Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung. 3
2. Exklusion - Ausgrenzung in der Stadt. 5
2.1 Ursachen. 5
2.2 Differenzierung von Exklusion und New Urban Underclass 9
2.3 Formen und Folgen der Ausgrenzung. 11
3. Benachteiligende Wirkung von Quartieren 13
3.1 Standpunkte Farwick. 13
3.1.1 Untersuchte Fragestellung 13
3.1.2 Argumentation 14
3.1.3 Zusammenfassung 17
3.2 Standpunkte Kronauer 17
3.2.1 Untersuchte Fragestellung 17
3.2.2 Argumentation 18
3.2.3 Zusammenfassung 22
3.3 Vergleich und Bewertung der Standpunkte. 22
4. Fazit. 27
Abbildungsverzeichnis. 29
Quellenverzeichnis 30
a) Monographien. 30
b) Aufsätze in Sammelbänden 30
c) Internetquellen 31
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1. Einleitung
Armut und Arbeitslosigkeit nehmen in Deutschland seit Mitte der 1970er Jahre, bei einer gleichzeitig wachsenden Gesamtwirtschaft, stetig zu. Zusätzlich wächst die Zahl der Langzeitarbeitslosen, also die Zahl an Arbeitslosen, die langfristig keinen Zugang zum Arbeitsmarkt finden und in finanziell angespannter Lage sind. Diese Entwicklung führt zu einer verstärkten räumlichen Polarisierung und Segregation innerhalb der Städte sowie zu einer Entmischung verschiedener Bevölkerungsgruppen. Nach Keller (1999: 40ff) lassen sich aktuell vier Segregationstendenzen ausmachen:
1. Gentrifizierung, die Aufwertung eines innerstädtischen Quartiers durch den Zuzug finanzstarker Bewohner, die mit der Verdrängung der angestammten,
finanzschwächeren Bewohner aufgrund steigender Mietpreise einhergeht. 2. Die Segregation von marginalisierten Gruppen ist für den Inhalt dieser Arbeit die bedeutendste Segregationsform. Während Bewohner mit ausreichend finanziellen Mitteln die Möglichkeit haben den Wohnort zu wechseln und in ein bessergestelltes Quartier zu ziehen, bleibt Bewohnern mit beschränkten finanziellen Mitteln diese Möglichkeit verwehrt. Die leerstehenden Wohnungen bleiben entweder unbewohnt oder werden von Menschen in ähnlicher finanzieller Lage bezogen, die sich den Wohnraum in anderen Quartieren nicht leisten können.
3. Suburbanisierung, die Abwanderung, insbesondere der Mittelschicht, in das Umland führt zu einer Konzentration der zurückgebliebenen, ärmeren Bewohner in den innerstädtischen Quartieren. Diese Segregationsform ist eng mit der Segregation von marginalisierten Gruppen verknüpft.
4. Die letzte Segregationsform ist die räumliche Konzentration der Oberschicht in Villenvierteln.
Die Folgen der beschriebenen räumlichen Segregationstendenzen sind eine Konzentration von durch Armut benachteiligten Menschen in einzelnen Quartieren. Daraus resultiert die zu untersuchenden Fragestellung: Geht von Quartieren mit einem hohen Anteil an benachteiligten Bewohnern eine zusätzliche benachteiligende Wirkung
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auf die Bewohner aus? Die zu überprüfende These ist, dass die Stigmatisierung von Quartieren neben der von Armut ausgehenden gesellschaftlichen Ausgrenzung (Exklusion) zu einer weiteren Benachteiligung der Bewohner führt.
Um die These zu überprüfen, werden zunächst die Ursachen für die wachsende Armut und Arbeitslosigkeit dargelegt. Danach erfolgt eine Annäherung an den Begriff der Exklusion. Was bedeutet Exklusion? Welche Formen der Ausgrenzung gibt es und was sind die Folgen? Im dritten Kapitel wird die benachteiligende Wirkung von Quartieren untersucht. Grundlage bilden die Ausführungen von Kronauer (2004: 235ff.) und Farwick (2001), deren Standpunkte verglichen und bewertet werden. Anhand dieser Ergebnisse wird abschließend die benachteiligende Wirkung von Quartieren auf die Bewohner geprüft.
Als Literatur und Datengrundlage werden neben den den Arbeiten von Farwick und Kronauer weiter wissenschaftliche Schriften sowie Daten des Arbeitsamtes und des Statistischen Bundesamtes verwendet. Die verwendeten statistischen Daten befindet sich im Anhang.
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2. Exklusion - Ausgrenzung in der Stadt
2.1 Ursachen
Um die Ausgrenzung von Menschen - auch als Exklusion bezeichnet - zu definieren, sind zunächst die Ursachen zu benennen. Trotz wirtschaftlichem Wachstum steigt die Arbeitslosigkeit, wie in Abbildung 1 zu sehen, seit 1970 weiter an. Durch den zunehmenden Wettkampf auf dem globalen Wirtschaftsmarkt beginnen die Betriebe die Arbeitseffizienz zu steigern und die Produktionskosten zu senken. Der Wegfall von Arbeitsplätzen, die Verlagerung von Produktionsstätten in kostengünstige Regionen oder ins Ausland und die Kürzung der Bezüge, betreffen insbesondere das produzierende Gewerbe. Im Gegenzug wächst der Dienstleistungssektor weiter. Es entsteht ein Missverhältnis der Qualifikationen von Entlassen des sekundären Sektors gegenüber den Qualifikationsanforderungen des tertiären Sektors (vgl. Friedrichs 1995: 58).
