1. Einleitung 1
2. Stilvergleich. 4
2.1. Der Ironiker 4
2.2. Das Rauschen. 6
3. Vergleich der Beziehungsverläufe. 8
4. Vergleich der Figuren und Liebesbeziehungen. 13
4.1. Die Vernünftigen: Der Hauptmann und Marlene 15
4.1.1. Der Hauptmann 15
4.1.1.1. Der Charakter des Hauptmanns. 16
4.1.1.2. Liebe als Hochachtung: Der Hauptmann und Charlotte. 19
4.1.2. Marlene 20
4.1.2.1. Marlenes Charakter. 20
4.1.2.2. Erst Liebe, dann Freundschaft: Marlene und Leonhard. 25
4.1.2.3. Liebe als Mittel zur Selbstverwirklichung: Marlene und Paul. 28
4.1.3. Zwischenresümee: Der Angepasste versus die Individualistin. 33
4.2. Die Moralischen: Charlotte und Leonhard. 34
4.2.1. Charlotte. 34
4.2.1.1. Charlottes Charakter 34
4.2.1.2. Liebe in Erinnerung: Charlotte und Eduard. 36
4.2.1.3. Pflicht statt Liebe: Charlotte und der Hauptmann. 38
4.2.2. Leonhard 40
4.2.2.1. Leonhards Charakter. 40
4.2.2.2. Freundschaft statt Liebe: Leonhard und Marlene. 45
4.2.2.3. Liebe als lebensstrategisches Projekt: Leonhard und Anja. 47
4.2.3. Zwischenresümee: Schuldgefühl versus Schuldspruch. 52
4.3. Die Leidenschaftlichen: Eduard und Paul. 53
4.3.1. Eduard. 54
4.3.1.1. Eduards Charakter 54
4.3.1.2. Liebe aus Trotz: Eduard und Charlotte. 56
4.3.1.3. Liebe als Selbsthingabe: Eduard und Ottilie. 59
4.3.2. Paul. 61
4.3.2.1. Pauls Charakter. 61
4.3.2.2. Prestigegewinn durch Liebe: Paul und Marlene. 67
4.3.2.3. Liebe als Heilmittel: Paul und Anja. 70
4.3.3. Zwischenresümee: Hingabe versus Statusdenken. 72
4.4. Die Empfindsamen: Ottilie und Anja. 73
4.4.1. Ottilie. 74
4.4.1.1. Ottilies Charakter. 74
4.4.1.2. Liebe als Ausdruck vollkommener Selbstlosigkeit: Ottilie und Eduard
77
4.4.1.3. Selbstopfer und Heiligung: Ottilies stiller Hungertod. 82
4.4.2. Anja 85
4.4.2.1. Anjas Charakter. 85
4.4.2.2. Die Liebe einer anderen: Anja und Leonhard. 89
4.4.2.3. Eine erpresserische Liebe: Anja und ihr Sohn Daniel. 95
4.4.2.4. Liebeskrank: Anja und Paul. 98
4.4.2.5. Die Sehnsucht, aufgefangen zu werden: Anjas Sprung in den Tod 103
4.4.3. Zwischenresümee: Die Heilige versus die Heimsuchung 108
5. Resümee 112
6. Literatur 118
1. Einleitung
Denken Sie sich ein A, das mit einem B innig verbunden ist, durch viele Mittel und durch manche Gewalt nicht von ihm zu trennen; denken Sie sich ein C, das sich eben so zu einem D verhält; bringen Sie nun die beiden Paare in Berührung: A wird sich zu D, C zu B werfen, ohne daß man sagen kann, wer das andere zuerst verlassen, wer sich mit dem anderen zuerst wieder verbunden habe. 1
Diese Erläuterung gibt der Hauptmann, als er nach dem für Goethes Roman titelgebenden Begriff der Wahlverwandtschaften gefragt wird. Verhalten sich menschliche Beziehungen ähnlich denen chemischer Stoffe? Kann Wahlfreiheit oder eher Determinismus diesbezüglich als vorherrschend angenommen werden? In Goethes Roman Die Wahlverwandtschaften wird das Verhalten von vier Menschen ähnlich dem Verhalten chemischer Stoffe einem Versuch unterzogen. Auch bei Dieter Wellershoffs Roman Der Liebeswunsch drängt sich der Eindruck der Anordnung eines naturwissenschaftlichen Experiments auf. Wir haben es mit zwei befreundeten Ehepaaren zu tun, welche nach einigen Liebeswirren wieder auseinander gehen. Auf Grund dieser offenkundigen Ähnlichkeit liegt es nahe, diese beiden Romane einem eingehenden Vergleich zu unterziehen. 2 Beide Romane behandeln weitgehend die selben Motive, so etwa die Viererfügung, die Untreue, der zweifache Ehebruch, das Kind als Opfer der Liebeswirren, der Selbstmord und dergleichen mehr. Diesen deckungsgleichen Motiven gegenüber stehen die unterschiedlichen Epochen, in denen die Romane entstanden sind. Die Wahlverwandtschaften wurde am zeitlichen Übergang von der Klassik zur Romantik 1809 veröffentlicht, Der Liebeswunsch wurde im Jahr 2000 veröffentlicht und kann somit zur zeitgenössischen Literatur gerechnet werden. Auf Grund dieser ausgeprägten zeitlichen Differenz ist es von besonderem Interesse, wie die Motive in der jeweiligen Epoche zur Anwendung kommen. Was sind die Themen und Aussagen, die Goethe und Wellershoff uns als Leser bei der Behandlung des
1 Goethe, J. W.: Wahlverwandtschaften. I, iv, S. 319.
2 Der Vergleich der Viererkonstellation beider Werke wurde des Öfteren im Zusammenhang mit dem Liebeswunsch vollzogen. Hier einige Beispiele:
Braun, M.: Krankheit zum Tode. In: Frankfurter Rundschau. 06.12.2000: „Wellershoffs fatalistischer Liebesroman, der die Lebenslinien, von zwei Ehepaaren zunächst sich überkreuzen und dann unaufhaltsam auseinander streben lässt, liest sich wie eine ferne Variation auf Goethes Wahlverwandtschaften.“ Vergleichbare Anmerkungen ebenfalls bei: Bindrim, H.-W.: Zwei Seiten der Glücksmünze. S. 78. Michel, S.: Mittelständische Seelenhaushalte. In: Frankfurter Rundschau. 13.06.2002. Effert, G.: Die zerbrechliche Harmonie. In: Fuldaer Zeitung. 27.01.2001. Geduldig, G.: Abgründe einer menschlichen Katastrophe. In: Oldenburgische Volkszeitung. 23.02.2001. Siblewski, K.: Psychologie schiefer Türme. In: Die Welt. 18.11.2000. Stephan-Chlustin, A.: Beziehungsdrama mit tragischem Ende. In: Wiesbadener Kurier. 21.03.2001. Hillgruber, K.: Möglichkeiten des Unglücks oder Anja lebt hier nicht mehr. In Süddeutsche Zeitung. 03.11.2000. Stürzer, A.: Quälende Beziehungskisten. In: Nordseezeitung. 27.01.2001.
