Inhaltsverzeichnis:
A. Einleitung. 3
B. Hauptteil. 3
1. Wie versteht sich die moderne Psychologie als Wissenschaft? 3
2. Wie stellt sich Persönlichkeitsforschung als psychologische Wissenschaft dar und was ist
Pers önlichkeitspsychologie? 4
2.1. Typologien und Eigenschaftstheorien 10
2.2. Dynamische Persönlichkeitstheorien. 13
2.3. Humanistische Theorien. 15
2.4. Lerntheorien. 16
2.5. Kognitive Theorien. 17
3. Pädagogische Psychologie als Grenzdisziplin zwischen Psychologie und Pädagogik. 21
4. Die Psychologisch / Pädagogische Forschung zur Lehrerpersönlichkeit. 22
C. Zusammenfassung. 36
D. Literaturverzeichnis. 41
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A. Einleitung
„Die Psychologie der Lehrerpersönlichkeit“ - ein Titel der zunächst einmal die Aufgabe hat Interesse zu wecken und zur Lektüre zu motivieren - ein Titel der aber gleichzeitig auch implizit zu erster alltagssprachlicher Interpretation verführt. Läßt man dies zu, steht „Psychologie“ meist synonym für „Menschenkenntnis“, oder „Psychoanalyse“, der Psychologe wird dabei meist gleichgesetzt mit dem „Psychotherapeuten“. Man empfindet Scheu vor „der Psychologie“, verhilft sie doch möglicherweise dazu andere Menschen zu „durchschauen“ oder gar zu „manipulieren“. Das Wort Lehrer steht ebenfalls nicht allein, andere, unsere Denkweise potentiell unterschiedlich beeinflussende, Vokabeln währen „Ausbilder“, „Erzieher“, „Lehrkraft“, „Lehrmeister“, „Magister“, „Mentor“ und „Pädagoge“. Unter dem Wort „Persönlichkeit“ versteht man meist den „Charakter“, eine „Respektperson“, oder es steht synonym für „Eigenart“, „Veranlagung“ und „Wesensart“. Im folgenden sollen die alltagssprachlichen Reflektionen ins wissenschaftliche Licht „gerückt“ und folgende Themenkomplexe betrachtet werden:
1. Wie versteht sich die moderne Psychologie als Wissenschaft?
2. Wie stellt sich Persönlichkeitsforschung als psychologische Wissenschaft dar und was ist Persönlichkeitspsychologie?
3. Pädagogische Psychologie als Grenzdisziplin zwischen Psychologie und Pädagogik.
4. Die psychologisch- / pädagogische Forschung zur Lehrerpersönlichkeit.
B. Hauptteil
1. Wie versteht sich die moderne Psychologie als Wissenschaft?
Herkömmlicherweise wird Psychologie umschrieben als empirische Wissenschaft vom Verhalten. Dabei ist Verhalten als solches nicht definierbar. Wir können nur auf bestimmte Sachverhalte verweisen - wie etwa Wahrnehmen, Problemlösen und menschliche Interaktion - und nennen sie Beispiele für Verhalten. Charakteristisch für das „Verhalten“ ist dabei seine „Äußerlichkeit“ und seine Präsenz in der „Öffentlichkeit“. Verhalten ist somit nur dass, was der Beobachtung zugänglich und somit einer intersubjektiven Kontrolle unterworfen ist. Dadurch verschiebt sich die Frage was Verhalten ist in Richtung der Frage was „beobachtbar“ ist, was „intersubjektiv kontrollierbar“ ist. Aus dieser Erkenntnis läßt sich Psychologie umschreiben als Wissenschaft von solchen Sachverhalten die beobachtbar sind. Über diese läßt sich dann ein intersubjektives Verständnis herstellen.
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Dabei werden zum Verhalten sowohl die Sachverhalte gerechnet, die sich nur dem Einzelnen Individuum sozusagen als seine Erlebnisse offenbaren, als auch jene, die von mehreren Beobachtern parallel erfaßt werden können.
Der individuelle Erlebnisanteile des Verhaltens ist nur erfaßbar durch Introspektion. Diese kann anderen aber durch Äußerungen über Erlebtes mitgeteilt werden. Psychologie definiert sich somit als „Wissenschaft vom Verhalten und Erleben“. Allein aus jener Definition wird aber die sich daraus ergebende Vielfalt, Gegensätzlichkeit und auch Widersprüchlichkeit dessen was als Psychologie gilt nicht erkennbar. Sowenig wie das was Wissenschaft genannt wird ist die Psychologie ein einheitliches System.
