Inhalt:
1. Einführung in die spätmittelalterliche, mittelniederdeutsche Literatur. 3
2. Die Volksbücher - Entstehung, Inhalt, Wirkung 4
2.1. Die Entstehung der Volksbücher. 5
2.2. Inhalte. 6
2.3. Wirkungsgeschichte 7
3. Das Volksbuch „Fortunatus“ als Beispiel spätmittelalterlicher Literatur 8
3.1. Inhalt. 8
3.2. Interpretationsansätze. 9
4. Fazit. 10
Literatur : 12
Quellen : 12
2
1. Einführung in die spätmittelalterliche, mittelniederdeutsche Literatur
Ursprünglich in mittelniederdeutsch abgefasste literarische Werke waren in jeder Phase des Mittelalters relativ rar gesät, da die deutschsprachige Literatur hauptsächlich von der höfischen Adelskultur Frankreichs inspiriert war und daher die Ursprungsorte deutscher literarischer Texte zumeist im südwestlichen Teil des deutschsprachigen Raums zu finden waren 1 . Zwar entstand im 13. Jahrhundert ein volkssprachlicher Zweig mittelniederdeutscher Literatur, allerdings wurde Mittelniederdeutsch als Schriftsprache bald vom Frühneuhochdeutschen verdrängt 2 .
Literatur wurde späterhin auch weiter in Mittelniederdeutsch verfasst; zum Ende des Mittelalters hin handelte es sich aber meist um Tradierungen hochdeutscher Texte in die Volkssprache - es entstanden kaum noch originäre Werke mittelniederdeutscher Sprache. Im Gegenteil: selbst Dichter, deren sprachliche Wurzeln im Mittelniederdeutschen lagen, bemühten sich um eine Anpassung an das literarische Ideal, das zu ihrer Zeit galt, und schrieben ihre Texte weitestmöglich in einer als höher empfundenen hochdeutschen Sprachform 3 . Nachdem sich die mittelniederdeutsche Literatur auf Grund der politischen und kulturellen Gegebenheiten überhaupt erst langsamer entwickelt hatte als die hochdeutsche, fand ihre Verbreitung Anfang des 16. Jahrhunderts ein frühes Ende. Der Buchdruck hätte alle Strömungen deutschsprachiger Literatur fördern können; anhand der vorhandenen Primärquellen wird aber deutlich, dass kaum mittelniederdeutsche Werke in gedruckter Form vorliegen. Offenbar gab es keinen „Markt“ für mittelniederdeutsche Literatur.
Ein bestimmtes Genre hingegen wurde durch die Entwicklung des Buchdrucks stark gefördert: die so genannten Volksbücher. Es gab diese nicht nur in verschiedenen hochdeutschen Sprachformen, sondern, hauptsächlich als Übertragungen, auch in niederdeutscher Form. Als literarische Werke unterschiedlicher Gattungen machten die Volksbücher einen großen Teil der spätmittelalterlichen Literatur aus. Im frühen und hohen Mittelalter hatten sich Werke weltlichen Inhalts an fremdsprachigen Vorlagen orientiert; so wurden die Texte höfischer Dichtkunst aus dem Französischen übersetzt, und wissenschaftliche Texte wie Lehrwerke oder Bücher über Heilkunde aus dem Lateinischen. Mit Aufkommen der Volksbücher änderte sich diese Situation; es wurden vermehrt Texte in der Volkssprache verfasst, die nicht mehr ausschließlich religiös motiviert waren. Tatsächlich
1 Vgl. Beckers, S. 9.
2 Ebd., S. 4.
3 A. a. O., S. 10.
3
entstanden im späten Mittelalter die ersten deutschen Romane, somit die ersten ursprünglich deutschen Werke der Unterhaltungsliteratur. Zumeist wurden für solche Texte bereits bekannte Themen und Motive herangezogen, zumal, wenn die verarbeiteten Stoffe historischer Natur waren. 4 In seltenen Fällen aber lässt sich der Inhalt eines spätmittelalterlichen Volksbuchs mit epischem Inhalt nicht auf ein früheres, fremdsprachiges Werk zurückverfolgen.
Im weiteren Verlauf dieser Arbeit soll es um die Volksbücher im gesamten deutschsprachigen Raum gehen - und um das „Fortunatus“ -Volksbuch als Beispiel spätmittelalterlicher Prosaerzählung.
2. Die Volksbücher - Entstehung, Inhalt, Wirkung
Der Literaturhistoriker Joseph Görres schrieb in seinem 1807 erschienenen Werk „Die teutschen Volksbücher“:
So bilden sie gewissermaßen den stammhaftesten Teil der ganzen Literatur, den Kern ihres eigenthümlichen Lebens, das innerste Fundament ihres ganzen körperlichen Bestandes, während ihr höheres Leben bey den höheren Ständen wohnt. 5
Dass der körperliche Bestand der deutschen Literatur von Görres, dessen Werk der deutschen Romantik zuzuordnen ist, höher geschätzt wird als ihr höheres Leben, wird deutlich; bezeichnet er doch die Volksbücher auch als durch alle Stände durchpulsierend 6 und räumt diesem literarischen Genre die Fähigkeit ein, das Leben des deutschen Volkes in all seinen Facetten widerzuspiegeln. Diese Auffassung entstand aus der Idealisierung des Mittelalters wie der eines deutschen Volkes im Allgemeinen, das den Werken der Romantik eigen ist, und widerspricht vollkommen der Auffassung, die in der späteren literaturwissenschaftlichen Forschung vertreten wird, wenn es um die teutschen Volksbücher geht. Hierzu gibt schon der Titel des Werkes von Hans Joachim Kreutzer, „Der Mythos vom Volksbuch“, einen Hinweis. Es wird noch darauf eingegangen werden, inwieweit sich die verschiedenen Ansichten zu den Volksbüchern unterscheiden.
Zunächst sei gesagt, dass es sich bei ihnen um die literarischen Werke handelt - wobei der Literaturbegriff mittelalterlicher Literatur zu Grunde liegt - die als erste in relativ großer Zahl publiziert wurden und somit einem ebenfalls relativ breiten Anteil der Bevölkerung zugänglich waren. Inhaltlich sind Volksbücher in verschiedene Gattungen zu unterteilen; der mittelalterliche Literaturbegriff beinhaltet nicht nur „schöne Literatur“, sondern eben auch
4 Vgl. Beckers, S. 52, zur Entwicklung eines niederdeutschen Alexander-Volksbuchs.
5 Görres, S. 2.
6 A. a. O.
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Karoline Wolff, 2009, Helden und ferne Länder in mittelalterlichen Abenteuerromanen, München, GRIN Verlag GmbH
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