschaft der Kreditinstitute und andererseits die Änderungen bei den Unternehmen.
Abgerundet wird diese Arbeit durch Stellungnahmen und reale Meinungen von Personen aus der Finanzbranche.
1
2 KMU-Finanzierung in der Vergangenheit und jetzt
2.1 Definition KMU
Europaweit sind fast ausnahmslos Klein- und Mittelbetriebe das Rückgrat der Volkswirtschaften. In den 25 Mitgliedsstaaten des erweiterten Europas gibt es etwa 23,5 Millionen KMU`s. Diese bilden eine wichtige Quelle für unternehmerische Fähigkeiten, beschäftigen nahezu 75 Mio. Menschen und machen rund 99% des Unternehmensbestandes aus. 1 Im Jahr 1996 wurde in einer Empfehlung der Europäischen Kommission eine klare, gemeinsame Definition für KMU`s aufgestellt, da es bis dahin in vielen Mitgliedsstaaten keine allgemeine Definition, sondern lediglich Regeln, die sich aus der Praxis ableiten gab. 2 Die gemeinsame Definition fand in der gesamten Europäischen Union breite Anwendung. Um den wirtschaftlichen Entwicklungen wie Inflation oder Produktivitätssteigerungen seit 1996 Rechnung zu tragen, nahm die Kommission am 6. Mai 2003 eine neue Empfehlung 2003/361/EG an. Diese neue Empfehlung enthielt neben Änderungen bei den Definitionsgrößen für kleine und mittlere Unternehmen auch eine Erweiterung um den Begriff Kleinstunternehmen. 3
Abb. 1: Definition KMU
1 Vgl. Bruckner, B. / Masopust, H. / Schmoll, A., Unternehmen - Finanzierung - Rating: WKÖ-Handbuch zur
erfolgreichen Rating - Vorbereitung, Wien 2004, S. 13
2 Vgl. http://ec.europa.eu/enterprise/enterprise_policy/sme_definition/sme_user_guide_de.pdf S. 6 am 25.02.08
um 21:35 Uhr
3 Vgl. http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=OJ:L:2003:124:0036:0041:DE:PDF am 25.02.08
um 21:07 Uhr
2
Miteinzubeziehen bei den angestellten Mitarbeitern sind alle Personen, die entweder beim Unternehmen angestellt oder die auf Rechnung des Unternehmens für das Unternehmen tätig sind. Personen in Karenz, in Freistellung oder in beruflicher Ausbildung stehend werden nicht berücksichtigt. Gemäß KMU-Definition wird zwischen drei Unternehmenstypen unterschieden: Eigenständiges Unternehmen, Partnerunternehmen, und Verbundenes Unternehmen. Die Unterscheidung erfolgt im Allgemeinen je nach Art der Beziehung(en) zu anderen Unternehmen hinsichtlich der Kapitalbeteiligung (Ausnahme z.B. Business Angels), der Kontrolle von Stimmrechten oder des Rechts zur Ausübung eines beherrschenden Einflusses. 4
2.2 Bedeutung der KMU in Österreich
Die kleinsten, kleinen und mittleren Unternehmen stellen das Rückgrat der österreichischen Wirtschaft dar. Mehr als 99% der österreichischen Unternehmen gehören den Kategorien der Kleinst-, Klein- und Mittleren Unternehmen an. 5 Sie beschäftigen mehr als 1,3 Millionen Menschen und erwirtschaften einen Gesamtumsatz von 275 Milliarden Euro. In Österreich stellen diese drei Kategorien 61% aller Arbeitsplätze in Unternehmen zur Verfügung und erwirtschaften mehr als 58% der österreichischen Bruttowertschöpfung. Mehr als 85% aller Lehrlinge werden in kleineren und mittleren Betrieben ausgebildet. 6
4 Vgl. http://www.ooe.gv.at/cps/rde/xbcr/SID-3DCFCFC3-A1512E4F/ooe/KMU_Definition.pdf am 25.02.08 um
21:37 Uhr
5 Vgl. Bruckner / Masopust / Schmoll, 2004, 14
6 Vgl. Bornett, W/ Bruckner, B. / Hammerschmied, H. / Masopust, H., Rating - Kennzahlen, 24 Branchen im
Vergleich, Wien, 2006, S. 6
3
Beschäftigten
10-19
20-49
50-249
250 u. mehr
Gesamt
Abb. 2: Beschäftigungsstatistik 2002
Die Insolvenzentwicklung in Deutschland ist eng mit der Finanzierungsstruktur des Mittelstandes verbunden. 7 Diese Verflechtung ist auch in Österreich sehr gut sichtbar. Die Anzahl der eröffneten Insolvenzen hat sich in den vergangenen 15 Jahren fast verdreifacht. Dasselbe Phänomen lässt sich auch im Bereich der gesamten Insolvenzen sowie der mangels Masse abgewiesenen Konkursanträge betrachten. Die Anzahl der durch die Insolvenzen betroffenen Dienstnehmer ist im 15 Jahres-Zeitraum nur leicht angestiegen. Dies lässt darauf schließen, dass in der jüngsten Vergangenheit vorrangig Unternehmen mit geringerer Mitarbeiterzahl - kleinste und kleine Unternehmen - von den Insolvenzen betroffen waren. 8
7 Vgl. Keiner, T., Rating für den Mittelstand - Wie Unternehmen ihre Bonität unter Beweis stellen und sich
