Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Die Geschichte von „Tinko“ 4
2.1 Inhaltsangabe. 4
2.2 Textart 5
2.3 Erzählsituation. 6
2.4 Figuren 7
3 Die Beziehung von Großvater und Kind. 8
3.1 Großvater Kraske 8
3.2 Ernst Kraske 9
3.3 Tinko 10
3.4 Der Konflikt 10
3.4.1 Ausgangssituation 10
3.4.2 Entwicklung der Beziehung 12
3.4.3 Ausgang des Konflikts 14
3.5 Stilmittel zur Darstellung der Beziehung 17
4 Zusammenfassung. 20
5 Literaturverzeichnis. 22
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1 Einleitung
Ein alter Mann, starrsinnig und an alten Idealen festhaltend, ein Mann, der einen Großteil seines Lebens körperlich hart arbeitete und seine Feierabende mit Kartenspielen verbrachte. Ein Mann, der mich in vielerlei Hinsicht an meinen eigenen Großvater erinnerte und mit Sicherheit auch vielen anderen Großvätern ähnelt. Dieser Mann ist August Kraske, der Großvater von Tinko, der Titelfigur zum gleichnamigen Roman von Erwin Strittmatter. Einige Verhaltensweisen und Charakterzüge von Tinkos Großvater faszinierten mich auf Grund ihrer Parallelität zu meinem eigenen Erleben so sehr, dass ich beschloss, mich tiefgründiger mit Strittmatters Text zu beschäftigen.
Auffällig am Text und zentrales Thema des Buches ist das Verhältnis von Tinko zu seinem Großvater sowie zu dem später aus der Kriegsgefangenschaft heimkehrenden Vater. Ich möchte mich daher in meiner Arbeit dieser Figurenkonstellation von Großvater- Tinko-Vater widmen und die drei Personen genauer untersuchen, um dann später Aussagen über deren Beziehung machen zu können. Um eine Grundlage für diese Arbeit zu schaffen, werde ich im ersten Teil meiner Arbeit den Roman inhaltlich zusammenfassen, die Textart bestimmen und Ausführungen über die markante Erzählsituation und die Figuren des Textes machen. In meinem Hauptteil soll die Beziehung von Großvater Kraske zu seinem Enkel Tinko im Mittelpunkt stehen, auch unter Rücksichtnahme auf die Rolle des Vaters, der hier eine entscheidende Funktion hat. Dazu werde ich versuchen, eine Charakterisierung der drei Personen vorzunehmen und anschließend anhand dieser die Konfliktsituation sowie deren Entwicklung im Laufe des Romans ausarbeiten. Abschließend werde ich auf einige stilistische Mittel eingehen, die Strittmatter wählte, um das Verhältnis von Großvater und Enkel anschaulich darzustellen.
Leider ist die Sekundärliteratur zu Erwin Strittmatters Texten nicht sehr vielfältig. Daher werde ich in meinen Ausarbeitungen vor allem mit den Werken von Einhorn (1972) sowie Wedding (1984) arbeiten. Außerdem ziehe ich den Text selbst in der Ausgabe vom Kinderbuchverlag der DDR (1979) hinzu.
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2 Die Geschichte von „Tinko“
2.1 Inhaltsangabe
Tinko, so wird der Junge Martin Kraske genannt, der bei seinen Großeltern, dem Bauern August Kraske und dessen Frau Minna im Dorf Märzbach in der Niederlausitz lebt. Tinko wächst bei seinen Großeltern auf, weil seine Mutter in den letzten Kriegstagen getötet wurde und sein Vater in Russland in Kriegsgefangenschaft ist. Sein Leben findet hauptsächlich draußen auf dem Feld des Großvaters statt, denn dem muss er dabei behilflich sein, die Ernte einzufahren und die Felder zu bewirtschaften. Die Schule kommt daher häufig zu kurz und Tinko bleibt sitzen, was seinen Großvater jedoch nicht sonderlich stört, denn für ihn ist alles das, was mit Schule zu tun hat, nur „Scheuß“ (Strittmatter 1979, S.144). Der Großvater will den Jungen zu einem anständigen Bauern heranziehen. Tinkos Vater kehrt aus der Kriegsgefangenschaft zurück und wird anfangs nur als der Heimkehrer gesehen. Ihm gefällt die Art und Weise, mit der sein Junge vom alten Kraske in das landwirtschaftliche Leben eingespannt wird, nicht. Daraufhin beginnen die Konflikte im Hause Kraske. Der alte Kraske, der sich durch ein paar Tricks Land verschaffte und sich nun für den „Gott der Felder“ (Strittmatter 1979, S.97) hält, lehnt alles Neue ab, das sein Sohn auf dem Gut zu verändern versucht. Weder die neuen Möglichkeiten der landwirtschaftlichen Bewirtschaftung, die der Heimkehrer realisieren möchte, noch die Unterstützung und Förderung