Einleitung
In meinem Essay stelle ich den geschichtlichen Hintergrund des Existentialismus bzw. der Existenzphilosophie dar und gehe danach auf zwei der Repräsentanten dieser Philosophie genauer ein.
1. Geschichtlicher Hintergrund der Existenzphilosophie bzw. dem Existentialismus
Der Existentialismus und die Existenzphilosophie sind Phänomene der Nachkriegszeit(vgl. Karl Graf Ballestrem und Henning Ottmann 1990, S. 211). „[…]Die Existenzphilosphie entstand in Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg, der Existentialismus reicht mit seinen Wurzeln in die Zeit der Resistance gegen die deutsche Besetzung Frankreichs ab 1940, hat seine durchschlagende Geltung jedoch nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs gewonnen, ein Vorgang, der auch den beiden Repräsentanten der Existenzphilosophie, Karl Jaspers und mehr noch Martin Heidegger, in Frankreich und in der gesamten romanischen Welt zu neuer Bedeutung verhalf, die auf (West-) Deutschland zurückwirkte.“(ebd. 1990, S. 211) Durch die beiden Kriege kamen die gültigen Grundlagen und Maßstäbe der europäischen Zivilisation ins Wanken und die Bevölkerung begann die kulturellen Selbstverständlichkeiten in Frage zu stellen(ebd. 1990, S. 211). In dieser Situation traf die Existenzphilosophie einen empfindlichen Nerv, so dass diese Richtung zu einer intellektuellen Mode werden konnte(ebd. 1990, S. 211).
2. Zusammenfassung des Essays: „Zum Existentialismus eine Klarstellung“ Sartre versucht in dem Essay die Anschuldigungen gegen den Existentialismus zu widerlegen, indem er auf die einzelnen Punkte, die ihm vorgeworfen werden, eingeht(vgl. Jean- Paul Sartre 2007, S. 113).
Zu Beginn sagt er, dass ihnen vorgehalten wird, dass sie sich von Heidegger inspirieren lassen, der ein deutscher Philosoph und Nazi war und das sie unter dem Existentialismus einen Quietismus der Angst propagieren(ebd. 2007,S. 113). „ Schließlich ist ihr dritter Vorwurf, daß der Existentialismus sich im Unrat gefällt und lieber die
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Bosheit der Menschen und ihre Niedertracht als ihre guten Gefühle zeigt.“(ebd. 2007, S. 114)
Er ist der Meinung, dass diese Angriffe aus Unaufrichtigkeit und Unwissenheit heraus entstanden sind und das sie den Existentialismus als Sündenbock ausgesucht haben, weil es eine abstrakte Lehre ist, die wenige kennen und dadurch ihre Behauptungen nicht nachgeprüft werden können(ebd. 2007, S. 114).
Sartre geht auf die erste Anschuldigung ein indem er behauptet, dass Heidegger Philosoph war bevor er überhaupt Nazi wurde und er argumentiert dies damit, dass Heidegger aus Angst oder durch Karrierismus und sicher durch Konformismus dem Hitlerismus zugestimmt hat(ebd. 2007, S. 114) Heidegger wird damit beschuldigt, dass seine Philosophie eine Nazi- Philosophie ist, da er Mitglied der nationalsozialistiischen Partei war(ebd. 2007, S. 114). Dem stimmt Sartre nicht zu, er meint, dass jeder Mensch manchmal nicht auf der Höhe seiner Werke ist und dass es nicht heißen soll, dass man alle Theorien eines Philosophen teilen muss, nur weil man sein eigenes Denken durch das eines Philosophen entdeckt(ebd. 2007, S. 114f). Als nächstes erläutert er den Begriff des Existentialismus. „In philosophischen Begriffen gesprochen, hat jeder Gegenstand ein Wesen und eine Existenz. Ein Wesen, das heißt eine konstante Gesamtheit von Eigenschaften; eine Existenz, das heißt eine gewisse effektive Anwesenheit in der Welt.“(ebd. 2007, S. 115) Lange Zeit waren die Menschen, durch ihre religiöse Denkweise der Meinung, dass die Essenz der Existenz vorausgeht(ebd. 2007, S. 115f). „Der Existentialismus dagegen hält daran fest, daß beim Menschen- und nur beim Menschen- die Existenz dem Wesen vorausgeht.“(ebd. 2007, S. 116) „ Mit einem Wort, der Mensch muss sich sein eigenes Wesen schaffen; indem er sich in die Welt wirft, in ihr leidet, in ihr kämpft, definiert er sich allmählich; und die Definition bleibt immer offen; man kann nicht sagen, was ein bestimmter Mensch ist, bevor er nicht gestorben ist, oder was die Menschheit ist, bevor sie nicht verschwunden ist.“(ebd. 2007, S. 116)
