1. Der Wandel des Krieges
Kriege stellen schon seit Jahrhunderten ein wichtiges Thema in der internationalen Welt dar. Insgesamt kam es seit dem zweiten Weltkrieg zu einem Wandel von „zwischenstaatlichen Kriegen“, die in den letzten fünfzig Jahren dominierten, in Richtung „innerstaatliche Kriege“. Die klassische Definition Clausewitz, nach der ein Krieg als die „Fortführung der Politik mit anderen Mitteln“ verstanden wird, bei dem sich zwei konträre Staaten mit ihren Soldaten gegenüberstehen, gilt immer mehr als veraltet. Deswegen treten in der Politikwissenschaft vermehrt Vertreter der Annahme des „Neuen Krieges“ wie Herfried Münkler auf. Allerdings ist bereits seit 1999 in Zusammenhang mit dem Kosovo- Konflikt und weiter durch die Ereignisse des 11.Septembers bekannt, dass trotz des Rückgangs der zwischenstaatlichen Kriege die militärische Durchsetzungskraft weiterhin als Mittel zur Erlangung der jeweiligen Ziele fungiert.
Auch wenn die Anzahl der zwischenstaatlichen Kriege stetig abnimmt, existiert auf der Welt eine Vielzahl an inländischen Auseinandersetzungen. „Nur einer der weltweit 14 Kriege(nämlich der zwischen den USA gegen den Irak) wird 2003 zwischen Staaten ausgetragen;...:drei Viertel aller im letzten Jahrhundert weltweit geführten Kriege waren keine Staaten-, sondern innerstaatliche oder transnationale Kriege:“ 1 . Aus diesem Grund wird der altbekannte Krieg zwischen den Staaten häufig als „Auslaufmodell“ bezeichnet. Obwohl die größte Anzahl der Kriege mittlerweile auf innerstaatlichem Terrain zu finden ist, darf ihr internationales Wirkungsfeld nicht außer Acht gelassen werden. Denn es agieren in diesen Kriegen auch ausländische Staaten sowie der globale Markt ebenfalls eine Rolle einnimmt. Eine weitere Tendenz ist, dass im Rahmen des Krieges immer mehr nichtstaatliche Akteure wie Warlords, Söldnerfirmen oder lokale Rebellengruppen auftreten, wie auch vermehrt Kindersoldaten eingesetzt werden, deren Anzahl sich nach Schätzungen auf zwischen zwei-und dreihunderttausend seit 1980 beläuft 2 . In Folge dessen wird von einer „Privatisierung“ des Gefechts und ihren Akteuren gesprochen, da das klassische Militär von Seiten des Staates immer weniger zum Einsatz kommt. Des Weiteren spielt für die Akteure auch der wirtschaftliche Faktor des Krieges eine immer wichtigere Rolle, weswegen auch von der „Ökonomisierung“ des Krieges gesprochen wird. „Der klassische Krieg, wie wir ihn aus der europäischen Militärgeschichte kennen, ist im Verschwinden begriffen und eine neue Form politischer Gewalt ist im Entstehen, von der noch nicht klar ist, ob sie noch Krieg ist, oder-
1 Meyers,Reinhard: Krieg und Frieden; in: Handwörterbuch Internationalen Politik, 2005, S.287
2 Vgl. Matthies, Volker: Kriege: Erscheinungsformen, Kriegsverhütung, Kriegsbeendigung; in: Einführung in die
Internationale Politik,2004, S.410
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schon etwas anderes, ein gefärbtes Chamäleon oder bereits ein anderes Wesen“ 3 , wird die Situation von C. Daase beschrieben. Ein weiterer Faktor, neben der Privatisierung des Krieges, ist die veränderte Dauer der einzelnen Auseinandersetzungen, da die klassischen Elemente der Kriegserklärung und des Friedenbeschlusses immer weniger zum Tragen kommen. Der Zeitraum, über den sich der Krieg erstreckt, wird immer länger, wie in Kolumbien oder dem Sudan, deren Bürgerkriege immer noch andauern. Als Ursache hierfür werden nach Münkler die wirtschaftlichen Interessen der Akteure angesehen, die auf Grund ihres finanziellen Ertrags aus dem kriegerischen Konflikt, wie die Ausbeutung wertvoller Rohstoffe, keinen Grund zur Beendigung dessen sehen. Denn dieser so genannte „lowintensity-war“, birgt für die Akteure mehr finanzielle Vorzüge als ein Friedensschluss. Die Folge dessen sind schwere Auswirkungen auf die Bevölkerung wie die Beeinträchtigung der Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln und der medizinischen Versorgung, wodurch es auch für die Zivilbevölkerung problematisch wird die Effekte des Krieges zu verkraften. Zusätzlich wird im Vergleich der Kriege im letzten Jahrhundert ein vermehrtes Auftreten ziviler Opfer entgegen der aktiven Kämpfer ersichtlich, „:waren dies im ersten Weltkrieg noch 5-10% und im zweiten Weltkrieg schon 50-60%, so soll sich der durchschnittliche Anteil der Zivilisten an den Opfern der Kriege seit 1945 auf 80-90% belaufen. Dabei gelten Frauen und Kinder als Hauptopfer.