1
gleichen Stoffes mitteilen? Bezug nehmend auf die Liebesdramen des 19. Jahrhunderts äußert Wellershoff:
Das schrecklichste Beispiel verinnerlichter Schuld gibt Ottilie in den Wahlverwandtschaften, […]. Und heute? Noch immer gibt es tödliche Liebesdramen. Doch das individuelle Glücksstreben scheitert nicht mehr an der Härte des gesellschaftlichen Widerstandes und der Enge der herrschenden Moral, sondern an seiner eigenen Ideologisierung. Denn die Macht der Institutionen, die lebenslange eheliche Treue und vor allem von den Frauen ein erhebliches Maß an Triebunterdrückung verlangten, ist durchbrochen oder überlagert worden von dem neuen, emanzipatorischen Ideal der Selbstverwirklichung. 3
Jahre nach dieser Äußerung verfasste er mit dem Liebeswunsch ein modernes Liebesdrama. Im Rahmen dieser Untersuchung soll herausgearbeitet werden, welche Themen und Aussagen bei Goethe und Wellershoff in der Auseinandersetzung mit den selben Motiven in den Vordergrund treten. Auf Grund des begrenzten Rahmens dieser Arbeit muss die Untersuchung auf eine exemplarische Auswahl an Motiven beschränkt werden. Da im Zentrum beider Romane jeweils vier Figuren und die Veränderung in den zwischen ihnen bestehenden Beziehungskonstellationen stehen, wird die Charakterisierung der einzelnen Figuren und deren Paarbeziehungen mit besonderem Augenmerk auf die Grundmotivationen der einzelnen Charaktere den Schwerpunkt dieser Arbeit bilden. Eine Ausnahme bildet das Kapitel Anja. Hier wird weitergehend ihre Beziehung zu ihrem Kind untersucht, da sich hierin unter anderem Anjas Verhalten im Bezug auf die Liebe deutlich herauskristallisiert. Keine gesonderten Kapitel werden den Freundschaften der Männer wie Frauen jeweils untereinander gewidmet. Stattdessen werden relevante Aspekte dieser Beziehungen an entsprechenden Stellen angesprochen. Da die Veröffentlichungslage zu Wellershoffs Liebeswunsch noch ausgesprochen dünn ist, besteht im Bezug auf diesen Roman die besondere Notwendigkeit einer umfangreicheren eigenen Analyse. Aus diesem Grund sind die Kapitel, in denen Wellershoffs Figuren untersucht werden, umfangreicher angelegt als jene, in denen Goethes Figuren behandelt werden. Ein weiterer Grund, der Analyse der Figuren Wellershoffs mehr Platz einzuräumen, ist die Tatsache, dass im Liebeswunsch die Figuren sich im hohen Maße gegenseitig psychologisch analysieren, was in dieser Form bei Goethe nicht der Fall ist.
Psychologisch einfühlsam wird das Innenleben der Personen nachgespürt, […]. Denn die Personen sind mit den Erklärungsmustern der Psychologie vertraut: Jeder urteilt über den anderen und stuft sein Verhalten ein. Einer ist des anderen Patient und zugleich Therapeut. Es gibt keine Naivität mehr in der Postmoderne. 4
3 Wellershoff, D.: Treibsand der Gefühle. S.142f.
4 Vgl. Bindrim, H.-W.: Zwei Seiten der Glücksmünze. S. 77.
2
So wird zunächst ein kurzer Vergleich des Stils beider Werke vorgenommen, in dem hauptsächlich der unterschiedliche Erzählstil dargestellt wird. Anschließend werden die Beziehungsverläufe der Romane in ihrem zeitlichen Wandel verglichen. Dabei soll verdeutlicht werden, dass Der Liebeswunsch keine schlichte Adaption des Goethe-Stoffes im modernen Gewand darstellt. Im darauf folgenden Kapitel werden die acht Figuren mit ihren Beziehungen, nach einer kurzen Erläuterung zu der Einteilung, nach welcher diese verglichen werden, eingehend charakterisiert. Dabei werden in eingeschobenen Zwischenresümees einige Vergleichsergebnisse vorab festgehalten, um im Abschlussresümee wieder aufgenommen und weitergeführt zu werden. Es wird sich zeigen, dass beide Autoren die Gefahren der Leidenschaft und den Wert der Treue betonen, ihre Gesellschaftskritik allerdings recht unterschiedlich ausfällt.
3
2. Stilvergleich
Hinsichtlich ihres Stils sind die beiden Romane Die Wahlverwandtschaften und Der Liebeswunsch überaus unterschiedlich. Während in den Wahlverwandtschaften der Erzähler als Persönlichkeit derart gegenwärtig ist, dass man sich ein recht genaues Bild von ihm zu machen vermag, tritt der auktoriale Erzähler im Liebeswunsch hinter der „Multiperspektivität“ 5 von häufigen Figurenwechseln und dem Wechsel zwischen personalem und Ich-Erzähler zurück.
2.1. Der Ironiker
Ursprünglich war Die Wahlverwandtschaften als Novelle für die Wanderjahre gedacht. Goethes Erzählweise ist in diesem Roman verschlossen, lakonisch, verschwiegen und symbolgeladen. Auffallend ist die Verwendung eines dem chemischen Fachvokabular entlehnten Ausdrucks als Romantitel, mit dem die Erwartungshaltung gegenüber einem die Emotionen ansprechenden Titel bewusst unterlaufen wird. Annähernd jede Handlung wird in diesem Roman im Bezug auf die Frage nach der „Macht der Elemente“ 6 in einer an wissenschaftliche Methodik angelehnten Weise ausgewertet. 7 „Nimm Ottilien, laß mir den Hauptmann, und in Gottes Namen sei der Versuch gemacht!“ 8 sagt beispielsweise Eduard zu Charlotte. Von nüchterner, beinahe wissenschaftlicher Klarheit ist auch die Sprache des Erzählers geprägt. Dieser ist in dem Roman derart präsent, dass der Leser sich geradezu ein Bild von ihm zu machen vermag. Nach Stöcklein kann man ihn sich als einen grauhaarigen, gepflegten, vornehmen älteren Herren vorstellen, der merklich noch dem 18. Jahrhundert entstammt und in einem Empiresessel sitzend seine Erzählung einem Club erfahrener Weltmänner unterbreitet, für die ein Wink genügt, um verstanden zu werden. Er erscheint demnach gewissermaßen als der Inbegriff eines Sammlers, Wissenschaftlers und Gesellschaftsmenschen. 9 Es werden von diesem Erzähler keine Zustände, keine Farben, kein Firmament und auch keine Gesichter beschrieben, sondern vielmehr das Charakteristische der Figuren in anekdotischer Art und Weise hervorgehoben. So drückt sich die ironische Haltung des Erzählers gegenüber einem gewissen steifen Typus beispielsweise darin aus, dass der Hauptmann, später Major, nicht mit seinem eigentlichen Namen
