Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Monika Marons Leben und Werk 4
3. Pawels Briefe- Eine Familiengeschichte. 6
3.1. Inhalt. 6
3.2. Literaturwissenschaftliche Aspekte. 7
4. Die Generationen und ihre Schicksale 10
4.1. Die polnisch- jüdischen Großeltern. 10
4.2. Die kommunistische Hella 15
4.3. Das „antifaschistische Kriegskind“ Monika 19
5. Zusammenfassung. 21
6. Literaturverzeichnis. 22
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1. Einleitung
Im Jahre 1999 veröffentlichte Monika Maron ihre Familiengeschichte Pawels Briefe, welche bis dato der einzige nicht fiktionale Text ihres Gesamtwerkes war. Die Arbeit an diesem Text stellte sich jedoch im Vergleich zu ihren anderen Werken als weitaus schwieriger dar. So sagt sie, „[k]ein Buch [...] hat mich so angestrengt wie ‚Pawels Briefe’“ (Maron, 2005: 9). Nicht nur „[d]er genaue Umgang mit dem authentischen Material“, sondern auch der „Verzicht auf Erfindung und die Nüchternheit der Sprache“ (Maron, 2005: 9), zu denen sich die Autorin in ihrer eigenen Familiengeschichte verpflichtet fühlte, erschwerten ihr Schaffen. Monika Maron ist mit Pawels Briefe ein Werk gelungen, das die persönliche Geschichte der Autorin und ihrer Familie mit der politisch- gesellschaftlichen Geschichte des damaligen Deutschlands verknüpft. Sie rekonstruiert anhand von Fotos sowie Briefen des Großvaters Pawel an seine drei Kinder die Biografie der Familie Iglarz und erzählt unter welchen Umständen die drei Generationen zu Zeiten des Nationalsozialismus, des Zweiten Weltkriegs, der Gründung der DDR und des Baus und Falls der Mauer zu leben hatten.
In der vorliegenden Arbeit möchte ich mich deshalb genauer mit dieser Familiengeschichte befassen und herausfinden, wie die Autorin die drei Generationen und deren Schicksale dargestellt hat. Zuerst werde ich mich dabei auf Monika Maron und ihr Werk konzentrieren. Anschließend möchte ich mich mit dem Text Pawels Briefe genauer beschäftigen und neben einer inhaltlichen Zusammenfassung auch literaturwissenschaftliche Aspekte wie die Entstehungsgeschichte, die Struktur und das Genre betrachten. Mein Hauptteil bildet die Aus-einandersetzung mit den drei Generationen der Familie Iglarz und deren individuellen Schicksalen und Erlebnissen. Die Großeltern, Monikas Mutter Hella sowie die Autorin selbst, die sich in einem ihrer Essays als „antifaschistisches Kriegskind“ beschreibt, sollen hier im Mittelpunkt stehen.
In meiner Arbeit zu diesem Thema habe ich mich überwiegend mit verschiedenen Werken der Autorin sowie mit den Werken Elke Gilsons (2002) und Antje Doßmanns (2003) befasst. Weitere Anregungen habe ich aus Rezensionen und Literaturkritiken aus dem Internet entnommen.
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2. Monika Marons Leben und Werk
Als die Autorin Monika Maron im Jahre 2003 für ihren Verdienst um die deutsche Sprache mit der Carl- Zuckmayer- Medaille geehrt wurde, beschrieb Kurt Beck sie als eine Frau, die „in ihrem [...] Lebens- und Schaffensweg wechselvolle Jahre deutscher Geschichte [verkörpert]“ (Beck, 2004: 8). Diese Aussage kann nur bekräftigt werden, wenn man sich die Biografie Monika Marons ansieht.
