0 Einleitung
Die vorliegende Arbeit wurde als einleitendes Thema im Rahmen des sprachwissenschaftlichen Hauptseminars „Linguistische und kulturelle Spezifik interkultureller Kommunikation“ entwickelt und untersucht die verbalen und nonverbalen Aspekte der Kommunikation, die kulturellen Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen Repräsentanten des Gastlandes (in diesem Fall Deutschland) und Zugewanderten 1 , Bildungsinländern und/oder ausländischen Studierenden und vor allem wie sie manch ein Verhalten oder einen Satz (Phraseologismus) verstehen.
Das Ziel der Arbeit ist, durch theoretische und praktische Beispiele aufzuzeigen, worin genau der Erfolg oder der Misserfolg der Kommunikation zwischen zwei oder mehreren Kulturen bestehen, wo sie verwurzelt sind, wie die Repräsentanten dieser Kulturen nach einem gegenseitigen Verständnis suchen und wie sie dieses erreichen oder nicht. Bewusst wurde Literatur aus drei verschiedenen Sprachkreisen gewählt, deutsch-, russisch- und englischsprachig, damit auch die Sichtweisen der Autoren, die größtenteils neutral sind, jedoch aber auch einer bestimmten Kultur angehören, verglichen werden können.
Das Buch „Невербальная семиотика: Язык тела и естественный язык“ von G. E. Krejdlin hat mit seinen vielfältigen Beispielen und seinen Erläuterungen zu vielen aufschlussreichen Punkten dieser Arbeit verholfen.
1 Die meisten Beispiele beziehen sich auf russischsprachige Zuwanderer, einige der Beispiele stammen auch aus eigenen Erfahrungen mit Ausländern, die länger als 1 Jahr in Deutschland leben, oder deutschen Muttersprachlern (Anm. der E. K.).
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S. G. Ter-Minasova beschäftigt sich in ihrem Werk „Язык и межкультурная коммуникация“ weitgehend mit der engen Verbindung, die zwischen Sprache und Kultur besteht, welche Rolle diese für die Entstehung der Persönlichkeit jedes einzelnen Menschen spielen, welche Konflikte in der neuen globalisierten Welt existieren, wie und warum manche auf den ersten Blick „universellen“ Begriffe anders definiert werden (darunter Begriffe wie Liebe, Lächeln, Verhältnis zu Reichtum und Armut, etc.).
Interessant ist noch anzumerken, dass im Vergleich zu der deutsch- oder englischsprachigen Literatur, sei es sogar wie in diesem Fall Fachliteratur, die russischsprachige sich viel ausführlicher mit der emotionalen Wahrnehmung von Sprache, Kultur und Angehörigkeit auseinander setzt. Die deutsch- bzw. englischsprachige Literatur hingegen beschäftigt sich viel mehr mit der „rein wissenschaftlich“ bewiesenen oder zu beweisenden Seite der verbalen und nonverbalen Kommunikation.
B. Schönherr z. B. beschreibt in ihren Buch „Syntax - Prosodie - nonverbale Kommunikation: Empirische Untersuchung zur Interaktion sprachlicher und parasprachlicher Ausdrucksmittel“ die Besonderheiten der deutschen kommunikativen Sprache, indem sie vor allem Prosodie, Intonation und Grammatik, Phonologie, Akzent, Sprechgeschwindigkeit und Lautstärke, Gestik und Blickverhalten untersucht und darstellt.
Eine sehr ausführliche, jedoch etwas kurz gefasste Liste der linguistischen und paralingusitischen Elemente in der Sprache bietet das Modell „Das dreigliedrige, zweisprachige Kommunikationssystem Dolmetschen“ der Dolmetscherin Hella Kirchhoff. Obwohl sich dieses konkret auf die Dolmetsch- und nicht auf die einfache, einsprachige Kommunikationssituation bezieht, verhilft es zur Veranschaulichung der für die vorliegende Arbeit relevanten Begriffe. Die drei englischsprachigen verwendeten Werke, „Accommodation in Native Speaker-Foreigner Interaction”, „Code-control: a psycholinguistic evaluation of communicative competence and code-switching” und „ Intercultural
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communication: A discourse Approach”, jeweils von K. Janicki, A. Koll-Stobbe und R. Scollon und S. Wong Scollon werden im Kapitel 3 behandelt. Sie beschäftigen sich vorwiegend mit dem „Konflikt zwischen den Kulturen“ im sozialen Leben und deren Interaktion. L. P. Krysin im Buch „Современный русский язык: Социальная и функциональная дифференциация“ geht auf Probleme ein wie sprachlichkommunikative Unterschiede in der einsprachigen russischen Gesellschaft und Typisierung und Klassifizierung der kommunikativen Misserfolge. Ein Teil des Kapitels 3 wird auch einigen persönlichen Beobachtungen und Feststellungen der Autorin dieser Arbeit gewidmet, die aufzeigen sollen, dass für so gut wie jeden „Sprachausländer“ bestimmte Charakteristika in der Muttersprache typisch sind, die auf Auswirkungen durch die intensive Nutzung der Fremdsprache (Deutsch, Anm. E.K.) zurückzuführen und nicht nur für eine ausgegrenzte Gruppe „Fremdsprachler“ kennzeichnendes Merkmal sind. Des Weiteren wird ein Kapitel der Interkulturalität gewidmet, wie sich diese auf das Zusammenleben der Angehörigen der unterschiedlichen Kulturen auf einem Areal auswirkt.