“ 4 Insgesamt liegt nach Schätzungen die Anzahl der gesamten Opfer seit Ende des zweiten Weltkrieges bei einer Spannbreite von fünfzehn bis fünfunddreißig Millionen Opfern, wobei dies als eine Mindestanzahl angesehen wird. Faktoren, wie Rebellionen von Seiten der Bürger, Partisanenkriege und auch Guerillabewegungen beeinflussen diesen Anstieg, da die Bevölkerung entweder als Kämpfer miteinbezogen werden oder als Schutzbietende für die Kämpfer fungieren.
„In einer Gemengelage von privaten Bereicherungs- und persönlichen Machtbestrebungen, Interventionen Dritter zur Verteidigung bestimmter Werte, aber auch zur Durchsetzung je eigener Herrschafts- und Ausbeutungsinteressen, der gegenseitigen Durchdringung und Vermischung kriegerischer Gewalt und organisiertem Verbrechen verliert der klassische Staatenkrieg seine überkommenen Konturen“ 5 , nach Münkler, einem Vertreter des Ansatzes der „Neuen Kriege“. Doch neben dieser erläuterten Faktoren, wie das verstärkte wirtschaftliche Interesse der Kombattanten an dem Fortdauern des Krieges, ist es fraglich, ob
3 Matthies, Volker: Kriege: Erscheinungsformen, Kriegsverhütung, Kriegsbeendigung; in: Einführung in die
Internationale Politik,2004, S.400
4 Matthies, Volker: Kriege: Erscheinungsformen, Kriegsverhütung, Kriegsbeendigung; in: Einführung in die
Internationale Politik,2004, S.412
5 Meyers, Reinhard: Krieg und Frieden; in: Handwörterbuch Internationalen Politik, 2005, S.288
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diese als unmittelbare Motive für die Kriege anzusehen sind, oder ob diese nicht nur, mit dem Krieg einhergehenden Umstände, darstellen.
Nach Münkler sind die „Neuen Kriege“ vor allem in schwachen und kaum belastbaren Nationen anzutreffen, da dort keine Ausbildung von einem stabilen Staatsgefüge zustande kam. Diese weisen, wie die Demokratische Republik Kongo, Mängel in den Führungspositionen, wie Korruption und häufig eine Fülle an wertvollen Rohstoffen auf. Im Rahmen dieser Arbeit sollen zu Anfang die beiden Kriege in der Demokratischen Republik Kongo, an Hand der auslösenden Faktoren und der teilnehmenden Akteure, dargestellt werden. Darauf folgend werden die Annahmen Herfried Münklers, in Bezug auf seine Aussagen über die Charakteristika der „Neuen Kriege“, erläutert werden, um abschließend im Vergleich mit den Kriegen im Kongo festzustellen, inwieweit es möglich ist von „Neuen Kriegen“ zu sprechen. 6
2. Die Zwei Kriege der Demokratischen Republik Kongo
Innerhalb der Demokratischen Republik Kongo sollen die zwei Kriege behandelt werden. Der Erste fand in den Jahren 1996/97 statt, auf den bereits kurz Zeit später der zweite kongolesische Krieg im Jahr 1998 folgte. Insgesamt beträgt die Fläche der Demokratischen Republik Kongo 2.344.858 Quadratkilometer und besitzt 57.549.000 Einwohner. Wobei dreiviertel der Einwohner ihr Leben in totaler Armut verbringen, denn das Bruttosozialprodukt je Einwohner(BIP) liegt bei 120 US-$ nach dem Stand 2005. Verglichen mit der Bundesrepublik Deutschland mit einem BIP von 25.270 US-$ sind das in der Demokratischen Republik Kongo 0,5% davon. 7 Nach Herfried Münkler kommen innerhalb der „Neuen Kriege“ eine Vielzahl an Faktoren wie ökonomische Relevanz des Krieges und private Akteure zum Tragen. Deshalb werden nun die auslösenden Faktoren und die teilnehmenden Akteure mit ihren jeweiligen Zielen in den beiden Kriegen in der Demokratischen Republik Kongo dargestellt. Dabei werden Friedensschlüsse und andere Faktoren außer Acht gelassen, da sich diese Arbeit auf die erwähnten zwei Faktoren beschränkt. Anschließend wird die Theorie Münklers über die „Neuen Kriege“ in Bezug auf die kongolesischen Kriege erläutert werden, um eine abschließende Bewertung zu erstellen.
