1. EINLEITENDE GEDANKEN
Wir leben in einer Welt, die ohne Symbole undenkbar wäre. Wir kommen nicht aus ohne symbolische Sprache und symbolische Gesten. Man kann sich den Symbolen gar nicht entziehen, unentwegt sind wir mit Symbolik konfrontiert; sei es in der Werbung, bei Begrüßungen, in der Kirche, ...
Über Symbole wir sind miteinander verbunden, dies kann im positiven, wie im negativen Sinne sein. Selbst unsere Identität beziehen wir aus Symbolen, sei es im religiösen, im beruflichen oder im privaten Leben.
Genauso wie wir in unserem Alltagsleben auf Symbole angewiesen sind, so kommt auch die Religion nicht aus ohne sie. Die Religion braucht, ergänzend zum Wort, das Symbol, über das sie erfahrbar und gleichzeitig auch zugänglicher wird. Sie braucht das Symbol auf die gleiche dringende Weise, wie sie das Wort braucht, um sich ausdrücken zu können.
Aus der christlichen Symbolik ergeben sich vielzählige Rituale, über die wir unsere Glaubensgemeinschaft definieren und über die wir das Gefühl der Zugehörigkeit erfahren.
Da der Symboltheorie bzw. der Symboldidaktik eine so große Bedeutung zu kommt, hat sich diese mittlerweile auch im schulischen Bereich manifestiert und wurde im Lehrplan des katholischen Religionsunterrichts integriert. An dieser Stelle soll ein Zitat von Georg Hilger angeführt werden:
„Junge Menschen zu befähigen, eigene religiös-symbolische Ausdrucksformen zu suchen bzw. zu entwickeln, ist somit eine elementare religionsdidaktische Aufgabe.“ 1
Die vorliegende Arbeit thematisiert im ersten Teil die Theorie der Symbole. Es wird ein Einblick gegeben in die Ansätze von Hubertus Halbfas und Peter Biehl, da diese die heute ausschlaggebendsten Theorien darstellen, die im Religionsunterricht Orientierung geben. Aus diesen Gründen geht die Arbeit nicht ein auf die ersten Entwicklungen von Paul Ricoeur o. Ä., welchen den Modellen von Biehl und Halbfas zugrunde liegen.
1 Hilger, Georg: Symbollernen. In: Religionsdidaktik. Ein Leitfaden für Studium, Ausbildung und
Beruf. 3. Aufl. München: Kösel 2005, S. 330.
3
Gegenstand des zweiten Teils stellt das Symbol Kreuz dar. Die Bedeutung des Kreuzes, biblische Bezüge, Lehrplanbezug, sowie konkrete
Umsetzungsmöglichkeiten im Religionsunterricht sollen aufgezeigt werden. Die Ausführungen beziehen sich auf die Sekundarstufe im Hauptschulbereich.
Der Zusammenhalt der katholischen Kirche, der sich über das Kreuz symbolisiert, war für mich ausschlaggebend, mich in meinen Ausführungen für dieses zu entscheiden. Über das Kreuz ist die Religion erfahrbar und im Kreuz ist aller Sinn unseres Glaubens verwurzelt.
Ziel dieser Studienarbeit ist es, die Wichtigkeit und essentielle Bedeutung der Symbole im Allgemeinen, und im Speziellen die des Symbols Kreuz für den christlichen Glauben zu unterstreichen.
2. EINFÜHRUNG IN DIE SYMBOLTHEORIE
Das Wort 'Symbol' kommt aus dem Griechischen und leitet sich ab von 'symballein', was soviel heißt wie 'zusammenfügen', 'vergleichen'. 2 Man fügt etwas zusammen, was zusammen gehört. So sind Symbole als eine Art Zeichen zu verstehen, die prägnante Merkmale haben.
Viele namhafte Autoren und Religionspädagogen haben sich mit der Theorie der Symbole und der damit verbundenen Didaktik beschäftigt. Jeder einzelne von ihnen verweist auf eine andere Ebene der Symbole. So bestehen beispielsweise zwischen den Theorien von Hubertus Halbfas und Peter Biehl teils einige Diskrepanzen, welche die Komplexität des Symbolbegriffs und die damit verbundenen unterschiedlichen Deutungs- und Auslegungsmöglichkeiten verdeutlichen.
