2
1. Inhaltsübersicht
1. Inhaltsübersicht 2
2. Einleitung 3
3. Russland: Land und Leute 4
3.1. Geografie und Bevölkerung 4
3.2. Geschichtlicher Einblick 5
3.2.1. Kulturelle Prägung 6
3.2.2. Zum Begriff der interkulturellen Handlungskompetenz 8
3.3. Wirtschaftliche Situation 9
4. Kulturanalyse in Anlehnung an Hofstede 10
4.1. „Typisch Russisch“ 10
4.2. Individualismus vs. Kollektivismus 11
4.3. Machtdistanz 12
4.4. Unsicherheitsvermeidung 13
4.5. Maskulinität vs. Femininität 14
4.6. Langfristorientierung 15
5. Mögliche Konfliktpotentiale 16
5.1. Kommunikation 16
5.2. Zeitverständnis 17
5.3. Arbeitsstile 18
6. Fazit 19
7. Literatur und Quellen 20
2. Einleitung
In den letzten Jahren gewinnen die Ost-West-Beziehungen zunehmend an Bedeutung. Eine besondere Stellung kommt dabei Russland zu. Der russische Markt ist einer der Wachstumsmärkte der Gegenwart. Auch deutsche Geschäftsleute haben dieses Potential erkannt, engagieren sich verstärkt auf dem russischen Markt und profitieren vom gezielten Interesse der Russen an ihren Produkten und ihrem Know-how. Der Erfolg jeder Zusammenarbeit hängt dabei in entscheidendem Maße von den vorangegangenen Verhandlungen ab. Neben der Problematik des Verhandelns im Allgemeinen und den sprachlichen He-rausforderungen, kommt es bei Verhandlungen mit russischen Partnern nicht selten zu Missverständigung und Unverständnis. Diese sind auf Differenzen zwischen der deutschen und der russischen Kultur zurückzuführen, nach der die jeweiligen Parteien denken und auch dementsprechend handeln. Die Überwindung dieser Differenzen ist von großer Bedeutung im Russlandgeschäft und entscheidet nicht selten über Erfolg oder Misserfolg einer Verhandlung. Grund genug, sich intensiver mit der russischen Kultur auseinanderzusetzen.
Vor diesem Hintergrund führt die vorliegende Seminararbeit den Leser über das einleitende Thema Russland: Land und Leute zum Kernthema Kulturanalyse. Anschließend werden ausgewählte Konfliktpotentiale beleuchtet und die Arbeit mit einem Fazit abgeschlossen.
3. Russland: Land und Leute
3.1. Geografie und Bevölkerung
Das Gebiet Russlands umfasst etwa 17,1 Mio. km². Im Vergleich zu Deutsch-land, das 350T km² deckt ist es also gut 48 Mal so groß! Es leben gut 142 Mio. Menschen in Russland. 1 Damit bleibt Russland auch nach dem Zerfall der Sowjetunion der größte Flächenstaat der Erde. Der Föderalstaat besteht aus insgesamt 89 Verwaltungseinheiten. Diese setzen sich zusammen aus 49 sogenannten Oblasti, das sind Föderationseinheiten mit einer geringeren Autonomie als sie die 21 autonomen Republiken haben. Dazu kommen 10 autonome Kreise, 6 Regionen, 2 Bundesstädte und eine autonome Oblast. Russland erstreckt sich über elf Zeitzonen. Wenn der im Westen lebende Teil der Bevölkerung aufsteht, um den Arbeitstag zu beginnen, kommen die Menschen im östlichen Teil gerade von der Arbeit nach Hause. Während man im westlichen Teil im September noch den Spätsommer genießen kann, schneit es in Sibirien bereits. Im Mai kann man im Süden Russlands zum Baden gehen, während es in Jakutien gerade erst zu tauen beginnt. 2
Die Bevölkerung setzt sich zusammen aus Russen (79,83%), Tataren (3,83%), Ukrainern (2,03%), Baschkiren (0,9%), Tschuwaschen (1,13%). Die verbleibenden 12,03% teilen sich 63 andere Völker/Nationalitäten unter denen auch die Deutschen mit 0,41% vertreten sind. Diese Vielfalt spiegelt sich auch in der Sprache wieder. Neben Russisch gelten 23 weitere Sprachen als Amtssprache. Zudem gibt es ca. 70 weitere eigenständige Sprachen und etwa 240 verschiedene Dialekte. 3
1 URL: www.bfai.de
2 Lozinski (2008)
3 Vgl. Eckstein (2007): Geschäftserfolg in Russland, S. 198f
3.2. Geschichtlicher Einblick
Der Ursprung Russlands geht auf den Wikingerfürsten Rurik zurück, der im Jahr 862 nach Russland kam und die erste russische Dynastie in Nowgorod gründete. Bereits im 7. Jh. hatten sich ostslawische Völker bis nach Kiew und Nowgorod ausgebreitet. Im Verlauf des 9. Jh. stießen Wikinger aus Skandinavien auf das heute europäische Russland. Die verschiedenen Stämme wurden durch die Verbreitung des Christentums im nachfolgenden Jahrhundert vereinigt. Die Annahme des griechisch-orthodoxen Christentums erfolgte 988 unter Vladimir dem Heiligen. Während des 11. Jh. übernahmen die Herzöge von Kiew eine dominierende Rolle. 1240 wurde Kiew von Mongolen (Tartaren) zerstört. Das Mongolische Reich dehnte sich damit weit über den asiatischen Kontinent aus. Im späten 15. Jh. befreite Herzog Ivan III Russland vom Mongolenjoch und erwarb Nowgorod und Twer. Ivan IV der Schreckliche (1533-84), der erste Moskauer Zar, machte Moskau zur Zarenhauptstadt. 1613 begann die Zarendynastie der Romanow, welche bis 1762 regierte. Peter der Große (1689-1725), ein Enkel Michael Romanows, machte Russland zur Großmacht in Nordeuropa. Durch den Sieg über Charles XII von Schweden an der Schlacht von Poltawa 1709, dehnte er die Grenzen Russlands weit nach Westen aus. Katharina die Große (1762-96) führte die Politik der Öffnung nach Westen fort, eroberte Krim, Teile der Ukraine und Polen.
