INHALTSVERZEICHNIS
ABBILDUNGSVERZEICHNIS IV
VORBEMERKUNG 1
1. VON DER GUTENBERG-GALAXIS ZU DEN DIGITALEN MEDIEN 3
Auswirkungen des Buchdrucks 1.1. 3
Medialer Wandel in der Buchbranche 1.2. 4
The Medium is the Message 1.3. 6
Verdrängung der alten Medien? 1.4. 7
Medium Buch zwischen Druck und Digitalität 1.5. 7
2. E-BOOKS 10
Digitale Güter 2.1. 10
Das digitale Buch 2.2. 10
Technische Voraussetzungen 2.3. 12
Vielfalt der Lesegeräte 2.3.1. 12
Andere Lesegeräte 2.3.2. 13
Electronic Paper 2.3.3. 14
Einf ührung eines Standards 2.3.4. 15
Amazons Kindle 2.4. 16
Das Angebot in Deutschland 2.5. 17
Vorzüge der Lesegeräte 2.6. 18
Schw ächen der Lesegeräte 2.7. 19
3. DER EBOOK-MARKT FÜR VERLAGE IN DEUTSCHLAND 21
Das digitalisierte Verlagswesen 3.1. 21
ii
23 3.2. Konkurrenzverhältnisse der vernetzten Unternehmen
24 3.3. Vertriebsmöglichkeiten unterschiedlicher Anbieter 25 3.3.1. Verlage 26 3.3.2. Datenbankanbieter 27 3.3.3. Library Supplies 27 3.3.4. Private Anbieter 28 3.3.5. Branchenplattformen/ Handelsportale 28 VERTRIEBSMÖGLICHKEIT ÜBER CIANDO 29 VERTRIEBSMÖGLICHKEIT ÜBER LIBREKA!
31 3.4. Der stationäre Buchhandel als Vertriebsmöglichkeit
33 3.5. Schwierigkeiten des Vertriebs
34 3.6. E-Books zum Ausleihen - Onleihe
35 3.7. Weitere verlagspolitische Überlegungen 37 3.7.1. Kommunikationspolitik der Verlage außerhalb des Internets 38 3.7.2. Preispolitik 39 3.7.3. Kopierschutz bei digitalen Gütern 40 3.7.4. Digital Rights Management (DRM)
4. KUNDENANALYSE 42
43 4.1. Mediennutzungszeit
43 4.2. Verändertes Lese- und Mediennutzungsverhalten
44 4.3. Zielgruppen
46 4.4. Erreichen der „kritischen Masse“
48 4.5. „Geschäftsmodell Verlag“ auf dem Prüfstand
5. SCHLUSSBETRACHTUNG 50
LITERATURVERZEICHNIS V
ANHANGSVERZEICHNIS XIII
iii
ABBILDUNGSVERZEICHNIS
Abb. 1: Beispiel zur Definition von Absatzmärkten für die Verlagsbranche
Abb. 2: Kräfte des Branchenwettbewerbs (nach Potter)
Abb. 3: Käufergruppen der Gesellschaft
Abb. 4: Lesergruppen der Gesellschaft
Abb. 5: Anteile der Lesetypen in Deutschland 2008 in Prozent
Abb. 6: E-Books: Bekanntheit in verschiedenen Altersgruppen
iv
VORBEMERKUNG
Nun ist es mehr als 500 Jahre her, dass Gutenberg mit seiner Erfindung des mechanischen Buchdrucks eine technische Basis schuf, die als Revolution für Kultur und Wissenschaft angesehen werden kann. Seitdem gehört das Buch zu den Grundfesten in unserer Gesellschaft und bisher konnte ihm auch die Medienrevolution des 20. Jahr-hunderts nicht viel anhaben. Das Lesen längerer Texte war bis dahin meistens nur mit Hilfe des gedruckten Buches möglich. Durch das Internet gerät jedoch das bisherige Geschäftsmodell der Verlage auf den Prüfstand und althergebrachte Gewohnheiten werden in Frage gestellt. 1 Der Leser begreift sich heute mehr als Individuum, welches den Anspruch hat, seinen Zugriff auf Literatur selbst so zu organisieren, wie es das gern möchte, und zwar auf dem schnellsten und unkompliziertesten Weg. 2 Da im Internet viele Informationen frei erhältlich sind, verringert sich die Bereitschaft der Konsumenten, dafür auch Geld auszugeben. 3 Zudem haben sich Computer- und Displaytechnologien so rasant entwickelt, dass die Vorzüge des Web immer deutlicher werden und auch vor dem Buch nicht halt gemacht haben. Ohne Probleme kann man nun Wissen von mehreren Hundert Texten auf Lesegeräten speichern, welche nicht größer sind als ein Taschenbuch und der gewohnten Lesequalität auch in nichts nachstehen. 4
