1. Phonetik
Der Begriff Phonetik stammt aus dem Griechischen [φωνητικóς] (phōnētikós), was soviel wie „zum Tönen/Sprechen gehörig“ bedeutet. Dies wurde von dem Wort [φωνή] (phōn) abgeleitet, was „Laut, Ton oder Stimme“ als Bedeutung hat. 1 Diese Wissenschaft beschäftigt sich also mit Lauten, besser gesagt, mit ihrer Produktion, Übertragung und Wahrnehmung. Man unterscheidet, dementsprechend, drei Zweige dieses Teilgebiets der Sprachwissenschaft: die artikulatorische, die akustische und die auditive Phonetik. (Pelz, 1997)
1.1 Artikulatorische Phonetik
Die Aufgabe der artikulatorischen Phonetik ist es, die Bildung der Laute zur Untersuchen. Diese Disziplin ist sehr alt, da man sich schon in der Antike mit der Entstehung der Lauteihrer Art und ihren Entstehungsorten - beschäftigte (Wagner, o.J., Quelle Nr.5). In dem Buch „Die Cambridge Enzyklopädie der Sprachen“, nennt David Crystal sechs Hauptfaktoren, die bei der Entstehung und Beschreibung der Laute eine wichtige Rolle spielen:
1) Luftstrom: Ursprung und Richtung sind für die grundlegende Kategorie des Lautes ausschlaggebend.
2) Stimmbänder: Ob ein Laut stimmhaft oder stimmlos ist, hängt davon ab, ob die Stimmbänder schwingen oder nicht
3) Gaumensegel: Wenn der Gaumen abgesenkt ist, entstehen Nasale, da die Luft durch die Nase strömt. Ist er jedoch angehoben, tritt die Luft aus dem Mund und es entstehen Orale.
1 http://de.wikipedia.org/wiki/Phonetik (aufgerufen am 02.07.2008) 2
4) Artikulationsort: Als Artikulationsort bezeichnet man die Stelle, an dem der Verschluss oder die Verengung stattfindet, die für die Art des jeweiligen Lautes bestimmend sind. (Zähne, Gaumen, Lippen etc.)
5) Artikulationsart: Art der Verengung bzw. der Verschlusses, der an der jeweiligen Artikulationsstelle stattfindet.
6) Lippen: „Die Stellung der Lippen (gerundet, auseinander, geschlossen, geöffnet) ist ein wichtiges Merkmal bei der Beschreibung bestimmter Laute.“ (Crystal, 1995:152)
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1.2 Akustische Phonetik
In diesem Teilgebiet untersucht man die Übertragung der Laute als Schallsignale. Entgegen der artikulatorischen, ist die akustische Phonetik eine eher junge Disziplin, da die notwendigen Messgeräte (wie z.B. der Spektrograph), die die übertragenen Schallsignale untersuchen und ihre Frequenz erfassen, erst in neuerer Zeit erfunden worden sind. (Wagner, o.J., Quelle Nr.5)
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1.3 Auditive Phonetik
Die Wahrnehmung der Laute, letztendlich, fällt in den Bereich der auditiven Phonetik. Dabei untersucht man, wie die einzelnen Laute von Gehörnerven und Gehirn wahrgenommen und identifiziert werden. (Wagner, o.J., Quelle Nr.5)
1.4 Rückkopplung
Während man spricht, ist es einem möglich, die gesprochenen Laute selbst wahrzunehmen. Diesen Vorgang nennt man in der Phonetik Rückkopplung. Man unterscheidet dabei zwischen der auditiven Rückkopplung und der kinästhetischen. (Wagner, o.J., Quelle Nr.5)
Bei der auditiven Rückkopplung nimmt der Sprecher die Laute, die er produziert, selbst wahr. Bei der kinästhetischen, spürt er die Bewegungen, die bei der Lauterzeugung entstehen (Muskeln, Kiefer, Zunge, etc.). Dieser Vorgang ermöglicht uns das Sprechen zu kontrollieren. Wenn man jedoch unter Alkohol- oder Drogeneinfluss steht, oder wenn z.B. nach einem Zahnarztbesuch der Mund betäubt wurde, werden die Rückkopplungen beeinträchtigt und es führt zu einem Kontrollverlust des Sprechens. (Wagner, o.J., Quelle Nr.5)
