Inhaltsverzeichnis
Einleitung. 3
Ästhetik als „Philosophie des Schönen“ 4
Übergang von reiner zur angewandten Kunst 5
Medien ästhetik. 7
Die Schwierigkeit einer Fernsehästhetik. 8
a) Massen- vs. Individualmedium - Bildschirm oder Mattscheibe. 9
b) Fernsehen als kulturelle Ware. 11
c) Die Sichtbarkeit des Bildes - Ästhetik als Form der
Wahrnehmung 11
d) Videoclips - Verfilmung von Musikstücken. 13
Schlussbetrachtung - Nullmedium Fernsehen? 15
Bibliografie. 16
2
1. Einleitung
„Der Mensch“, schrieb Alfred Kurella, „hat als Resultat seiner jahrtausendelangen tätigen Kulturentwicklung ein ästhetisches Vermögen mitbekommen. Dieses ästhetische Vermögen dient ihm in der Praxis bei der Aneignung der Wirklichkeit, beim Erfassen der Lebenswahrheit, man kann wohl sagen, in starker Weise wie das logische Denken!“ 2 Gegenwärtig gilt es, die Auffassung vom Gegenstand der Ästhetik und ihrer Ausweitung über die bisher untersuchten Bereiche hinaus neu zu durchdenken, 3 da das ursprüngliche griechische Verständnis von Ästhetik als Lehre von der Wahrnehmung ungeeignet scheint, das gesamte Spektrum der Inhalte zusammenzufassen, die in unserer Zeit in diesem Feld bearbeitet werden.
Vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Thema der Ästhetik im ausgehenden 20./ beginnenden 21. Jahrhundert, begründet auf die Geschichte, Entwicklung und Umwandlung der so genannten „Philosophie des Schönen“ bis heute. Allem vorangestellt ist die Frage, ob man noch immer von einer Ästhetik im eigentlichen Sinne sprechen kann bzw. welche Aufgaben diese heute zu erfüllen hat. Da bisher nur selten in den Medienwissenschaften, der Kunstwissenschaft oder der Philosophie die Rede von Ästhetik oder Stil ist, wenn es um das Fernsehen geht, 4 möchte ich an diesem Beispiel die Veränderung des ästhetischen Begriffs belegen. Dabei geht es darum, „einige traditionelle [...] Begriffe der Ästhetik im Blick auf das Fernsehen neu zu denken und zu modifizieren“. 5 Die Aussagen beruhen freilich nicht auf der Behauptung, dass es grundsätzlich (k)eine Ästhetik des Fernsehens gibt, sondern vielmehr findet eine Auseinandersetzung mit dieser Problematik statt, die Genanntes auch immer wieder in Frage stellt.
2 Friebach/ Franz/ Hirdina/ Mayer/ Pracht/ Reschke (1978): S. 45.
3 Ebd.: S. 178.
4 Adelmann/ Stauff. In: Fahle/ Lorenz (2005): S. 55.
5 Gendolla/ Ludes/ Roloff (2002): S. 46f.
3
2. Ästhetik als „Philosophie des Schönen“
Die Ästhetik als selbstständige Wissenschaft ist im 18. Jahrhundert aus der Philosophie heraus entstanden, begründet auf Baumgarten und Kant. Sie beschreibt die Lehre vom stilvollen Schönen und der Erfahrung des Schönen, im engeren Sinne die Lehre vom Kunstschönen und dessen Erfahrung. 6 Spricht man also vom Ästhetischen, ist nicht selten die Rede von einer anderen Bezeichnung „für die scheinhafte Anwesenheit, für eine auf den Wahrnehmungsvollzug gerichtete Aufmerksamkeit, für eine sinnliche Sinnhaftigkeit und oft schlicht für die Wahrnehmbarkeit einer Sache“. 7 Im Schönen findet der Mensch in sinnlich - „anschaulichen und ästhetisch gestalteten oder empfundenen Form-, Farb-, Flächen- oder Tonverhältnissen in Harmonie zu sich selbst“ und der Umwelt gegenüber. Der Moment des sinnlichen Genusses in subjektiver Übereinstimmung mit dem Objekt gibt dem Schönen seinen Ausdruck, ohne genauer zu definieren, was zu den einzelnen Gehalten der Schönheit gehört. 8 Die ästhetische Theorie hat die Aufgabe, einerseits den tradierten Kunstbegriff zu überprüfen und ihn neu zu formulieren im Hinblick auf neue Bedingungen „für Produktion, Verbreitung und Rezeption von Kunst, wie sie sich im Prozess der Vergesellschaftung herausbilden“. Zum anderen sind Aktivitäten, welche sich in ihrer Entwicklung von der Kunst abgrenzen „begrifflich und systematisch nach ihrer Spezifik zu befragen und zu verallgemeinern“. 9 Diese Spezifik liegt dementsprechend aus heutiger Sicht in „Gestaltqualitäten, in denen Beziehungen harmonischer Übereinstimmung als soziale Beziehungen signifikant ausgedrückt und erfahrbar werden“. 10 Da stellt sich die Frage, wie es sich mit dem oben genannten sinnlichen Erscheinen in Bezug auf andere Formen der Alltagswelt verhält 11 und deutet an, warum es so schwer fällt, eine allgemein gültige Definition die Schönheit betreffend zu finden. Denn wer entscheidet, wann eine Sache als schön oder eben nicht schön zu bezeichnen ist, auch wenn es sich weitest gehend um eine persönliche Bewertung handelt? Dieser Problematik ist man in der Geschichte der Ästhetik immer wieder auf den Grund gegangen, auch wenn es zu anderen Zeiten ein anderes Verständnis für die Wahrnehmung des Schönen gab. Wie bereits angesprochen,