Aufgrund der Tatsache, dass aus Büchern Informationsdatenbanken und aus Verlagen multimediale Content-Provider werden, 5 herrscht Furcht und Unsicherheit in den heiligen Hallen des Literaturbetriebes. Fragen entstehen, was geschehen wird, wenn eines der ältesten Kulturgüter der Menschheit im Zeitalter des Digitalen ankommt. 6 Wie vor allem Verlage diese Wandlungen verstehen lernen und zu ihren Gunsten nutzen müssen, ist Hauptgegenstand des vorliegenden Textes. Befasst werden soll sich mit der Entwicklung, den Chancen und Risiken des eBooks auf dem deutschen Markt, ausgehend von der Erfindung des Buchdrucks und der Bedeutung für gesellschaftliche Um-wandlung und wirtschaftliche Abläufe. Dabei interessiert hauptsächlich die Frage, welche Besonderheiten im Vergleich zu den Printmedien zu konstatieren sind. Die Aus- 1 Vgl.Eck (2008), in: Frankfurter Buchmesse. Fachzeitschrift zur Buchmesse 2008, S. 42.
2 Vgl. Gorny (2008), S. 10f.
3 Vgl. Eck (2008), in: Frankfurter Buchmesse. Fachzeitschrift zur Buchmesse 2008, S. 44.
4 Vgl. Roesler-Graichen/ Schild (2008), S. 7.
5 Vgl. O.V. (2008): Ist der Verlag der Zukunft überhaupt noch ein Verlag?, in: Frankfurter Buchmesse. Fachzeitschrift zur Buchmesse, S. 46.
6 Vgl. Rohwetter/ von Thadden/ Uehlecke (16.10.2008), http://www.zeit.de/2008/43/Kindle o.S.
1
breitung der Lesegeräte wird vorgestellt, die Unterschiede auf den Märkten in den USA und Deutschland werden analysiert. Geklärt werden soll zudem, welche neuen Möglichkeiten und Herausforderungen sich für die verschiedenen Institutionen mit Produktion, Distribution und Rezeption von digitalen Texten ergeben. 7 Dazu sollen differente Verkaufsmodelle und Vertriebsstrategien, Anbieter von eBooks und neuartige Geschäftsmodelle via Internet vorgestellt und mit der Trenduntersuchung des Konsumentenverhaltens gekoppelt werden.
7 Vgl. Wunderlich/ Schmid (2008), Umschlagtext.
2
1. VON DER GUTENBERG-GALAXIS ZU DEN DIGITALEN MEDIEN
Die Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern durch Johann Gutenberg im Jahre 1456 ist nach Marshall McLuhan - nimmt man die Erfindung der Schrift als Beginn der Geschichte der Medien - der zweite mediale Einschnitt mit durchaus univer-salhistorischen Folgen. Das Ergebnis war die "Gutenberg-Galaxis". 8 Die Bezeichnung aus dem Jahre 1962 ist weltweit zum gebräuchlichen Schlagwort für die Wirkungskraft und Verbreitung des gedruckten Buches geworden. In jener Zeit sah es zwar noch nicht danach aus, dass sich das jahrhundertealte Verlagswesen je gravierend verändern würde, dennoch hat es, bezogen auf die heutige Tendenz der digitalen Medien, eine entscheidende Bedeutung erlangt, da Entwicklungen weiter vorangeschritten sind und sich damit neue Perspektiven der Verbreitung eröffnet haben. 9
1.1. Auswirkungen des Buchdrucks
Die Erfindung führte zu einer Umstrukturierung der Gedächtniskultur, da das geschriebene Wort nun leichter abrufbar war. Durch die Verbreitung des Buches und damit von Informationen wurde das Lesen zu einer der wichtigsten Formen der Vermittlung des Wissens, individueller Aneignung menschlicher Erfahrungen sowie gesellschaftlicher Kommunikation und Bildung. 10 Gemäß Giesecke haben „diese Veränderungen […] Auswirkungen auf die Selbstbilder der Menschen und ihre Vorstellungen darüber, was Wirklichkeit ist und welche Elemente derselben von Bedeutung sind“. 11 Dies bezog sich auf die nun neu hervortretende Bedeutsamkeit der Autorenschaft, veränderte das Leseverhalten und führte zur explosionsartig ansteigenden Alphabetisierung.
