Suizid alter Menschen - Einführung in das Problem
In der Bundesrepublik sterben jedes Jahr rund 12.000 Menschen durch Suizid, eine Dunkelziffer muß noch einbezogen werden. Im Vergleich kommen im Straßenverkehr in der BRD jährlich rund 8.000 Menschen zu Tode, d.h. ein Drittel mehr Menschen als im Straßenverkehr sterben durch Suizid. Im Schnitt wird alle vier Minuten ein Suizidversuch unternommen (HAENSELL, SAX, SCHWARZENAUER 1997).
Alte Menschen, besonders alte Männer, gelten in der Suizidforschung als eine Gruppe mit erhöhtem Suizidrisiko (ERLEMEIER 1992), die Suizidrate steigt besonders bei Männern ab dem 60. Lebensjahr erheblich an. Trotzdem spielt in der Suizidliteratur das Thema Alter eine eher untergeordnete Rolle. Es stellt sich die Frage nach den Bedingungen, die zu diesem erhöhten Risiko führen. Diese ist um so wichtiger im Hinblick auf die sich stark verändernde Altersstruktur unserer Bevölkerung: die Gruppe der Alten nimmt über die nächsten Jahrzehnte drastisch zu, eine Herausforderung nicht nur im Hinblick auf die ärztliche und pflegerische Versorgung, sondern auch bezüglich des Problems der sozialen Integration.
2 Zielsetzung und Fragestellung dieser Arbeit
Diese Hausarbeit soll einen Einblick in das vielschichtige Thema Suizid verschaffen und Antworten auf die Frage nach den Ursachen der Alterssuizidalität geben. Nach einem kurzen Exkurs in die Terminologie und die Statistik werden die wichtigsten Suizidtheorien vorgestellt. Mögliche Ursachen und Motive für den Suizid im allgemeinen und speziell im Alter sollen aufgezeigt und diskutiert werden.
3 Vorgehensweise und Quellen
Dies ist eine rein theoretische, literaturbezogene Arbeit, die sich vor allem auf die Diplomarbeit CHRISTEL CHRISTEs von 1989 "Suizid im Alter" stützt. Bücher von DURKHEIM, RINGEL oder HENSELER gehören zur Basisliteratur bei diesem Thema, die Literatur speziell zum Alterssuizid ist allerdings eher begrenzt. Statistiken sind dem Internet entnommen.
Inhaltsverzeichnis
1 Suizid alter Menschen - Einführung in das Problem
2 Zielsetzung und Fragestellung dieser Arbeit
3 Vorgehensweise und Quellen
4 Definitionen
4.1 Suizid
4.2 Suizidversuch
4.3 Suizidalität und Alter
5 Statistischer Überblick
5.1 Suizide in Deutschland 1949 bis 1997
5.2 Suizidraten in Deutschland 1949 bis 1997
5.3 Suizidraten nach Alter und Geschlecht 1994 und die altersspezifische Suizidsterblichkeit 1995
6 Ausgewählte theoretische Konzepte der Suizidforschung
6.1 Der soziologische Ansatz von Emile Durkheim
6.2 Psychopathologischer Ansatz von Ringel - das präsuizidale Syndrom
6.3 Psychoanalytische Theorie der "narzißtischen Krise" von Henseler
6.4 Biologische Theorien
6.5 Weitere Erklärungsansätze
7 Ursachen und Motive von Suizidhandlungen im Alter
7.1 Psychische Erkrankung und Alterssuizid
7.2 Körperliche Erkrankung und Alterssuizid
7.3 Soziale Aspekte beim Alterssuizid
8 Zusammenfassung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit setzt sich zum Ziel, einen fundierten Einblick in das komplexe Phänomen des Suizids zu gewähren und die spezifischen Ursachen sowie Motive der Alterssuizidalität zu analysieren und kritisch zu diskutieren.
- Statistische Analyse der Suizidraten in Deutschland im historischen Vergleich.
- Darstellung theoretischer Suizidkonzepte (u.a. Durkheim, Ringel, Henseler).
- Einfluss psychischer Erkrankungen und depressiver Verstimmungen im Alter.
- Bedeutung somatischer Leiden und chronischer Erkrankungen.
- Soziale Dimensionen wie Isolation, Vereinsamung und der Verlust von Bindungen.