Während der Napoleonischen Kriege gewann Russland unter Alexander I (1801-25) zusätzlich Finnland (1809) und Bessarabien (1812). Im Krimkrieg von 1853-86 gegen die mit England und Frankreich verbündete Türkei verlor Russ-land einen Großteil der Krim und Südukraine. Alexander II (1855-81) eroberte daraufhin das karg bevölkerte pazifische und zentrale Asien. Er förderte die industrielle Entwicklung und begann den Bau der Trans-Sibirischen Eisenbahn von Moskau nach Wladiwostok. Im Russisch-Türkischen Krieg eroberte Russ-land den Kaukasus, das Amurgebiet und Turkestan. Nach der Niederlage Russ-lands im Russisch-Japanischen Krieg 1904/1905 erzwangen aufstrebende Kräfte Zar Nicolas II (1894-1917) zur Einführung eines Staatsparlamentes (Duma), welches sich 1906 konstituierte.
Im März 1917 brachen im St. Petersburg Unruhen aus, welche im Ausruf einer bürgerlichen demokratischen Republik gipfelten. Nikolas II sah sich gezwungen, am 15. März 1917 abzutreten. Die provisorische Regierung unter den Prinzen Lvov und Alexander Kerenski scheiterte schnell gegenüber der sozialistischen Arbeiterpartei (Bolschewiken). Am 7. Nov. 1917 ergriffen die Bolschewiken die Macht, angeführt von Lenin (Vladimir Ilic Ulyanov) und Leo Trotski, stürzten die Regierung Kerenskis und übertrugen alle Macht an einen Rat von Kommissaren (Sowjet) mit Lenin als Premier.
Am 30. Dez. 1922 wurde der Anschluss aller sowjetischen sozialistischen Republiken zur UdSSR beschlossen und eine staatlich kontrollierte Wirtschaftspolitik ausgerufen. Die Sowjets wurden als Eigentümer von Boden und Produktionsmitteln erklärt. 1924 übernahm Josef Stalin die Regierung. Stalin starb im März 1953. Sein Nachfolger Nikita S. Chruschtschow formalisierte das System in einem eigenen Wirtschaftsraum und dem Warschauer Pakt als Gegengewicht zur NATO. 1964 übergab er Krim der Ukraine und wurde von Leonid I. Breschnew abgelöst. 1982 folgte Juri W. Andropow, 1984 Konstantin U. Tschernenko. 1985 wurde Mikhail S. Gorbatschow sein Nachfolger. Unter Gorbatschow begann die Sowjetunion die Öffnung (Glasnost) und Erneuerung (Perestroika). Im Juni 1988 genehmigte eine Parteikonferenz tiefgreifende Veränderungen in der Struktur des sowjetischen Systems. Diese umfassten u.a. die Übergabe der Macht der Partei an lokale Sowjets. 4 Es folgten Boris Jelzin, Wladimir Putin und aktuell Dimitri Medwedew.
3.2.1.Kulturelle Prägung
„Kultur ist die Gesamtheit der Grundannahmen, Werte, Normen, Einstellungen und Überzeugungen einer sozialen Einheit, die sich in einer Vielzahl von Verhaltensweisen und Artefakten ausdrückt und sich als Antwort auf die vielfältigen
4 Vgl. Karamzin (1990): Ob istorii gosudarstwa rossiiskogo, Bd. 1-4
Arbeit zitieren:
Johanna Koj, 2008, Interkulturelles Management: Russland, München, GRIN Verlag GmbH
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