1. Einleitung
Die Hausarbeit beschäftigt sich mit der Kaiserkrönung Ottos des Großen. Den Schwerpunkt soll der Weg zur Krönung ausmachen, wobei hier insbesondere die Beweggründe Ottos für die Erneuerung des römischen Kaisertums genannt werden sollen. Es soll in gegebener Kürze dargestellt werden in welcher Situation sich König Otto befand und wo die Anfänge für das Streben nach der Kaiserkrone zu suchen sind. Diese Arbeit kann keinen umfassenden Bericht über die römische Krönung und ihre Vorgeschichte geben, sie versucht vielmehr die Kernpunkte zu fixieren und quellenkritische Probleme zu beleuchten, um einen groben Überblick über die Materie zu schaffen.
Da nicht alle Aspekte gleich viel Beachtung erfahren können, werden zwei Themen stärker behandelt. Zum einen die Lechfeldschlacht, bei der Otto die Ungarn abwehrte und sich somit eine größere Legitimation innen- wie außenpolitisch verschaffte. Zum anderen soll die Rolle der Kaiserin Adelheid beleuchtet werden und ihren Einfluss auf die Kaiserkrönung.
2. Der Weg zur römischen Krönung
2.1 Der Zustand des römischen Kaisertums und die Absicht Ottos
Das Kaisertum hatte längst den imperialen Glanz aus den Zeiten Karls des Großen verloren, durch Reichsteilungen hatte es letztlich nur noch regionale Bedeutung 1 . Somit war mit dem Tod des letzten offiziellen Kaisers, Berengar I. von Italien ( 924), gleichzeitig auch das Kaisertum erloschen. 2 Erst Otto I. griff mit seiner römischen Krönung die Kaiserwürde wieder auf. Doch wie kam es dazu?
Ottos Absicht sich zum Kaiser krönen zu lassen kann erst spät festgestellt werden. Er schien sogar zunächst keine Absicht zu haben, sich in Italien zu engagieren. Dies zeigt sich in der Auseinandersetzung des Marktgrafen Berengar von Ivrea mit König Hugo von Italien.
1 Lars Hageneier, Die Zeit der Karolinger, Darmstadt, 2006, S. 80
2 Rudolf Schieffer, Die Karolinger, 3. Auflage, Stuttgart, 2000, S. 195 f.
2
So gewährte Otto dem Marktgrafen zwar Asyl und ließ ihn einen Huldigungsakt abhalten, 3 ergriff jedoch keine Initiative gegen König Hugo von Italien, der der Grund für Berengars Flucht war. Hierzu lesen wir bei Liudprand, dass Otto Gold und Geschenke erhalten habe, damit er nicht eingreife 4 und stellt somit die Gnade und Mildtätigkeit Ottos als Grund dar. Der Geschichtsschreiber Liudprand muss in diesem Zusammenhang jedoch kritisch gesehen werden, er war einst Geistlicher unter Berengar, bevor er in Ungnade fiel und an den Hof Ottos fliehen musste. 5 Daher müssen wir von einer subjektiven Färbung seiner Schriften ausgehen, denn gerade seine Antapodosis ist als eine Art Abrechnung zu sehen. Diejenigen die ihm geholfen haben, erscheinen in einem positiveren Licht. Wahrscheinlicher scheint daher die Erklärung, die uns Johannes Laudage liefert: Otto hatte schlicht keine Machtmittel für ein Eingreifen in Italien, 6 er musste zunächst seine Macht im Inneren seines Reiches festigen und sein Königtum gegen den aufbegehrenden Adel behaupten. Auf die Aufstände kann hier nicht näher eingegangen werden, nur soviel sei gesagt, Otto übernahm das Regieren im Kerngebiet selbst und übertrug andere Bereiche so, dass er sein Reich tatsächlich befrieden konnte. Die Folge hiervon war jedoch, dass er im Bereich der Außenpolitik äußerst eingeschränkt und an eine expandierende Außenpolitik nicht zu denken war. 945 kehrt Berengar zurück und übernahm die Regierungsgeschäfte, wobei Hugo nur dem Namen nach König blieb. 7 Berengar führt fortan den Titel des „obersten Ratgebers“ 8 . Dieses Verhalten scheint typisch für Otto in dieser Zeit, er versuchte Einfluss über Lehnsbeziehungen zu bekommen. Sein Eingreifen im Königreich Burgund war schon direkter, auch wenn er damit keine Expansionsgedanken verband. Im Juli 937 war der bisherige Herzog gestorben und Hugo von Italien versuchte Macht über dieses Gebiet zu bekommen. Otto brachte den König Konrad in seine Gewalt und führte statt seiner die
3 Widukind von Corvey, Sachsengeschichte III, 11, MGH SS rerum Germanicarum in usum scholarum 60
S. 110; auch wenn Widukind selten aus seinem Kloster herausgekommen ist und vieles durch mündliche
Weitergabe erfahren hat, die auch in einer sächsischen Sichtweise ihren Ausdruck findet, zeigt er sich für
uns dennoch als einer der wichtigsten Zeugen, die zeitnah ihr Werk verfasst haben. Auch weil bei ihm nicht
nur Züge zu erkennen sind, die die sächsischen Herrscher, äußerst positiv darstellen (zu Otto I vgl. I, 34),
sondern er auch für Feinde sympathisierende Worte findet (z.B. Wichmann in II, 4) was ihn relativ objektiv
erscheinen lässt; (vgl. Anm. 17)