Verlags- und Buchhandelswesen, Bibliotheken und Druckwerkstätten konnten sich zunehmend etablieren, Produkte und Produktionsmittel veränderten sich qualitativ und quantitativ und Bücher siedelten sich rasch im gesellschaftlich-kulturellen und wirtschaftlichen Leben an. Die Möglichkeit des Druckes hat nicht nur die
8 Vgl. Dörk (o.J.), http://www.uni-konstanz.de/FuF/Philo/Geschichte/MMAG/Theorie/Theorie-Text2.htm o.S.
9 Vgl. Wunderlich/ Schmid (2008), S. 12.
10 Vgl. Goetsch (1994), S. 73.
11 Giesecke (1998), S. 22.
3
Bibelübersetzung Luthers verfügbar gemacht, sondern auch den schnellen Umlauf von Flugblättern seit Anfang des 16. Jahrhunderts ermöglicht, die die Entdeckungen der neuen Welt sowie Nachrichten rasch verbreiteten. Flugblatt und Sendbrief bildeten so die kommunikative Voraussetzung kultureller und soziopolitischer Umwälzungen. 12 Zusätzlich ermöglichte die Einführung der Großdrucktechnik Ende des 19. Jahrhunderts die massenhafte Verbreitung typografisch gestalteter Literatur in Büchern und Zeitschriften. 13
Somit habe der Buchdruck, so Dörk den Grundstein zur Herausbildung einer bürgerlichen Gesellschaft gelegt, indem er den notwendigen kommunikations- und informationstechnischen Wandel herbeiführte. Der symbolische Raum der Bleilettern habe eine geistige Welt erschaffen, die durch Abstraktion, Öffentlichkeit, wissenschaftliche Erkenntnis, und schriftlichen Diskurs geprägt sei. 14 Deutlich werde, dass Literatur über Jahrhunderte lang das einzig verfügbare Medium für intellektuelle Rezeption und Reflexion gewesen sei 15 und dass die geistige Entwicklung der kommenden Jahrhunderte vom Buchdruck und seinen technischen Möglichkeiten geprägt wurde. Wissen erlebt somit eine bis dahin unbekannte Exaktheit und Komplexität, eine Vorraussetzung für die heutige digitale Gesellschaft. 16
1.2. Medialer Wandel in der Buchbranche
Im 20. Jahrhundert überlagerten zunehmend andere Medien die Gutenberg-Ära: gemeint sind die elektronischen digitalen Medien wie Telefon, Funk, Film und Fernsehen. Diese sind nach McLuhan mediale Brüche, die sich von der Schrift und dem Buch differenziert und fortentwickelt haben. 17 Durch die Entstehung von globalen und virtuellen Informationsmärkten wie dem Internet ändert sich folglich fast alles. Dies hat wiederum Auswirkungen auf Wissensproduktion, Herstellung, Verteilung und Verkauf. 18 So betrachtet ist die Computertechnologie des 20. Jahrhunderts zurückzuführen auf Gutenbergs Druckprinzip, Informationen in einzelne Bestandteile zu zerlegen, neu