5 Hollerweger, E.: Liebeswünsche als Lebensängste. S. 35.
6 Stöcklein, P.: Stil und Geist. S. 223.
7 Vgl. Stöcklein, P.: Goethes Wahlverwandtschaften und Novelle. S. 2.
8 Goethe, J. W.: Wahlverwandtschaft. I, ii, S. 296.
9 Vgl. Stöcklein, P.: Goethes Wahlverwandtschaften und Novelle. S. 2.
4
benannt wird. Darüber hinaus kann der Erzähler als diskret, verschwiegen, sachlich, durchdrungen von einer väterlichen Anteilnahme beispielsweise für Ottilie beschrieben werden und zeichnet sich durch ein sprichwörtliches englisches Understatement aus. So kritisiert er niemals offen, weshalb seine Kritik nicht jedem Leser auf Anhieb bewusst wird. Dabei hat er stets auch einen Blick für das Schöne. Darin dass er selbst die schöne Taille der ihm beinahe verhassten Luciane bemerkt, glaubt Stöcklein einen Beleg für seine weitgehend objektive Position erkennen zu können. 10
Ähnlich einem Wissenschaftler zeigt der Erzähler jeden Schritt wie bei einer Versuchsanordnung, so dass die Emotionalität der Figuren nicht auf die Leser übertragen wird. Weiter kann gesagt werden, dass er die Sprechweise der Figuren, selbst der Bediensteten, der seinen anpasst. Er zeichnet sich gewissermaßen selbst als Erzählenden in den Roman hinein und spricht somit zweifach, indem der englische Begleiter des Lords die Novelle Die wunderlichen Nachbarskinder erzählt. 11 In dieser Novelle allerdings tritt die Erzählerpersönlichkeit zurück. 12 Dieser Begleiter kennt viele Geschichten, von denen Die Wahlverwandtschaften ebenso eine wie Die wunderlichen Nachbarskinder ist. Mit „romantischer Ironie“ 13 klärt er so über seine Aussageabsicht auf. So wird die Geschichte instinktsicherer Liebender einer den eigenen Instinkten entfremdeten Zuhörerschaft erzählt. Dieser Roman wird genau wie die Novelle als wahre Geschichte erzählt, was sich an Hand von Phrasen wie „so nennen wir“ zu erkennen ist. Schließlich zeichnet sich der Stil des Romans dadurch aus, dass eine Verknüpfung zwischen Klarheit und Verworrenheit hergestellt wird. So steht den verwirrten Leidenschaften und sonderbaren, teilweise mystisch anmutenden Geschehnissen die skeptische Klarheit des Erzählers gegenüber, wodurch diesem eine Ausgleichfunktion zukommt. 14
10 Vgl. ebd.
11 Vgl. ebd. S. 3.
12 Vgl. Stöcklein, P.: Stil und Geist. S. 229.
13 Stöcklein, P.: Goethes Wahlverwandtschaften und Novelle. S. 3.
14 Vgl. ebd.
5
2.2. Das Rauschen Das Geräusch der Brandung: unvorstellbar viele Stimmen reden darin, doch keine kommt zu Wort.
Jede erzählt ihre eigene Geschichte. Alle zusammen sind sie das Rauschen des immergleichen Traums. 15
Dieses Gedicht über das Rauschen der Meeresbrandung, welches von Leonhard zu Beginn eines Vortrages über den „nicht abschließbaren Fall“ und die „Wahrheitsfindung vor Gericht“ rezitiert wird, dient auch zur Interpretation des gesamten Romans. Dass ein Richter im Zusammenhang mit einem juristischen Vortrag dieses Gedicht rezitiert, zeigt wiederum die Verzahnung des Romangeschehens mit einer juristischen Perspektive. Auch das Romangeschehen kann als ein „nicht abschließbaren Fall“ gesehen werden. Im Zentrum eines solchen Falles stünde Anjas Selbstmord, und eng daran geknüpft wären die Fragen, wie es dazu kommen konnte sowie, wer der Schuldige ist. Daher wird bereits zu Beginn des Romans Anjas Selbstmord thematisiert. Im weiteren Handlungsverlauf werden, ähnlich dem Prozedere vor Gericht, widersprechenden Zeugenaussagen, Motiven, Spuren, Erinnerungen und dergleichen mehr nachgegangen. Wellershoff enthält sich mittels dieses Vorgehens eines eigenen Urteils und versetzt vielmehr den Leser in die Richterposition. 16
So ist „ein wesentliches Charakteristikum des Romans […] das Fehlen einer chronologisch einlinig aufgebauten Handlung.“ 17 „Das Rauschen“ spiegelt sich auch daher in dem Roman wieder, weil vier verschiedene Stimmen auf unterschiedliche Weise zu Wort kommen. Jede Stimme schildert die jeweils eigene Perspektive auf die Handlung, doch zusammen vermischen sie sich zu einem „Rauschen“. 18 In diesem Sinne wird eine Spannung zwischen dem einzelnen Individuum und der es umgebenden Lebensvielfalt hergestellt. 19 Wellershoff möchte eine rhetorische und stilistische Facettierung [erreichen], in der kapitel- oder auch abschnittweise szenisch gebundene, ans Nacheinander der Augenblicke gefesselte Erlebnisperspektiven der einzelnen Personen und zusammenfassende erzählerische Überblicke sich unvermittelt abwechseln. 20
15 Wellershoff, D.: Liebeswunsch. S. 178.
16 Vgl. Hollerweger, E.: Liebeswünsche als Lebensängste. S. 36.
17 Ebd. S. 37.
18 Vgl. ebd. S. 30.
19 Vgl. Wellershoff, D.: Schimmern der Schlangenhaut. S. 90f.
20 Vgl. Wellershoff, D.: Entstehung eines Romans. S. 13f.
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Daher wechselt die Perspektive sowohl zwischen den Figuren als auch zwischen auktorialem, personalem und Ich-Erzähler, so dass auch formal die Unterschiede zwischen den Figuren deutlich werden. 21 Grundlage des Romans bildet eine Ich-Erzählung aus der Perspektive von Marlene, welche in drei Kapiteln geteilt ist. Hierbei wechseln sich szenische Darstellungen und Reflexionen ab. Außerdem wird dabei der gesamte Handlungsverlauf und Marlenes persönliche Entwicklung dargestellt. Weitere Ich-Erzählungen treten in bestimmten Situationen in Erscheinung. Die personale Erzählhaltung erscheint hingegen mehr bei szenischen Darstellungen, wodurch, so Wellershoff, ein tieferer Blick in das Innere einer Figur ermöglicht wird, da ihre Gedanken bereits in ihrer Entstehung beobachtet werden können. Daneben wird mittels Anjas inneren Monologen und Briefen deren Isolation zum Ausdruck gebracht. 22 Alles in allem tritt hier der auktoriale Erzähler, der am seltensten in Erscheinung tritt, hinter den Wechsel zwischen den Perspektiven der Figuren und ebenso zwischen Ich-Erzähler und personalem Erzähler zurück. 23
