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Totschlag oder Religionsfreiheit?

Dürfen Eltern die Bluttransfusion bei ihrem Kind verweigern, weil sie Zeugen Jehovas sind?

Title: Totschlag oder Religionsfreiheit?

Term Paper , 2009 , 19 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Andreas Kuebler (Author)

Ethics
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Immer wieder sind auch Zeugen Jehovas als Patienten in Kliniken. Dass ein erwachsener Mensch unabhängig von seiner Religion jederzeit die Wahl hat, Maßnahmen, also auch eine Bluttransfusion, abzulehnen, steht hier nicht zur Diskussion. Aber wie verhält es sich bei Kindern? Ist es wirklich vertretbar, dass Eltern ihrem Kind eine Transfusion verweigern, nur weil sie „Zeugen Jehovas“ sind, vor allem, wenn nur durch eine Transfusion das Überleben des Kindes eine Chance hat? In der Praxis kommt dieser Fall nicht besonders häufig vor, dennoch gibt es diese Situationen vereinzelt, und diese werden auch in der Presse entsprechend behandel. Solche Vorkommnisse stellen für das gesamte Behandlungsteam eine enorme Belastung dar, wie in der folgenden Arbeit erörtert wird. Deckt die Religionsfreiheit eine solche Entscheidung wirklich ab, oder ist es nicht eine Art von aktiver Sterbehilfe oder anders ausgedrückt beinahe Todschlag, der hier vollzogen wird? Tatsache ist, dass eine solche Entscheidung immer wieder auf Unverständnis und Ablehnung stößt. Daher soll mit dieser Arbeit der Versuch unternommen werden, diese Fragestellung und Problematik unter Berücksichtigung der religiösen, gesetzlichen und ethisch-moralischen Aspekte näher zu beleuchten. Ferner soll auch die Belastung des in die Behandlung involvierten Teams dargestellt werden und etwaige Lösungsansätze aufgezeigt werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Grundlagen der Betrachtung

2.1 Geschichte der Zeugen Jehovas

2.2 Lehre der Zeugen Jehovas

2.2.1 Zur Interpretation und Übersetzung der Bibel durch die Zeugen Jehovas

2.3 Eid des Hippokrates

2.4 Rechtliche Aspekte

2.4.1 Mord, Totschlag, Aussetzung

2.4.2 Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland

2.4.3 Rechtsprechung

2.5 Ethische Aspekte

3. Konflikt und Lösungswege

3.1 Der Konflikt des behandelnden Teams

3.2 Lösungsmöglichkeiten

4. Diskussion und Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das ethische und rechtliche Spannungsfeld zwischen der elterlichen Verweigerung lebensnotwendiger Bluttransfusionen bei Kindern aus religiösen Gründen (Zeugen Jehovas) und dem staatlichen Schutzauftrag für das Kindeswohl sowie der ärztlichen Fürsorgepflicht.

  • Historische und theologische Grundlagen der Zeugen Jehovas
  • Rechtliche Bewertung von Blutverweigerung im Lichte des Grundgesetzes und des StGB
  • Ethische Analyse des Arzt-Patienten-Verhältnisses und des Paternalismus
  • Psychische Belastungssituation für das medizinische Behandlungsteam
  • Handlungsmöglichkeiten und juristische Lösungswege in Notsituationen

Auszug aus dem Buch

3.1 Der Konflikt des behandelnden Teams

Unfälle und dringliche Operationen, bei denen die Transfusionsgabe mit sicherer Wahrscheinlichkeit das Überleben des Patienten sichern könnte, kommen häufig vor. Gerade in dieser Situation stößt die Haltung der „Zeugen Jehovas“ nicht nur auf Unverständnis, sondern führt auch zu Verzweiflung. Gerade wenn es um Kinder oder junge Erwachsene geht, ist nicht nur der Gewissenskonflikt bei den behandelnden Ärzten, oft auch bei den an der Behandlung beteiligten Pflegekräften vorprogrammiert. Die Beteiligten stellen sich die Frage, ob es die richtige Entscheidung war, einem jungen Erwachsenen die Transfusion nicht gegeben zu haben, weil dies sein ausdrücklicher Wille gewesen ist. Diese Situationen stellen eine enorme psychische Belastung dar. (Vgl. Gebhard 2008). Der Konflikt wird noch größer, sobald auch Kleinkinder von Therapieentscheidungen indirekt betroffen sind. Gerade bei Müttern, die nach der Entbindung plötzlich auftretende Blutungen aufweisen und dringend eine Bluttransfusion benötigten, wird das Dilemma deutlich.

