vernachlässigt und kaum eine Studie veröffentlicht. Ich möchte aber versuchen, einige der gängigen Theorien auf unser Beispiel der japanischen Gemeinschaft zu übertragen und auf Grundlage des Gesprächs mit Dr. Shimada kritisch zu hinterfragen.
Der Soziologe Dr. Hartmut Esser spricht der Massenkommunikation zwei integrative Funktionsweisen zu: Zum einen fördere sie den Erwerb sprachlicher Kompetenzen, einer Grundvoraussetzung interethnischer Kommunikation und somit notwendige Bedingung für Integration. Zum anderen könne die mediale Repräsentation von Migranten im besten Falle Vorurteile und soziale Distanzen abbauen (vgl. Esser 2000). Zwar ist diese formale Überlegung sicher richtig, ich wage es jedoch zu bezweifeln, dass es den Medien tatsächlich im Alltag gelingt, dieses Ziel auch nur annähernd zu erreichen und auf diese Weise zur Bildung einer symbolischen Gemeinschaft beizutragen. Doch ist es das überhaupt, was man erreichen möchte: Eine Art massenmediale Homogenität? Sicher nicht. Integration bedeutet schließlich auch, dass sich beide Seiten, Mehr- und Minderheit, aufeinander zu bewegen, ohne dass eine Seite die kulturelle Identität aufgeben muss. ‚Pluralismus‘ ist also das Stichwort, womit jedoch wiederum das Risiko der Ghettoisierung verbunden ist. Hinsichtlich der Mediennutzung bezeichnet dies die Abkapselung von den Mehrheitsmedien und eine gänzliche Rückbesinnung auf Medienangebote in der Muttersprache bzw. aus dem Heimatland. Insbesondere neue Technologien, wie zum Beispiel das Satellitenfernsehen, oder aber die fortschreitende weltweite Vernetzung durch das Internet schlagen heute schnell und einfach eine Brücke in die Heimat. Mediennutzung und -aneignung von Migranten bewegt sich also stets im oben skizzierten Spannungsfeld. Es bleibt folglich die Frage: Welchen Einfluss hat die individuelle Nutzung der verschiedenen Angebote auf den Integrationsprozess?
Neben dem breiten Angebot deutschsprachiger Print- und audiovisueller Medien stehen den in Düsseldorf lebenden Japanern auch eine Reihe „eigener“ Medienprodukte zur Verfügung. Nach Aussage von Prof. Shimada werden eine wöchentlich erscheinende Zeitung und das Internet-Portal duesselnet.com dabei besonders häufig rezipiert. Ihre große Beliebtheit lässt sich in erster Linie damit erklären, dass beide Angebote ausschließlich in japanischer Sprache verfügbar sind. Wie eine Art „Claim“ ziert die Startseite des Internet-Portals sogar am oberen
Bildschirmrand der Schriftzug „Nur auf Japanisch - Only in Japanese“, was wie ein Werbemittel zur bewussten Abgrenzung wirkt. Dies ist jedoch nur eine Vermutung. Trotzdem lässt sich so auch nicht gerade behaupten, dass die Nutzung des Ethno-Portals den kulturellen Austausch zwischen Japanern und Deutschen fördere und somit eine erfolgreiche Integration unterstütze. Werden sogar ausschließlich Ethnomedien genutzt, besteht laut Esser die Gefahr, dass Minderheitenangehörige in ihren binnethnischen Beziehungen verharren und interethnische Kommunikation möglichst vermeiden (vgl. Esser 2000). An dieser Stelle sei angemerkt, dass in die Kategorie ‚Ethnomedien‘ nach einer strengen Definition nur diejenigen
Medienangebote fallen, die von Minderheitenangehörigen für Minderheitenangehörige in Deutschland produziert werden. In Düsseldorf zählen hierzu beispielsweise das Wochenblatt und das Portal duesselnet.com. Einer erweiterten Definition von Sonja Weber-Menges, Mitarbeiterin im DFG-Forschungskolleg „Medienumbrüche“ an der Universität Siegen, zufolge lassen sich aber auch die in Düsseldorf vereinzelt ausgestrahlten Bürgerfunksendungen auf Japanisch, bestimmte Musikstile etc. hinzurechnen (vgl. Weber-Menges 2006).
In Zeiten der globalen Vernetzung und dem Fortschreiten der Kommunikationstechnologie (bei gleichzeitig sinkenden Beschaffungskosten) verlieren die vor Ort hergestellten Ethnomedien zum Teil schon wieder an Bedeutung. Per Satellit lassen sich inzwischen kostengünstig heimische Fernseh- und Radioprogramme auch in Deutschland empfangen und das Internet bietet neben Livestreams auch Möglichkeiten zur direkten, interpersonalen Kommunikation, etwa über Foren, Chats oder Videotelefonie. Auch in der japanischen Gemeinschaft werden diese Angebot viel genutzt, erklärte uns Prof. Shimada. Er sieht als Hauptgrund die in den meisten Fällen auf fünf Jahre befristete Aufenthaltsdauer der Japaner in Deutschland. Mit dem Gedanken an eine Rückkehr nach Japan nach Ablauf dieser Zeit ist dementsprechend das Bedürfnis verbunden, den Kontakt zu zurückgelassenen Familienmitgliedern und Freunden nicht abreissen zu lassen und sich über Ereignisse und Nachrichten aus der Heimat zu informieren. Hinzu kommt die Sprachbarriere: Nur ein kleiner Teil der in Düsseldorf lebenden Japaner spricht nach Aussage von Prof. Shimada Deutsch. Diese Feststellung finden wir auch in der Dissertation von Kazuyo Suzuki wieder: Sie kommt zu dem Ergebnis, dass Japaner in Deutschland oft auf das Englische als „internationale
Arbeit zitieren:
Christian Undorf, 2008, Mediennutzung in Düsseldorfs japanischer Gemeinschaft, München, GRIN Verlag GmbH
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Migrations- und Integrationspolitik von Schweden
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