6 Vgl. Matthies, Volker: Kriege, 2004, S.399-422 & Meyers, Reinhard: Krieg und Frieden, 2005, S.286-300 &
Ferdowsi, Mir A./ Matthies Volker: Kriege, Kriegsbeendigung und Friedenskonsolidierung; in: Den Frieden
gewinnen. Zur Konsolidierung von Friedensprozessen in Nachkriegsgesellschaften, 2003, S.14-37 & Münkler:
Die neuen Kriege, 2002, S.7-61
7 http://www.weltalmanach.de/staat/staat_detail.php?fwa_id=kongodem; Stand: 08.10.2007
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2.1 Die auslösenden Faktoren und die Beteiligten des Kongokrieges von 1996/97
Die auslösenden Faktoren des Krieges in den Jahren 1996/97 sind auf verschiedene Vorkommnisse zurückzuführen. Wobei in diesem Zusammenhang der Staatszerfall unter dem diktatorischen Regime Mobutus einen wichtigen Stellenwert einnimmt. Denn ohne den unter Mobutu marodierendem Staat, wäre eine Intervention für die Nachbarländer schwieriger auszuführen gewesen. Als ein Faktor für das Eingreifen unter anderem Ruandas, gilt der Völkermord an den Tutsi im Jahr 1994 in Ruanda. Da dieser einen Legitimationsgrund für die Intervention der Nachbarländer darstellte, die ihre eigene Sicherheit gefährdet sahen.
2.1.1 Der Staatszerfall unter Mobutu als auslösender Faktor
Joseph Désiré Mobutu erlangte im Jahr 1963 mittels eines Militärputsches die Herrschaft über den Kongo, wobei er dieses im Jahr 1971 in Zaire umbenannte. Zuvor wurde der Kongo von seinen belgischen Kolonialherren 1960 freigegeben und war von diesem Zeitpunkt an unabhängig. Doch erfolgte diese Freigabe der Kolonie durch Belgien auf Grund der Forderungen von Seiten der internationalen Welt. Wobei Belgien aber für den Kongo keine Maßnahmen ergriffen hatte, damit die dortige Wirtschaft sich selbstständig weiterbilden konnte. Zu Anfang wurde Jospeh Kasavubu vom, seit 1960 agierenden, Parlament zum Präsidenten gewählt und Lumumba wurde der Posten des Ministerpräsidenten, dem nach der Staatordnung eine bedeutungsvollere Rolle zukommt, zugewiesen. Kasavubu gehörte zu dem bedeutendem Teil der „Bakongo-Gruppe“ innerhalb der Öffentlichkeit und Lumumba fungierte als Führer der „anti-kolonialen Nationalpartei Mouvement National Congolais(MNC)“ 8 .
