1. Zur Situation der Lerngruppe und zur Lernausgangslage
Ich unterrichte die Klasse 5.2 seit August 2008 im betreuten Unterricht mit der Klassenlehrerin. Seit Dezember 2008 habe ich die Planung und Durchführung des Unterrichts übernommen. Die Klasse besteht aus 26 Schülerinnen und Schülern (10 Mädchen und 16 Jungen), die sich in der motorischen Entwicklung des späten Schulkindalters befinden (10. bis 12. Lebensjahr).
Die Klasse hat verschiedene Regeln und Rituale kennengelernt: Sitzkreis, Ruhe-Signal, akustisches Signal (Pfeife, Musik-Stopp) Reflexion anhand von Signalkarten, Schülerkette und die Verteilung von Aufgaben. Das Sozialverhalten der Schülerinnen und Schüler ist insgesamt gut, sodass das Lernklima durch eine freundliche Atmosphäre bestimmt ist. Lediglich Nico und Leon, die auch außerhalb des Sportunterrichts durch den Einsatz von körperlicher und verbaler Gewalt auffallen, zeigen in Spiel- und Übungsformen, in denen sie mit Mitschülern kooperieren, auffällige Verhaltensweisen (gewaltsamer Körperkontakt, Beleidigungen). Da das Sozial- und Arbeitsverhalten aufgrund der Partnerverantwortung und Verletzungsprävention beim Kämpfen von besonderer Bedeutung ist, werde ich auf diese Schüler besonders achten. Des Weiteren neigt L. dazu, sich sehr empfindlich verhalten wird (z.B. über Schmerzen zu klagen).
Die Klasse ist insgesamt als leistungsstark und motiviert im Fach Sport anzusehen, wobei vor allem T., R., M., L., P., und J. als leistungsstarke Schüler in allen bisher thematisierten Lernbereichen des Sportunterrichts (Ballspiele, Laufspiele, Schwingen und Klettern an Tauen, Turnen) einzuschätzen sind. Die meisten Mädchen nehmen ebenfalls motiviert am Sportunterricht teil. T., R. Und J. haben die geeignetesten Lernvoraussetzungen für die Thematik Ringen, da sie über sehr gute koordinative Fähigkeiten verfügen und eine optimale Körperspannung aufbauen können. Acht Schülerinnen und Schüler können zudem Vorerfahrungen im Kämpfen aufweisen, die sie im Sportunterricht der Grundschule sammelten. M. hat bisher größere Lernschwierigkeiten, da sie z.B. Probleme mit der Kondition zeigte und ihre koordinativen Fähigkeiten im Turnen nicht besonders ausgeprägt sind.
Leistungsunterschiede können entstehen, weil die Schülerinnen und Schüler über unterschiedliche Körpergrößen und Kraftverhältnisse verfügen. So sind z.B. M., L., T. und J. sehr groß und kräftig für ihr Alter. Ich werde deshalb zu Beginn und im Verlauf der Stunde betonen, dass die Partner möglichst gleichstark sein sollen oder den Kräftigeren die Aufgabe geben, mit geringerer Intensität zu kämpfen.
Durch die freiwillige Partnerwahl und die Reduzierung der Intensität wird zudem auf die grundlegende Lernschwierigkeit der Thematik eingegangen, die darin besteht, dass durch unterschiedliche Voraussetzungen der Partner ungleiche Kämpfe entstehen, die bei einigen Schülerinnen und Schülern den Zugang zum Ringen und Raufen behindern könnten. Es ist zu erwarten, dass einige Mädchen zunächst skeptisch und befangen sein werden. Diese Schülerinnen werden jedoch nicht zum Mitmachen gezwungen und können zunächst zuschauen (Prinzip der Freiwilligkeit 1 ). Es ist zu erwarten, dass sie durch das Zuschauen die große Motivation der Anderen wahrnehmen und dadurch in das Geschehen hineingezogen werden. Ziehen sie sich aus der Aktion zurück, so nehmen sie eine beobachtende Rolle ein und haben die Aufgabe, ihre Beobachtungen in der Reflexionsphase zu benennen.