Monika Maron wurde am 3. Juni 1941 in Berlin geboren. Ihre Mutter, Helene Iglarz, entstammte einer polnisch jüdischen Familie und war mit einem kommunistischen Frontsoldaten, Monikas Vater, liiert. Die damals existierenden Rassengesetze verboten jedoch eine Heirat der beiden Elternteile. Hella, wie Marons Mutter auch genannt wurde, wuchs mit ihren drei Geschwistern in Berlin Neukölln auf und heiratete nach dem Zweiten Weltkrieg Karl Maron. Die kommunistische Haltung des Stiefvaters und seine spätere Funktion als Innenminister der DDR (1955-1963) waren unter anderem der Anlass für den Umzug von Hella und Tochter Monika nach Ost- Berlin. Mit dem Umzug in den Ostteil erhielt Monika die deutsche Staatsbürgerschaft; wie ihre Mutter war sie bis zu diesem Zeitpunkt Polin gewesen. In Ost-Berlin war Monika in der FDJ aktiv, machte ihr Abitur und arbeitete nach dem Schulabschluss als Fräserin. Es folgten zwei Jahre beim Fernsehen, bei dem sie als Regieassistentin tätig war, und von 1962 bis 1966 das erfolgreiche Studium der Kunstgeschichte und Theaterwissenschaft. In den gleichen Zeitraum fiel auch Marons Zeit als wissenschaftliche Aspirantin an der Berliner Schauspielschule. Im Anschluss an diese Zeit entschied sich Monika Maron für den Beruf der Journalistin. Sie arbeitete von 1971-1976 für die damals beliebte Frauenzeitschrift „Für Dich“, wechselte jedoch später zur „Wochenpost“ über. Seit 1976 ist sie freiberufliche Schriftstellerin und hatte 1981 im Westteil Deutschlands mit ihrem ersten Roman ihren ersten Erfolg. Die Autorin verlegte den inhaltlich kritischen Umweltreport Flugasche beim Fischer Verlag in Frankfurt am Main. Im Jahr 1982 folgten vier Erzählungen und ein Theaterstück zusammengefasst im Band Das Mißverständnis sowie Ada und Evald, ein weiteres Theaterstück, 1983. Ihr zweiter Roman Die Überläuferin erschien 1986 und knüpfte an den Erfolg ihrer ersten Veröffentlichung an. Marons Briefwechsel mit Joseph von Westphalen erschien 1987 bis 1988 im „Zeit Magazin“ und wurde schließlich als Buch unter dem Titel Trotzdem herzliche Grüße publiziert. Im Juni des gleichen Jahres erhielt sie ein Visum für drei Jahre, welches sie nach Hamburg führte. Dort lebte die Autorin bis 1992. Nach dem Fall der Berliner Mauer und dem Ende des DDR- Regimes schrieb Maron drei weitere Romane: Stille Zeile Sechs (1990), Animal Triste (1996) und Endmoränen (2002). Außerdem verfasste sie Nach Maßgabe meiner Begreifungskraft (1993) und Quer über die Gleise (2000), beides
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Sammlungen von Artikeln und Essays, die Erzählung Herr Aurich (2001) und die Familiengeschichte Pawels Briefe (1999), der einzige nicht fiktionale Text ihres Werks. Seit 1999 ist die Autorin neben dem Schreiben auch mit dem Lehren beschäftigt- sie hält Poetik- Vorlesungen an der Universität Zürich und an der Goethe- Universität in Frankfurt am Main. Abgesehen von der Carl- Zuckmayer- Medaille wurde Monika Maron mit einer Vielzahl weiterer Preise und Ehrungen ausgezeichnet. Dazu zählen unter anderem der Brüder-Grimm-Preis sowie der Buchpreis des Deutschen Verbandes evangelischer Büchereien. Zur Zeit lebt sie mit ihrem vierten Mann in Hamburg (Maron, 2005: 6-7; Wegener, 1993: 141-144). Die Biografie Monika Marons zeigt deutlich, dass ihr Leben und das ihrer Familie durch entscheidende politisch- gesellschaftliche Veränderungen in Deutschland geprägt waren. Die Autorin erlebte die letzten Kriegsjahre des Zweiten Weltkriegs als Kleinkind, erfuhr von den Nationalsozialisten, die ihr die Großeltern nahmen, erlebte die Gründung der DDR, den Mauerbau und -fall und schließlich das Entstehen der Bundesrepublik Deutschland. Im Hinblick auf all diese geschichtlichen Entwicklungen begann die Autorin die eigene Familien-geschichte zu hinterfragen. Ihre Fragen veranlassten sie dazu, sich mit der Geschichte der Großeltern, die den Beginn für ihre eigene Biografie darstellt, auseinanderzusetzen. Ihre Er-gebnisse und Vermutungen schrieb sie in Pawels Briefe nieder (Brunhöber, 2006: 1).