21 Vgl. Hollerweger, E.: Liebeswünsche als Lebensängste. S. 31f.
22 Vgl. Wellershoff, D.: Entstehung eines Romans. S. 14f.
23 Vgl. Hollerweger, E.: Liebeswünsche als Lebensängste. S. 35.
7
3. Vergleich der Beziehungsverläufe
Vergleicht man den Handlungsverlauf beider Romane, so lassen sich unterschiedliche Beziehungsstadien erkennen. Bei der Untersuchung dieser wird ersichtlich, dass trotz der ähnlichen Grundstruktur einer Viererkonstellation erhebliche Unterschiede in den Beziehungsverläufen anzutreffen sind. Daher kann angenommen werden, dass Der Liebeswunsch keine Adaption der Wahlverwandtschaften darstellt. 24 Im Folgenden werden die fünf Beziehungsphasen, welche sich in beiden Romanen finden lassen, gegenübergestellt. 25
• Phase I:
Wahlverwandtschaften: Liebeswunsch:
In der ersten Phase sind in den Wahlverwandtschaften Eduard und Charlotte, die sich in ihrer Jugend zugetan waren, jeweils mit älteren und wohlhabenden Partnern verheiratet, wobei aus der Ehe Charlottes eine Tochter namens Luciane hervorgeht. Zu diesem Zeitpunkt spielen der Hauptmann und Ottilie noch keine sonderliche Rolle. Der Hauptmann ist ein Freund Eduards und mit Charlotte bekannt. Ottilie ist Charlottes Nichte. Im Liebeswunsch hingegen findet sich eine etwas andere Paarkonstellation. Leonhard und Marlene sind ein unverheiratetes Liebespaar und Paul ist mit einer namentlich nicht erwähnten Frau verheiratet. Mit dieser hat er zwei Töchter gezeugt. Anja spielt an dieser Stelle noch keine Rolle.
• Phase II:
Bei beiden Romanen lässt sich in der zweiten Phase die Herausbildung eines Dreiergespanns feststellen. In den Wahlverwandtschaften sind Eduard und Charlotte ein Ehepaar, und der Hauptmann kommt auf Grund der Einladung Eduards hinzu. Die beiden Männer sind miteinander befreundet, Charlotte und der Hauptmann
24 Vgl. ebd. S. 227f.
25 Diese Einteilung folgt mit eineigen Modifikationen Hollerweger, E.: Liebeswünsche als Lebensängste. S. 228.
8
kennen sich zwar, haben aber keine gemeinsame Vergangenheit. Anders verhält es sich mit der Dreierkonstellation im Liebeswunsch. Paul und Leonhard waren Freunde und wurden zu Rivalen, als Marlene eine Affäre mit Paul einging und sich anschließend von Leonhard trennte, um Paul zu heiraten. So hat auch Marlene mit Leonhard eine unaufgearbeitete Vergangenheit. Beide, Marlene wie Paul, hatten Leonhards Gefühle verletzt, und dennoch, gekränkte Gefühle ignorierend, ihren Freundschaftsbund mit diesem erneuert, weswegen hier von Grund auf viel mehr Spannungen angelegt sind als zwischen den Figuren Goethes. 26
• Phase III:
Wahlverwandtschaften: Liebeswunsch:
In der nächsten Phase kommt in beiden Romanen je eine vierte Person hinzu. Die beiden Frauen, welchen es zu diesem Zeitpunkt an Orientierung im eigenen Leben mangelt, sollen das Gleichgewicht in den Freundschaftskonstellationen wieder herstellen. In den Wahlverwandtschaften ist Ottilie mit den anderen drei Figuren bereits bekannt. Sie wird bewusst mit hinzugezogen, um das Missverhältnis, das dadurch entstanden ist, dass Eduard die meiste Zeit mit dem Hauptmann verbringt, auszugleichen, und Charlottes hierdurch entstandene Einsamkeit zu erleichtern. Ottilie und der Hauptmann kennen sich bereits schon. Es kommt zwischen den beiden nie zu mehr als Freundschaft, auch wenn zu Anfang Eduard und Charlotte die Möglichkeit, dass sich der Hauptmann und Ottilie in einander verlieben könnten, problematisieren.
Glaubst du denn aber, daß es rätlich sei, den Hauptmann mit Ottilien als Hausgenossen zu sehen, einem Mann ohngefähr in deinen Jahren, in den Jahren - daß ich dir dieses Schmeichelhafte nur gerade unter die Augen sage - wo der Mann erst liebefähig und erst der Liebe wert wird, und ein Mädchen von Ottiliens Vorzügen? 27
Im Liebeswunsch ist Anja hingegen nicht mit den drei übrigen Figuren bekannt. Sie stößt zu dem Trio, weil sie das Haus von Paul und Marlene während deren Urlaub hüten soll. Demzufolge lernt sie ganz zufällig Leonhard kennen. So rechnen
26 Vgl. Hollerweger, E.: Liebeswünsche als Lebensängste. S. 228f.
27 Goethe, J. W.: Wahlverwandtschaften. I. ii. S. 296.
9
Paul und Marlene auch nicht damit, dass während ihrer Abwesenheit Leonhard und Anja sich näher kommen und Leonhard Anja einen Heiratsantrag macht. Zweck dieser Heirat ist nicht zuletzt die Aufwertung von Leonhards Position gegenüber Paul und Marlene, weshalb diese die Heirat erleichtert aufnehmen und zu unterstützen versuchen. Bereits in den Flitterwochen von Anja und Leonhard wird das Kind Daniel gezeugt, welches den Anschein einer intakten und glücklichen Ehe noch zusätzlich verfestigen soll. Es ist kein Kind der Liebe. In dieser Phase können daher zwei Hauptunterschiede festgehalten werden. In den Wahlverwandtschaften ist die Begegnung Ottilies mit den anderen drei Figuren beabsichtigt, bei Wellershoffs Liebeswunsch hingegen zufällig. Bei Goethe findet man zu diesem Zeitpunkt ein Paar und zwei Alleinstehende vor, bei Wellershoff zwei Paare. 28
• Phase IV:
Die Entwicklungen der Beziehungen verlaufen in der vierten Phase insofern unterschiedlich, dass in den Wahlverwandtschaften kein tatsächlicher Ehebruch stattfindet. Was geschieht, ist ein „Ehebruch im Ehebett“ 29 , indem Eduard, während er mit Charlotte zusammen ist, an Ottilie denkt, und gleichzeitig Charlotte wiederum an den Hauptmann denkt. Das dabei entstandene Kind Otto weist eine Ähnlichkeit mit Ottilie und dem Hauptmann auf, welches den imaginären doppelten Ehebruch manifestiert. Es ist wie Daniel kein Kind der Liebe. Nach dem Bootsunglück, das den Tod des Kindes Otto zur Folge hat, sieht sich Ottilie veranlasst, ihre Liebe zu Eduard zu beenden, weil ihre Zerstreutheit, bedingt durch ihre Hoffnung auf eine mögliche Zukunft mit Eduard, Ursache des Unglücks war. Unbemerkt hungert sie sich in den Tod.