Als Lumumba Mobutu zum Führer des Militärs im Kongo ernannte, war dies der Beginn des Machtzuwachses Mobutus, der letztendlich in seiner vollkommenen Machterlangung mittels eines Militärputsches mündete. Denn es kam zwischen dem Staatspräsidenten Kasavubu und dem Ministerpräsidenten Tshombe zu Auseinandersetzungen. Wegen der davor erfolgten Absetzung Thombes durch Kasavubu, auf Grund mangelnder Mehrheiten in den allgemeinen Wahlen 1965. Mobutu, der sich diesen Zwiespalt zu Nutzen machte, eignete sich darauf hin die Macht an, wobei ihn sowohl das Militär als auch die USA zur Seite standen. Deshalb wurde er nun selbst statt Kasavubu zum Präsidenten. 9 Zu Beginn der Machtübernahme Mobutus stellte der Kongo noch ein florierendes Land dar und die Umbenennung des Kongos
8 Chiari, Bernhard/ Kollmer, Dieter H.: Demokratische Republik Kongo. Wegweiser zur Geschichte. Das
autoritäre Regime unter General Joseph Désiré Mobutu: Ein Symbol des Kalten Krieges, 2006, S.54
9 www.kongo-kinshasa.de/geschichte/geschichte4.php; Stand: 08.10.2007
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in Zaire 1974, durch Mobutu, fand von der internationalen Welt Unterstützung. Denn nach Mobutu diente diese Namensänderung dazu, dass auch die Ökonomie „zairisiert“, folglich von diesem Zeitpunkt an eigenständig nur durch kongolesische Bürger gestaltet werden sollte. Doch durch die Beschlagnahme des gesamten ausländischen Vermögens und die darauf zum Teil folgenden Aufteilung des Vermögens auf eine von Mobutu bevorzugte Gruppe, führte nicht zur Unterstützung des gesamten Landes. Der Grund hierfür war, dass nur ein kleiner Teil einen Vorteil daraus zog und deshalb die Ökonomie des Landes entkräftet wurde. Insgesamt wurde Mobutu von den westlichen Ländern in seinem Vorgehen unterstützt, da er in den Zeiten des Kalten Krieges als Partner gegen die Sowjetunion galt. Allerdings kam es trotz der Zairisierung zu keinem wirtschaftlichen Aufschwung innerhalb des Kongo, sondern Mobutu vernachlässigte die staatlichen Pflichten und beutete den Kongo zu seinem persönlichen Nutzen aus. Denn Mobutu stützte zum einen seine Geldeinnahmen zu 80% auf den Handel mit Bodenschätzen mit dem Ausland. Zum anderen beschränkte er sich auf eine kleine Elite wie dass er taktisch wichtige Positionen, zum Beispiel bei Geheimdiensten oder dem Militär, auf seine Familienmitglieder verteilte. „Die Präsidialgarde aus 12 bis 15 000 Soldaten, das schärfste Instrument des Repressionsapparates, bestand fast ausschließlich aus Ngbandi, der Ethnie des Präsidenten.“ 10 Als es in den 70ern auf Grund des Rückgangs des Ertrags aus Rohstoffen nicht mehr möglich war, aus diesem Bereich die bisherigen Gewinne zu erzielen, trieb dies den Niedergang Zaires voran. 11 Bereits in den 80er Jahren wurden gesellschaftliche Einrichtungen, wie Bildungsstätten oder Hospitale, nicht mehr oder nur teilweise von Seiten des Staates her unterstützt. Sondern für dessen Instandhaltung kamen vor allem Kirchenbehörden und überstaatliche Hilfsorganisationen auf. Folglich entwickelte sich in Zaire eine sehr instabile Lage in der Gesellschaft, da selbst das Militär nicht mehr unterhalten wurde und sich deshalb mittels Plünderungen weiterhalf. 12 „Die Ausgaben für das staatliche Gesundheitswesen fielen von 1978 bis 1988 von 5% auf 2% des Budgets. Im gleichen Zeitraum ging der statistisch erfaßte Schulbesuch von 92% auf 76% zurück.“ 13 Auf Grund dieses misslichen Zustands innerhalb der Gesellschaft wurden immer mehr oppositionelle Stimmen laut, weswegen die oppositionelle Partei „Union pour la Démocratie et le Progres Sozial, UDPS“(Union für Demokratie und sozialen Fortschritt) 1982 14 ins Leben gerufen wurde, deren Bestehen allerdings Mobutu untersagte. Zu Beginn der 90er Jahre