Auszug aus dem Buch
6.2 Psychopathologischer Ansatz von Ringel - das präsuizidale Syndrom
Für RINGEL ist der suizidale Mensch krank und unfrei. Die Ursache sucht er im Individuum selbst und nicht in bestimmten äußeren (sozialen) Situationen. Von ihm stammt folgende Gliederung des präsuizidalen Syndroms:
verschiedene Formen der Einengung (situativ, zwischenmenschlich und der Wertewelt)
gehemmte und gegen die eigene Person gerichtete Aggression (hat eigentlich einen anderen Menschen oder die Gesellschaft zum Ziel)
Selbstmordphantasien (willentlich und unabsichtlich, zwangsläufig)
Der Suizid ist der Abschluß einer sich entwickelnden und steigernden Verhaltensweise der ganzen Persönlichkeit (RINGEL 1953, 12). Das suizidale Syndrom stellt nach RINGEL das entscheidende Kriterium für eine bestehende Suizidgefahr dar. Den größten Anteil an der Gesamtzahl der Selbstmorde haben laut RINGEL die endogene Depression (28%), Neurosen (26%) und die mißglückte Altersadaption mit 26%. Nichtbewältigtes Altern als Ursache für Suizid ist nach Ringel nicht auf einen geistigen Abbau (Demenz) zurückzuführen, sondern vor allem auf das Nichtgelingen des Versuchs, mit diesem schwierigen Zeitabschnitt fertig zu werden (CHRISTE 1989, 82-87).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Suizid alter Menschen - Einführung in das Problem: Diese Einleitung beleuchtet die erschreckenden Zahlen der Suizidrate und betont die wachsende Bedeutung des Themas in einer alternden Gesellschaft.
2 Zielsetzung und Fragestellung dieser Arbeit: Hier wird der Zweck der Arbeit dargelegt, die Ursachen der Alterssuizidalität zu hinterfragen und zu beleuchten.
3 Vorgehensweise und Quellen: Ein kurzer Abriss über die literaturorientierte Arbeitsweise und die Herkunft der verwendeten Statistiken.
4 Definitionen: Abgrenzung und Klärung der Kernbegriffe Suizid, Suizidversuch und Suizidalität.
5 Statistischer Überblick: Analyse der Suizidzahlen und Raten in Deutschland über mehrere Jahrzehnte hinweg.
6 Ausgewählte theoretische Konzepte der Suizidforschung: Übersicht über verschiedene soziologische, psychologische und biologische Erklärungsansätze für suizidales Verhalten.
7 Ursachen und Motive von Suizidhandlungen im Alter: Detaillierte Untersuchung der Risikofaktoren, darunter psychische Erkrankungen, körperliche Leiden und soziale Faktoren.
8 Zusammenfassung: Abschließende Reflexion über die Komplexität des Themas und das ethische Bedürfnis nach einer besseren Lebensqualität im Alter.
Schlüsselwörter
Suizid, Alterssuizid, Suizidalität, Depression, Soziale Isolation, Einsamkeit, Präsuizidales Syndrom, Emile Durkheim, Erwin Ringel, Narzisstische Krise, Alter, Psychische Erkrankung, Lebensqualität, Suizidprävention, Psychodynamik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt das sensible Thema des Suizids im Alter, analysiert Hintergründe und Ursachen und beleuchtet die gesellschaftliche Relevanz vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die statistische Aufarbeitung, die theoretische Einbettung durch klassische Suizidtheorien sowie die Untersuchung psychosozialer und medizinischer Belastungsfaktoren.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, einen Überblick über die vielschichtigen Ursachen der Alterssuizidalität zu geben, um ein tieferes Verständnis für die betroffenen Menschen zu schaffen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische, literaturbezogene Arbeit, die sich auf fachspezifische Standardwerke und wissenschaftliche Statistiken stützt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine statistische Bestandsaufnahme, eine theoretische Analyse durch etablierte Konzepte und die Untersuchung spezifischer Alterssuizid-Motive.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Suizidalität, Alterssuizid, soziale Isolation, Depression und die psychodynamischen Ansätze namhafter Forscher charakterisiert.
Warum spielt die soziale Isolation eine so große Rolle beim Alterssuizid?
Soziale Isolation und Einsamkeit werden als entscheidende Faktoren identifiziert, da der Verlust an Bindungen und der Zusammenbruch sozialer Netzwerke im Alter oft die psychische Widerstandsfähigkeit untergraben.
Welchen Stellenwert nimmt die "mißglückte Altersadaption" nach Ringel ein?
Nach Ringel stellt die mißglückte Altersadaption einen maßgeblichen Anteil an den Suizidursachen dar, wobei es primär um die Unfähigkeit geht, sich an die veränderten Lebensbedingungen des Alters anzupassen, nicht bloß um geistigen Abbau.
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- Ute Hauser (Author), 2001, Suizid - vorzeitiger Ausstieg im Alter?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/13069