4 Liudprand von Cremona, hrsg. von Joseph Becker, Die Werke Liudprands von Cremona (MGH SS rer.
Germ. in us. schol. [41]), Hannover, 1915, Antapodosis V, 18, S. 133 f.
5 über die Gründe, warum er in Ungnade fiel ist uns nichts näheres bekannt. Vgl. hierzu Quellen der
sächsischen Kaiserzeit, hrsg. v. Bauer, Albert; Rau, Reinhold, Darmstadt, 1971, S. 235-242
6 Johannes Laudage, Otto der Große (912-973). Eine Biographie, Regensburg, 2001, S. 158
7 Liudprand von Cremona, vgl. Anm. 4, V 31, S. 142
8 D HU-Lo Nr. 83, S. 243; zitiert nach Laudage, vgl. Anm. 5; vgl. hierzu auch Anm. 3, V, 30, S. 141 f
3
Regierungsgeschäfte 9 soz. als Vormund 10 . Der Sachsenkönig hatte seinen Einfluss also vergrößert und innere sowie äußere Gefahren eingedämmt. Doch nicht nur außenpolitisch verbesserte er seine Situation, sondern auch kirchenpolitisch. Zu nennen ist hierbei vor allem die Ingelheimer Synode von 948. Hier traten insbesondere zwei Themen in den Vordergrund. Zum einen sollte ein Streit um das Erzbistum Reims beigelegt und zum anderen die Slawenmission weiter vorangetrieben werden, 11 wobei bezeichnend für die Stellung, die Otto mittlerweile hatte, seine Rolle als Schiedsrichter war. Nachdem sich die anwesenden Bischöfe für den Metropoliten Artold, der auch von Otto und Ludwig IV bevorzugt wurde, entschieden und den Gegenkandidaten mit einem Bann belegt hatten, schickte Otto ein Heer unter der Führung Konrads des Roten los, das Ludwig IV die militärische Übermacht gewährleistete und der Entscheidung Nachdruck verlieh. 12 Außerdem wurden noch fünf Bistümer gegründet, die zur Slawenmission dienen, aber auch die ottonische Reichskirche stärken sollten, zum einen weil sie vermutlich in der Remigiuskirche von Ingelheim geweiht wurden und somit eindeutig zum Reichsepiskopat gehörten und zum anderen weil die neuen Bistümer Brandenburg und Havelberg zu Suffraganbistümern von Mainz gemacht und die dänischen Diözesen dem Metropoliten von Hamburg-Bremen zugeteilt wurden. 13 Diese oben genannten Vorraussetzungen stärkten den König, der sich nicht nur außenpolitisch, sondern auch durch die Bindung zu Rom und zur katholischen Kirche, nicht zuletzt durch die Ingelheimer Synode und die Slawenmission, gestärkt sah. Dennoch, ein Expansionsgedanke, wie bereits zuvor erwähnt, ist hier noch nicht zu erkennen.
2.2 Direktes Eingreifen in Italien und die Heirat mit Adelheid
Im Jahre 950 sollte sich dies jedoch ändern und Otto wird selber aktiver. In diesem Jahr stirbt der König von Italien und Berengar von Ivrea lässt sich und seinen Sohn Adalbert am 15. Dezember 950 in Pavia zum König krönen, 14 die rechtmäßige Königin setzt er am
9 Continuatio Reginonis, in: Reginonis abbatis Prumiensis Chronicon cum continuatione Treverensi, hrsg.
von Friedrich Kurze (MGHSS rer. Germ. In us. schol. [50]), Hannover, 1890, zu 943/44, S. 162
10 Gerd Althoff und Hagen Keller, Heinrich I und Otto der Große: Neubeginn auf karolingischen Erbe, Bd.
1, 1985, S. 164
11 MGH Leges, sectio III, Concilia, Teil VI,1 , Die Konzilien Deutschlands und Reichsitaliens 919-1001,
Teil 1 919-961, hrsg. v. Ernst-Dieter Hehl unter Mitarbeit von Horst Fuhrmann, Hannover, 1987, Nr. 13, S.