1 Der Begriff der Kommunikation und der Kommunikationssituation im russisch- und im deutschsprachigen Raum
Das Wort Kommunikation kommt aus dem lateinischen communication und dieses seinerseits aus communis, also gemein, gemeinsam, gemeinschaftlich (vgl. ТерМинасова 9). Die Kommunikation ist also die Verbindung, die zwischen den Menschen existiert und sie als „gemeinschaftliche Wesen“ definiert. Die Kommunikation ist ein Prozess des Austausches, der Anpassungsfähigkeit, die jeder einzelne Mensch besitzt, um in Kontakt mit anderen Menschen zu kommen. Um es mit den Worten von Krejdlin in „Семиотика, или азбука общения“ (Крейдлин 2004:53) auszudrücken:
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„Чаще всего ситуация общения заключается в передаче информации, и то есть передаче некоторого сообщения. Люди сообщают друг другу о самых разных вещах: о своем здоровье и настроении, о погоде и произходящих событиях, о научных открытиях и новостях культуры. Они обращьются друг к другу с просьбами или пожеланиями, задают вобросы или отвечают на них, отдают приказы, выражаюют радость, обещают или обманывают, признаются в любви и ссорятся.”
Die Kommunikationssituation entsteht erst mit dem Vorhandensein eines Senders und eines Empfängers; sie wird durch die Interaktion, d. h. das Zusammenwirken, definiert. Die Kommunikationssituation ist also ein „Gespräch“, eine Interaktion, in der es einen Sprecher (Sprachproduzenten) und einen Hörer (Sprachrezipienten) gibt, die mit ihrer Tätigkeit und Reaktion aufeinander wirken, verbal oder nicht verbal miteinander Äußerungen austauschen (vgl. Kober 27). Im Jahr 1947 entwickelten die US-amerikanischen Forscher Claude Shannon und Warren Weaver folgendes Modell der Kommunikation, das heute zwar als vereinfacht gilt, jedoch an Bedeutung nicht verloren hat 2 :
Informationsquelle → Sender → Nachricht → Empfänger → Reziepient
Abb. 1 Grundmodell der Kommunikation nach Shannon und Weaver (1947)
Mit Informationsquelle ist der AT 3 -Redner gemeint. Der eigentliche Sender sind demzufolge die Sprechorgane des Redners. Die Nachricht ist die zu übermittelnde Information, die durch die Intention des Redners, der des einen Gesprächspartners, jemanden erreichen soll. Der Empfänger sind die sensorischen Organe des Gesprächspartners (Ohren, Augen, etc.). Der Begriff Rezipient
2 Modelldarstellung entnommen der Vorlesung „Einführung der Translationswissenschaft“ gehalten im Sommersemester 2004 von Univ.-Prof. Dr. D. Huber am FASK in Germersheim (Anm. E. K.) 3 AT = Ausgangstext (Anm. E. K.)
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bedeutet das Gehirn des Gesprächpartners, das die aufgenommene Information „versteht“.
In der russischsprachigen Literatur werden Informationsquelle und Sender sowie Empfänger und Rezipient nicht weiterhin unterschieden. Krejdlin (2004:54) nennt die ersten отправитель und die zweiten адресат, wobei er Bezug auf die Briefkorrespondenz nimmt, bei der es auch einen Sender (отправитель) und einen Empfänger (адресат) gibt. Er beschreibt auch die Rollen, die jeder Kommunikationspartner einnehmen kann und dass diese sich abwechseln können, je nach Kommunikationssituation und -ziel. In einer Alltagssituation hat man normalerweise beide Rollen: sowohl die des Senders als auch die des Empfängers. In einigen Situationen allerdings gibt es für jeden der Kommunikationspartner eine „vorbestimmte“ Rolle, die er immer beibehält. Zum Beispiel ist der Autor eines Buches immer der Sender, der anderen etwas mitteilt, und die Leser sind immer die Empfänger. In der Kommunikationssituation ist die Sprache das Werkzeug, das die Kommunikation erleichtern oder erschweren kann, denn:
and by writing are not given in the words and sentences alone but are also
constructed
Scollon/Scollon 7)
Die Wahrnehmung der Kommunikation erfolgt also grundsätzlich über zwei Kanäle: über den verbalen und über den nonverbalen Kanal.
1.1 Verbale Kommunikation
Die verbale Kommunikation besteht im Informationsaustausch zwischen zwei oder mehreren Personen mittels Anwendung von Wörtern oder Wortverbindungen.
Die verbale Kommunikation besteht sowohl aus der geschriebenen und der gesprochenen Sprache als auch aus dem Lesen und Zuhören, d. h. dass das
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Arbeit zitieren:
Eliza Kalderon, 2006, Verbale und nonverbale Aspekte der Kommunikation, München, GRIN Verlag GmbH
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