10 Stroux, Daniel: Kriegerische Auseinandersetzungen in Kongo-Zaire, in: IpB, Nr.264, 1999, S.49
11 Vgl. ebd
12 Vgl. Chiari, Bernhard/ Kollmer, Dieter H.: Demokratische Republik Kongo. Wegweiser zur Geschichte. Das
autoritäre Regime unter General Joseph Désiré Mobutu: Ein Symbol des Kalten Krieges, 2006, S.61
13 www.kongo-kinshasa.de/geschichte/geschichte4.php; Stand: 08.10.2007
14 Vgl. Chiari, Bernhard/ Kollmer, Dieter H.: Demokratische Republik Kongo. Wegweiser zur Geschichte. Das
autoritäre Regime unter General Joseph Désiré Mobutu: Ein Symbol des Kalten Krieges, 2006, S.61
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konnte die Fabrikation von Kupfer diesen Zuständen nicht mehr standhalten und ermattete großteils. Dies verdeutlichte die damalige ökonomische Situation. Denn die Staatsführung unter Mobutu unternahm keine unterstützenden Maßnahmen zur Modernisierung der Unternehmen oder der Bildung von neuen Arbeitsmöglichkeiten. Zusätzlich hielt die Infrastruktur Zaires der staatlichen Misswirtschaft nicht stand und bewirkte den ansteigenden Handel mit den Nachbarländern. 15 Doch die Ansprüche der Gesellschaft an ein System mit mehreren politischen Parteien wurden immer stärker. Denn die Ökonomie Zaires konnte trotz Unterstützung, unter anderem durch die Weltbank und der Vielzahl an natürlichen Ressourcen wie Diamanten und Kupfer, nicht wieder in Schwung gebracht werden. „Das jährliche Pro-Kopf- Einkommen sank auf 200 Dollar Anfang der neunziger Jahre.“ 16 Da die fehlende Staatsführung zur Unterstützung der Ökonomie und die daraus folgenden Gegenkräfte in der Gesellschaft auch dazu führten, dass fähige zairische Geldgeber sich zurückzogen. „Vor allem aber die unkontrollierbare Korruption mit maßloser Privatisierung staatlicher Deviseneinkünfte durch den “Mobutu-Clan“ entzog Zaire weitgehend die Kreditwürdigkeit.“ 17 Zusätzlich entwickelten sich Marktstrukturen, die nicht der Aufsicht des Staates unterlagen, wodurch sie der Pflicht von staatlichen Abgaben entgingen. Des Weiteren entstand durch die zunehmende Zahl an oppositionellen Kräften eine breite Schicht, die ein demokratisches System forderte. „ Der ökonomische Niedergang, politische Entmündigung und tägliche Menschenrechtsverletzungen provozierten eine explosive Stimmung gegen das Regime.“ 18 Zusätzlich brach mit dem Ende des Kalten Krieges auch die Unterstützung des Westens für Mobutu ab und er sah sich gezwungen den allgemeinen Forderungen nach einem demokratischen System nachzukommen. Deshalb entschied sich Mobutu zu Beginn der 90er dazu, ein System von mehreren Parteien zu dulden, so wie auch einen Nationalkonferenz stattfinden zu lassen. Die ehemals verbotenen Partei UDPS hatte sich derzeit als Bollwerk gegen die Regierung mit anderen oppositionellen Parteien zur „Union Sacré“ zusammengeschlossen. Doch obwohl es zur Abhaltung der Nationalkonferenz 1992 kam und dort auch unter anderem Wahlen beschlossen wurden, gelang es Mobutu diese mittels gesetzeswidriger Maßnahmen zu unterlaufen und den Neuordnungen entgegenzuwirken. „Der Staatszerfall wurde noch durch eine Hyperinflation von bis zu 10 000 Prozent(1994) und dem ökonomischen und politischen Auseinanderdriften der Regionen beschleunigt.“ 19
15 Vgl. Stroux, Daniel: Kriegerische Auseinandersetzungen in Kongo-Zaire, in: IpB, Nr.264, 1999, S.49
16 ebd.