„Der Religionsunterricht in der Schule kommt nicht umhin, sich mit der
2 http://sts-ghrf-
ruesselsheim.bildung.hessen.de/ausbildungsmodule/ev_rel_grundlagen/material/Symboldidaktik-
Einführung.pdf, gefunden am 05.03.07.
4
Vielgestaltigkeit von Religion zu beschäftigen.“ 3 Des weiteren schreibt Georg Hilger in seinem Leitfaden der Religionsdidaktik, dass es Aufgabe des Religionsunterrichts sein muss, „Schülerinnen und Schüler in der religiösen Pluralität dialog- und kommunikationsfähig zu machen“. 4 Genau hier setzt die Symboldidaktik ein, die ein Mittel ist, die Komplexität der Religion zu erschließen und ihr näher zu kommen.
2.1 Symboltheorie nach Hubertus Halbfas
Hubertus Halbfas hat eine umfangreiche Symboltheorie geschaffen. Er gilt als der wichtigste katholische Vertreter, der eine ganze Lehrreihe von der 1. bis zur 10. Klasse für den katholischen Religionsunterricht konzipiert hat, daher soll im Folgenden ein Überblick über seine Theorie gegeben werden. Es muss jedoch angemerkt werden, dass bei Halbfas' Ansatz die kritischen Elemente der Symbole zu kurz kommen, beziehungsweise keine Berücksichtigung finden.
2.1.1 Merkmale des Symbols
Die Symboltheorie von Hubertus Halbfas baut auf der Annahme auf, dass Symbole verschiedene Eigenschaften haben.
So ist das charakteristischste Merkmal die Eigenschaft, „die empirisch geschlossene Oberfläche der Dinge aufzubrechen und eine dahinter verborgene Tiefe aufzudecken“ 5 , welche ja besonders in der Religion eine entscheidende Rolle spielt. Symbole weisen also über sich selbst hinaus auf etwas, das nicht direkt begreiflich und erklärbar ist; dieser Wirklichkeit kann über Symbole begegnet werden. 6 Ein weiteres wichtiges Merkmal des Symbols, welches sich hierdurch vom Zeichen abgrenzt, ist die Mehrdeutigkeit. 7 Symbole sind daher niemals eindeutig, sie lassen immer mehrere Bedeutungsebenen zu.
Des Weiteren wird mit ihnen immer eine affektive Komponente verbunden, 8 somit werden individuelle Gefühle mit den einzelnen Symbolen assoziiert.
3 Ziebertz, Hans-Georg: Gegenstand der Religionsdidaktik. In: Religionsdidaktik. Ein Leitfaden für
Studium, Ausbildung und Beruf. 3. Aufl. München: Kösel 2005, S. 18.
4 Ebd.
5 Halbfas, Hubertus: Religionsunterricht in der Grundschule. Lehrerhandbuch 1. 1. Aufl.
Zürich/Düsseldorf: Benziger-Patmos 1983, S. 256.
6 Ebd.
7 Ebd., S. 258.
8 Ebd.
5
Um zu erklären, was ein Symbol zu einem Symbol macht, führt Halbfas in seinen Erläuterungen Friedrich Creuzer an, der die Entstehung von Symbolen mit ihrer Deutung in engen Zusammenhang stellt. Halbfas interpretiert, dass erst durch die Miteinbeziehung einer weiteren, geistigen Wirklichkeit durch einen „erkennenden Vollzug“ 9 ein Symbol geschaffen werden kann.