Eine tatsächliche Affäre hingegen vollzieht sich im Liebeswunsch. Nach dem Unfall des Kindes Daniel, der durch die Nachlässigkeit Anjas verursacht wurde, fühlt sich Anja durch die Reaktion Leonhards nicht mehr verpflichtet, ihre
28 Vgl. Hollerweger, E.: Liebeswünsche als Lebensängste. S. 229f.
29 Stöcklein, P.: Goethes Wahlverwandtschaften und Novelle. S. 9.
10
Unzufriedenheit in ihrer Ehe zu vertuschen und beginnt eine Affäre mit Paul, welcher auf Grund seines sprunghaften Charakters wiederum Marlene betrügt. Kein Schicksal, sondern die psychische Verfassung von Paul und Anja stellen die Ursache der Affäre dar. Auch ist der Unfall des Kindes als Auslöser der Affäre anzusehen, wo hingegen in den Wahlverwandtschaften der Unfall den Auslöser für die Beendigung der erhofften Beziehung darstellt. Hier existiert auch eine Trennung zwischen Betrügenden und Betrogenen, weil die Beziehung von Leonhard und Marlene der fernen Vergangenheit angehört, als weder Leonhard mit Anja noch Paul mit Marlene verheiratet waren. Paul ist dann derjenige, der die Affäre mit Anja beendet, was diese nur schwer akzeptieren kann, anders als in den Wahlverwandtschaften, wo Eduard den Entschluss Ottilies nicht annehmen kann. Schließlich bringt sich Anja selbst um, indem sie in den Tod springt. 30
• Phase V:
Nach dem Tod Ottilies versuchen Charlotte und der Hauptmann ihrem Freund Eduard beizustehen, doch dieser bleibt unglücklich. Eine Scheidung von Eduard und Charlotte wird nicht erwähnt, und es ist davon auszugehen, dass aus Charlotte und dem Hauptmann kein Paar mehr wird. Eduard, dem von seinen Freunden auch nicht mehr geholfen werden kann, denkt immer wieder an Ottilie und stirbt letzten Endes an seinem Kummer. Im Tod jedoch finden die beiden Liebenden wieder zueinander. Demgegenüber bleiben im Liebeswunsch nur noch Leonhard und Marlene weiterhin befreundet. Paul hingegen versucht alleine die Ereignisse zu vergessen, und verdrängt diese schließlich mehr, als dass er sie verarbeitet. Erst Jahre später, wie wir zu Beginn des Romans erfahren, versucht er den Ereignissen auf die Spur zu kommen. Doch der Tod ist anders als in den Wahlverwandtschaften ein trennender Faktor zwischen Paul und Anja. 31
Manchmal […] streift mich das Gefühl, sie sei anwesend. […] Aber ich kann es nicht herbeifordern. Das würde sie sofort vertreiben, weil ich dann denken müßte: Sie ist tot. 32
30 Vgl. Hollerweger, E.: Liebeswünsche als Lebensängste. S. 230ff.
31 Vgl. ebd. S. 233f.
32 Wellershoff, D.: Liebeswunsch. S. 21.
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So ist das Ende in den Wahlverwandtschaften versöhnlicher als der radikale und disharmonische Schluss des Liebeswunsches. 33 Abschließend kann festgehalten werden, dass trotz ausgesprochen ähnlicher Ausgangskonstellation die beiden Romane sich ihrem Verlauf nach doch stark unterscheiden, wobei sich in der zweiten Phase die Beziehungskonstellationen noch am ähnlichsten sind.
33 Vgl. Hollerweger, E.: Liebeswünsche als Lebensängste. S. 233f.
12
„gewissermaßen […] schwächeres Ebenbild“ 36 angesehen werden, aber er lässt sich mehr von pragmatischen Überlegungen denn von moralischen leiten. So hofft er beispielsweise bis Ottilies Tod darauf, dass sich eine Möglichkeit ergibt, Charlotte zu ehelichen. Selbst den Tod des Kindes bewertet er mehr aus einer pragmatischen, denn aus einer moralischen Perspektive:
Der Major entfernte sich, Charlotten tief im Herzen beklagend, ohne jedoch das arme abgeschiedene Kind bedauern zu können. Ein solches Opfer schien ihm nötig zu ihrem allseitigen Glück. 37
Daher, wenn man Figuren mit ähnlichen Motivationen und Tendenzen vergleichen möchte, liegt es nahe, Charlotte mit Leonhard und den Hauptmann mit Marlene zu vergleichen. Letztere unterscheidet sich zwar sehr stark von dem Hauptmann, doch sind ihre Handlungen und Überlegungen sehr analytisch und vernunftbestimmt, weshalb ihre stark ausgeprägte Vernunft als Gemeinsamkeit mit dem pragmatischen Hauptmann angesehen werden kann. Zur anderen Gruppe gehören diejenigen Figuren, deren Handlungen von ihrem Gefühl bestimmt werden. Hierzu gehören Ottilie, Eduard, Anja und Paul. Eduard und Paul sind sich überaus ähnlich, beide lassen sich von ihrer Leidenschaft dominieren, und lassen sich deswegen gut vergleichen. Ottilie und Anja sind zwar völlig unterschiedliche Charaktere, Ottilie ist eine Individualistin, Anja gewissermaßen das genaue Gegenteil davon, doch treten sehr viele Parallelen bei ihnen auf, weshalb sich auch ein Vergleich zwischen diesen beiden anbietet. Problematisch ist jedoch die Kategorisierung. Es stellt sich die Frage, was der Unterschied zwischen der Kategorie „Leidenschaft“ und der Kategorie „Gefühl“ sein soll. Schließlich kann „Gefühl“ synonym für „Leidenschaft“ verwendet werden. „Empfindsam“ trifft, meines Erachtens, das, was Anja und Ottilie von Paul und Eduard unterscheidet, am besten. Ottilie wird von einem tiefen Mitgefühl für die Menschheit in einem fundamentalen Sinn bewegt. Anja leidet an der Missachtung ihrer Person durch ihre Umwelt. Aus diesen Überlegungen heraus ergibt sich folgendes Vergleichskonzept:
