Linguistisches Proseminar Slawistik - Satzsemantik Umschreiben und Paraphrasieren
Roswitha GEYSS
WS 2002 /03 :
1 , Vorwort 4
2. Was ist Interpretieren? 4
2.1 Innersprachliches Übersetzen und weitreichendes Schlüsseziehen 6
2.2 Der enge und der weite Interpretationsbegriff 6
3. Wozu dienen Paraphrasen? 7
3.1 Gründe, warum ein Verständnis besonders schwer sein kann 7
3.2 Wann äußern Hörer und Sprecher Paraphrasen? 9
4. Unbestimmtheit, Vagheit, Mehrdeutigkeit Kontextabhängigkeit 10
4.1 Verschiedene Arten der Unbestimmtheit 11
5. Paraphrase und Wissenschaft 12
6. Arten von Paraphrasen 13
7. Syntaktische Paraphrasen 16
7.1 Gleiche äußere Form - gleiche Paraphrasenklasse? 18
7.2 Lexikalische Kontroversen 18
8. Pragmatische Paraphrasen 19
8.1 Direkter und indirekter Sprechakt 19
9. Redewiedergaben 20
10. Was sind Paraphrasen - erweiterter Ansatz 24
11. Was ist eine Definition? 25
11.1 Nominaldefinition 26
11.2 Realdefinition 27
12. Systematische Textinterpretation 28
13. Die Untersuchung einzelner Ausdrucksklassen 30
13.1 Resultative Verben 31
13.2 Kausative Verben 31
13.3 Zustandsbezeichnende Adjektive 32
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Roswitha GEYSS
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13.4 AcI-Sätze (Accusativus-cum Infinitivo) 32
13.5 Schlussfolgerungen 33
13.6 Probleme bei der Bedeutungsanalyse 34
14. Nochmals auf den Punkt gebracht 34
15. Literaturverzeichnis 36
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Roswitha GEYSS
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Im Rahmen dieser Proseminararbeit möchte ich einen Einblick in die Thematik des Paraphrasierens oder auf Russischà à trirà Dpuà ütze mich dabei auf die Ausführungen von
Dieter Wunderlich im Arbeitsbuch Semantik 1 , versuche aber, die dort angeführten deutschen Beispiele durch russische Entsprechungen zu ergänzen. Wenn man sich das erste Mal mit dieser Terminologie beschäftigt, wird man sich zunächst einmal die Frage stellen, was genau man unter Paraphrasen versteht. Und eben diese Frage
„Was heißt das?“ oder „ Ã Ã 4³
stellt bereits den Ausgangspunkt für alle Paraphrasen dar, denn sie führt automatisch zu einer Neuformulierung einer Äußerung mit anderen Wörtern, einem näheren Erklären, einem Geben von Beispielen usf., kurz gesagt eben zum Paraphrasieren oder Umschreiben. So werde auch in im Laufe meiner Proseminararbeit notwendigerweise Paraphrasen verwenden, d.h. ich werde versuchen, mit Hilfe von Beispielen und Umschreibungen dieses wichtige Kapitel der Semantik verständlich zu machen. Ich möchte gleich hier am Beginn betonen, dass Paraphrasen etwas sind, das jeder von uns täglich verwendet, ohne sich dessen wirklich bewusst zu sein. Sie sind somit für eine erfolgreiche Kommunikation unerlässlich, denn sie sichern, indem sie die Frage „Was heißt das?“ zu beantworten versuchen, die Verständlichkeit der Äußerung und somit die Aufrechterhaltung des Dialoges.
Zunächst einmal müssen wir uns fragen, was man unter Interpretieren, oder auf Russisch Ãr ru
Das Interpretieren von Äußerungen, Sätzen und Wörtern ist eine wesentliche Aufgabe der Semantik. Dies möchte ich mit einem Beispiel erläutern 2 :
1 vgl.: Wunderlich, Dieter: Arbeitsbuch Semantik. Frankfurt am Main: Hain 1991 2 , S 71-105
2 vgl.: Wunderlich, S 71
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Roswitha GEYSS
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Stellen wir uns vor, wir gehen durch eine Stadt und lesen auf einem Schild im Schaufenster eines Geschäftes, z.B. einer à )Ã
„Umbrellas Re-pr rq³Ã qr à hsà SvpuÃ Ä Ã Ã ³Ã 2à Xv à rh vr rà Tpuvr- me).