1 ' 2 Abb. 1: Durchschnittliche Arbeitlosigkeit in % 1965-2004
1 "[...] Bezieht sich bis einschließlich 1990 auf das Gebiet der ehemaligen Bundesrepublik Deutschland vor der Wiedervereinigung.
[...] Arbeitslose sind Arbeitsuchende bis zur Vollendung des 65. Lebensjahres, die nicht oder weniger als 15 Stunden wöchentlich in
einem Beschäftigungsverhältnis stehen. [...] Als arbeitslose Ausländer gelten nichtdeutsche Arbeitsuchende (Ausländer, Staatenlose
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Im Detail lassen sich nach Häusserman, Kronauer und Siebel (2004: 11ff.) fünf Ursachen für die wachsende Armut und Ausgrenzung aufführen. Der bereits erwähnte Strukturwandel von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft hat zu einem Wegfall von Arbeitsplätzen in Industriebetrieben (siehe Abbildung 2) und zu gestiegenen Qualifikationsanforderungen für Dienstleistungsberufe geführt. Die entlassenen Arbeiter finden zumeist keine neuen Anstellungen und bleiben längerfristig arbeitslos (siehe Abbildung 3).
Abb. 2: Erwerbstätige nach Wirtschaftssektoren 1965-2004
Verschärft wird diese Entwicklung durch die Auswirkungen der Globalisierung. Die industriellen Fertigungen werden in von den Produktionskosten günstige Länder verlagert, während sich Arbeitsplätze für Hochqualifizierte in den Wirtschaftszentren der Welt (global cities) bündeln. Für die zurückbleibende Bevölkerung führt der Weg so
und Personen mit ungeklärter Staatsangehörigkeit), die eine Arbeitnehmertätigkeit in der Bundesrepublik Deutschland ausüben
dürfen. Heimatlose Ausländer werden statistisch wie Deutsche behandelt" (Bundesagentur für Arbeit 2007a: 2).
2 Durch die Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfedaten im August 2005, sind die folgenden Jahre nicht mehr
vergleichbar. Statt 2005 dient daher die durchschnittliche Arbeitlosenzahl des Jahres 2004 als Vergleich (vgl. Bundesagentur für
Arbeit 2007b: Datenblatt 1).
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weiterhin in die Arbeitslosigkeit. Auch wenn durch die wachsende finanzstarke Bevölkerung in den Wirtschaftszentren neue Arbeitsplätze zur Befriedigung deren Ansprüchen entstehen, sind diese zumeist gering bezahlt und ermöglichen keine finanzielle Absicherung der Familien (siehe Abbildung 4).
3 ' 4 1992-2004 Abb. 3: Anteil der Langzeitarbeitslosen
Eine weitere Ursache, die zu wachsender Armut und Ausgrenzung führt, ist der Abbau von sozialstaatlichen Leistungen. Im globalen Wettkampf werden die Sozialabgaben in den Lohnkosten und die Steuern gesenkt, um die Attraktivität des Lohnniveaus am globalen Markt zu steigern. Die Folge kann eine erschwerte Finanzierung der bisherigen Sozialleistungen sein. Selbst wenn in einzelnen Fällen die Sozialleistungen erhöht werden, erfolgt dies zumeist nicht in einem erforderlichen Maß.
3 Dauer der Arbeitslosigkeit, 1 Jahr oder länger (vgl. Statistisches Bundesamt 2007a).
4 Für das Jahr 1994 liegen keine Daten über die Entwicklung der Langzeitarbeitslosenzahlen vor (vgl. ebd.).
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5 ' 6 Abb. 4: Schichtung der Bevölkerung nach relativen Einkommenspositionen
Als weitere Ursache ist der Wandel der informellen Systeme anzuführen. "Größerer Wohlstand, verlängerte Ausbildungszeiten, die Liberalisierung rechtlicher Regeln und insbesondere die veränderte Rolle der Frau bedingen einen Wandel der Familien- und der Haushaltsstruktur, in dessen Folge die informellen sozialen Netze der Verwandtschaft kleiner und brüchiger werden" (Häussermann/Kronauer/Siebel 2004: 12). Die auffangende Wirkung und Unterstützung sozialer Netze verringert sich dementsprechend und führt zu einem steigenden Risiko der Ausgrenzung.
Die letzte Ursache, die den Schwerpunkt dieser Arbeit bildet, ist die ausgrenzende Wirkung der Städte. Die in Abbildung 4 dargestellten wachsenden
5 "Die Einkommensschichtung beruht auf der Generierung von Einkommensklassen in Relation zum jeweiligen Mittelwert. Die
unterste Einkommensschicht mit weniger als der Hälfte der mittleren bedarfsgewichteten Einkommen in der Bevölkerung lebt in
relativer Einkommensarmut, die höchsten Einkommensklassen indizieren den Bevölkerungsanteil mit materiellem Wohlstand."
(Statistisches Bundesamt 2006: 610).
6 Entsprechend dem vom Statistischen Amt der EU (Eurostat) empfohlenen Schwellenwerten liegt die Armutsgrenze bei 60% des
mittleren Haushaltseinkommens der gesamten Bevölkerung (vgl. Statisches Bundesamt 2006: 611).
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Arbeit zitieren:
Felix Kühnel, 2007, Benachteiligen benachteiligte Quartiere ihre Bewohner?, München, GRIN Verlag GmbH
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