Tinkos bei seinen Schulbesuchen stoßen auf Verständnis beim Großvater. Tinko ist zwischen den beiden Männern hin und her gerissen und weiß nicht, für wen der beiden er sich entscheiden soll. Sein Großvater kümmert sich um ihn seit sein Vater im Krieg war, aber dessen Uneinsichtigkeit mit der er alles Neue bekämpft, macht Tinko das Leben immer schwerer. Der Junge entscheidet sich sogar den „Jungen Pionieren“ beizutreten, die sein Großvater als unsinnig abgetan hat, nur um sich gegen ihn aufzulehnen. In dieser Auseinandersetzung wendet sich Tinko immer häufiger seinem Vater zu, den er anfangs als den Heimkehrer ablehnt, der sich aber durch zahlreiche Annäherungsversuche Zugang zu Tinkos Herzen verschafft. Der Vater heiratet Frau Clary, eine Umsiedlerin aus Polen, die bis zur Rückkehr des Heimkehrers bei den Kraskes ausgeholfen hatte. Nachdem der Streit der zwei Männer an der Sturheit beider scheitert und der Großvater Tinko ohrfeigt, zieht dieser zu den Clarys. In Stefanie, der Tochter von Frau Clary, findet er eine gute Freundin. Die Großeltern leben weiter in der Wirtschaft. Der alte Kraske weigert sich auch noch an seinem Lebensende die Hilfe seines Sohnes und der Märzbacher Bevölkerung anzunehmen, die ihm die Ernte einfahren wollen, weil er körperlich dazu nicht mehr fähig ist. Als die Mähmaschinen auf seinen Feldern arbeiten., stirbt der Großvater. Das Alte wurde vom Neuen besiegt.
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2.2 Textart
Der 1954 erschienene Text von Erwin Strittmatter ist in einer Zeit politisch- gesellschaftlicher Umwälzungen veröffentlicht worden. „Tinko“ spielt zur Zeit der Bodenreform in der damaligen DDR. Das Alte wird durch das Neue abgelöst und das wird nicht nur an den politischen Veränderungen von damals deutlich, die der Text widerspiegelt, sondern auch an den Figuren von Großvater Kraske und dem Heimkehrer. Der Heimkehrer ist derjenige, der in der Wirtschaft Kraske für Umschwung sorgt indem er beispielsweise „Auf der Scheunentenne [...] die neuen Scheiben in die alten Fensterrahmen [setzt].“ (Strittmatter 1979, S.73). Er repräsentiert in der Geschichte das Neue wohingegen der alte Kraske an den alten Idealen festhaltend ist und als Vertreter für die alte Gesellschaftsordnung steht. Da die beiden Männer für ihre verschiedenen Wertesysteme leben, führen ihre unterschiedlichen Vorstellungen zu Ausei-nandersetzungen im Hause Kraske, welche ebenso Veränderungen und Entwicklungen bei Tinko in Gang setzen. Die Autorität des Großvaters, an die Tinko bisher glaubte, wird durch die Konflikte der beiden Männer in Frage gestellt und veranlasst den Jungen zum selbständigen Denken (Einhorn 1972, S.204). Diese Umgestaltungen von Altem hin zu Neuem sowie die dadurch bedingte Entwicklung Tinkos sind ein wesentliches Motiv im Text Strittmatters und charakterisieren den Text damit als einen Entwicklungsroman. Inwieweit „Tinko“ dem Genre des Kinder- und Jugendbuches zugeschrieben werden kann, wurde in der Literaturwissenschaft häufig diskutiert. Entscheidend bei der Betrachtung dieser Fragestellung ist hier die Tatsache, dass der Roman sowohl im Kinderbuchverlag der DDR als auch im Aufbauverlag, einem Verlag für Erwachsenenliteratur, erschienen ist. Vergleicht man „Tinko“ mit anderen Kinder- und Jugendbüchern so fällt auf, dass den Figuren hier keine heldenhaften Charakterzüge zugeordnet werden können (Wedding 1984, S.150). Sie treten als Menschen auf, die auf ihrem Lebensweg Fehler machen und sich irren, sie sind lebendig und besetzen deshalb nicht die Rolle eines Helden, der vermittelnde oder erzieherische Funktion übernimmt. Eine weitere Schwierigkeit den Text als Kinderbuch einzuordnen, besteht darin, dass es für Kinder kompliziert wäre, die Ursachen für die Konflikte des Großvaters vollständig zu verstehen, die selbst Tinko nicht ganz erfassen kann (Wedding 1984, S.150). Dennoch sind wahrscheinlich die Darstellung des Jungen Tinko, eine Jugendliche ansprechende Figur, und seine Erzählerfunktion ausschlaggebend dafür, dass der Roman auf großes Interesse bei Kindern und Jugendlichen stößt und deshalb als Kinder- und Jugendbuch eingeordnet werden kann.