12 Vgl. Dörk (o.J.), http://www.uni-konstanz.de/FuF/Philo/Geschichte/MMAG/Theorie/Theorie-Text2.htm o.S.
13 Vgl. Henzler, in: Ring/ von Trotha/ Voß (1997), S.55.
14 Vgl. Dörk (o.J.), http://www.uni-konstanz.de/FuF/Philo/Geschichte/MMAG/Theorie/Theorie-Text2.htm o.S.
15 Vgl. Henzler, in: Ring/ von Trotha/ Voß (1997), S.54.
16 Vgl. Dörk (o.J.), http://www.uni-konstanz.de/FuF/Philo/Geschichte/MMAG/Theorie/Theorie-Text2.htm o.S.
17 Vgl. Dörk (o.J.), http://www.uni-konstanz.de/FuF/Philo/Geschichte/MMAG/Theorie/Theorie-Text2.htm o.S.
18 Vgl. Zimmermann, in: Wunderlich/ Schmid (2008), S. 87.
4
zusammenzusetzen und sie dann auf gewünschte Weise zu vervielfältigen. 19 Dank des Eindringens der elektronischen Medien in das bisherige System des Printmediums erwartet er eine Umbildung der Kommunikationsformen und -strukturen mit ähnlicher Reichweite wie jener der Erfindung des Buchdrucks selbst. Dadurch ergebe sich weiterhin eine Veränderung der menschlichen Wahrnehmung mit Auswirkungen auf die Gesellschaft und deren Kultur. 20
Deutlich wird dies in den Umwälzungen, die sich innerhalb der Buchbranche vollzogen haben. Früher wurden beispielsweise die Texte der Autoren an Druckereien und Binder gereicht und dann in Folge über ein Netzwerk buchverbreitender Institutionen wie Buchhandlungen an die Leser weiter getragen. Mit der möglichen Umwandlung der Texte in digitale Informationen veränderten sich allerdings die Optionen der Speicherung und damit auch mit der Verbreitung 21 : „Die Druckindustrie geriet mit Zunahme elektronischer Herstellungsverfahren in den Strudel verkürzter
Technologieinnovationszyklen, die zunächst eine deutliche Verdichtung der Arbeitsschritte von der Druckvorstufe bis hin zum distributionsfertigen Werk zur Folge hatte.“ 22 Ein weiterer wichtiger Schritt war, dass sich die Verlage Ende der 1980er Jahre auf digitalisierte Manuskripte einstellten. Ein paar Jahre später verbreitete sich die Computernutzung auch in privaten Haushalten, Schulen und Universitäten und bereitete damit auch den Boden für neue verlegerische Unternehmungen. Spätestens im ausgehenden 20. Jahrhundert stellte sich die Frage, warum man Bücher nicht auch digital anbieten sollte. 23 So stehen Texte seit geraumer Zeit unter verschiedenen Lizenzbedingungen dem Nutzer gegen Bezahlung zur freien Verfügung bereit. Die Bezahlung erfolgt individuell oder pauschal, ebenso wie der Schutz des geistigen Eigentums festgelegt wird. Dazu sind eigens Gesetze und technische Maßnahmen eingeleitet worden, die später erläutert werden. 24
In jedem Fall übertrifft die Turing-Galaxis der digitalen Medien wie dem Internet die Gutenberg-Galaxis an Geschwindigkeit, Reichweite und Auswirkungen für Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur. Der Zusammenprall beider Galaxien verlangt eine angemessene