36 Helbig, L. F.: Der Einzelne und die Gesellschaft. S. 22.
37 Goethe, J. W.: Wahlverwandtschaften. II, xiv, S. 501.
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4.1.1.1. Der Charakter des Hauptmanns
Auch wenn der Hauptmann einen Typus darstellt, und die Grenzen der Grundidee seiner Figur nicht verlässt, so weist er doch einen vielseitigen Charakter auf. Er lässt sich von den Geschehnissen am wenigsten erschüttern, zumal er in einer eher abhängigen Position ist, in der er seinen Lebensunterhalt verdienen muss. Zu seinen Stärken gehört eine ausgeprägte Anpassungsfähigkeit, Selbstkontrolle und Einsichtsvermögen in das Machbare und Unvermeidliche. 42 Darüber hinaus gehören Fleiß, Bescheidenheit, Wortkargheit, Besonnenheit, Pragmatismus und Ordnungsliebe zu seinen Eigenschaften. 43 So gehört er nicht zu den Menschen, die sich unentbehrlich machen, sondern dafür Sorge tragen, dass nach ihrem Scheiden alles weiterhin reibungslos verlaufen kann:
Denn er hatte den Grundsatz, aus einem übernommenen Geschäft nicht zu scheiden, bis er seine Stelle genugsam ersetzt sähe. Ja er verachtete diejenigen, die, um ihrem Abgang fühlbar zu machen, erst noch Verwirrung in ihrem Kreise anrichten, indem sie als ungebildete Selbstler das zu zerstören wünschen, wobei sie nicht fortwirken sollen. 44
Als er in das Schloss zu Eduard und Charlotte stößt, befindet er sich zunächst in einer wirtschaftlich eher misslichen Lage, weil er seit einiger Zeit keine ihm und seinen Fähigkeiten angemessene Tätigkeit finden konnte. Im Schloss kommen nun seine vielfältigen Fähigkeiten zum Einsatz. Er misst beispielsweise das Gelände aus und erstellt eine Karte, bringt die Verwaltung auf Vordermann, richtet Polizei und Wohltätigkeitseinrichtungen ein und dergleichen mehr. 45 Zwar werden wir als Leser nicht darüber in Kenntnis gesetzt, ob der Hauptmann adelig oder bürgerlich ist, allein seine Auffassung und Handlungsweisen weisen eindeutig bürgerliche Züge auf. 46 Denn seine Handlungen sind von Rationalität, einer pragmatischen Grundhaltung und Ordnungsliebe durchdrungen. So rät er Eduard:
[Trenne] alles was eigentlich Geschäft ist vom Leben. Das Geschäft verlangt Ernst und Strenge, das Leben Willkür; das Geschäft die reinste Folge, dem Leben tut eine Inkonsequenz oft not, ja sie ist liebenswürdig und erheiternd. Bist du bei dem einen sicher, so kannst du in dem andern desto freier sein; […]. 47
Allerdings werden bestimmte Aspekte bei ihm nur vage angedeutet, so dass der Leser darüber nur Vermutungen anstellen kann, was aber mit seiner lakonischen Art
41 Vgl. ebd. S. 287f.
42 Vgl. ebd. S. 288.
43 Vgl. Goethe, J. W.: Wahlverwandtschaften. I, i, S. 288 ebs. I, ix, S. 310, I, vi, S. 328, I, x, S. 359.
44 Ebd. I, xiv, S. 375.
45 Vgl. ebd. I, i, S. 287f. ebs. I, iii, S. 304, I, iv, S. 310, I, vi, S. 328f.
46 Vgl. Geerdts, H. J.: Hauptgestalten und Nebenfiguren. S. 289.
47 Goethe, J. W.: Wahlverwandtschaften. I. iv, S. 310.
16
korrespondiert. In diesem Zusammenhang tritt das Motiv des Wassers, das in den Wahlverwandtschaften als ein Todessymbol verstanden werden kann, auffallend häufig im Bezug auf den Hauptmann auf. So erfahren wir, dass jemand, den er scheinbar näher gekannt haben soll, einst ertrunken ist, weshalb er im Schloss sorgfältige Vorkehrungen trifft, für den Fall, dass jemand im See verunglücken sollte.
Diese Rubrik [die Vorkehrungen zur Rettung von Ertrinkender] besorgte der Hauptmann sehr ausführlich, und Eduarden entschlüpfte die Bemerkung, daß ein solcher Fall in dem Leben seines Freundes auf die seltsamste Weise Epoche gemacht. Doch als dieser schwieg und einer traurigen Erinnerung auszuweichen schien, hielt Eduard gleichfalls an, so wie auch Charlotte, die nicht weniger im Allgemeinen davon unterrichtet war, über jene Äußerungen hinausging. 48
Wer derjenige war, der ertrunken ist und wie dieser zum Hauptmann stand bleibt allerdings ungeklärt. Als dann an Ottilies Geburtstagsfest ein Kind zu ertrinken droht ist er es, der dem Kind zur Rettung eilt. 49 Auch küsst er Charlotte am See, nachdem sie eine Fahrt darauf unternommen haben. 50 Der See und somit auch das Wasser scheint über die damit verbundene Todessymbolik hinaus für leidenschaftliche Gefühle der Liebe zu stehen. So ist es auch der reißende Strom des Flusses, der die Wunderlichen Nachbarskinder zusammenführt. 51 Auch hier wird eine Verbindung zum Hauptmann geknüpft, da diese Novelle auf einem tatsächlichen Ereignis, in das der Hauptmann verwickelt war, fußt:
Diese Begebenheit hatte sich mit dem Hauptmann und einer Nachbarin wirklich zugetragen, zwar nicht ganz wie sie der Engländer erzählte, doch war sie in den Hauptzügen nicht entstellt, nur im Einzelnen mehr ausgebildet und ausgeschmückt, wie es dergleichen Geschichten zu gehen pflegt, wenn sie erst durch den Mund der Menge und sodann durch die Phantasie eines geist- und geschmackreichen Erzählers durchgehen. Es bleibt zuletzt meist alles und nichts wie es war. 52
War die Nachbarin, anders als in der Novelle dargestellt, ertrunken? Ist das der Fall, den der Hauptmann betrauert und weshalb er sorgfältig Vorkehrungen zur Rettung Ertrinkender trifft? Es bleibt offen. Dennoch scheint der Hauptmann dieses Element doch einigermaßen gut zu beherrschen. So heißt es in Die wunderlichen Nachbarskinder: „Das Wasser ist ein freundliches Element für den der damit bekannt ist und es zu behandeln weiß.“ 53 Der Hauptmann ist sich der Gefahren des Wassers