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2.3 Erzählsituation
Strittmatter wählt in diesem Roman mehrere Erzählperspektiven. Zum einen lässt er einen kindlichen Erzähler durch die Augen Tinkos erzählen, der zugleich auch die Hauptfigur des Textes ist und demzufolge eine doppelte Funktion hat. Zum anderen ist an mehreren Textstellen erkennbar, dass ebenso ein allwissender Erzähler auf das Geschehen blickt. Tinkos Rolle als Ich- Erzähler besteht hauptsächlich darin, die Geschehnisse in Märzbach wiederzugeben und die Probleme zwischen seinem Großvater und seinem Vater an den Leser zu vermitteln. Diesem wird durch die Erzählperspektive Tinkos die Möglichkeit gegeben, sich mit der Hauptfigur zu identifizieren, weil sie durch ihre kindlichen und zum Teil naiven Beschreibungen eine Sicht auf die Geschehnisse für den Leser vorgibt und dieser nicht selbst entscheiden muss, welcher Sichtweise er sich anschließt. Nachteilig erweist sich bei der Doppelrolle von Ich- Erzähler und Hauptfigur die Tatsache, dass Tinko nur das an den Leser weitergibt, was er selber hört, sieht und erlebt und dadurch der Blickwinkel auf bestimmte Dinge begrenzt ist. Tinko ist hier nämlich „Objekt des Konflikts“ (Einhorn 1972, S.179) zwischen Vater und Großvater und kann folglich nicht alle Geschehnisse erfassen. Hier kommt der allwissende Erzähler ins Spiel, der durch die Augen eines Erwachsenen, wahrscheinlich Strittmatters selbst, zu sehen scheint. Er stößt nicht wie Tinko an Grenzen in seiner Erzählweise, sondern gibt Informationen an den Leser weiter, die aus der Ich- Perspektive Tinkos nicht erfassbar wären. So beschreibt Tinko beispielsweise die Elternversammlung, an der er selbst nicht teilgenommen hat, weil er für „zwei Tage tot [war]“ (Strittmatter 1979, S.188) und im Bett lag, sehr detailliert, fast so als wäre er dort gewesen. Hieran wird deutlich, dass ein anderer Erzähler als der Ich- Erzähler mitwissend ist. Verglichen mit Tinkos kindlicher Sicht auf die Dinge, die sich in Märzbach abspielen, nimmt der allwissende Erzähler Unterscheidungen der Figuren des Großvaters und Vaters in negative und positive Personen vor, was Tinko nicht tut, denn er ist nicht bewertend in seinen Ausführungen. Auch wird an einigen sprachlichen Äußerungen deutlich, dass nicht nur Tinko Erzähler sein kann, sondern ein erwachsener Erzähler Geschehnisse wiedergibt (Einhorn 1972, S.184). Betrachtet man die zeitliche Struktur des Textes, so wird ersichtlich, dass der Text chronologisch aufgebaut ist. Obwohl keine Jahreszahlen für die erzählte Zeit genannt werden, kann man anhand des Inhaltes relativ gut eine Einordnung vornehmen. Die Jahreszeiten und die damit verbundenen Tätigkeiten auf dem Feld von Bauer Kraske erweisen sich dabei als sehr hilfreich. Der Roman beginnt im Oktober, als Tinko das Kalenderblatt abreißt und auf diesem „[e]ine fette schwarze Zehn [...] sichtbar [wird]. Über der Zehn steht ‚Oktober’.“ (Strittmatter 1979, S.3). Tinkos Geschichte endet in einem Sommer, nachdem er mit seinem
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Arbeit zitieren:
Janina Böttcher, 2005, Die Beziehung der männlichen Hauptfiguren im Werk Erwin Strittmatters am Beispiel von 'Tinko', München, GRIN Verlag GmbH
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