1 Vgl. auch Punkt 6, methodische Entscheidungen, S. 6.
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2. Sachanalyse
2.1 Ringen und Kniestandkampf: Der Ringkampf ist unterteilt in den Stand- und den Bodenkampf 2 , wobei zunächst die Zielsetzung besteht darin, den Partner aus der Standposition in die Bodenlage zu überführen. 3 Alle Techniken im Bodenkampf beinhalten die Prinzipien Ziehen und Schieben, wodurch der Partner zu Boden gebracht wird. 4 Außerdem wird beim Ringen der Kraftaufwand des Partners ausgenutzt, z.B. wird der Partner gezogen, wenn er selber schiebt. In dieser Stunde lernen die Schülerinnen und Schüler die Prinzipien Ziehen und Schieben in unterschiedlichen Übungen 5 kennen.
Beim Kniestandkampf kämpfen jeweils zwei Partner, wobei sie sich von den Füßen bis zu den Knien auf dem Boden befinden, der restliche Körper ist aufgerichtet. Zunächst tragen die Schüler diese Kampfform statisch (ohne Fortbewegung) aus. Angelehnt an das Sumoringen liegt das Ziel darin, einen Körperteil des Partners oberhalb der Knie zu Boden zu bringen. Anschließend kämpfen sie in dynamischen Kniestandkämpfen (mit Fortbewegung).
2.2 Regeln: Beim Ringen sind Griffe verboten, welche die Gesundheit des Partners gefährden könnten oder Schmerzen bereiten. Zudem ist das Schlagen, Treten, Beißen, Würgen, Verbiegen von Fingern und Zehen, Fassen von Geschlechtsteilen, Ohren, Augen, Nase und Mund nicht erlaubt. 6 Wichtig ist auch, dass nicht an den Gelenken des Partners gezogen werden darf. Diese Verbote werden durch die Aufstellung von Regeln 7 thematisiert und vorgegeben.
2.3 Materialanalyse: Zum Ringen und Kämpfen können alle verfügbaren Matten (Weichböden, Turnmatten, Judomatten) eingesetzt werden, die vom Verrutschen geschützt werden können. Ideal sind Matten mit glatten Oberflächen und Klettverschlüssen, weil man eine zusammenhängende Mattenbahn bilden kann. Die Realschule OHZ hat solche Matten im November 2008 bestellt; die Lieferung soll bis Ende Januar erfolgen. 8 Turnmatten haben aufgrund ihrer Stumpfheit den Nachteil, dass sie Schürfwunden verursachen können.
2 Vgl. auch Punkt 4, didaktische Reduktion, S. 5.
3 Nach dieser Überführung erreichen die Akteure unterschiedliche Positionen: Es gibt nun einen Angreifer und einen Verteidiger. Der Verteidiger nimmt zum Sichern die Bankposition (Vierfüßlerstand) ein. Der Angreifer versucht, ihn aus dieser Position zu verdrängen und ihn mit einem Schultersieg zu Boden zu bringen. Hierzu muss er durch Ziehen und Schieben (Fassen von Armen und Beinen) die Stützfläche des Partners (fester Stand auf Armen und Beinen) reduzieren. Der Verteidiger kann sich nach dem Verlust der Stützfläche in die „gefährliche Lage“ (Bauchlage) retten, sodass der Angreifer anschließend versucht, ihn von dort aus auf den Rücken zu drehen (Schultersieg). (Vgl. auch Rast (1976), S. 48-53.) 4 Vgl. auch Deutscher Ringer-Bund (2000), S. 14.
5 Vgl. auch Punkt 6, methodische Entscheidungen, S. 6, vgl. auch Anhang, Punkt II, Verlaufsplan, S.8. 6 Vgl. www.schultersieg.de
7 Vgl. auch Punkt 6, methodische Entscheidungen, S. 6; vgl. auch Anhang, Punkt IV, Regelkarten
8 Zum aktuellen Zeitpunkt (Stand 2.2.09) sind die Matten noch nicht angeliefert. Alternativ werden Turnmatten verwendet.
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3. Didaktische Entscheidungen
Die Thematik „Kämpfen“ ist im Kerncurriculum für das Land Niedersachen als eigenständiges Erfahrungs- und 9 Kinder jeglichen Alters haben das Bedürfnis, zu rangeln und ihre Kräfte zu Lernfeld aufgeführt und somit legitimiert.
messen. Das gehört zur Lebenswelt von Jungen, aber auch zu der von Mädchen und ist bedeutsam für die psychische, 10 soziale und körperliche Entwicklung.