48 Ebd. I, iv, S. 311.
49 Vgl. ebd. I, xv, S. 379.
50 Vgl. ebd. I, xii, S. 368.
51 Vgl. Loeb, E.: Liebe und Ehe. S. 430.
52 Goethe, J. W.: Wahlverwandtschaften. II, xi, S. 482.
53 Ebd. II, x, S. 480.
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bewusst. Er trifft Vorkehrungen. Auch ist er ein guter Schwimmer, und rettet auf diese Weise das Kind. Auf die Leidenschaft übertragen, scheint ihm diese nicht unbekannt zu sein, wenn man der Novelle in ihren Grundzügen folgt. Er lässt sich von dieser nicht übermannen, folgt Charlottes Wunsch zu entsagen. Ganz anders ist Eduard, der Ottilies Wunsch, auf die Erfüllung ihrer Leidenschaft zu verzichten, nicht akzeptieren kann und sie damit in den Tod treibt. Schließlich ist Eduard in der Liebe auch nicht erfahren: „Nein, ich habe noch nie geliebt; jetzt erfahre ich erst, was das heißt.“ 54 Nicht nur die Liebe, sondern auch den Tod scheint der Hauptmann gewissermaßen zu beherrschen, worauf nicht zuletzt auch seine militärische Namensgebung hinweist. Deutet man das Wasser also als Symbol der Liebe und des Todes, so kann daraus die Aussage abgeleitet werden, dass unter den Liebeswirren zu allererst die Kinder leiden, zumal zwei mal ein Kind an dem See einen Unfall erleidet. Auch in diesem Zusammenhang wird deutlich, dass der Hauptmann sich von den Ereignissen nicht derart erschüttern lässt wie die übrigen Charaktere. Folgt man aber nun dem Motiv des Wassers weiter, so kann ferner die Aussage abgeleitet werden, dass der Versuch des Menschen, Phänomene wie die Liebe, obschon man sie eindämmen kann, zu zähmen und sie in eine bestimmte Richtung zu lenken, zum Scheitern verurteilt ist. Denn der „Fluss der Liebe“, der in der Novelle die wunderlichen Nachbarskinder zusammenführt, wird durch das Anlegen eines Bergsees seiner Gewalt beraubt. Aber als man die durch die Stauung entstandene Dreiteilung wieder aufhebt, gibt man diesem Element ein Stück seiner Gewalt zurück, so dass der See zu einem Ort mehrfachen Unglücks wird. 55 Auch der Hauptmann, welcher zunächst die Zusammenführung der Teilgewässer zu einem großen See befürwortet, möchte später am liebsten wieder davon abraten, doch es ist bereits zu spät. 56 Zwar lässt sich der Hauptmann von all dem nicht erschüttern und nimmt seinen Freunden gegenüber eine beratende Funktion bezüglich praktischer Fragen ein. Er bleibt aber ein eher passiver Charakter im Bezug auf die zentralen Geschehnisse der Handlung, was aber auch mit seiner abhängigen Position zusammenhängen kann. Er konzentriert sich eben mehr auf die beruflichen und gesellschaftlichen Erfordernisse als auf sein Privatleben, er ordnet „alles Emotionelle
54 Ebd. I, xviii, S. 397.
55 Vgl. Loeb, E.: Liebe und Ehe. S. 430.
56 Vgl. Goethe, J. W.: Wahlverwandtschaften. I, ix, S. 346 ebs. I, xiv, S. 375.
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dem vernunftbegründeten Ordnungsprinzip seines Daseins“ 57 unter, weil er, anders als Eduard, auf seinen eigenen praktischen Erfolg angewiesen ist. 58
4.1.1.2. Liebe als Hochachtung: Der Hauptmann und Charlotte
Die Tendenz des Hauptmanns, seine privaten Interessen den beruflichen und gesellschaftlichen unterzuordnen, zeigt sich auch in seiner Beziehung zu Charlotte. Er kann sich gewisse Fehltritte schlichtweg nicht leisten, weil er darauf angewiesen ist, dass ihn andere schätzen und ihm Arbeit geben. Deswegen versucht er, Charlotte zu meiden als er seine Gefühle für sie bemerkt, diese „achtete ihn nur um desto mehr“ 59 deswegen. Stattdessen versucht er seine Neigung zu ihr in etwas Produktives umzulenken. Er gibt sich besondere Mühe bei der Ausrichtung ihres Geburtstagsfestes, das zu feiern er selbst vorgeschlagen hat. 60 Charlotte ist schließlich vom Ergebnis berührt und drückt ihm die Hand. Dies und der Kuss am See, den er ihr gibt, sind die einzigen körperlichen Annäherungen der beiden. Denn Charlotte bittet ihn, auf die Erfüllung ihrer Liebe zu verzichten. 61 Der Hauptmann kann dem unproblematisch Folge leisten:
Im innern Herzen beharrt indessen Charlotte bei dem was sie bedacht und sich vorgesetzt, und männlich steht ihr der Freund mit gleichem Sinn zur Seite. Aber eben dadurch wird ihre Vertraulichkeit nur vermehrt. Sie erklären sich wechselseitig über Eduards Leidenschaft; sie beraten sich darüber. 62
Charlotte und der Hauptmann sind sich recht ähnlich. Er begleitet Charlotte perfekt mit seiner Violine, so dass „beide, mit Empfindung, Behagen und Freiheit, eins der schwersten Musikstücke zusammen“ 63 aufführen. Sie sind beide also recht sorgfältig und geduldig bei dem, was sie tun. Auch ordnen sie beide ihre persönlichen Belange den gesellschaftlichen unter. Dennoch geht seine Haltung der gemeinsamen Beziehung gegenüber nicht gänzlich mit der Charlottes konform. Charlotte achtet ihre Ehe und will an dieser festhalten. Der Hauptmann wiederum achtet ihren Wunsch und prinzipiell ihre moralische Gesinnung. So sagt er, nachdem Eduard seine eigene Liebe zu Ottilie recht offenkundig andeutet:
57 Geerdts, H. J.: Hauptgestalten und Nebenfiguren. S. 292.
58 Vgl. Ebd.
59 Ebd. I, viii, S. 341.
60 Vgl. ebd. I, viii, S. 339 ebs. S. 341.
61 Vgl. ebd. I, ix, S. 342 ebs. I, xii, S. 368.
62 Ebd. I, xiii, S. 371.
63 Ebd. I, viii, S. 341.
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Mit den Gefühlen der Hochachtung, der Verehrung, ist es doch auch etwas ähnliches. Man erkennt nur erst das Schätzenswerte in der Welt, wenn man solche Gesinnungen an Einem Gegenstande zu üben Gelegenheit findet. 64
Doch bis zuletzt, also bis zum Tode Ottilies, hegt er die Hoffnung, dass sie in die Scheidung doch noch einwilligt und ihn ehelicht. 65 Wie bereits im Kapitel Der Charakter des Hauptmanns dargestellt, werden bei ihm die Verhältnisse, denen er entstammt, nur vage angedeutet. So ergibt sich für ihn eine viel versprechende Aussicht auf eine vorteilhafte Heirat, welche jedoch schließlich nicht zu Stande kommt. Die Frage Eduards nach dieser Heiratsmöglichkeit „verneint [er] mit bedeutendem Ernst.“ 66 Ungeklärt bleibt, weshalb diese Heirat nicht zu Stande kommt. Hat er diese auf Grund seiner Gefühle für Charlotte abgelehnt, weil er darauf hoffte, dass sich doch eine Möglichkeit ergibt sie zu heiraten? Oder wird diese Verbindung aus anderen Gründen oder vielleicht gar nicht von ihm fallen gelassen? Wir erfahren es nicht.
4.1.2. Marlene
Die Figur der Marlene stellt in diesem Roman den Typus des sich selbst verwirklichenden Menschen dar, welcher nach Wellershoff von tragender Bedeutung für diese Epoche ist. 67 Ihre Sicht zeichnet sich durch klare und rationale Analysen aus. Neben dem Kapitel In der Klausur existiert eine Icherzählung aus ihrer Perspektive, welche in drei Kapitel geteilt ist und „eine Art Sockel des Romangebäudes“ 68 bildet. 69
4.1.2.1. Marlenes Charakter
Über die äußere Erscheinung von Dr. Marlene Gruner erfahren wir im Vergleich zu den anderen Figuren des Liebeswunsches nicht sonderlich viel, da bei ihrem Charakter der Schwerpunkt auf rationalem und klar analytischem Denken liegt. Sie ist eine große und kräftige Frau mit einer ausgewogenen Figur, welche Aktivität und Vitalität ausstrahlt. Ihr dunkles Haar trägt sie kurz, sie hat große Augen und einen
64 Ebd. I, xii, S. 367.
65 Vgl. Geerdts, H. J.: Hauptgestalten und Nebenfiguren. S. 291f.
66 Goethe, J. W.: Wahlverwandtschaften. II, xii, S. 486.
67 Wellershoff, D.: Treibsand der Gefühle. S. 143 vgl. ebs. Wellershoff, D.: Liebeswunsch. S. 87. Hier wird sie beiläufig als „Repräsentantin [ihrer] Epoche“ bezeichnet.
