Inhaltsverzeichnis i
1 EINFÜHRUNG IN DIE THEMATIK 2
2 DIE SYMBOLIK DES „GOLDENEN TOPFES“ 5
2.1 DAS „GOLD“: DEUTUNGSANSÄTZE DER FORSCHUNG 5
2.2 DER „TOPF“: DEUTUNGSANSÄTZE DER FORSCHUNG 6
2.3 DER „GOLDENE TOPF“ BEI E.T.A. HOFFMANN: DEUTUNGSANSATZ 6
3 DER SPANNUNGSGELADENE ANTAGONISMUS ZWISCHEN
REALIT ÄT UND FIKTION 11
4 ABSCHLIEßENDE BETRACHTUNG 13
5 LITERATURVERZEICHNIS 14
Der „Goldene Topf“ und seine Ambivalenz - 2 -
1 Einführung in die Thematik
„Ein Märchen ist wie ein Traumbild, ohne Zusammenhang. Ein Ensemble wunderbarer Dinge und Begebenheiten […]. In einem echten Märchen muß alles wunderbar, geheimnisvoll und unzusammenhängend sein; alles belebt. Jedes auf andere Art. Die ganze Natur muss auf wunderliche Art mit der ganzen Geisterwelt vermischt sein.“ 1
Mit diesen Worten verlangte der Dichter Novalis 2 , in Anlehnung an Goethes „Märchen“ aus dem Jahre 1795, nach dem für ihn absoluten Märchen, in dem eine universelle Integration fantastischer Elemente statt zu finden habe. Novalis spricht des weiteren auch von der Hauptaufgabe des Märchenschreibers, nämlich „der Erlösung der Welt durch die Wiederkehr eines goldenen Zeitalters“, ebenso wie von der Verwendung einer Vielzahl symbolisch-allegorischer Stilmittel, welche in einem Märchen zum Ausdruck kommen sollten. 3 Das Märchen „Der Goldene Topf“, geschrieben von E.T.A. Hoffmann, lässt den Leser ein Stück weit das Leben des Protagonisten Anselmus miterleben, welcher, ansässig in einer kleinbürgerlichen städtischen Welt, sich aufgrund seiner Tollpatschigkeit und schlichtweg aufgrund seiner Andersartigkeit zu etwas anderem berufen fühlt. Dadurch scheint er regelrecht prädestiniert und empfänglich für jede Form von Hilfe zu sein, welche es vermag, ihn aus dieser trostlosen, unglücklichen Lethargie des Alltags zu entführen. Im Hinblick auf Novalis geforderte Totalität fantastischer Elemente lässt sich konstatieren, dass Hoffmann dieser Forderung in so fern nach kommt, als dass er diese schlichtweg auf das Ästhetische, explizit auf die Dichtkunst übertrug und somit Anselmus in die Lage versetzte, sich mit dem Mythos von Atlantis in einem
1 Novalis (1907), S.308f.
2 Sein eigentlicher Name ist Georg Philipp Friedrich Freiherr von Hardenberg.
3 Wührl (2004), S.84.
Der „Goldene Topf“ und seine Ambivalenz - 3 -
„Lebenin der Poesie“ 4 konfrontiert zu sehen. Sowohl der Tagtraum, die Natur, ebenso sein unstillbares Verlangen der Sehnsucht stellen konstitutive Elemente seines Lebens dar. 5 Diese ebenen erwähnten Tatsachen, verknüpft mit der zuvor angesprochenen Ungeschicklichkeit, lassen deutliche Parallelen zu dem im Volksmärchen häufig an zu treffenden Figur des Dümmlings erahnen, dessen persönliche soziokulturelle Ausgrenzung aufgrund seiner Persönlichkeitsimmanenten Dispositionen prototypisch dominieren zu scheinen. Allerdings haben wir es hier eindeutig mit einem Kunstmärchen zu tun, da zum einen der Autor, andererseits auch die räumlich-zeitlichen Bezüge eindeutig zuordenbar sind.