So finden sich in den Vorlesungen von Thomae (in: Thomae, H. und Feger, H., 1970) notwendige Abgrenzungen und Ergänzungen. Thomae sieht dabei die Psychologie „als die Wissenschaft von jenen Verhaltensaspekten, die innerhalb geschichtlicher und gesellschaftlicher Entwicklungen als jeweils relevant und methodisch in irgendeiner Art und Weise adäquat erfaßbar erscheinen“, die aber auch „aus den verschiedensten Gründen abgegrenzt werden“. Der Begriff „adäquate Erfassung“ wird dabei umschrieben durch eine Reihe von Kriterien. Diese sind „Beschreibung bzw. Messung der Variation von Verhalten und Erleben, Analyse der Bedingungen dieser Variation und Vorhersage des Verhaltens aufgrund von Gesetzmäßigkeiten“.
So wie die „Wissenschaft“ als solche, erweist sich „Psychologie“ als überaus komplexer Bereich. Bei der Persönlichkeitsforschung als Wissenschaft und Psychologie ist somit ebenfalls ein überaus hoher Grad an Komplexität zu erwarten.
2. Wie stellt sich Persönlichkeitsforschung als psychologische Wissenschaft dar und was ist Persönlichkeitspsychologie?
Die heutige Psychologie gliedert sich in Einzeldisziplinen auf. Beispielhaft sind hier zu nennen:
N Die „Allgemeine Psychologie“ als Wissenschaft vom Verhalten ohne dieses an ein bestimmtes Bezugssystem wie etwa Alter, Geschlecht, Individualität etc. zu binden. N Die „Sozialpsychologie“ als Wissenschaft vom Verhalten bei Interaktion und Kommunikation.
N Die Pädagogische Psychologie als Grenzdisziplin zwischen Psychologie und Pädagogik definiert sich als Wissenschaft, die sich mit der Anwendung psychologischer Forschungsergebnisse und Theorien auf Probleme des Erziehens bzw. mit der Erforschung von Problemen beschäftigt, die aus der Erziehungssituation erwachsen.
N Andere hier nicht näher definierte Teildisziplinen sind die „Klinische Psychologie“, die „Entwicklungspsychologie“, die Biologische Psychologie usw..
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Einer der Einzeldisziplinen gibt das Wort „Persönlichkeit“ den Namen. Vor den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts war diese Disziplin auch als „Charakterkunde“ oder als „Charakterologie“ bekannt.
Diese hatte ihren Ausgangspunkt in der Unsicherheit darüber was denn von einem Mitmenschen zu erwarten oder gar zu befürchten sei. Eine rasche und richtige Diagnose des Gegenübers stellt für uns vielfach die Voraussetzung für ein angemessenes eigenes Verhalten dar. Schon frühzeitig wurden deshalb Zeichen propagiert, um aus der äußerlichen Beschaffenheit auf den Charakter schließen zu können. Beispiele dafür sind Termini wie „Fuchs-“ oder „Habichtgesicht“, „Ohren wie ein Esel“ usw.. Eine wissenschaftliche Fortführung dieser Auswüchse fand sich in Gestalt der „Phrenologie“. Hier wurde der nicht erfolgreiche Versuch unternommen aus der Form des Schädels auf die Ausprägung von bestimmten Sinnen zu schließen. Demgegenüber hat der Versuch aus der Analyse der dynamischen Elemente der körperlichen Erscheinung, wie etwa Mimik und Gestik, Aufschlüsse zur Deutung der Persönlichkeit zu gewinnen nach wie vor nicht an Bedeutung verloren. Ein Teil dieser Ausdruckspsychologie ist dabei im übrigen auch die Graphologie. Insgesamt kann aber, trotz einer Reihe einschlägiger Lehrbücher ( z.B. Lersch, 1961; Gruhle, 1953) und außerordentlich instruktiver Darstellung von Detailproblemen (z. B. Rohracher, 1965), aus der heutigen Sicht gesagt werden, daß es sich bei der Ausdruckspsychologie ( soweit es dabei nicht nur um das richtige Verständnis von situativem Verhalten wie Lachen oder Weinen geht ) mehr um Intuition und persönliche Kunst als um fundierte Wissenschaft handelt. Unter den Theoretikern besteht keinesfalls eine einhellige Meinung darüber, was „Persönlichkeit“ genau bedeutet (siehe: Thomae, 1968, Seite 3 und Herrmann, 1972, Seite 19). Es gibt eine Reihe von Definitionen für Persönlichkeit. Allen gemeinsam sind dabei die Konzepte der „Einzigartigkeit“ und des charakteristischen (konsistenten) Verhaltens. Wenn man es einfacher ausdrücken will, könnte man sagen: Persönlichkeit ist das , was einen Menschen charakterisiert. Eine Art Einvernehmen scheint darüber zu bestehen, daß die
Persönlichkeitspsychologie sich mit dem Individuum befaßt, mit seiner Unterschiedenheit von anderen Individuen und seiner Vergleichbarkeit mit Ihnen (siehe: Thomae, 1968, Seite 10 und Herrmann, 1972, Seite 29). Als eine Art Minimaldefinition gilt eine Umschreibung, die drei Bestimmungsstücke enthält: „Die
Persönlichkeitspsychologie befaßt sich mit der Einzigartigkeit des Verhaltens von Individuen, mit der relativen Stabilität dieser Einzigartigkeit über Situationen und über Zeitabläufe hinweg“ (Herrmann, 1972, Seite 28). Obwohl nicht geklärt ist, wie konsistent das Verhalten von Menschen zu verschiedenen Zeiten und in verschiedenen Situationen wirklich ist, nehmen die meisten Persönlichkeitstheoretiker an, daß ein beträchtliches Maß an Konsistenz existiert.
