Inhaltsverzeichnis:
1. Caesar Augustus und die Königsfrage 3
2. Anforderungen an den Nachfolger des Augustus 4
2.1. Herkunft und Familie 5
2.2 Militärische und politische Erfolge 5
2.3 Finanzielle Mittel 5
3. Augustus und seine Favoriten 6
3.1 Marcellus und Agrippa 6
3.2 Tiberius und Drusus 7
3.3 Tiberius Gaius und Lucius 9
3.4 Tiberius Rückkehr und Rehabilitierung 10
3.5 Agrippa Postumus und Germanicus 12
4. Die Nachfolge Tiberius Regierungsantritt 14
5. Der Weg zum Kaisertum 16
6. Sekundärliteratur: 17
7. Quellen: 17
2
1. Caesar, Augustus und die Königsfrage
In seinem Buch „Caesar und Pompeius“ schreibt der Althistoriker Ernst Baltrusch,
Caesar 1 habe sich „in klar erkennbarer Steigerung Ämter, Gewalten und Rechte
verleihen [lassen] – [B]is hin zum [ihm verweigerten] Königtum.“ 2 Nach Caesars Tod
und dem erneuten Aufflammen des Bürgerkriegs, ging sein Adoptivsohn Augustus 3
ähnlich vor. Er hatte sich keine Ämter, wohl aber Gewalten und Rechte verleihen
lassen. 4 Ein institutionalisiertes Königtum, wie es Caesar angestrebt hatte, lehnte
Augustus ab. Unter dem Deckmantel der „republica restituta“, der erneuerten
Republik 5,6 , ließ er sich zum „primus inter pares“, zum ersten unter gleichen,
ernennen 7,8,9,10 Damit war er König, ohne offiziell König zu sein 11,12 – Eine ideale
Regelung, die auf lange Sicht aber auch ihre Nachteile besaß.
Das institutionalisierte Königtum wäre laut Baltrusch „die einzig denkbare, als
dauerhaft und erblich angelegte“ 13 , Lösung des römischen Herrschaftsproblems
gewesen. Augustus’ Stellung als Princeps 14 , als erster Mann im Staat, war an die
Bedeutung seiner Person gebunden. Sie war weder „dauerhaft“ noch war sie, aus sich
selbst heraus, „erblich“. 15 Dass Augustus nicht der erste und letzte Prinzeps Roms blieb,
verdankt die Welt seiner Nachfolgepolitik.
Diese Nachfolgepolitik soll im Folgenden genauer betrachtet werden. Dabei
muss zuerst auf die Anforderungen eingegangen werden, die ein Princeps zu erfüllen
1 Biografische Details zu Caesar, sofern nicht separat belegt, nach Alfred Klotz, Vgl. RE, 19. Band,
Stuttgart 1918, S. 186 – 275.
2 Ernst Baltrusch, Caesar und Pompeius, Darmstadt 2004, S. 134.
3 Biografische Details zu Augustus, sofern nicht separat belegt, nach Kurt Fitzeler & Otto Seeckt,
Vgl. RE, 19. Band, Stuttgart 1918, S. 275 – 380.
4 Vgl. Cassius Dio, Römische Geschichte, 53, 32. 6.
5 Dass die Republik nicht wirklich wiederhergestellt worden war, verdeutlicht Sueton.
Vgl. Sueton, Kaiserviten, Augustus, 28.
6 Vgl. Velleius Paterculus, Historia Romana, 2, 4.
7 Vgl. Augustus, Res Gestae, 34.
8 Vgl. Heinrich Schlange-Schöningen, Augustus, Darmstadt 2005, S. 27 - 28.
9 Cassius Dio widmet Augustus’ Machtpolitik, inklusive der Frage seiner Gewalten und der Frage nach
der „Erneuerung der Republik“ zu Beginn des Prinzipats ein ganzes Buch in seiner Römischen Geschichte. Hier lässt sich kein direktes Zitat finden. Vielmehr liegt die Bedeutung in der Gesamtwirkung. Es sei daher als Literatur empfohlen. Vgl. Cassius Dio, Römische Geschichte, 52.
10 Vgl. ebd., 53, 2 – 12.
11 „Doch nicht durch Königsmacht, noch Diktatur [wie Caesar], sondern unter dem Titel eines
Oberhauptes“, Tacitus, Annalen, 9.
12 Hierzu gibt Cassius Dio eine treffende Einschätzung in der er auch nocheinmal auf die Gewalten und
Rechte des Augustus eingeht. Vgl. ebd., 53, 17.
13 A.a.O. Caesar und Pompeius, S. 134.
14 Vgl. a.a. O. Augustus, S. 5.
15 Das musste sie aber werden, wenn Augustus, wie Sueton berichtet, wünschte, dass die Verfassung, die
Grundlagen des Staates, die er geschaffen hatte, seinen Tod überdauerten. Vgl. a.a.O. Kaiserviten, Augustus, 28.
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hatte. In einem zweiten Schritt sollen die historischen Entwicklungen und Dynamiken betrachtet werden, denen Augustus bei der Auswahl eines Nachfolgers unterworfen war. Als zentrale Quelle dient die „Historia Romana“, das große Geschichtswerk des Velleius Paterculus. 16,17 Da Paterculus von etwa 20 vor Chr. bis 30 nach Chr. lebte, schreibt er mit Blick auf die, zu betrachtende Problematik, über Ereignisse seiner eigenen Epoche. Querverweise zu anderen Quellen sind nichtsdestotrotz zwingend erforderlich, da gerade die Nähe des Paterculus zu Zeit, Ereignissen und bedeutenden Personen 18 , sein Urteil beeinflusst hat. 19 Hier werden die Kaiserviten des Sueton, die Annalen des Tacitus und die Res Gestae des Augustus Verwendung finden. Auch auf die Römische Geschichte des Cassius Dio soll ab und zu verwiesen werden. Da eine Angabe aller relevanter Stellen, wie sie im Falle von Sueton, Tacitus und Augustus vorgenommen werden kann, auf Grund des Umfangs der Römischen Geschichte, unmöglich ist, beschränken sich die Fußnoten auf unverzichtbare Passagen oder Empfehlungen zur weiteren Lektüre.
