Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung. 3
2. Intertextualität und Transtextualität. 4
2.1. Die Intertextualitätstheorie nach Julia Kristeva. 4
2.2. Die Transtextualitätstheorie nach Gèrad Genette 6
3. Transtextualität in Cornelia Funkes Tintenwelt. 7
3.1. Die Kapitelgestaltung 8
3.2. Die Textgestaltung. 10
3.3. Die Handlung. 13
4. Schlussbetrachtung 14
Literaturverzeichnis 15
2
1. Einleitung
Cornelia Funke gehört gegenwärtig zweifelsohne zu den bekanntesten deutschen Autorinnen von Kinder- und Jugendliteratur, und das nicht erst, seit ihr Welterfolg „Herr der Diebe“ im Jahre 2006 erfolgreich verfilmt wurde. Zu den großen Bestsellern Funkes gehören auch die ersten beiden Bände „Tintenherz“ sowie „Tintenblut“. Es verwundert nicht, dass die Feuilletonredaktion der „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ über den zweiten Band ihrer Tintenwelt-Trilogie folgendes schrieb:
Die federnden sicheren Schritte, mit denen Cornelia Funke ihre Figuren in aller Ruhe durch die Nacht auf dem vom Feuer erleuchteten Schluss zuführt, gehören zum Besten, was man in Kinderbüchern finden kann. 1 In meiner Hausarbeit möchte ich aber nicht die Tintenwelt als solches vorstellen. Sondern ich werde vielmehr ein wesentliches Element, dass Funke auf vielfältiger Art und Weise zur Erschaffung jener Welt verwendet, beleuchten: Transtextualität. Um dem Thema der Arbeit gerecht zu werden ist es von Nöten, den Begriff sowie dessen theoretische Konzeption vorzustellen. Jedoch sei gleich zu Beginn darauf hingewiesen, dass innerhalb der Literaturwissenschaft kaum Einigkeit über Bedeutung des Begriffs Intertextualität, der wesentliches Element der Transtextualität ist, herrscht. So schreibt beispielsweise Shamma Schahadat in seinem Aufsatz:
Wenngleich Intertextualität sich in den letzten Jahren als fester Bestandteil der literaturtheoretischen Diskussion und auch der interpretativen Praxis etabliert hat, so zeichnet sich der Begriff dennoch bis heute durch eine erstaunliche terminologische Vielfalt sowie durch konzeptuelle Offenheit aus. 2
1 Zitiert nach:
Funke, Cornelia: Tintenblut, Cecilie Dressler Verlag, Hamburg, 2005, Seite 733
2 Schahadat, Shamma: Intertextualität: Lektüre-Texte-Intertexte, Seite 366-377, in: Pechlivanos,
Miltos (Hrsg.): Einführung in die Literaturwissenschaft, J.B. Metzler Verlag, Stuttgart und
Weimar, 1995, Seite 366
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Da der Umfang meiner Arbeit begrenzt ist, werde ich mich schwerpunktmäßig auf die theoretischen Betrachtungen von Julia Kristeva und Gèrard Genette konzentrieren. Kristeva prägte in den späten sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts maßgeblich den Begriff der Intertextualität. Gérard Genettes Konzeption zur Transtextualität beruht auf dieser theoretischen Konzeption und ist dahingehend interessant, da er für die praktische Analysearbeit von besonderer Bedeutung ist. Im zweiten Teil meiner Arbeit werden diese gewonnenen Erkenntnisse dann Anwendung bei der Analyse von Funkes Tintenwelt finden. Ziel soll es dabei sein, die Transtextualitätsstruktur beider Bücher zu untersuchen und offen zu legen, wie vielschichtig die Autorin sie einsetzt.
2. Intertextualität und Transtextualität
Seit Ende der sechziger Jahre ist Intertextualität zu einem zentralen Begriff der Literaturwissenschaft geworden. Jedoch haben sich mit der Zeit zwei unterschiedliche Ansätze herausgebildet. Wobei sich der Erste, der auf Michail Bachtin und Julia Kristeva zurückgeht, eher auf theoretische Aspekte konzentriert. So wird Intertextualität als ein globales und weit gefasstes Konzept verstanden. Es steht somit der prozessuale Charakter der Literatur im Mittelpunkt. Im zweiten Denkansatz, zu dessen wichtigsten Vertretern Gérard Genette zählt, geht es darum, die Beziehung zwischen konkreten Texten zu klären und zu systematisieren. Genette führt deshalb den Begriff der Transtextualität ein, da er versuchte, die Gesamtheit aller möglichen Beziehungen zwischen Texten zu beschreiben.