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In der Tabelle 1 sind die wichtigsten Begriffe zusammengestellt, die von Psychologen bei der Persönlichkeitsbeschreibung benutzt werden.
Tabelle 1: Begriffe für die wissenschaftliche Beschreibung der Persönlichkeit. (Aus Corsini, 1977)
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Es gibt verschiedene Strategien zur Erforschung der Persönlichkeit. Einige Forscher die den „idiographischen Ansatz“ bevorzugen, benutzen beispielsweise Fallstudien (Einzelfallanalysen), um die einzigartigen Charakteristika einer Person zu identifizieren. Bei diesem Ansatz werden die Persönlichkeitseigenschaften eines jeden Menschen als einzigartig angesehen, weil sie bei jedem anders wirksam sind, je nach dem Gesamtmuster seiner Eigenschaften. Werden Durchschnittswerte aus den Eigenschaftsausprägungen verschiedener Personen gebildet, um zum Beispiel Gruppenkennwerte oder Korrelationen zu berechnen, so geht die Einzigartigkeit verloren.
Den Gegensatz zum „idiographischen Ansatz“ bildet der „nomothetische Ansatz“. Es wird angenommen, daß universelle, allen gemeinsame Eigenschaftsdimensionen die
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Grundstruktur der Persönlichkeit bilden. Nach dieser Auffassung unterscheiden sich Individuen nur „in dem Ausmaß“ von Persönlichkeitseigenschaften. Beim „nomothetische Ansatz“ wird versucht, eine universelle, gesetzmäßige Beziehung zwischen verschiedenen Aspekten der Persönlichkeit , etwa den „Eigenschaften“ mittels der „korrelativen Methode“ herzustellen. (Korrelation: Statistische Bezeichnung für die Art und das Ausmaß des Zusammenhangs zwischen zwei oder mehr Variablen. Maßzahl für die Korrelation ist der Korrelationskoeffizient.) „Persönlichkeitstheorien“ sind Gefüge von Annahmen über die Struktur und Funktion individueller Persönlichkeiten. Sie dienen zwei Zielen:
1. verschiedene Aspekte der Persönlichkeit, ihre Geschichte, ihre Korrelate und ihre Konsequenzen zu verstehen; und
2. auf der Grundlage unseres aktuellen Wissens über die Persönlichkeit „Vorhersagen“ zu treffen.
Dabei machen jedoch verschiedene Theorien unterschiedliche Vorhersagen darüber, wie sich Menschen unter bestimmten Bedingungen verhalten werden. Die gegenwärtig existierenden Theorien können in fünf Kategorien geordnet werden:
1. Typen- und Eigenschaftstheorien.
2. Psychodynamische Theorien.
3. Humanistische Theorien.
4. Lerntheorien.
5. Kognitive Theorien.
Diese Vielfalt ergibt sich unter anderem daraus, daß verschiedene Theoretiker die Komplexität der Psyche mit ganz unterschiedlichen Voraussetzungen analysieren. Sie benutzen verschiedene Analyseebenen und wählen bestimmte Variablen und Prozesse als besonders wichtig aus.
Im weiteren soll der hier der Versuch unternommen werden die in den o.a. Kategorien enthaltenen Theorien kurz vorzustellen.
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Arbeit zitieren:
Dr. phil. Udo Schultheis, 2001, Die Psychologie der Lehrerpersönlichkeit, München, GRIN Verlag GmbH
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