2. Anforderungen an den Nachfolger des Augustus
Welche Anforderungen ein Princeps erfüllen musste, welche Faktoren ihm zu Autorität und Ansehen, im Sinne der augusteischen „auctoritas“ 20,21 , verhalfen, lässt sich am besten an Augustus Vita verdeutlichen, die von diesen Anforderungen stark geprägt wurde.
16 Gewidmet Marcus Vinicius anlässlich dessen Konsulat (30 n. Chr.), Vgl. a.a.O. Historia Romana,1, 8,1. 17 Die heute vorliegende Version der basiert auf einem Codex von Beatus Rhenanus, der im Jahr 1515 im elsässischen Kloster Murbach entdeckten wurde und in einem sehr schlechten Zustand war. Der Codex wurde von zwei Schülern des Beatus Rhenanus abgeschrieben. Die Originalhandschrift ging verloren, die Abschriften der beiden Schüler blieben erhalten. Die zweite wurde 1834 in Basel entdeckt. Beatus Rhenanus gab dem Werk des Velleius Paterculus nachträglich den Titel Historia Romana. Der Originaltitel ist nicht überliefert. Vgl. Marion Giebel, „Kommentar zum lateinischen Text“ in: Velleius Paterculus, Historia Romana, Stuttgart 1992, S. 279., Vgl. M. Schanz, „Velleius Paterculus“ Paterculus, in: W. Otto (Hg.), „Geschichte der römischen Literatur“, 2. Teil, München 1959, S. 587.
18 Paterculus stammte aus einer Ritterfamilie. Er war Reiteroberst unter Gaius und Tiberius. Tiberius verdankte er seinen späteren Aufstieg, d.h. seine politische Karriere. Vgl. ebd., 2, 104, 3 u. 2, 124, 4. 19 Vor allem in Hinblick auf seinen Förderer Tiberius, den er in ein außergewöhnlich gutes Licht rückt. 20 Vgl. a.a.O. Res Gestae, 34.
21 Vgl. a.a.O. Augustus, S. 6.
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2.1. Herkunft und Familie
Augustus stammte zwar nicht aus einer patrizischen Familie, war aber durch seine Mutter Atia mit den Juliern verwandt. 22 Spätestens seit der Adoption durch Caesar 23 , war er entgültig julisch. Herkunft und Familie, beides Traditionswerte aus alter republikanischer Zeit, hatten in Rom immense Bedeutung. Augustus Herkunft war weniger nobel als die bedeutender Zeitgenossen. Sein Gegner Marcus Antonius wies im Bürgerkrieg gern darauf hin. 24 Augustus Bindung an die Julier konnte diesen Makel zum Glück weitgehend ausgleichen. Zumal deren familiärer Status nach den Erfolgen Caesars immens gewachsen war. Eine noble Herkunft, eine noble Familie und Verbindungen zu den Juliern 25 gehörten dennoch geschlossen zu den Voraussetzungen, die ein geeigneter Nachfolger im besten Fall erfüllen konnte.
2.2 Militärische und politische Erfolge
Augustus zehrte nicht nur vom Ruhm seiner Ahnen und Familienmitglieder, er zehrte vor allem von seinen eigenen Erfolgen. Hier sei als Beleg auf die „Res Gestae“ verwiesen, die im Grunde eine Auflistung dieser Erfolge sind. Im Vordergrund stehen militärische Siege. 26,27 Erfolgreiche Feldherrn, die Wohlstand nach Rom brachten, waren hoch angesehen. Gleiches galt, wenn auch in geringerem Maße, für erfolgreiche Politiker. 28 Augustus’ Nachfolger musste demnach in beiden Bereichen überzeugen.
2.3 Finanzielle Mittel
In den „Res Gestae“ sind mehrere Abschnitte direkt und indirekt den Ausgaben des Augustus gewidmet. 29 Der Princeps gab Geld für die Bürger Roms und die Bürger des Reiches aus. Dieses Geld entnahm er nicht ausschließlich der Staatskasse. Häufig griff Augustus auf eigene Mittel zurück 30 . Zwar wusste er, wie er diese Mittel aus dem Staatshaushalt auffüllen konnte – Sein Nachfolger musste aber zweifelsfrei über ein gewisses Startkapital verfügen und sei es nur, um, in den ersten Wochen und Monaten seiner Regierungszeit das Volk bei Laune zu halten. Augustus hatte natürlich die 22 Vgl. a.a.O. Kaiserviten, Augustus, 4, 1.
23 Vgl. ebd, 7, 2.
24 Vgl. a.a.O. Kaiserviten, Augustus, 4, 2.
25 Vgl. a.a.O. Augustus, S. 139 u. 141.
26 Vgl. a.a.O. Res Gestae, hier v.a. 3 – 4 u. 25 – 27 u. 29 – 33.
27 Vgl. Historia Romana, 2, 6.
28 Vgl. a.a.O. Res Gestae, hier v.a. 5 – 8 u. 10 u. 15 – 16 u. 34.
29 Vgl. ebd., hier v.a. 15 – 24 u. Z. 1 – 4.
30 Vgl. ebd., hier v.a. 15 u. 17 – 18 u. 21 u. Z. 1 – 4.
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Arbeit zitieren:
Stefan Noack, 2009, Die Nachfolge des Augustus , München, GRIN Verlag GmbH
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