19 Vgl. Schmidt (2002), S. 71f.
20 Vgl. Wunderlich/ Schmid (2008), S. 12.
21 Vgl. Titel, in: Wunderlich/ Schmid (2008), S. 70.
22 Ebd., S. 70.
23 Vgl. Ebd., S. 71.
24 Vgl. Köck (2005), http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/de/ , S. 1.
5
Beschäftigung mit dem Wesen dieser neuen Welt sowohl in ihrer technischen und wirtschaftlichen als auch in ihren gesellschaftlichen und kulturellen Gesichtspunkten. 25
1.3. The Medium is the Message
Festgestellt werden kann, dass die digitalen Buchadaptionen dem Nutzer Navigationsmöglichkeiten bereitstellen, die weit über die Möglichkeiten des gedruckten Buches hinausgehen. Dabei geht es nicht darum, das Buch aus den Augen zu verlieren, sondern nach Möglichkeiten zu suchen, welche die Palette bisheriger Anwendungen bereichern können. Ein Beispiel wäre hier auch der iPod, der mit seinen Optionen der Speicherung und Navigation in der Lage war, viele CDs zu digitalisieren und Ordnung im Regal zu schaffen. Dabei ging es auch nicht um die Verdrängung der Musik, sondern um eine zusätzliche Nutzungsvariante. Dieses Prinzip ist erfolgreich umgesetzt worden, wenigstens für die typische Zielgruppe. 26 Hierbei sollte auch beachtet werden, dass es durch die Bereicherung der digitalen Medien zu einer Überlappung des Angebotes kommt. Im Falle der digitalen Texte gestaltet sich das so, dass man sich nun entscheiden kann, ob man die Texte herkömmlich im Buch liest oder sich aus dem Internet herunterlädt. Der Inhalt bleibt der gleiche, lediglich das Medium hat sich gewandelt.
Die Bedeutsamkeit dieser Tatsache darf nach McLuhan nicht unterschätzt werden. Er versichert, dass darunter die Struktur der Medien in kommunikativer Absicht (sowie sozialer und persönlicher Auswirkung) selbst zu verstehen sei, also weniger deren Inhalt. 27 Das Medium kann also aufgrund seiner Technik und der Möglichkeit der Verbreitung und Nutzung selbst zur Botschaft werden und den Sachverhalt entscheidend mitdefinieren. 28 Durch die damit verbundene Individualisierung kann sich ein jeder sein eigenes Bild der Wirklichkeit abbilden, seine eigenen Verhaltensnormen, Werte und Formen des Textzugangs entwickeln und in den Vordergrund stellen. 29 Demzufolge ist auch zu erwarten, dass sich die grundlegenden Interessen und Strukturen des Umgangs mit Wissen neu formen werden. Darauf deutet auch das eingangs Gesagte hin: The medium is the message. 30
25 Vgl. Wunderlich/ Schmid, in: Dies. (2008), S. 24.
26 Vgl. Bläsi, in: Wunderlich/ Schmid (2008), S. 65.
27 Vgl. McLuhan (1994), S. 21.
28 Vgl. Wunderlich/ Schmid, in: Dies. (2008), S. 13.
29 Vgl. Nöth (2002), S. 27.
30 Vgl. Dörk (o.J.), http://www.uni-konstanz.de/FuF/Philo/Geschichte/MMAG/Theorie/Theorie-Text2.htm o.S.
6
1.4. Verdrängung der alten Medien?
Daraus hat sich trotz allem die Diskussion entfacht, ob und wie neue Medien die alten verdrängen. Erst zu Beginn des 21. Jahrhunderts konturiert sich die Frage, ob nicht auch die Zukunft des Buches digital sei, die elektronischen Bücher eine ernst zu nehmende Gefahr darstellen oder sich das eBook als neues Medium dem Buch zugesellen werde, so wie es auch andere Medien wie Radio, Fernsehen und Internet tun. Sicherlich steht auch die Akzeptanz der digitalisierten Bücher durch den Leser deutlich im Vorder-grund. Sind wir bereit, künftig Lesegeräte zu benutzen, die sich stark an das Buch anlehnen oder werden sich gar unsere Lesegewohnheiten verändern? Fest steht, dass das eBook auf dem besten Wege ist, sich auf dem Markt durchzusetzen. Fraglich ist nur, welche