Folglich brauchen wir Symbole, um unsere Religion erfahrbar und spürbar zu machen, wir geben unseren Symbolen eine geistige Wirklichkeit. Nach Halbfas sind Symbole eine authentische Sprache der Religion, die zum Ausdruck bringt, was die Religion selbst zu sagen hat. 10
2.1.2 Symbolische Sprache und Interpretation von Symbolen
Halbfas geht davon aus, dass die symbolische Sprache im Vergleich zur analogen Sprache nicht übertragbar ist auf eine Vergleichsebene. Zur Kategorie der symbolischen Sprache zählt er Mythen, Märchen, Sagen und Legenden. Daher vertritt er die Meinung, dass bereits in den ersten Schuljahren eine Begegnung mit elementarer, symbolischer Realität ermöglicht werden sollte. 11
Bezüglich der Interpretation warnt Halbfas davor, Symbole verbal zu erklären, denn dies würde bedeuten, „es sei möglich, das Symbol selbst durch rationale Begrifflichkeit zu ersetzen“ 12 . Bei der Erschließung von Symbolen eignet sich eher eine Beschreibung, die auf etwas hinweisen und Zusammenhänge andeuten kann, als eine Erklärung. Beim Zugang zu Symbolen steht die eigene Erfahrung an primärer Stelle. Wichtig ist, das Symbol erfahrbar zu machen, es selbst sinnhaft zu erfahren. 13
Als einen weiteren wichtigen Faktor, der bei der kindlichen Erschließung von Symbolen eine Rolle spielt, führt Halbfas die Geschichten an. „Sie sind aller Begrifflichkeit bar und darum geeignet, das Erlebnisfeld und die Erfahrungsintensität eines Symbols zu vermitteln.“ 14 Denn durch die Anregung der Fantasie und damit der Sinne, hat das Kind die Möglichkeit, Erfahrungen zu machen und sich langsam den
9 Ebd., S. 257.
10 Ebd.
11 Vgl. Halbfas, Hubertus: Religionsunterricht in der Grundschule. 1983, S. 255.
12 Ebd., S. 260.
13 Ebd., S. 261.
14 Ebd.
6
Symbolen zu nähern.
Auch bei der Verbindung von Symbolen und Bildern muss seinerseits wiederum berücksichtigt werden, dass es falsch wäre, eine Bedeutung zu konstruieren. Es muss ein gewisser „Spielraum“ gelassen werden, wie Halbfas es nennt, um bei der Interpretation nicht in die Bedeutung zu 'rutschen'.
2.1.3 Sehschule für das dritte Auge
Die Besonderheit des Ansatzes von H. Halbfas ist die Erklärung der Symboldidaktik durch ein Symbol, nämlich das sogenannte dritte Auge. Das dritte Auge soll geschult werden, um Symbole direkt erfahrbar und begreiflich zu machen, es soll also 'hinter die Dinge gesehen werden'.
Im folgenden sollen einige Grundlagen hierfür erläutert werden.
Symbole haben vielfache Funktionen und Wirkungen.
Einer der zentralsten drei Effekte ist die Entlastungsfunktion. Symbole verfügen über Konfliktlösungsvermögen, sie helfen uns, innere, sowie äußere Konflikte zu lösen, zu bewältigen und uns somit zu entlasten. So „resultiert aus der konfliktlösenden Kraft des Symbols (...) die Aufgabe, einen solchen Umgang mit den öffentlichen Symbolen des Christentums und unserer gesamtgeschichtlichen Tradition zu institutionalisieren, dass eine Kommunikation zwischen Symbol und Alltagserfahrung wieder voll möglich wird“ 15 . Dies will meinen, dass durch Symbole Konflikte besser zu lösen sind, denn der Gedanke an ein konfliktbehaftetes biblisches Symbol hilft uns, leichter mit unserer Situation umzugehen und Hoffnung zu schöpfen.
Ein weiterer zentraler Effekt ist die Orientierungsfunktion. Bei der Betrachtung dieser muss der Blick auf die „integrierende, ganzheitliche und identitätsfördernde Kraft“ 16 des Symbols gelenkt werden. Halbfas verweist auf darauf, dass ein Symbol, welches dem Konflikt zugeordnet ist, immer negativ behaftet sein wird. Aber die eigentliche Orientierung des Symbols ist auf Gott hin ausgerichtet, „auf eine Selbstfindung hin, die alle Konflikte tendenziell in eine Ganzheit hinein
15 Halbfas, Hubertus: Das dritte Auge. Religionsdidaktische Anstöße. 1. Aufl. Düsseldorf: Patmos
1982, S. 121.
16 Ebd.
7
Arbeit zitieren:
Anika Dreier, 2007, Symboldidaktik "Kreuz" und unterrichtspraktische Umsetzungsmöglichkeiten, München, GRIN Verlag GmbH
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