In der Gesellschaft wird das Thema Kämpfen jedoch tabuisiert; es gibt kaum Möglichkeiten, Zweikämpfe in kontrollierter und verantwortungsvoller Form auszutragen. Aus diesem Grund sollte man das Thema in den Sportunterricht einbringen, wobei dieser einen Raum zur Verfügung stellen kann, in dem das unspezifische Balgen und 11 Somit wird es im Besonderen beim Kämpfen mit Körperkontakt darauf Rangeln ermöglicht wird und erlebt werden darf.
ankommen, den Schülerinnen und Schülern den verantwortungsvollen Umgang mit dem Partner und Fairness im Zweikampf, also das Respektieren, Einhalten und auch das zunehmende Selbstgestalten von Regeln eines fairen Zweikampfes zu vermitteln.
Wichtig ist auch, dass durch den intensiven Körperkontakt bei Kämpfen aller Art „insbesondere die taktile, kinästhetische und vestibuläre Wahrnehmungsfähigkeit verbessert und die Bewegungserfahrung entschieden erweitert“ 12 wird.
Außerdem fördern Kämpfe aller Art das Erspüren von Emotionen des Partners, wie z.B. Angst, Sorge, Hemmungen, und 13 Ebenfalls sind in den spielerischen Auseinandersetzungen im engen damit im besonderen Maße Empathie.
Körperkontakt Grenzerfahrungen möglich und Vertrauen in sich selbst und in andere kann aufgebaut und gefestigt werden; „dies fördert die Sicherheit und Kontinuität von Beziehungen“ 14 .
In dieser Stunde setzen sich die Schülerinnen und Schüler mit Zieh- und Schiebekämpfen am Boden auseinander. Sie sollen die Prinzipien Schieben und Ziehen kennen lernen und anwenden, da diese grundlegende Bedeutung für die Sportart Ringen besitzen und deshalb auch für die gesamte Einheit ein grundlegendes Motiv darstellen. In Kampfsituation und auch Ringtechniken geht es immer um die Anwendung des Ziehens und Schiebens, bzw. darum, die eingesetzte Kraft des Partners für die eigene Aktion auszunutzen. 15 werden weitere didaktische Mittel eingesetzt, um Ängste bei den Schülerinnen und Neben der Einführung von Regeln
Schülern abzubauen sowie ein möglichst großes Partnervertrauen aufzubauen. Deshalb wird der Körperkontakt in dieser Stunde langsam aber stetig gesteigert. Begonnen wird mit einer Erwärmung mit gemäßigtem Körperkontakt (Schwänzchenfangen), fortgesetzt wird die Stunde mit Ringspielen und Zweikämpfen, bei denen nur mit bestimmten Körperteilen „angegriffen“ werden darf („Über die Linie ziehen“, „Rückenschieben“). Abschließend kämpfen die Schülerinnen und Schüler am Boden, wobei mehrere Berührungsflächen möglich sind, die sich aber hauptsächlich auf die Arme und Hände beschränken, das Anfassen des Oberkörpers jedoch ermöglichen bzw. erlauben (Kniestandkämpfe 16 zu zweit am Boden, komplexe Spielsituation „König ticken“).
Der Partnertausch in dieser Stunde ist wünschenswert, jedoch nicht verpflichtend. So können Neigungspaare bzw. -gruppen entstehen, die von Beginn an ein großes Partnervertrauen besitzen. Die Partnerzusammensetzung beinhaltet 9 Vgl. Niedersächsisches Kultusministerium (2007), S. 30ff., vgl. auch Punkt 5, erwartete Kompetenzen, S. 5. 10 Vgl. LandesSportBund (2002), S. 7. 11 Vgl. Anders (2003), S. 6. 12 LandesSportBund (2002), S.7. 13 Vgl. ebd. S. 7. 14 Vgl. Anders (2003), S. 8.
15 Vgl. auch Niedersächsisches Kultusministerium (2007), S. 30, Vgl. auch Anhang 16 Vgl. auch Punkt 6, methodische Entscheidungen, S. 6.
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Arbeit zitieren:
Nathalie Schween, 2009, Ringen und Raufen mit spielerischem und zweikampforientiertem Schwerpunkt: Allgemeine Zieh- und Schiebekämpfe, München, GRIN Verlag GmbH
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