135-163, bes. S. 157-163
12 Gerd Althoff, vgl. Anm. 10, S. 163 f.
13 Johannes Laudage, vgl. Anm. 6, S. 164
14 Bernd Schneidmüller, Otto I. der Große (936-937), in: Die deutschen Herrscher des Mittelalters.
Historische Portraits von Heinrich I. bis Maximilian I. (919-1519), 2003, S.48
4
20. April 951 gefangen. 15 Diese kann jedoch am 20. August fliehen und findet bei Adalhard von Reggio und später bei einem seiner Vasallen, Atto von Canossa, Asyl. Zunächst zog Liudolf über die Alpen, offensichtlich ohne dies mit seinem Vater besprochen zu haben, denn hieraus sollte sich ein bedeutsamer Konflikt entwickeln, auch wenn Liudolf unverrichteter Dinge wieder abziehen musste. 16 Wann sich Otto nun entschlossen haben soll Adelheid zu Hilfe zu kommen und sie letztlich auch zu heiraten, steht nicht ganz fest. Speziell über die Heiratsabsichten gibt es mehrere Angaben, Hrotsvith von Gandersheim schreibt zum Beispiel, dass Otto die Pläne schon vor der Abfahrt gehabt habe. 17 Wir wissen von ihr, dass sie ebenso wie Widukind kaum aus ihrem Kloster gekommen ist. Im Gegensatz zu ihm berichtet sie jedoch eingehend über Italien und kann genaue Auskunft über die Flucht Adelheids geben. 18 Andere Chronisten behaupten jedoch, Atto von Canossa sei der Erfinder des Heiratsplans. 19 Was sich mit Sicherheit sagen lässt ist, dass Otto Berengar aus Pavia vertrieben hat und von Heinrich verfolgen ließ. 20 Das Entscheidende hierbei im Bezug auf das Selbstverständnis Ottos und dessen Kaiserplänen ist, dass er diesen Auftrag mit einer Metallbulle beglaubigt hat, so wie es damals als kaiserliches und päpstliches Privileg galt. 21 Diese Handlung zeigt uns demnach, in welcher Stellung Otto sich selber sah und v.a. wie er sich seine Zukunft als Herrscher vorstellte. An dieser Stelle sei auch die Rolle Adelheids hervorgehoben. Bernd Schneidmüller schreibt, dass sie König Otto eine „ganz neue Welt“ öffnete, 22 hierauf wird noch einzugehen sein. Zunächst muss geklärt werden in welcher Beziehung Adelheid zu Otto stand. Eine Beziehung, die schon früh bestanden hatte, da sie entfernte Verwandte waren. 23 Nach dem Tode ihres Vaters 937 und der Machtübernahme von König Hugo, flohen Adelheids Brüder, Konrad und
15 Hrotsvith von Gandersheim, hrsg. von Paul von Winterfeld, Hrotsvithae Opera (MGH SS rer. Germ. in
us. schol. [34]), Berlin, 1902, Gesta Ottonis Vers 467-587
16 Der Zug Liudolfs kann nicht genau geklärt werden, vermutlich wollte er im Sinne des Königs handeln,
fiel aber in Ungnade. vgl. Hagen Keller Entscheidungssituationen und Lernprozesse in den „Anfängen der
deutschen Geschichte“. Die Italien- und Kaiserpolitik Ottos des Großen. In: Frühmittelalterliche Studien,
Bd. 33, 1999, S. 20-48, insbes. S. 32 f.; der Zug wird bei Widukind erwähnt Vgl. Anm. 2, III, 6, S. 108
17 Hrotsvith von Gandersheim, vgl. Anm.15, Vers 588-607
18 Willhem Wattenbach und Robert Holtzmann, Deutschlands Geschichtsquellen im Mittelalter. Die Zeit
der Sachsen und Salier. Erster Teil. Das Zeitalter des ottonischen Staates, Darmstadt 1967, S. 34-37
19 Donizio von Canossa, Vita Mathildis celeberrimae principis Italiae Vers 215-224, S. 14 zitiert nach
Johannes Laudage, vgl. Anm. 6
20 Widukind von Corvey, vgl. Anm. 3, II, 36, S. 95 f.
21 Die Urkunden Konrad I., Heinrich I. und Otto I., hrsg. von Theodor Sickel, Die Urkunden der deutschen
Könige und Kaiser (MGH Diplomata regum et imperatorum Germaniae 1), Hannover, 1879-1884, D O I.
Nr. 135, S. 215, hierzu Johannes Laudage, vgl. Anm. 6, S. 164
22 Bernd Schneidmüller, vgl. Anm. 14, S. 49
23 Stefan Weinfurter, Kaiserin Adelheid und das Ottonische Kaisertum, in: Frühmittelalterliche Studien 33,
1999, S.5
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Christoph Heuser, 2008, Die Kaiserkrönung Ottos des Großen, München, GRIN Verlag GmbH
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