Auswirkungen dies auf die Buchbranche haben wird. Sicherlich ist zu erwarten, dass sich die Wertschöpfungskette, welche sich über Jahrhunderte entwickelt hat, drastisch verändern wird, da neue Anbieter in den Prozess eintreten, andere künftig eventuell ausgeschlossen werden. Auf alle Fälle muss die alteingesetzte Buchbranche schnellstmöglich reagieren, um den Nutzern ein attraktives Portfolio bieten zu können. Viele Branchenteilnehmer wie Verlage und Branchenfremde haben sich bereits in Stellung gebracht, um sich auf dem digitalen Markt erfolgreich platzieren zu können. 31
1.5. Medium Buch zwischen Druck und Digitalität
Mit Beginn des E-Commerce Mitte der 1990er Jahre begann eine neue Ära des Buch-handels. Bücher und andere Medien wurden zusätzlich online verkauft. An dieser Stelle trat Amazon in den Buchmarkt ein und versuchte die Funktionen des Buchhändlers in die digitale Galaxis zu transformieren. 32 Entsprechend expandiert der Buchmarkt zwar nach wie vor, wachsen die Titelzahlen, vermelden Verlage und Sortimente Umsatzre-korde. Die Konsumleser und vor allem die informationsorientierten Buchbenutzer wechseln allerdings zunehmend zu den digitalen Medien, die Bedürfnisse schneller und müheloser befriedigen. Die Verlage haben dies vernommen und sind aufgrund dessen zu einem großen Teil dazu übergegangen, ihr Angebot auch als digitale Variante auf den Markt zu bringen. 33 Dementsprechend finden sich seit mindestens zehn Jahren auf Datenbanken ältere, meist urheberrechtsfreie Textsammlungen, vorerst pauschal die
31 Vgl. Roesler-Graichen/ Schild (2008), S. 8.
32 Vgl. Zimmermann, in: Wunderlich/ Schmid (2008), S. 93.
33 Vgl. Moravetz-Kuhlmann, in: Giebenhain/ Mundt (2007), S. 14.
7
digitale Variante der Druckversion genannt. Der Schwerpunkt liegt hier zum größten Teil im geistes- und sozialwissenschaftlichen Bereich, aber auch Belletristik wird angeboten. 34 Da kommt dem Liebhaber der gedruckten Bücher erst einmal schnell in den Sinn, dass das Lesen von Texten am Computer doch eher anstrengend ist und an Sinnlichkeit verliert - aber der Trend geht in eine andere Richtung. Auch können die Zweifler behaupten, dass die neuen Medien elementar abhängig von technischen Voraussetzungen, somit verwundbar und manipulierbar sind und sich auf Gutenbergs einzigartige Erfindung berufen.
Spätestens im 21. Jahrhundert werden Bücher demnach nicht mehr bloß gedruckt, sondern zugleich als digitale Variante angeboten. Sicher versteht man unter dem Begriff Buch etwas ganz anderes, aber die Deutlichkeit des medialen Wechsels kommt stark durch die Vermischung des Print- und des elektronischen Mediums zu Tage. So lassen sich die Merkmale des Buches in elf Kategorien unterteilen, wobei auffällig ist, dass sich lediglich die Punkte drei bis sieben auf Gutenbergs Prinzip beziehen. Alle anderen Merkmale kann man genauso gut auf die digitalen Bücher übertragen, bis auf die Tatsache, dass sich der Datenträger verändert hat:
1. Sprache
2. Schriftform 3. Datenträger (Papier) 4. Format (Oktav) 5. Einband- und Einfasstechnik 6. Drucktechnik 7. Gliederungsnormen
8. Institutionen, die über den Druck entscheiden 9. Autor (Einzelperson oder Kollektiv) und dessen Rechte 10. Büchermarkt (nicht nur ausschließlich Buchhandlung)
11. Begleitinstitutionen (Schulen, Universitäten, Literaturkritik, Literatursendungen etc) 35
Während gedruckte Bücher allerdings aus fixierten Texten und Einzelbildern bestehen, die in linearer Form angeordnet sind, können im digitalen Medium alle Inhalte aktualisiert