günstige Kredite sichern, 1. Aufl., Frankfurt am Main 2001, S. 58
8 Vgl. http://wko.at/statistik/jahrbuch/insolvenzen.pdf am 26.02.08 um 20:16 Uhr
4
Abb. 3: Insolvenzen in Österreich
Die wirtschaftliche Entwicklung in den 90er Jahren hat gezeigt, dass die Anzahl der Insolventen ähnlich wie die Arbeitslosenquote einem merklichen konjunkturellen Einfluss unterliegt. Bereits eine geringe Abschwächung des gesamtwirtschaftlichen Wachstumstempos genügt, eine Zunahme von Insolvenzen und Arbeitslosigkeit auszulösen. Erst, wenn der Markt wieder die Wachstumsmarke von 2% überschreitet, fallen sowohl die Arbeitslosenrate als auch die Anzahl der Insolvenzen wieder zurück. 9
2.3 Finanzierungssituation der KMU in Österreich
Die Finanzierungssituation für kleine und mittlere Unternehmen in Österreich zeichnet sich zumeist durch eine äußerst geringe Eigenkapitalquote sowie eine sehr starke Abhängigkeit von der Kreditfinanzierung aus. Ein großer Teil der kleinsten und kleinen Unternehmen kann sehr wenig oder kein Eigenkapital aufweisen, und nicht selten liegt sogar ein nicht durch Eigenkapital gedeckter Fehlbetrag, ein so genanntes negatives Eigenkapital, vor. 10 Durch
9 Vgl. Weiß E., Das FERI Branchen Rating, in: Kreditrisiken erfolgreich managen - Risikokontrolle und
Risikosteuerung im Firmenkundengeschäft, hrsg. von Schmoll, A. Wien 1999, S. 217
10 Vgl. Paul, S., Basel II im Überblick, in: Basel II und MaK - Regulatorische Vorgaben, bankinterne Verfahren,
Bewertungen, hrsg. von Hofmann, G., Frankfurt am Main 2007, S. 18
5
diese bereits über viele Jahre beobachtbare und nach wie vor anhaltende Eigenkapitalschwäche bei Klein- und Mittelbetrieben kommt der Fremdfinanzierung in der Praxis eine weitaus größere Bedeutung zu, als der Eigenfinanzierung. Bereits ein Blick auf die Bilanzen der Universalbanken zeigt, dass das Kreditgeschäft mit den Firmenkunden nach wie vor einen bedeutenden Stellenwert einnimmt. 11
Die typische Kapitalstruktur eines österreichischen Unternehmens weist daher eine sehr hohe Fremdkapitalquote auf. Der Anteil der Bankverbindlichkeiten ist zwar in den letzen Jahren etwas rückläufig, hat aber mit rund 65% aller in Anspruch genommenen Finanzierungsformen global betrachtet noch immer einen überdurchschnittlich hohen Stellenwert. 12 Es ist daher nicht verwunderlich, dass die österreichischen Klein- und Mittelbetriebe im Vergleich mit anderen EU-Staaten ein Defizit in der Eigenkapitalquote aufweisen.
Banken und Unternehmen sind in einer Beziehungskrise, da sich die Rolle der Hausbank in der Mittelstandfinanzierung aufgrund der Veränderungen im Bankenumfeld geändert hat. Diese Veränderung hat dazu geführt, dass sich das Geschäft mit Kommerzkunden nicht nur differenzierter, sondern vor allem auch risikoreicher gestaltet. Durch die verschärfte Konkurrenzsituation unter den Kreditinstituten und die daraus resultierend rückläufigen Zinsmargen stehen die Banken unter einem enormen Ertragsdruck. Die dadurch wachsenden Belastungen prägen in nicht unwesentlichem Ausmaß die Erfolgsrechnungen unserer Banken. 13
Die Unternehmen stehen nun einer Bankenwelt gegenüber, die nicht mehr das „Gewohnheitsrecht“ auf einen zinsgünstigen Kredit einlöst, sondern immer häufiger auf eine Differenzierung der Konditionen nach Laufzeit und Bonität besteht. Bei manchen Geschäftsbanken war sogar ein öffentlich verkündeter Rückzug vom mittelständischen Langfristkredit zu hören. Diese Entwicklung führte letzen Endes durch die erschwerte Erhältlichkeit von Krediten für mittlere Unternehmensbonitäten zu einem volkswirtschaftlichen Problem. 14
11 Vgl. Schmoll, A., Kreditrisiken erfolgreich managen - Risikokontrolle und Risikosteuerung im
Firmenkundengeschäft, Wien 1999, S. 5
12 Vgl. Bruckner / Masopust / Schmoll, 2004, 16
13 Vgl. Schmoll, 1999, 5
14 Vgl. Stadler, W., Die neuen Spielregeln - Von der bankorientierten zur kapitalmarktorientierten
Finanzierungskultur, in: Die neue Unternehmensfinanzierung, hrsg. von Stadler, W., Frankfurt am Main 2004, S.
14
6
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MBA Andreas Friedmann, 2008, Auswirkungen von Basel II auf die KMU-Finanzierung, München, GRIN Verlag GmbH
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