Erziehung und Unterricht
Inhaltsverzeichnis
1. Was bedeutet "Erziehung"?
1.1 Gibt es eine eindeutige Definition von "Erziehung"?
1.2 Drei Arten der Erziehung
1.3 Erziehung laut dem Bildungsplan der Grundschule
1.4 Erziehung laut dem Bildungsplan der Hauptschule
1.5 Erziehungsziele aus dem Bildungsplan Baden -Württemberg
2. Der Begriff der Erziehung nach Immanuel Kant
2.1 Kants Differenzierung des Erziehungsbegriffs
2.2 Interpretationen
2.2.1 Disziplinierung
2.2.2 Kultivierung
2.2.3 Zivilisierung
2.2.4 Moralisierung
2.3 Zusammenfassung
3. Ziel, Idee und notwendige Bedingung nach Immanuel Kant
3.1 Ziel der Erziehung
3.2 Idee der Erziehung
3.3 Notwendige Bedingung für eine "vollkommene Gesellschaft"
4. Kants Grundgedanken
4.1 Begründung der Erziehungswissenschaft
4.2 Prinzipien der Erziehungskunst
4.3 Das Problem der Erziehung
5. Erziehungsziele
5.1 Die subjektive Wichtigkeit von schulischen Erziehungszielen
5.2 Vergleich der vermuteten Wichtigkeit von Erziehungszielen
6. Stichwort: Erziehung = Erziehung in der Schule
7. Erziehender Unterricht
7.1 Was ist erziehender Unterricht ?
7.2 Der Lehrer als Erziehungsfaktor und Modell
7.3 Erziehungswirkungen des Unterrichts
7.4 Mindestkatalog von Erziehungsziele
8. Der Unterricht
8.1 Aufgabenstellungen im Unterricht
9. Zielsetzung - Unterricht
9.1 Planung von Unterricht
9.2 Was ist bei der Planung zu beachten?
10. Aufgabe der Schule
11. Aufgaben des Lehrers
11. Zusammenhang zwischen Erziehung und Unterricht
Literaturverzeichnis
Erziehung & Unterricht
1. Was bedeutet "Erziehung"?
"Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht. Über ihre Betätigung wacht die staatliche Gemeinschaft."
[Grundgesetz der BRD Art. 6 Abs. 2]
Trotz zahlreicher Versuche, den Begriff der Erziehung zwingend zu definieren, mangelt es bis heute an einer allgemein anerkannten Übereinkunft, was unter Erziehung zu verstehen sei. Erziehung bedeutet generell jemanden bewusst zu lenken und zu bilden.
Von Erziehung spricht man meistens im Zusammenhang mit Kindern und Jugendlichen, wobei es häufig um das "Aufziehen" von Kindern und Jugendlichen geht. Als Kennzeichen von Erziehung werden u.a. genannt:
1) Erziehung versucht, die seelische Struktur des zu Erziehenden (Kind, Jugendliche/r, Schüler/in) mit Hilfe bestimmter Handlungen und Erziehungsmittel zu verändern;
2) dieser Veränderungsprozess soll bereits vorhandene, als positiv eingestufte Dispositionen und Verhaltensweisen des zu Erziehenden möglichst unangetastet lassen;
3) Erziehung sucht die Entwicklung vermeintlich negativer bzw. gesellschaftlich unerwünschter Dispositionen oder Verhaltensweisen zu verhindern;
4) im Erziehungsprozess verändert sich auch der Erzieher;
5) die das erzieherische Handeln bestimmenden Vorstellungen und Wünsche sind geschichtlich, gesellschaftlich und schichtspezifisch bedingt, weshalb die Annahme absoluter, "zeitloser" erzieherischer Normen fragwürdig erscheint.
Da Erziehung zwischen prinzipiell gleichberechtigten Individuen erfolgen sollte, ist sie nicht auf eine bloße Mittel-Zweck-Beziehung zu reduzieren, in welcher dem Erziehenden die Mittel zur Erreichung der von ihm festgesetzten Ziele (weitgehend) überlassen bleiben; vielmehr sollte der zu Erziehende die jeweiligen pädagogischen Mittel bzw. Verfahren zumindest grundsätzlich akzeptieren können.