Dargestellt wird ein sich fortwährend akkumulierender Antagonismus zwi- 6
schen der real greifbaren Welt, dargestellt an der Stadt Dresden einschließlich dem bürgerlich-philiströsen Umfeld, und einer fiktiven Welt, welche fernab jeglicher Sorgen und Probleme liegt, nämlich Atlantis. Diesen Antagonismus sieht man beispielsweise ganz zu Beginn, als Anselmus unter dem Holunderbaum eine übernatürliche Erfahrung mit Schlangen macht, die ihn durch ihren Gesang in einen tranceartigen, magischen Zustand zu versetzen in der Lage waren. 7 Dem gegenüber steht die Stadt Dresden, mit all ihren Lüsten und Lastern. Gleich zu Beginn der Erzählung wird der Leser nämlich im literaturwissenschaftlichen Stil des „in medias res“ auf eine Reise mitgenommen, ohne dass zuvor ausführliche introduktive Sequenzen dieses Geschehen eingeleitet hätten. 8
Ein weiteres zu erwähnendes Phänomen ist jenes, dass an einigen Stellen innerhalb der irrealen Welt eine regelrechte Brücke geschlagen wird, welche es, aufgrund einer direkten Involvierung des Lesers 9 , vermag, die Grenzen zwischen Realität und fiktionalen Elementen verschwimmen zu lassen. 10 Für
den Leser bleibt es an vielen Stellen unklar, ob das, was sich gerade innerhalb
4 Hoffmann (2004), S.102, Z.4.
5 Hoffmann (1991), S.29, Z.26ff.; S.29, Z.32ff.; S.71, Z.31ff.
6 Burdorf (2007), S.239f, 628f.
7 Hoffmann (2004), S.9ff.
8 Hoffmann (2004), S.5, Z.4.
9 Hoffmann (2004), S.29, Z.8.
10 Oesterle (1988), S.191; Martini (1976), S.165.
Der „Goldene Topf“ und seine Ambivalenz - 4 -
derGeschichte ereignet, einfach nur als Sinnestäuschung des Protagonisten gesehen werden kann, oder ob jenes ein bewusstes, übersinnliches Element des Autors darstellt. An einigen Stellen durchbricht der Autor offensichtlich die Trennung zwischen Tatsache und Erdichtung bzw. auch Transzendentem, welche aber durch ihre auflockernde Schilderung dem Lesevergnügen ausgesprochen zuträglich ist. 11 Ein Beispiel hierfür findet sich in der 4. Vigilie, in der Lindhorst vor den Augen des Anselmus in Gestalt eines Geier davon zu fliegen scheint. 12 Der Leser, welcher an dieser Stelle sich sozusagen auf Augenhöhe mit Anselmus und dessen Perspektive befindet, wird hierbei genau auf die zuvor erwähnte Problematik der Abgrenzung stoßen, welche, nicht zuletzt durch die raffinierte Wortwahl Hoffmanns, interpretatorische Limiten offenbart. 13
Anhand dieser Kontraste kann man bereits zu Beginn meiner Ausführungen ersehen, dass eine eingehende Analyse der Symbolik des „Goldenen Topfes“ stets auch unter Berücksichtung der ambivalenten Wirklichkeitsebenen dieses Märchens untersucht werden sollte.
In der nun folgenden wissenschaftlichen Arbeit werde ich untersuchen, ob bzw. inwieweit die Symbolik des „Goldenen Topfes“ als konstitutives Element dieses Märchens gesehen werden kann, da das Werk bei genauerer Betrachtung eine Vielzahl unterschiedlicher Symbolobjekte aufweist.
11 Mayer (1980), S.119.
12 Hoffmann (2004), S.35, Z.5-22.
13 Wührl (2004), S.80ff.
Arbeit zitieren:
Florian Fromm, 2009, Der "Goldene Topf" und seine Ambivalenz, München, GRIN Verlag GmbH
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