6 Prechtl/ Burkard (1999): S. 46f.
7 Wiesing (1997): S. 9.
8 Friebach/ Franz/ Hirdina/ Mayer/ Pracht/ Reschke (1978): S. 385f.
9 Ebd.: S. 456.
10 Ebd.: S. 386.
11 Stöhr (1996): S. 20.
4
bezog sich die Wissenschaft der Ästhetik viele Jahrhunderte allein auf die Kunst. 12 Allerdings traten Ästhetiken immer wieder mit dem Anspruch auf, Grundlagen für zukünftige Entwicklungen nicht ausschließlich auf dem Gebiet der Kunst, sondern ebenfalls in den Bereichen der Gesellschaft und Kultur zu legen. 13
3. Übergang von „reiner“ zur „angewandten“ Kunst
Die Ästhetik definiert ein sehr weites Feld, da ästhetische Aspekte nicht nur in der Kunst und Natur, sondern auch im Bewusstsein und Selbstverständnis von Menschen, in sind. 14 ethischen und theoretischen Ansprüchen wiederzufinden Der
Emanzipationsprozess der ästhetischen Erfahrung im 18. Jahrhundert hat dazu geführt, die Erkenntnis durch die Sinne der rationalen Erkenntnis entgegenzusetzen und für den ästhetischen Horizont ein eigenes Recht neben dem logischen Horizont zu beanspruchen. 15 Je mehr sich die bürgerliche Gesellschaft im Laufe der Geschichte in Richtung eines entwickelten Kapitalismus bewegte, desto mehr entfernte sie sich von ihren anfänglichen kulturellen Ansprüchen, umso brüchiger und fragwürdiger wurde das ästhetische Gesamtkonzept. 16 In Reaktion auf diese Vorgänge bildeten parallel zum gesellschaftlichen Fortschritt bekennende Künstler und Theoretiker ästhetische Wertvorstellungen wie auch Praktiken ästhetischer Gestaltung aus, die mit den ursprünglichen Kunstvorstellungen nicht mehr zu fassen waren. 17 Zeitnah fand ein fundamentaler Wandel in den realen massenhaften Prozessen ästhetischer Wertung statt. 18 Die Kulturindustrie dehnte sich mit der Entwicklung des Kapitalismus ungeheuer aus, ergriff Produktionsbereiche, in denen bislang die handwerklich-individuelle, „halbkünstlerische“ Fertigungsweise vorherrschte. Dies reichte von der Architektur bis zur Bekleidungsindustrie und drang schließlich in den Kunstprozess vor allem mit der Entstehung neuer Künste (Film, Fernsehen) im angehenden 20. Jahrhundert ein. 19 Dabei ist beachtenswert, dass die Situation für die begriffliche Bestimmung des Wesens der einzelnen Kunstgattungen bzw. der Kunst komplizierter geworden ist. „Von welchen
12 Friebach/ Franz/ Hirdina/ Mayer/ Pracht/ Reschke (1978): S. 343.
13 Vgl. Wiesing (1997): S. 11.
14 Vlg. ebd.: S. 9.
15 Vgl. Stöhr (1996): S. 27.
16 Friebach/ Franz/ Hirdina/ Mayer/ Pracht/ Reschke (1978): S. 383.
17 Vgl. ebd.: S. 455.
18 Ebd.: S. 6.
19 Ebd.: S. 452.
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Arbeit zitieren:
Katharina Bucklitsch, 2007, Die Betrachtung der Fernsehästhetik, München, GRIN Verlag GmbH
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