So ein Schild sieht man nicht oft, und daher wird man sich fragen:
„Was heißt das?“ oder „ Ã Ã 4³
9h hsà v qà hà qvrà 6 à r uhyr)à ÄTpuv rà r qrà rh vr ³Ã qr Ã Ä Ã Ã ³
Vielleicht wird man weiterfragen: „Und was heißt das?“ oder „ Ã Ã Ã 4³
ÄIhwhà hà v qà uhyà xhrà Tpuv rà vrqr à rà irvrur³Ã qr Ã Ä Ã Ã Ã Ã ³
Und fragt man daraufhin wieder: „Und was heißt das jetzt?“ oder „ à à à 4³ÃqhÃ
wird es bereits sehr schwierig werden, eine Antwort zu finden. Denn es ist ja wirklich kompliziert zu erklären, was es heißt, alte kaputte Schirme neu zu beziehen. Man könnte hierzu noch weiter ausholen und z.B. sagen:
„Du hast nen zerrissenen Schirm, vom Sturm oder so, und den gibst du hier ab, der macht ihn eben wieder heil, kostet wahrscheinlich ne Stange.“
Irgendwann wird man am Ende anlangen und nicht weiter erklären können. Man kann sich bei all diesen Erklärungen aus der Sprache nicht entfernen. Man könnte wohl einen Schirm zerreißen, ihn in das Geschäft tragen und ihn reparieren lassen, aber würde dieser Aufwand wirklich gerechtfertigt sein um herauszufinden, was das Schild heißt? Und würde er Licht in die Sache bringen, d.h. würden wir dadurch wirklich wissen, was mit unserem Schirm geschieht, bis er uns ausgebessert zurückgegeben wird?
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Man erkennt aus diesem Beispiel: Interpretieren heißt, mit anderen Worten dasselbe oder ähnliches sagen, vielleicht etwas genauer, verständlicher, eindeutiger.
Einerseits handelt es sich hierbei um eine Art innersprachliches Übersetzen einer ursprünglichen Formulierung. Fragen wir also, was das Schild „Umbrellas Re-pr rq³Ä à Ã
³Ã urvßt und wir erhalten als Antwort „Schirme werden repariert.“ oder „ à Ã
³Ã qhà uhqryà rà vpuà à rvrà vr hpuyvpurà Übersetzung. Fragen wir nun weiter und wir erhalten als Antwort „Du hast nen zerrissenen Schirm, den gibst du ab, der macht ihn wieder heil.“, dann erkennen wir bereits ein möglichst umfassendes Schlüsseziehen aus der ursprünglichen Formulierung.
Dabei muss man beachten: Es gibt stets so viele Interpretationsaspekte einer Formulierung wie es unterschiedliche Schlussfolgerungen aus ihr gibt, d.h. jede Schlussfolgerung kennzeichnet einen Interpretationsaspekt. Sehen wir uns hierzu folgenden deutschen Satz an:
„Er geht in die Schule.“
Dieser Satz lässt unterschiedliche Schlussfolgerungen zu. Einerseits können wir denken, dass er jetzt in diesem Moment zur Schule unterwegs ist. Das wäre der eine Interpretationsaspekt.
Die zweite Schlussfolgerung, die wir aber ziehen können, wäre, dass er ganz einfach noch Schüler ist. Das Russische hingegen besitzt diese Mehrdeutigkeit nicht. Es verwendet für den r rà Ahyyà qhà r à và htr purrà Hrà và qvrà Tpuyrà truà qvrà A yvr tÃ Ä Ã
³Ã sür die 2. Möglichkeit aber (d.h. für die Möglichkeit, dass er noch Schüler à à vÃqrÃTh)ÃÄ Ã Ã Ã ³
♦ Der enge Interpretationsbegriff - „dasselbe mit anderen Worten sagen“:
Der enge Interpretationsbegriff geht oftmals von der sehr strengen Auffassung aus, dass eine Interpretation nur dann genau zu nennen ist, wenn sich aus ihr genau die selben Schlussfolge-
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rungen ziehen lassen wie aus der ursprünglichen Formulierung, d.h. „dasselbe in anderen Worten sagen“. Nun ist das aber praktisch niemals gegeben. Man kann fast immer aus der einen Formulierung Schlussfolgerungen ziehen, die man aus der anderen nicht ziehen kann oder umgekehrt. Der enge Interpretationsbegriff wird auch als Umschreiben oder Paraphrasieren bezeichnet.
♦ Der weite Interpretationsbegriff:
Der weite Interpretationsbegriff soll Einblick in die Hintergründe, die Motivationen, die sozialen und historischen Zusammenhänge usw. des Textes geben.
♦ Der dritte Interpretationsbegriff:
Der dritte Interpretationsbegriff, der neben den ersten beiden existiert, versteht unter Interpretieren den mentalen Prozess des Textverstehens. In meiner Proseminararbeit werde ich mich nur auf den 1. Interpretationsbegriff, d.h. das Paraphrasieren konzentrieren.
Jeder von euch wird schon einmal selbst erlebt haben, dass Sprecher sich nicht verstehen, und das, obwohl sie eigentlich die gleiche Sprache sprechen und ein Verstehen daher kein Problem sein dürfte. Trotzdem kann es manchmal durchaus vorkommen, dass das Gesagte allein noch nicht ausreicht, dass Ergänzungen und Neuformulierungen notwendig sind.
♦ Die sprachlichen Formulierungen sind selten völlig klar, sondern vielfach unbe-
stimmt, vage, mehrdeutig und kontextabhängig.
9vrÃ6htrÃÄ9hÃvÃvryÃÃvry³Ãqr ÃÄ Ã Ã ³ÃxhÃr ÃvÃFrÃtrxyärt
werden. Was ist hier zuviel? Der Preis für einen Fernseher, die Kopien eines Handouts, das
3 vgl. Wunderlich, S 72f.
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Arbeit zitieren:
Roswitha Geyss, 2003, Paraphrasieren - Perifraza, München, GRIN Verlag GmbH
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