Sartre sagt, dass das Menschenbild des französischen Existentialismus, nicht weit entfernt ist, von dem des Marxismus(ebd. 2007, S. 11). Er behauptet, dass der Existentialismus kein Quietismus sein kann, da der Mensch sich in dieser Philosophie durch das Handeln definiert(ebd. 2007, S. 116). „In Wirklichkeit kann der Mensch nur handeln; seine Gedanken sind Entwürfe und Verpflichtungen, seine Gefühle Un-
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ternehmungen; er ist nichts anderes als sein Leben, und sein Leben ist die Einheit seiner Verhaltensweisen.“(ebd. 2007, S. 116f) Hier wird die Frage aufgeworfen was nun mit der Angst ist, die im Existentialismus auftaucht. Dies beantwortet Sartre mit dieser Begründung: „Wenn der Mensch nicht ist, sondern sich schafft, und wenn er, indem er sich schafft, die Verantwortlichkeit für die ganze Gattung Mensch übernimmt, wenn es weder einen Wert noch eine Moral gibt, die a priori gegeben sind, sondern wenn wir in jedem Fall allein entscheiden müssen, ohne Stütze, ohne Führung und dennoch für alle, wie sollten wir da nicht Angst haben, wenn wir handeln müssen?“(ebd. 2007, S. 117) Er betont hier aber auch, dass die Angst das Handeln nicht hindern soll, ganz im Gegenteil, es soll Voraussetzung dessen sein(ebd. 2007, S. 117).
Er geht auch auf die Hoffnungslosigkeit ein, indem er die Hoffnung als schlimmste Hemmnis für das Handeln bezeichnet(ebd. 2007, S. 117). Die Hoffnungslosigkeit ist die Gewissheit, dass jeder Mensch nur auf sich selbst zählen kann, das er allein ist und sein Schicksal auf dieser Welt selbst bestimmt(ebd. 2007, S. 118). „ So wie die Angst sich nicht vom Sinn für die Verantwortlichkeit unterscheidet, ist die Hoffnungslosigkeit eins mit dem Willen; mit der Hoffnungslosigkeit beginnt der wahre Optimismus: der Optimismus dessen, der nichts erwartet, der weiß, daß er keinerlei Recht hat und ihm nicht zukommt, der sich freut, auf sich allein zu zählen und allein zum Wohl aller zu handeln.“(ebd. 2007, S. 118)
Sartre beantwortet als nächstes die Frage der Freiheit des Menschen. Er sagt, das jeder Mensch frei ist, dass das aber nicht bedeutet, dass jeder Mensch machen kann was er will, sondern dass er immer eine Wahl hat, indem was er tut(ebd. 2007, S. 119).
Er behauptet, dass der Vorwurf, dass er sich in Unrat wälzt, nicht auf den Existentialismus gerichtet ist, sondern auf seine Person, aber er hält es trotzdem für nötig, dies im Namen der Philosophie zu widerlegen(ebd. 2007, S. 120). Er sagt, dass die Menschen davon überzeugt werden wollen, dass es leicht sei, Gutes zu tun, was aber nicht der Fall ist(ebd. 2007, S. 120). Er ist der Meinung, dass die Menschen sich selbst belügen, wenn sie denken, dass sie schon Helden sind, wenn sie beispielsweise nur einer politischen Partei angehören und somit ihre Tugenden entwerten, die sie eigentlich zu verteidigen behaupten(ebd. 2007, S. 120).
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Arbeit zitieren:
Gülcin Aygün, 2009, Existentialismus von Sartre und Jaspers, München, GRIN Verlag GmbH
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