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3. Pawels Briefe- Eine Familiengeschichte
3.1. Inhalt
Pawels Briefe ist die Geschichte von Pawel Iglarz und seiner Frau Josefa. Pawel entstammt einer jüdischen Familie und trifft seine spätere Frau Josefa, eine Katholikin, in der damaligen Gemeinde der beiden Familien. Die Eltern Josefas und Pawels sehen die Verbindung ihrer Kinder jedoch nicht gern, was die beiden dazu veranlasst, sich von ihren Familien zu lösen und zum Baptistentum zu konvertieren. 1905 siedeln Josefa und Pawel Iglarz nach Berlin um, weil sie sich dort bessere Lebensbedingungen erhoffen als in ihrer Heimat Lodz „wo Josefa als Dienstmädchen und Weberin arbeitete und Pawel sich als Schneider durchschlug [...]“ (PB 31). Die beiden verbanden mit Berlin Überlebensträume und versprachen sich Arbeit in der Millionenstadt. Für kurze Zeit findet Pawel eine Anstellung als Schneider bei Peek und Cloppenburg, doch der Erste Weltkrieg und die Wirtschaftskrisen zur Zeit der Weimarer Republik verhindern, dass Pawel und Josefa mit ihren vier Kindern in einer gesicherten Existenz leben können. Die Familie lebt im Berliner Arbeiterviertel Neukölln und trotz ärmlichen Verhältnissen vermittelt Pawel seinen Kindern ein positives Lebensgefühl. So empfand seine Tochter Hella, dass trotz der herrschenden Armut „alles so viel Spaß gemacht hat“ (PB 35). Pawel tritt der kommunistischen Partei bei. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 ändert sich jedoch das Familienleben. Pawel wird wegen seiner polnisch- jüdischen Abstammung nach Polen ausgewiesen und seine Frau Josefa vor die Wahl gestellt, sich von ihm scheiden zu lassen oder mit ihm zu gehen. Josefa entscheidet sich ihm zu folgen, obwohl sie entsprechend der damaligen Rassengesetze „arischer“ Herkunft war. Die mittlerweile (halbwegs) erwachsenen Kinder bleiben in Berlin zurück. Polen verweigert für gewisse Zeit die Aufnahme der Juden und so kampieren die beiden zusammen mit anderen Juden in Eisenbahnwaggons im Grenzgebiet. Am 18. Juli 1939 kommen Josefa und Pawel mit wenig Hab und Gut in Kurow, ihrem Heimatort, an. Der Aufbau eines Lebens in Kurow scheitert jedoch als Pawel 1942 in das Ghetto Belchatow beordert wird, weil ihn ein Nachbar als Jude denunziert hat. Er muss seine schwerkranke Frau zurücklassen und hält Kontakt zu seinen Kindern, indem er ihnen aus dem Ghetto Briefe schreibt. Er beschreibt die erbärmlichen und menschenunwürdigen Zustände im Ghetto, schildert seine Sehnsucht nach seiner Familie und schätzt seine Lage als hoffnungslos ein. Fast verzweifelt schreibt er an seine Kinder in Berlin „[e]s muß doch ein zu ungeheuerliches Verbrechen sein, Jüdischer Abstammung zu sein, aber glaubt es mir, liebe Kinder, ich hab es nicht verschuldet“ (PB 98). Im gleichen Jahr als Pawel ins Ghetto eingewiesen wird, stirbt seine Frau Josefa ohne ihn vorher noch einmal gesehen zu haben. Auch Pawel selbst fällt 1942 den Nationalsozialisten zum Opfer, ob er jedoch im Ghetto Belchatow
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Arbeit zitieren:
Janina Böttcher, 2006, Monika Marons rekonstruierte Familiengeschichte 'Pawels Briefe', München, GRIN Verlag GmbH
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