34 Hinzuweisen ist auf das seit den 1970er Jahren sehr erfolgreiche Projekt Gutenberg. http://gutenberg.spiegel.de
35 Vgl. Kaufmann, in: Wunderlich/ Schmid (2008), S. 37.
8
und verändert werden. Auch vermögen es digitale Texte zusätzlich, Bilder, Videosequenzen sowie Tondateien ersichtlich zu machen. 36 Trotz allem sind die Bücher nicht vom Aussterben bedroht. Sie werden eben einfach digital und bekommen noch zusätzliche Funktionen, wie z.B. die automatische Stichwortsuche. Viele Texte werden sicherlich bis auf Weiteres auf traditionelle Weise gelesen werden. Wie schon angedeutet, geht es nicht um die Verdrängung oder Kompensation der Medien, da eine technische Neuerung die alte nicht gleich überflüssig macht. 37
Kaufmann hält an der Gutenberg-Galaxis fest und betont, „dass eine einfache Unterscheidung zwischen alten und neuen Medien, zwischen Gedrucktem und Digitalem, unmöglich ist, stehen beide doch in einer Wechselbeziehung und ergänzen sich gegenseitig auf mehreren Ebenen und schon seit geraumer Zeit“. 38 Zudem gebe es noch eine Reihe von Mischformen, die weder eindeutig der Gutenberg-Galaxis noch deren digitalen Nachfolgern zuzuordnen seien. 39 Ist so beispielsweise ein eingescannter und später wieder ausgedruckter Text dann nicht wieder ein Buch? Fraglich ist, ob sich die Gutenberg-Galaxis an der Materialität der Inhalte festmacht. Und ist das Ende tatsächlich erreicht, wenn Autoren nur noch digital veröffentlichen? 40 Fest steht, wer es nicht ein wenig differenzierter sieht, für wen Bücher also in welcher Form auch immer nicht kulturell wertvoll sind, dem wird es schwer fallen „sich damit in der multimedialen, multioptionalen Welt des 21. Jahrhunderts Verständnis zu erwerben“. 41
36 Vgl. Eberspächer (2002), S. 209.
37 Vgl. Spielmann (2008), S. 9.
38 Kaufmann, in: Wunderlich/ Schmid (2008), S. 36.
39 Vgl. Ebd., S. 36.
40 Vgl. Bläsi, in: Wunderlich/ Schmid (2008), S. 59.
41 Ebd., S. 60.
9
2. E-BOOKS
Zunächst einmal soll der Begriff der digitalen Güter und ihre ökonomischen Besonderheiten erläutert werden, die grundlegend für das Verständnis von elektronischen Büchern sind.
2.1. Digitale Güter
Digitale Güter - auch Informationsgüter genannt, sind immaterielle Mittel, die zur Bedürfnisbefriedigung dienen und welche sich mit der Unterstützung von Informationssystemen betreiben, entwickeln und anwenden lassen. 42 Sie bestehen aus Bites und Bytes und können über Netzinfrastrukturen vertrieben werden. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass alle Stufen ihres Vermarktungsprozesses (Produktion bis Vertrieb) über elektronische Infrastrukturen abgewickelt werden können. 43 Ihre Merkmale sind Unzerstörbarkeit, Veränderbarkeit und Reproduzierbarkeit. Nunmehr wird einfaches Kopieren, Speichern und Weitergeben möglich. Die Kosten entstehen lediglich bei der einmaligen Erstellung der digitalen Güter. Die Ausgaben der Verbreitung via elektronischer Kommunikationsnetzwerke wie dem Internet tendieren hingegen gegen Null. 44 Grundsätzlich versteht man unter der Digitalisierung, dass jede Information in beliebiger Reihenfolge abgerufen und neu arrangiert werden kann. Digitale Inhalte können entsprechend zusätzlich in andere Medien umgewandelt werden, z.B. von Text auf Stimme oder andersherum. 45
2.2. Das digitale Buch
Das elektronische Buch (eBook) ist ein Beispiel für die beschleunigte Veränderung des klassischen Buchs. In der Unterscheidung zu ihm bietet es eine Vielzahl informeller Vorteile, welche beispielsweise die Option des gezielten, mehrdimensionalen Suchens
42 Vgl. Horn (2008), S. 2.
43 Vgl. Ebd., S. 3.
44 Vgl. Ebd.
45 Vgl. Tapscott (1996), S. 123.
10
Arbeit zitieren:
Katharina Bucklitsch, 2009, Unter Druck gesetzt - Vom Printmedium zum digitalen Buch (E-Book), München, GRIN Verlag GmbH
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