17 www.kongo-kinshasa.de/geschichte/geschichte4.php; Stand: 08.10.2007
18 Stroux, Daniel: Kriegerische Auseinandersetzungen in Kongo-Zaire, in: IpB, Nr.264, 1999, S.49
19 Stroux, Daniel: Kriegerische Auseinandersetzungen in Kongo-Zaire, in: IpB, Nr.264, 1999, S.50
7
Letztendlich wurde das Regime Mobutus mittels einer Rebellion durch die „Alliance des Forces pour la Démocratie et la Libération du Congo-Zaire“(AFDL), deren Vorgehen von Ruanda, Burundi und Uganda gefördert wurde, gestürzt. Denn die AFDL hatte sich verbunden, um Zaire ein demokratisches System ermöglichen zu können. Dieser Sturz Mobutus fand in den Jahren 1996/97 statt und war bereits nach acht Monaten beendet. 20 Insgesamt ist der langsame Zerfall von Kongo-Zaire der wichtigste auslösende Faktor für den Krieg im Kongo, denn ohne das marode oder auch fehlende politische System hätten die Nachbarstaaten es nicht einfach gewagt in Kongo-Zaire einzugreifen.
2.1.2 Der Völkermord in Ruanda als weiterer auslösender Faktor
Ein weiterer Faktor, der für das Ausbrechen des Krieges im Kongo 1996/97 eine Rolle spielte, stellte der Völkermord an den Tutsi 1994 in Ruanda dar. Denn es flüchteten als Folge dessen viele in die Grenzgebiete von Kongo- Zaire und gingen von den dortigen Flüchtlingslagern gegen die Regierung in Ruanda vor. Deshalb sah Ruanda einen legitimen Grund gegeben in die Demokratische Republik Kongo zu intervenieren, um seine sicherheitspolitischen Interessen zu vertreten.
„Das kleine zentralafrikanische Land Ruanda war in den Monaten April bis Juni 1994 Schauplatz des größten Völkermords in der zweiten Hälfte des 20.Jahrhunderts, dem mehr als 800 000 Menschen, in der Mehrzahl Tutsi, aber auch oppositionelle Hutu, zum Opfer fielen.“ 21
Als Grund für die Konflikte zwischen den beiden Ethnien Hutu und Tutsi, muss in die Historie Ruandas zurückgeblickt werden. Insgesamt ist die Bevölkerung innerhalb Ruandas vor allem aus diesen beiden Ethnien zusammengesetzt, wobei die Hutu mit 85% die Mehrheit ausmacht und die Tusti mit 15% eine Minorität darstellen. Des Weiteren besteht ein zusätzlicher Unterschied zwischen den beiden in ihren Betätigungsfeldern, da die Tutsi ihren Aufgabenbereich vor allem in der Aufzucht von Nutztieren und die Hutu in der Bearbeitung von landwirtschaftlichen Feldern haben. „ Über Jahrhunderte hinweg war Ruanda geprägt von einem Feudalsystem, an dessen Spitze ein Tutsi König stand. Das gesamte Land gehörte der Tutsi- Aristokratie, die sich der Hutu als Arbeitskräfte bediente.“ 22 Doch vor allem die verschiedenen Tätigkeitsbereiche führten zu Konflikten zwischen Hutu und Tutsi, da Ruanda ein Land darstellt, in dem die Bevölkerung relativ dicht aufeinander lebt und folglich sich
20 Stroux, Daniel: Kriegerische Auseinandersetzungen in Kongo-Zaire, in: IpB, Nr.264, 1999, S.50
21 Paes, Wolf- Christian: Versöhnung nach dem Völkermord? Perspektiven für Ruanda, in: Afrika, Mythos und
Zukunft, 2003, S.160
22 Chiari, Bernhard/ Kollmer, Dieter H.: Demokratische Republik Kongo. Wegweiser zur Geschichte. Ruanda
1994: Der Hutu- Genozid und seine Auswirkungen auf Äquatorialafrika, 2006, S.67
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Arbeit zitieren:
Felicia Brandt, 2007, Der Wandel des Krieges, München, GRIN Verlag GmbH
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Zu: Die neuen Kriege von Herfried Münkler, 2002
Politik - Internationale Politik - Thema: Frieden und Konflikte, Sicherheit
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