Obwohl Schwestern, Pfleger und Ärzte versuchen, die Mutter zu überzeugen, und um ihr die Situation zu verdeutlichen, ihr auch ihr soeben entbundenes Kind zeigen, ändern die betroffenen Frauen ihre Meinung nicht. Letztlich halten sich die Ärzte schweren Gewissens an den Willen der Patienten. Allerdings zieht die Gesellschaft diese Ärzte und auch die Angehörigen oftmals wegen Tötung zur Verantwortung. (Vgl. Gebhard 2008) Interessant in Zusammenhang mit der Entbindung ist vor allem der Konflikt, wenn die Blutungen bei der Mutter noch vor oder während der Entbindung auftreten. Befindet sich die Mutter in einer seelischen Notlage, ist der Schwangerschaftsabbruch noch möglich. So betrachtet beginnt der Schutz des Lebens nach unserer Rechtssprechung erst nach der vollendeten Geburt des Kindes, womit die Schwangere zu einer „Zwangstransfusion“ nicht gezwungen werden kann, obwohl das Leben ihres noch ungeborenen Kindes unter Umständen stark bedroht ist. (Vgl. Gebhard 2008 und Klie / Stascheit 2008, S.1046)

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Problematik der Bluttransfusionsverweigerung bei Kindern durch Zeugen Jehovas und stellt die zentrale Fragestellung der Arbeit vor.

2. Grundlagen der Betrachtung: Dieses Kapitel liefert eine historische Einordnung der Zeugen Jehovas, analysiert deren Glaubenslehre sowie die Besonderheiten ihrer Bibelauslegung.

3. Konflikt und Lösungswege: Hier werden die psychischen Belastungen des medizinischen Personals sowie konkrete Handlungsoptionen und juristische Vorgehensweisen im Notfall diskutiert.

4. Diskussion und Fazit: Das abschließende Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die moralische sowie rechtliche Zulässigkeit der elterlichen Entscheidung zum Nachteil des Kindeswohls kritisch.

Schlüsselwörter

Zeugen Jehovas, Bluttransfusion, Kindeswohl, Religionsfreiheit, Medizinethik, Arzt-Patienten-Verhältnis, Gewissenskonflikt, Körperverletzung, Sorgerecht, Lebensschutz, Neue-Welt-Übersetzung, Paternalismus, Notfallmedizin.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die ethische und rechtliche Problematik, die entsteht, wenn Eltern aus religiösen Gründen – spezifisch als Angehörige der Zeugen Jehovas – eine für ihre Kinder lebensnotwendige Bluttransfusion verweigern.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentrale Themen sind die Lehre und Organisationsstruktur der Zeugen Jehovas, die rechtliche Situation im Rahmen des deutschen Strafgesetzbuches und Grundgesetzes sowie die ethischen Grundsätze ärztlichen Handelns.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Arbeit untersucht, ob Eltern das Recht haben, ihrem Kind unter Berufung auf ihre Glaubensfreiheit eine lebensrettende medizinische Maßnahme wie eine Bluttransfusion zu verweigern, und wie Mediziner in solchen Konfliktfällen rechtssicher und ethisch vertretbar agieren können.

Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die sowohl rechtliche Grundlagen, medizinethische Schriften als auch theologische und historische Quellen auswertet, um den Konflikt zwischen Religionsfreiheit und staatlichem Schutzauftrag zu beleuchten.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Geschichte und Lehre der Zeugen Jehovas, die Analyse ethischer Konzepte (wie des Hippokratischen Eides), rechtliche Betrachtungen der aktuellen Gesetzgebung sowie die Darstellung der psychischen Belastung des Klinikpersonals.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Publikation?

Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Zeugen Jehovas, Bluttransfusion, Kindeswohl, Religionsfreiheit, Körperverletzung und medizinethische Konflikte.

Welche Rolle spielt die „Neue-Welt-Übersetzung“ in der Argumentation der Autoren?

Die Arbeit stellt dar, dass die Zeugen Jehovas eine eigene Bibelausgabe nutzen, um ihre spezifischen Dogmen, einschließlich des Blutgenussverbots, zu legitimieren, was laut Autor einer gezielten Indoktrination gleichkommt.

Wie bewertet der Autor die Situation bei einer notwendigen „Zwangstransfusion“?

Der Autor kommt zu dem Schluss, dass das Grundrecht des Kindes auf Leben und körperliche Unversehrtheit Vorrang vor der elterlichen Glaubensfreiheit hat, weshalb in Notfällen das Vormundschaftsgericht die Zustimmung ersetzen kann oder Ärzte in Dringlichkeit handeln müssen.

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Details

Title
Totschlag oder Religionsfreiheit?
Subtitle
Dürfen Eltern die Bluttransfusion bei ihrem Kind verweigern, weil sie Zeugen Jehovas sind?
College
University of Applied Sciences Ludwigshafen  (Sozial- und Gesundheitswesen)
Course
Ethik
Grade
1,3
Author
Andreas Kuebler (Author)
Publication Year
2009
Pages
19
Catalog Number
V130575
ISBN (eBook)
9783640364022
ISBN (Book)
9783640364374
Language
German
Tags
Totschlag Religionsfreiheit Dürfen Eltern Bluttransfusion Kind Zeugen Jehovas
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Andreas Kuebler (Author), 2009, Totschlag oder Religionsfreiheit? , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/130575
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