2.1. Die Intertextualitätstheorie nach Julia Kristeva
Wie bereits erwähnt, entstand das eigentliche Wort „intertextualitè“ erst in den sechziger Jahren und wurde von der Kulturwissenschaftlerin Julia Kristeva geprägt. Auch wenn dieses literarische Phänomen, dass sich Texte auf andere Texte beziehen, erst im zwanzigsten Jahrhundert einen Namen erhielt, war es schon seit Jahrhunderten existent.
Schon seit der Antike haben sich Texte nicht nur in einer imitatio vitae unmittelbar auf Wirklichkeit, sondern in einer imitatio veterum auch
4
aufeinander bezogen, und die Rhetorik und die aus ihr gespeiste Poetik brachten solche Bezüge von Texten auf Texte mit zunehmender Detailliertheit, wenn auch ohne Sinn für den Gesamtzusammenhang, auf den Begriff 3
Kristeva beschrieb somit kein neues literarisches Phänomen, sondern gab diesem vielmehr einen Namen. In ihrer Arbeit bezog sie sich explizit auf die Dialogizitätstheorie des sowjetischen Literaturwissenschaftlers Michail Bachtin. Laut ihm sind die von uns benutzen Wörter stets schon von Spuren geprägt, die andere Sprecher mit ihren jeweiligen Absichten in ihnen hinterlassen haben. Der Literaturtheoretiker zeigte seine Ausführungen hauptsächlich am Beispiel des Romans, da hier ganz besonders die Stimme des Autors sowie die fremde Rede zusammenfallen und zwei Bedeutungsebenen koexistieren. 4 Für Bachtin ist nicht „die diachronische Beziehung zwischen altem und neuem Text, sondern die synchronische zwischen fremder und eigener Rede entscheidend.“ 5 Obwohl sich Kristeva direkt auf Bachtin bezieht, nimmt sie dennoch „entscheidende Umakzentuierungen“ vor. 6 Ihr zufolge baut sich ein jeder Text „als Mosaik von Zitaten auf, jeder Text ist Absorption und Transformation eines anderen Textes.“ 7 Im „Raum eines Textes überlagern sich mehrere Aussagen, die interferieren.“ 8 aus anderen Texten stammen und Kristevas
Intertextualitätsverständnis marginalisiert die Intentionalität des Sprechers zugunsten der Dialogizität von Texten.
Somit spricht nicht der Autor als selbst bestimmtes, sprachkonstituierendes Subjekt. Vielmehr ist der Text, den er produziert, lediglich ein Bestandteil eines
3 Pfister, Manfred: Konzepte der Intertextualität, Seite 1-30, in: Broich, Ulrich/ Pfister, Manfred
(Hrsg.): Intertextualität. Formen, Funktionen, anglistische Fallstudien, Tübingen, 1985, Seite 1
4 Holthuis, Susanne: Intertextualität. Aspekte einer rezeptionsorientierten Konzeption,
Stauffenberg Verlag, Tübingen, 1993, Seite12
5 Pfister, Manfred: Konzepte der Intertextualität, Seite 1-30, in: Broich, Ulrich/ Pfister, Manfred
(Hrsg.): Intertextualität. Formen, Funktionen, anglistische Fallstudien, Niemeyer, Tübingen, 1985,
Seite 5
6 Pfister, Manfred: Konzepte der Intertextualität, Seite 1-30, in: Broich, Ulrich/ Pfister, Manfred
(Hrsg.): Intertextualität. Formen, Funktionen, anglistische Fallstudien, Niemeyer, Tübingen, 1985,
Seite 6
7 Kristeva, Julia: Probleme der Textstrukturation, in: Heinz Blumensath (Hg.): Strukturalismus in
der Literaturwissenschaft, o.V., Köln, 1972, Seite 245
8 Kristeva, Julia: Probleme der Textstrukturation, in: Heinz Blumensath (Hg.): Strukturalismus in
der Literaturwissenschaft, o.V., Köln, 1972, Seite 245
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Arbeit zitieren:
B.A. Förster Markus, 2006, Transtextualität in Cornelia Funkes Tintenwelt, München, GRIN Verlag GmbH
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