2. Anwendungsgebiete der Phonetik
Viele kennen Phonetik aus dem Fremdsprachenunterricht. Für die Schüler ist es genauso wichtig wie für die Lehrer die phonetischen Grundlagen zu kennen. Die Aussprache ist daher wichtig, da sie oft auch bedeutungsunterscheidend wirkt. Folglich können einige Wörter an Sinn verlieren und Grammatik oder Semantik verloren gehen, wenn die Aussprache nicht stimmt. (Wagner, o.J., Quelle Nr.5)
Ein weiteres Gebiet, indem Phonetik angewandt wird, ist die Logopädie. Um die Ursachen der Sprechstörungen zu erkennen, müssen die Logopäden über phonetisches Wissen verfügen. Die Gründe für Sprechstörungen und falsche Aussprache können verschiedener Natur sein. Wenn der Patient während der Artikulation die Lippen falsch formt, die Zunge falsch bewegt usw., so wird die korrekte Aussprache einzelner Laute beeinträchtigt. Der Logopäde muss daher untersuchen, an welcher Stelle und wie der Patient den Laut bildet und ihn entsprechend verbessern. Die Ursachen für die Sprechstörung können aber auch anatomisch bedingt sein. (Wagner, o.J., Quelle Nr.5)
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3. Das Internationale Phonetische Alphabet (IPA)
3.1 Die Entstehungsgeschichte
1886 wurde in Paris die „Vereinigung der Phonetiklehrer“ durch eine Gruppe der Sprachlehrer gegründet, „die Phonetik als hilfreich für die praktische Arbeit erachteten und die entsprechenden Methoden populärer machen wollten“ (Crystal). 1886 schlug Otto Jespersen vor, ein Phonetisches Alphabet zusammenzustellen, das für jeden Laut genau ein Zeichen enthalten und auf alle Sprachen anwendbar sein sollte. Im August 1888 wurde die erste Version des Internationalen Phonetischen Alphabet veröffentlicht. Die Organisation publizierte nebenbei auch eine Zeitschrift, die nur in der Lautschrift abgedruckt wurde. 1897 gab sich die Vereinigung den Namen L`association Phonétique Internacionale. (Crystal, 1995)
Das IPA wurde immer wieder erneuert, die Zeichen immer besser an die Vielfalt der Laute angepasst. Die International Phonetic Association hat heute ihren Sitz am University College in London. (Crystal,1995)
3.2 Das Transkriptionssystem
Es existieren viele verschiedene Versionen des Phonetischen Alphabets (auch Transkriptionssystem genannt). Das ist darauf zurückzuführen, dass jede Sprache ihr eigenes Lautinventar besitzt und das IPA daher für jede Sprache eine bestimmte Sammlung von Symbolen besitzt. 1
Dass das Transkriptionssystem eine große Hilfe für alldiejenigen ist, die eine neue Sprache lernen wollen, sehen wir am nachfolgenden Beispiel. In dem Kasten werden einige Wörter aus dem Polnischen, Kroatischen, Serbischen und Finnischen aufgeführt. Vorausgesetzt, man hat diese Sprachen weder gelernt noch Jemanden in diesen Sprachen reden hören, wie würden man diese Wörter wohl aussprechen?
1 Während der Recherche, besuchte ich einige Internetseiten, wie die Homepage der International Phonetic Association http://www.arts.gla.ac.uk/ipa/ipa.html, die eine Sammlung von Symbolen des IPA enthielten, und stieß auf viele verschiedene Versionen, woraus ich dann schließen konnte, dass das IPA für jede Sprache, sich jeweils auf das Lautinventar bezieht. 5
Arbeit zitieren:
Katharina Martin, 2007, Phonetik und Phonologie am Beispiel verschiedener Sprachen, überwiegend anhand der Portugiesischen, München, GRIN Verlag GmbH
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