68 Wellershoff, D.: Entstehung eines Romans. S. 14.
69 Vgl. ebd.
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riesigen Mund. Sie wird als schön und klug beschrieben, 70 und arbeitet in einem Krankenhaus als Stationsärztin in der Inneren Medizin. 71 Im Verlauf des Romans verkauft sie ihr Familienerbe, ein großes, ansehnliches Haus in einem Villenviertel, um sich eine kleinere Wohnung zu kaufen und als Internistin niederzulassen. Doch nach dem Verkauf des Hauses findet sie keinen Arztpraxenverbund, der sie aufnimmt, da sie als Fachärztin für Innere Medizin nicht spezialisiert genug ist. Bis zuletzt arbeitet sie im Krankenhaus, spielt dabei aber immer wieder mit dem Gedanken, vielleicht eine bereits bestehende internistische Praxis zu kaufen. 72 Ihre medizinische Tätigkeit spiegelt sich auch in ihrer Sprache wieder. So spricht sie von einem Fatalismus, der sie „zwangsweise ruhigstellte“, 73 und an anderer Stelle vergleicht sie die Verkündung ihrer Trennungsabsicht Leonhard gegenüber ironischerweise mit einer Injektion:
Das Ganze hatte kaum länger gedauert als eine Injektion. Ein kurzer Stich. Dann betupfte man die Einstichstelle und klebte ein Pflaster darüber. Der kurze Schmerz war schon verflogen. 74
Sie raucht, versucht aber immer wieder damit aufzuhören, und wird darüber hinaus als starke Persönlichkeit dargestellt. 75 Prägend für ihren Charakter ist beispielsweise ihr souveränes Auftreten bei gesellschaftlichen Ereignissen: Früher einmal waren sie in solchen Auftritten perfekt gewesen, vor allem Marlene, der er die Kunst der Selbstdarstellung abgeschaut hatte, die darin bestand, nicht als Kunst zu erscheinen, sondern als entwaffnende Natürlichkeit oder auch als natürliche Eleganz. Ja, es war ein zur Natur gewordener Stil, […]. 76
Auf Grund dieser Eigenschaft schmücken sich ihre Männer gerne mit ihr. So vermutet Paul, dass er seine Ausstrahlung auf Anja und Sibylle dem Faktum zu verdanken hat, Marlenes Mann zu sein. Des weiteren fürchtet er, durch die Trennung von Marlene nicht nur seine gesellschaftlichen Verbindungen zu verlieren, sondern auch seine Karriere zu gefährden. 77 Auch Leonhard erfreut es beispielsweise bei seiner Ernennung zum Präsidenten des Oberlandesgerichtes, sie an seiner Seite zu wissen. 78 Darüber hinaus greift er gerne des Öfteren auf Marlenes positive
70 Vgl. Wellershoff, D.: Liebeswunsch. S. 38 ebs. 69, 239, 341.
71 Vgl. ebd. S. 66.
72 Vgl. ebd. S. 12 ebs. 14f., 316f.
73 Ebd. S. 68.
74 Ebd. S. 72.
75 Vgl. ebd. S. 32 ebs. 72, 221, 268.
76 Ebd. S. 268.
77 Vgl. ebd. S. 239 ebs. 268f.
78 Vgl. ebd. S. 323 ebs. 327.
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„Lebensstimmung“ 79 zurück, indem er ein Treffen zu viert arrangiert, wenn er sich wieder einmal mit Anjas depressiven Stimmungsschwankungen überfordert fühlt. Was ihre zwischenmenschlichen Beziehungen anbelangt, so war Marlene einst mit Leonhard zusammen, welchen sie wegen ihrer Affäre mit dessen bestem Freund Paul verließ. Dieser wiederum hatte Frau und Töchter für das Leben mit Marlene verlassen. Über die weitere Rolle, die Pauls Frau und dessen Töchter in Marlenes und Pauls neuem Leben spielen, erfährt der Leser nichts, lediglich Marlenes Wunschvorstellungen darüber:
Ich wollte auch versuchen, zu Pauls Frau und seinen und ihren beiden Töchtern eine gute Beziehung aufzubauen. Die Mädchen würden sicher irgendwann ihren Vater besuchen wollen. Ich wollte mich dann mit der gebotenen Zurückhaltung, aber freundlich und herzlich um sie kümmern. Die Mädchen sollten bei Paul und mir ein zweites Zuhause haben. 80
Leonhard schluckt seine verletzten Gefühle hinunter und versöhnt sich mit den beiden. Als er nach Jahren die Studentin Anja heiratet bilden die vier, Marlene und Paul, Anja und Leonhard einen Freundschaftsbund, wobei Marlene diejenige ist, die gemeinsame Unternehmungen plant: „Nun, ich wurde also die Managerin und Animateurin unseres Gesellschafts- und Kulturlebens.“ 81 So besuchen sie auf Marlenes Geheiß hin monatlich verschiedene Theatervorstellungen, Konzerte und Ausstellungen, unternehmen hin und wieder kleinere Exkursionen und Kurzurlaube und treffen sich ebenso monatlich zu ihrem so genannten Roméabend, an dem sie gemeinsam essen und sich unterhalten, aber nicht unbedingt immer Karten spielen. 82 Einmal unternehmen sie sogar auf Marlenes Vorschlag hin einen größeren Urlaub in Florida. 83 Doch unter der harmonischen Oberfläche dieses Freundschaftsbundes sind die Verhältnisse recht angespannt. Als Paul andeutet, Leonhard verstünde nichts von Frauen, verstehen es alle als einen Ausrutscher, „besonders Marlene, die gereizt reagierte: ,O Gott, fang nicht wieder damit an!‘“. 84 Sie ist diejenige, die am meisten über diesen Freundschaftsbund reflektiert: 85
Alle sind wir jetzt auseinandergesprengt, nachdem wir etliche Jahre in der Vorstellung gelebt haben, Freunde fürs Leben zu sein. Muß ich mir jetzt sagen, daß dies vor allem meine Phantasie gewesen ist und ich die anderen dazu gedrängt habe, in dieser Inszenierung eine Rolle zu übernehmen? Oder war es
79 Ebd. S. 106.
80 Ebd. S. 74.
81 Ebd. S. 79.
82 Vgl. ebd. S. 79.
83 Vgl. ebd. S. 90.
84 Ebd. S. 90.
85 Vgl. ebd. S. 79.
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Jinan Kauf, 2008, Wolfgang Goethes "Die Wahlverwandtschaften" und Dieter Wellershoffs "Der Liebeswunsch", München, GRIN Verlag GmbH
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