Begriffsinhalt: Oberbegriff für Formen erzieherischer Hilfen im Rahmen der Jugendhilfe, die eingesetzt werden, wenn die Familie mit der Erziehungsaufgabe überfordert und der junge Mensch in seiner Entwicklung in Folge individueller, sozialer und gesellschaftlicher Probleme in der Herkunftsfamilie gefährdet ist. Dabei wird der junge Mensch aus seinem Elternhaus beziehungsweise seiner gewohnten Umgebung herausgenommen und die Erziehungsaufgabe geeigneten Personen oder einer Einrichtung übertragen. Zu den Hilfen zur Erziehung außerhalb des Elternhauses zählen die Erziehung in einer Tagesgruppe, die Vollzeitpflege in einer anderen Familie, die Heimerziehung oder sonstige betreute Wohnformen und die intensive sozialpädagogische Einzelbetreuung.
1.1 Gibt es eine eindeutige Definition von "Erziehung"?
Die widersprüchlichen Zitate einiger Autoren verdeutlichen, dass der Begriff der Erziehung nicht eindeutig definierbar ist:
1. Erziehung zielt auf Selbstsein.
[Robert Spaemann]
2. Erziehung ist unter allen Umständen die Eindämmung von Triebüberschüssen.
[Alexander Mitscherlich]
3. Was muss ein normaler Mensch gut können? Lieben und arbeiten.
[Sigmund Freud]
4. Erziehung muss dazu befähigen,
- in der Welt, wie sie ist, verantwortlich zu leben
- und an der Behebung der Missstände in dieser Welt mitzuwirken.
[Friedrich Schleiermacher]
5. Die Erziehung hat ihren Weg zu suchen zwischen der Scylla des Gewährenlassens und der Charybdis des Versagens.
[Sigmund Freud]
6. Das Leben ist hart. Die Erziehung muss auch hart sein.
[Dahlemer Bürgermund 1985]
7. Ich kann dem Wort Erziehung keine positive Bedeutung abgewinnen. Ich sehe in ihr die Notwehr der Erwachsenen, die Manipulation aus der eigenen Unfreiheit und Unsicherheit, die ich zwar verstehen kann, deren Gefahren ich aber nicht übersehen darf.
[Alice Miller]
8. Wenigstens einmal in seinem Leben muss ein Mensch bedingungslos geliebt worden sein.
[Alexander Mitscherlich]
9. Das erzieherische Verhältnis ist rein dialogisch und kann sich nur in einer Kontrapunktik von Hingabe und Zurückhaltung, Vertrautheit und Distanz vollziehen.
[Martin Buber]
10. Erziehung hat die Aufgabe, den bösen, weil gegenüber Gott ungehorsamen, Eigenwillen des Kindes zu brechen.
[Hermann August Francke]
11. Erziehung ist Beispiel und Liebe, sonst nichts.
[Friedrich Fröbel]
12. Die Erziehung soll zärtlich und streng sein, aber nicht kalt und weich.
[Joseph Joubert]
13. Erziehung ist die organisierte Verteidigung der Erwachsenen gegen die Jugend.
[Mark Twain]
14. Erziehen heißt, das Kind an das soziale Milieu des Erwachsenen anzupassen, mit anderen Worten, das Individuum abhängig von den kollektiven Realitäten, denen die Gemeinschaft Wert beimisst, zu verändern.
[Jean Piaget]
15. Alle Erziehung ist nur Handreichung zur Selbsterziehung.
[Eduard Spranger]
16. Da Pädagogen keine Menschen "machen" und ihnen die Verbesserung der Welt (der "Verhältnisse") weder aufgetragen noch möglich ist, müssen sie sich auch nicht mit Entwürfen einer anderen oder besseren gesellschaftlichen Ordnung abgeben [...] Sie haben den Auftrag, den jungen Menschen in die gewordene - teils gewollte, teils ungewollte - Kultur einzuführen, so dass er in ihr bestehen kann und sie nicht behindert oder beschädigt oder zerstört.
[Hartmut von Hentig 1999]
17. Jeder Lehrer muss lernen, mit dem Lehren aufzuhören, wenn es Zeit ist.
Das ist eine schwere Kunst.
[Bertolt Brecht]
1.2 Drei Arten der Erziehung
[...]
Arbeit zitieren:
Katja Biersch, 2003, Erziehung und Unterricht, München, GRIN Verlag GmbH
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